KdiH

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43.1.65a. Goslar, St. Jakobus d. Ä., Gemeindezentrum, o. Sign.

Begonnen von Regina Cermann, fortgeführt von Isabel von Bredow-Klaus

Ergänzung zum gedruckten KdiH

Datum der Veröffentlichung: 01.08.2015

Datierung:

1527 (1v).

Lokalisierung:

Bamberg (1v).

Besitzgeschichte:

Auf 5r und 137v Allianzwappen links: grüner Schild mit silbernem Balken, rechts: geteilter Schild, oben Silber, unten Schwarz, letzterer erneut 105r mit Helmzier (zwei Hörner, oben Silber, unten Schwarz) bei weiblicher Stifterin: Frau von Gailingen, Herr von Vestenberg (Franken). Die von Vestenberg waren Lehenträger des Klosters Michelsberg und des Hochstifts Bamberg, auch Amtmänner dort.
Der Katholischen Pfarrbibliothek zu Goslar. Geschenkt von Dem. constantia Cronen. (vorderer Innenspiegel). Spätestens 1827 (Eintrag im Inventar der Jacobigemeinde), frühestens 1803 (1528 reformiert, im Zuge der Säkularisation Auflösung der Goslaer Klöster, St. Jacobi wurde als Ausgleich den Katholiken zugesprochen und erhielt Ausstattungsstücke aus den aufgelösten Klöstern).

Gebetbuch einer Frau von Vestenberg, geb. von Gailingen

Inhalt:
1r Prolog Zum Leser des püchlein Das püchlein hab in guter acht. Ist geschrieben und zum ersten erdacht nach christi gepurt das ist war fünffzehenhundert und xxvii Jar. Für Bamberg in der löblichen stat…
1v−4r Inhaltsverzeichnis
4v Messgebet, bricht ab nach: den hymel vnd er [den nit] ...
4v

Historisierte Initiale: Christkind mit geschultertem Kreuz über einem Kelch

Ranke: Aus Blütenköpfen vier Engel mit den Leidenswerkzeugen Christi

5r−17v Paternoster, dt., mit nachfolgender Auslegung
5r Historisierte Initiale: Jüngstes Gericht. Allianzwappen (s.o.) Architekturrahmen, goldfarbener Grund der flämischen Blumenbordüre
5v Historisierte Initiale: Blütenkelch, aus dem ein Männchen wächst mit Kreuz im Arm und einem Werkzeug in der Hand
18v−31v Ave Maria mit nachfolgender Auslegung
18v Ranke: Verkündigung, in verschiedenen Blütenkelchen sitzen Gottvater Das ist mein geliebter sun, Christkind mit Kreuz ...leiden geben, beschnitten Gabriel Aue gegruest bist dw maria, Maria nym war ein dienerin gotes
32r−66v Credo mit nachfolgender Auslegung
32r Ranke: Blütenkelche, aus denen die Apostel Petrus, Andreas, Johannes wachsen
32v Ranke: Blütenkelche, aus denen die Apostel Jakobus Maior, Thomas und Jakobus Minor wachsen. Mann, der den Anfang der Ranke in seinen Armen hält
33r Ranke: Blütenkelche, aus denen die Apostel Philippus, Bartholomäus, Matthäus wachsen
33v Ranke: Blütenkelche, aus denen die Apostel Simon, Judas, Mathias
66v Bas de page: Bär, der von einem Putto mit Äpfeln gefüttert wird, dahinter Fuchs, der an Grünzeug knabbert, Vogel (Elster?)
67r−69r Betrachtungen über die Freuden Mariens der ewigen Empfängnis und Auserwählung
69v−71v Gebet über die Verkündigung an Maria
71v−72r Gebet zu Christus
72r−73v Mariengebete
73v−74v Gebete zu Christus
75r Klebespuren
75v−80v Auslegung des Magnificat
75v Ranke: Blütenkelche, aus denen die Heiligen Eufemia (Bär und Löwe vor ihr), Katharina und Sophia (drei abgeschlagene Köpfe auf ihrem Schwert) herauswachsen
81r−83v Auslegung des Nunc dimittis
83v−87v Auslegung des Salve regina
84r

