43.1.74. Heidelberg, Universitätsbibliothek, Cod. Trübner 147
Begonnen von Regina Cermann, fortgeführt von Isabel von Bredow-Klaus
Ergänzung zum gedruckten KdiH
Datum der Veröffentlichung: 6.10.2026
3. Viertel 15. Jahrhundert.
Niederrhein, Köln (?).
Auftraggeber und frühere Besitzer sind unbekannt. Im vorderen Innenspiegel Exlibris von Nicolaus Trübner (1817−1884), in Heidelberg geborener Buchhändler in London, dessen Bibliothek 1885 als Schenkung durch seine Witwe nach Heidelberg kam (vgl. ADB 38 [1894] S. 674−677;
| 1v |
Miniatur: Verkündigung |
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| 2r−55r |
Kleines Marienoffizium Ü: Die vij lange getzijde von vnser lieuer vrouwen (entspricht Cod. Trübner 148 Nr. 43.1.75., 22r−51v) |
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| 55r−70r |
›Goldene Tagzeiten Mariens‹ Ü: vij kurtze getzijde van maria ... A: Maria junffrouwe vntfanck die gruyssze die du van den heren ouermitz den engel Gabriel gesant is ... (Empfängnis Mariens, Geburt Mariens, Verkündigung, Geburt Christi, Darbringung im Tempel, Himmelfahrt Mariens, Krönung Mariens) (vgl. Nr. 43.1.26., 227v−246v; Nr. 43.1.39., 2v−18r, Nr. 43.1.48., 110v–117v) |
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| 56r |
Miniatur: Geburt Christi |
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| 70r−71r |
Zwei Gebete zu Christus A: Wie is alsoe bequeme vur vns alwege zo sprechen als die werde iunffrouwe maria zo ihesum die vuder den schemen dyns soenes soisslichen rieffes ... A: O Soisse ihesu criste die dae bist eyn soisser ... |
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| 71r–72v |
Gebet von den Blutstürzungen Christi A: O here du haist mit dynre hilliger bloitsturtzunge intbunden die bende mynre sunden ... (auch in Nr. 43.1.90b., 112v–114r* und Nr. 43.1.176., 85v−86v) |
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| 72v–74r |
Mariengebet A: O Maria hilge Junffer ind moder cristi Ich gebenediden dich ind eren dyn Junfferlicheit ... |
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| 74r−74v |
Tagzeiten vom Mitleiden Mariens, wohl in Anlehnung an den Hymnus ›Matutino tempore‹ Ü: Die vij cleyn getzijde. Abbruch. Von anderer Hand was hie mangelt ist im anderen boich verfast |
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| 75v |
Miniatur: Jüngstes Gericht |
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| 76r−126r |
Totenoffizium ( |
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| 126r−133r |
15 Pater noster und Ave Maria für das Seelenheil der Mutter - eingeleitet von drei Bittgebeten- jedoch nur sieben Mementogebete an die Ängste Christi während seiner Passion (Ölberg, Gefangennahme, Pilatus, Dornenkrönung, Kreuztragung, Kreuzigung, Tod) A: O mynnencliche werde soisse here ihu xpe ich bidden dich ind manen dich der deiffer oitmodicheit die du nemes in der hilger dryueldicheit in dir seluer ... 127r O Soisse here ihu xpe ich bitten dich dattu aenseis die mynnencliche wandelýnge ... 128r O soisse here ihu xpe ich manen dich ind bidden dich vmb dýn groisse mynne ind eýnicheit die du aen dem cruce hattes ... 128v A: Here ich manen dich des groissen anxtes ind der bitterlicher noit die du ledes in dem berge olýueten ... (auch in Nr. 43.1.26., 167v–178r) und 43.1.88., 154r−157v)
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| 133r−138v |
Zyklus von Gebeten für Verstorbene, gen. dat gulden gebet Ü: Dit is dat gulde gebet vur alle geluuige sielen... als man dit gebet mit grosser ýnnicheit xxxiiij dage lanck vp die kneen. A: O Intfortende ind verschrecklicher got den die engele entforten ... (auch in Nr. 43.1.88., 219v−227v)
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| 139r−151r |
Sog. zehn Psalmen, die Christus am Kreuz sprach, bei einem Sterbenden oder Toten zu beten Ü: her na volgent die vnder halff hundert verse die heischen die x psalmen die cristus sprach an deme cruce... (Deus deus meus respice in me, Dominus regit me, Deum est terra, Ad te domine leuavi, Judica me deus, Ad te domine clamaui, Afferte domino, Exaltabo te deus, Domine in te. Ein Psalm fehlt) |
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| 151v−158v |
Gebete vor, während und nach Empfang der Kommunion A: Here ihesu criste koninck der engele scharin ind gebrechlich sundersche vorten zoe gam an die taiffel dynre alre liefster wirtschaff ..., 154v Agnus Dei, deutsch A: Lamp gotz die drages ..., A: Almechtige ind barmhertzige got sich ich gham zo deme sacramente ..., 156v A: Here ich en byn neit wirdich dattu du komes vnder myme dache ..., A: Die nutzunge des vleischs ind bloides vnses heren ihesu cristi sij eyn troist ind heyle ..., 157r A: O alre liefste ihesudijn alre hilichste licham ind bloit sij eyn smaich ..., A: O here nu bistu komen in die krancke herberge mijnre sielen ..., 157v A: O myn got ind myn here ich dancken dir van grunde ... |
Pergament, XIV + 158 + IV Blätter (Vor- und Nachsatzblätter aus Papier), 115 × 84 mm (beschnitten), Schriftspiegel 80 × 50 mm, Bastarda, eine Hand, einspaltig, 16 Zeilen, Rubriken, rote Strichelung, ein- bis zweizeilige rote und blaue Lombarden. Sechs vierzeilige (27r, 32r, 35r, 42r, 133v, 151v), acht dreizeilige (38v, 49v, 54v, 59r, 63r, 74r, 126r, 139v), vier zweizeilige (15r, 64v, 66v, 68v) Blattgoldinitialen, wechselweise innen blaues, außen rotes Fleuronné bzw. umgekehrt. Eine achtzeilige littera duplex (76r), eine zwei- (55v), zwei dreiseitige Akanthusbordüren mit Goldpunkten (2r, 76r), in Feder ausgeführt.