Historisierte Initiale: Strahlenkranzmadonna

Bas de page: Putto, der hinter einer Rosenhecke kauernd mit einer Leimrute Vögel zu jagen sucht

87v−88r Bittgebet zu Maria das übergeht in
88r−93r Rosenkranzgebet Sprich 1 ave maria
93v−97v Gebet zum Ave Maria
97v−104v Gebet zu Gott, in dem er an zehn Dinge ermahnt wird, die Maria betreffen Ü: Ein gepet zw got daryn er zehen ding ermandt wirt die er Maria gethun hat
97v Ranke: Blütenköpfe, aus denen die Heiligen Apollonia und Margareta wachsen
98r Ranke: Blütenköpfe, aus denen die Heiligen Agnes und Helena wachsen
105r−110r Beichte
105r

Historisierte Initiale: Maria in sole als Halbfigur, unter dem Querstrich kniet die Stifterin vor einem Betpult, auf dem ein rotes, geschlossenes Gebetbuch liegt, darunter ihr Wappen (s.o.). Aus der Initiale wächst eine Ranke mit Blütenkelchen, aus denen die Heiligen Barbara, Franziskus, Elisabeth wachsen

110v−118v Kommuniongebete
110v Historisierte Initiale: Priester mit Monstranz vor einem Altar
116v Historisierte Initiale: Kelch
119r−127v Passion nach Johannes
119r Historisierte Initiale: Schmerzensmann mit Leidenswerkzeugen steht im Sarg, aus der Initiale wächst eine Blumenranke
127v−133v Gebet vom Leiden Christi
133v−136v Gebet zu den Schmerzen Mariens
137v Historisierte Initiale: Zwei Hörner blasende Putten auf einer Wiese, dahinter Allianzwappen, links grünes Schild mit silbernem Balken, rechts, silberner Balken auf schwarzem Schild. Unterer Teil des Buchstabenkörpers A ausgespart, Feld 44 × 40 mm, vermutlich etwas eingeklebt
138r−155v Gebete zum Advent (Gebete zum Leben und Leiden Christi: Verkündigung, Heimsuchung, Geburt Christi, Beschneidung, Anbetung der hl. Drei Könige, Darbringung im Tempel, Flucht nach Ägypten, Auffindung im Tempel, Taufe Christi, Wunder, Palmsonntag, Verrat)
156v−180v Leiden Christi, nach 24 Stunden eingeteilt A: Herr iesu christe, dw mein got dw mein herre, ich erman dich deiner herczlichen begierd, die dw zw vnsser amrseligen menschait hettest, do du güttiger herre, zu deinem leiden, vnd zw vnsserer erlösung eillest, zum ersten von deiner allerherczliebsten edelsten muter maria ...
181r Zum Beschluss des Leidens Christi
181v Gebet über die Höllenfahrt Christi …Behut mich vor der ewigen hellen. Amen
182r−187v Drei Gebete zur Auferstehung
182r Rosenranke mit Putto mit Totenkopf
185r Rosenranke
188r−191r Gebet über die Himmelfahrt Christi, 190v Abbruch, danach fehlt ein Blatt, fortgeführt ohne Anschluss auf 191r
191v Gebet zu Pfingsten
192r−192v Gebet zu Hl. Geist
Zehen leren eine christen menschen bye im leben zehalten
laut Inhaltsverzeichnis schlossen sich dieser und der folgende Text an (beide heute verloren)
Acht leren eine sterbende mensche zehalten
I. Kodikologische Beschreibung:

Pergament unterschiedlicher Güte, 192 Blätter, moderne Bleistiftfoliierung unten rechts (Zählung von M. Kapp), alte römische Tintenfoliierung in der Mitte oben von 5–117 (j–cxiij), 149 × 105 mm (beschnitten), vor 156, 161, 164, 166, 170, 171, 173, 175, 180, 182, 191 einstmals Papierblätter (Graphiken?), die mit Ausnahme vor 171 und 182 an Pergamentfalze angeklebt (diese beiden direkt an Pergamentblatt angeklebt) und eingebunden waren. Bei Blatt 98 untere Ranke angestückt (wegen des Beschneidens hoch gesetzt, letzte Textzeile deswegen neu geschrieben). Bei Blatt 135 seitlich Streifen Pergament abgeschnitten (5–10 mm).

Fünf Faszikel von fünf verschiedenen Händen.
Hand 1 (professioneller Schreiber B K Z [74v: Bittentt gott für den schreiber B.K.Z.): 1r−74v, gepflegte Textura/Fraktur, 17 Zeilen, Überschriften in größerer Schrift, Rubriken, rote Strichel, gelegentlich rote Unterstreichungen, ein- bis zweizeilige rote und blaue Lombarden, Grundtexte des Vater unser und Ave Maria in Blau und Rot geschrieben, manchmal rote und blaue Caputzeichen, Kustoden fast auf jeder Seite, farbige Zierstriche und Federwerk 36r, 43r, 50r, 67r, 69r von denen 50r und 69r eine kalligraphische Variante des Schreiberkürzels sein können.
Hand 2: 75v−118v, rundliche Bastarda, 17 Zeilen, blaue Rubriken, rote Untertitel, gelegentlich blaue Caputzeichen, blaue Lombarden, rote Strichel, keine Kustoden, Unterstreichungen des Namens Maria, Zierstriche, Federwerk auf zahlreichen Seiten.
Hand 3: 119r−137v Bastarda, teilweise recht ungepflegt, rote Rubriken, rote Trennstriche, rote Unterstreichungen von Jesus Christus und Maria, nur sehr wenige, aber feine Buchmalerinitialen, Federwerk auf mehreren Seiten.
Hand 4: 138r−155v Bastarda, rote Rubriken, rote Strichel, Unterstreichungen des Namens Christus.
Hand 5: 156r−192v, uneinheitliche, teilweise ungepflegte Bastarda, 17 Zeilen, rote Rubriken, rote Strichel und rote Unterstreichungen des Namens Jesu, zahlreiches Federwerk
Laut Inventar: sechs verschiedene Schreiber
Lagenformel: III-I4 (- vor 1, nach 4), III-19 (vor 5), 3 III27, III+134 (+34), 17 III136, III+1143 (+137), 2 III155, III+2-3160 (+/- vor 156, nach 160, - vor 156), 4 III+2-2184 (+/- vor 164, 166, 170, 171, 173, 175, 180, 182), III190, I192.

Schreibsprache:

bayrisch, ostfränkisch (?).

II. Bildausstattung:

Neun vier- bis 17-zeilige historisierte Initialen (4v, 5r, 5v, 84r, 105r, 110v, 116v, 119r, 137v). Eine Figureninitiale aus sechs Drachen (134r). Elf ein- bis zweiseitige historisierte Ranken (4v, 18v, 32r, 32v, 33r, 33v, 75v, 97v, 98r, 105r, 182r). Zwei bas de page (66v, 84r). Eine vierseitige Streublumenbordüre (5r). Eine einseitige Ranke aus Rosen (185r). Zahlreiche ein- bis zehnzeilige, ein- oder mehrfarbige Buchmalerinitialen in verschiedenen Formen: Minuskel auf Farbgrund, teilweise Gold, mit komplementärfarbigen filigranen Mustern und Ranken ausgefüllt, zierliche gotische Formen in Komplementärfarben, ab 88v teils mit Figur (z. B. Messkelch 116v, Gesicht 90r oder Masken 90v), Knoteninitialen, einige Figureninitialen (vier Drachen 139r, Leuchter 89r), gelegentlich Renaissanceornamentik mit Architekturelementen, daneben auch Initialen im eckigen Gehäuse, komplementärfarbig und mit Ranken ausgefüllt, die größeren bis zu elf Zeilen hoch.
Große Ornamentinitialen: 144v: (Gold auf Rot, 13 Zeilen) rot hinterlegte Flechtbandinitiale, 156r: (Gold auf Grün, neun Zeilen) zweiseitiger Ausläufer, grün hinterlegte Flechtband-Randleisteninitiale, 188r: (Muschelgold, Blau hinterlegt, ganze Blatthöhe halbe Breite der Seite, nur schmaler Textstreifen) blau hinterlegte Flechtbandinitiale, 191v: (Muschelgold, Orange hinterlegt, elf Zeilen) orange hinterlegte Flechtbandinitiale
Ganzseitige Miniatur könnte vor Blatt 5 gestanden haben.
75r herausgelöste Graphik, Klebespuren 96 × 70 mm, 137r herausgelöste Graphik, Klebespuren, 104 × 70 mm.
Weitere Graphik vermutlich auf 137v herausgelöst, 44 × 40 mm, keine Klebespuren.
Zehn vermutliche Graphiken herausgetrennt (vor 156, 161, 164, 166, 170, 171, 173, 175, 180, 182).