niederrheinisch (
Drei Miniaturen (1v, 56r, 75v), zwei dreiseitige (2r und 55v) und eine zweiseitige Akanthusrankenbordüre (76r) in Blau, Rot und Grün mit Goldpunkten, zwei fünfzeilige Deckfarbeninitialen (2r, 55v). Dem Meister des Liber Precum St. Petersburg, Ms.lat.O.v.I.206 zugeschrieben (
Ganzseitige Miniaturen, 86−90 × 54−58 mm, die als Einzelblätter nachträglich hinzugebunden worden sind (Rückseite jeweils blank). Den Miniaturen gegenüberliegend sind die Textanfänge durch Initialen und Bordüren ausgezeichnet, während die Miniaturen sehr schlicht mit goldenen, roten und schwarzen Leisten gerahmt werden, wobei ein schmaler Pergamentstreifen im Innersten weiß bleibt. Diese sind identisch mit denen des Liber Precum in St. Petersburg, Ms. Lat.O.v.I.206.
Alle drei Miniaturen gehen zurück auf Vorlagen aus dem Liber Precum und werden von
Einige Elemente der Verkündigungs-Darstellung sind direkt aus den Lochner-Gebetbüchern Darmstadt Nr. 43.1.43. fol. 22v und Berlin 78 B 1a fol. 38v übernommen und finden sich nicht nur in Heidelberg, sondern auch im Liber Precum. So zum Beispiel der rot und grün karierte Fliesenboden, das hölzerne Tonnengewölbe, das Betpult und die grünen Flügel sowie das Gewand des Erzengels Gabriel. Die Komposition jedoch wird verändert, wodurch sich auch der Charakter der Miniatur verschiebt. Maria schrickt hier auf und hebt beide Hände; vermutlich hat sie gerade das Buch fallen gelassen. Diese Variante wurde oftmals nachgestochen (vgl.
Auch die Darstellung der Geburt Christi übernimmt einige Elemente des Liber Precum und vor allem eines Messlektionars aus Krakau, Hs. Czart. 3017 IV, fol. 1r. Die abgebrochene Ziegelmauer, über der ein Engel heranschwebt und hinter der eine Szenerie mit Schäfer und Schafen zu sehen ist, finden sich dort identisch. Die Heilige Familie ist seitenverkehrt wiedergegeben, wobei sich nur Josef eng an die Miniatur in Krakau anlehnt und sich von Maria lediglich der blaue am Boden liegende Mantel wiederfindet. Das Jesuskind ist auf beiden Darstellungen identisch gemalt, liegt in Heidelberg jedoch auf einem am Boden ausgebreiteten Tuch und in Krakau wird es gerade von Maria in einen eckigen Futtertrog gelegt. Da verschiedene Elemente des Krakauer Meisters vom Meister des Liber Precum in unterschiedlicher Weise verwendet wurden, gehen Logutova/Marrow (2003, S. 116) davon aus, dass ihm eine Vorlage des Krakauer Meisters vorgelegen haben muss oder er sogar bei ihm gelernt haben könnte (Logutova/Marrow [2003] S. 140).
Die Miniatur des Jüngsten Gerichts stellt eine seitenverkehrte Abwandlung des Kupferstiches des Meisters mit den Blumenrahmen (
Der zeichnerische Miniaturenstil ist dem des Liber Precum, soweit sich das trotz des schlechten Erhaltungszustands sagen lässt, mit den großfigurigen Darstellungen und den linearen oder dreieckigen Kompositionen sehr nahe. Auch die starken Farbkontraste finden sich in diesem Gebetbuch wieder, vor allem in der Miniatur der Verkündigung (1v). Die Akanthusbordüren jedoch haben sich gewandelt und entsprechen denen des Gebetbuches in Edinburgh Nr. 43.1.54b., worin sich neben den motivischen Übereinstimmungen die Verwandtschaft der beiden Gebetbücher zeigt. Für
Verkündigung und Jüngstes Gericht sind Standardlösungen für die Illustrierung von Marien- und Totenoffizium. Die Geburt Christi dagegen scheint willkürlich gewählt zu sein. In anderen Gebetbüchern mit den Goldenen Tagzeiten Mariens und werden diese von stärker mariologischen Themen, einer Strahlenkranzmadonna (Nr. 43.1.39.) oder der Geburt Mariens (Nr. 43.1.26.), illustriert.
Zum Teil so stark abgerieben, dass die Vorzeichnung hervortritt, gelegentlich aber auch durchlässig aufgetragen. Zarte Farbgebung: Blau, zartes Violett, dunkles Rot, helles Grün, Braun, Ocker, Gelb, Grau, Rosa, Rot, Hellblau, Weiß, Blattgold.
Abb. 64: 55v–56r. Textseite mit Buchmalerinitiale, Akanthusbordüre. Geburt Christi.