Sechs nicht zu identifizierende Illustratoren.

Format und Anordnung:

Das seiner Miniaturen beraubte Gebetbuch beinhaltet als Illustrationen neben zwei bas de pages mit weltlichen Drolerie-Szenen lediglich noch zwei Blumenranken, eine Streublumenbordüre, sechs Blütenranken mit Heiligenbüsten und neun historisierte Initialen.
Das Format der historisierten Initialen schwankt zwischen 4 (5v, 116r), 8 (119r), 10 (4v, 110r), 11 (105r), 12 (5r, 84r) und 17 (137v) Zeilen, die Ranken sind entweder ein- oder zweiseitig, wobei die Doppelseite 32v –33r geschickt durch den die Ranken haltenden Mann in der Mitte verbunden ist. Bemerkenswert ist die Randgestaltung auf 18v, auf dem zugunsten der Verkündigungsranke und einer 13 Zeilen die ganze Seitenbreite umfassenden Initiale nur vier Zeilen Text bleiben. Hierdurch wird das Ave Maria sehr hervorgehoben. Auch die bas de page-Szenen haben unterschiedliche Größen: das untere Drittel einer verso-Seite (66v) oder das untere Drittel plus den rechten Rand (84r). Die Ranken begleiten immer herausgehobene Textanfänge.

Bildaufbau und -ausführung:

An der Illustrierung der fünf verschiedenen Faszikel waren wohl sechs Maler beteiligt. Der erste Faszikel wurde von gleich drei Malern ausgeschmückt. Der erste Maler scheint nur die Ranke auf 4v mit den Arma-tragenden Putten, die zehnzeilige Initiale derselben Seite und die gegenüberliegende Initiale 5r gemalt zu haben. Das sehr helle Inkarnat der Putten ist verschmutzt und berieben, es lassen sich aber noch die dunklen Knopfaugen der Putten und die kleinen Münder erkennen. Auch die Muskeln der Putten sind deutlich zu sehen. Die auf feine Art zweifarbig grün abgestuften Blätter der Akanthusranke enden in vier stilisierten mehrfarbigen Blüten, in denen je einer der vier Putten mit einem Leidenswerkzeug, Lanze, Rohr mit Essigschwamm, Nägel und Geißelsäule, sitzen. In der großen Initiale derselben Seite steht ein Putto mit geschultertem Kreuz in einem (stark beriebenen) goldenen Messkelch vor einem filigran gemusterten rosa Hintergrund. Die große Initialminiatur des Jüngsten Gerichts auf der gegenüberliegenden Seite 5r kann durchaus von derselben Hand stammen. Umgeben ist diese Initiale von einem Architekturrahmen, an dessen seitlichen Säulensockeln links das Wappen der Vestenberg, rechts das Wappen der Gailingen lehnt. Die Darstellung des Jüngsten Gerichts ist sehr farbenfroh gemalt. Der in verschiedene goldgelb gehöhte Rottöne gewandete segnende Salvator sitzt auf einem Regenbogen, neben seinem Kopf schweben das Schwert und zwei kleine Engelsköpfe. Unter ihm fliegen kopfüber zwei Engel mit Posaunen des Jüngsten Gerichts aufeinander zu und bilden mit ihren Instrumenten die Grenze zwischen dem kräftig blauen Himmel und der grünen Erde. Die untere Hälfte der Initiale zeigt bleiche Tote, die sich aus ihren Gräbern auf einer grünen Wiese erheben. Im Vordergrund ein Skelett mit einem Knochen im Mund. Gerahmt wird der Text dieses Folio als einziger des Gebetbuchs mit einer vierseitigen, ockergrundigen Streublumenbordüre. Etwas abgegriffen und oben beschnitten sind am oberen Rand eine Biene, am rechten Rand ein brauner fliegender Vogel und am unteren Rand zwei recht exotisch aussehende Hähne zu sehen. Zwischen diesen Tieren ranken sich verschiedene Blumen, die wie die Tiere auch sehr detailgenau und naturalistisch gemalt sind.
Ein zweiter Illustrator malte die Verkündigungsszene 18v. Sehr dekorative, zweifarbig grün-braune und silber-goldene Ranken tragen die Protagonisten der Verkündigung in stilisierten, aber sehr sorgfältig gestalteten komplementär zweifarbigen Blüten. Die Gesichter sind zwar schematisch, aber niedlich-puppenhaft gemalt mit roten Bäckchen. Vor allem auf die Gestaltung der Kleidung legte der Maler großen Wert und verzierte diese mit zahlreichen Schmuckelementen und einem feinen Faltenwurf. In der obersten blau-gelben Blüte sitzt der segnende Gottvater mit einem prächtigen rot-lila Mantel. Christus mit einem geschulterten Kreuz in der Blüte unter ihm ist bis auf seinen roten und goldenen Heiligenschein nackt, wogegen Gabriel und Maria in feine prachtvolle Gewänder gehüllt sind. Besonders auffallend sind die in Gold-, Rot- und Grüntönen schimmernden Flügel des Engels.
Ein dritter Maler zeichnet für die Credo-Apostel 32r–33v verantwortlich. Jeder Artikel des Glaubensbekenntnisses wird begleitet von der aus einer Blüte wachsenden Büste eines Apostels. Die zwei Blütenranken beginnen auf 32v am rechten Rand in den Händen eines blonden Mannes und gehen an den jeweils linken Rand der Seiten, so dass der Text rechts neben den Apostelbüsten steht. So einfach der Maler die blattlose Ranke gestaltet, so differenziert und fein gestaltet er Hände, Gesichter, Haare und die Kleidung der Apostel und des Mannes, der die Ranken hält. Benannt und durch Attribute kenntlich gemacht sind Jakobus d. Ä., Thomas, Jakobus d. J., Philipus, Bartholomäus, Matheus, Simon, Judas und Mathias. Obwohl jeder Apostel sein Attribut präsentiert, bleiben die Figuren sehr statisch. Die rosigen Gesichter tragen durch ihre Brauen und die herabgezogenen Mundwinkel einen leicht erstaunten und sehr ernsten Ausdruck. Jeder Apostel trägt einen goldenen Nimbus und ein prachtvolles Ober- und Untergewand in verschiedenen kräftigen Farbtönen. Recht naturalistisch ist auch der Dompfaff gemalt, der auf dem Anfang der Ranken in der Nähe des haltenden Mannes sitzt. Dieser alles zusammenhaltende Mann ist zeitgenössisch mit einem aufwendigen rot-blauen Rock und roten Hosen gewandet. Die Illustrationen dieses Apostelcredos sind die elaboriertesten Darstellungen des Gebetbuches.
Der zweite Faszikel wurde von zwei Malern ausgestattet. Der eine fertigte die Heiligenranken 75v, 97v, 98r und 105r und die bas de page 66v und 84r. Die Blütenranken dieses Malers zeigen zwar eine deutliche Herkunft aus den Akanthusranken, sind aber stark stilisiert und setzen sich teilweise in rosa oder roten Stielen und Blättern fort. Auf den zarten Ranken, die auf 105r aus der Initiale wachsen, auf den anderen Seiten dagegen frei auf dem seitlichen Rand beginnen, stehen drei (75v und 105r) sorgfältig ausgeführte Blüten bzw. nur zwei zu Gunsten eines dekorativen Blattornaments (97v,98r). In den Blüten sitzen die Heiligen mit ihren Attributen. Auf 97v sitzen sich Apolonia und Margaretha einander zugewandt gegenüber, auf 98r Agnes und Helena. Auf 105r sitzt in der Mitte Franziskus frontal dem Betrachter zugewandt, rechts von ihm Elisabeth, links Barbara. Alle Heiligen sind sowohl an den Attributen in ihren Händen als auch durch Namensnennung identifizierbar. Die weißen Gesichter sind schmal und fein, aber puppenhaft-schematisch dargestellt. Der Maler bemüht sich bei der schlichten, jeweils zweifarbigen Kleidung um einen feinen Faltenwurf und einige Zierelemente, was ihm auch dekorativ gelingt. Auch bei Details wie der Krone der heiligen Katharina, dem Lämmchen der Agnes, Barbaras Turm oder Gewändern ist Sorgfalt und Feinheit zu sehen. Dagegen fällt die Qualität der bas de pages ab. Diese bas-de-page zeigen jeweils einen Putto in einer weltlichen Szene in der Natur. Auf 66v füttert der Putto einen sitzenden Bären mit roten Äpfeln, während hinter ihm ein Fuchs Gras frisst. Auf 84r versucht der Putto, die vor ihm fliegenden naturalistisch gezeichneten und damit identifizierbaren Vögel (Eule, Dompfaff, Kohlmeise und drei weitere) aus seinem Versteck im Schilf heraus mit einer Leimrute zu fangen. Auch weitere Details wie der Weidenzaun sind detailgenau und naturalistisch gezeichnet, während die Hintergründe, Bär, Fuchs, Wiesen und Bäume sehr schematisch und flächig bleiben. Ab 84r tritt ein fünfter Maler für die Initialgestaltung in Erscheinung. Dieser Maler schuf die Mondsichelmadonnen 84r und 105r, den Priester 110r und die Schmerzensmanninitiale 119r. Diese Figuren zeigen einen sehr stricheligen, schraffierenden Stil, der wie gezeichnet wirkt. Das Inkarnat der schematischen Gesichter mit dicken Nasen, großen, dunklen Augen und kleinen Mündern ist weiß und nicht sehr ausgearbeitet. Dieser Maler spezialisierte sich wohl mehr auf die sehr feinen, Goldschmied artig ausgearbeiteten Details wie das Altartuch des Priesters mit der Monstranz oder den Strahlenkranz der Sonne. Die Madonna mit dem nackten Jesuskind 84r steht in Ganzfigur im goldenen Strahlenkranz, der das ganze Innere der Initiale ausfüllt. Ihr roter Mantel ist durch feine Goldhöhungen in schöne Falten gelegt. Die Mondsichelmadonna 105r mit einem feinen, rot-goldenen Untergewand mit blauem Mantel sitzt, das Jesuskind im Arm, in Halbfigur auf der Mondsichel. Durch ein Wolkenband (gleichzeitig A-Strich) und eine rote Ziegelmauer wird sie abgetrennt von der unter ihr kniend betenden Besitzerin des Buches. Sie hat ein weißes Gebende auf dem Kopf und trägt einen blauen Mantel. Auf dem Betpult vor ihr liegt ein geschlossenes rotes Gebetbuch, an ihrem Betpult lehnt ihr Wappen. In der Initiale auf 110v steht der Priester mit seinem silber und roten Gewand vor einem fein ziselierten goldenen Altar. In seinen Händen hält er die goldene Monstranz mit der (ehemals) silbernen Hostie. Auf dem Altar stehen große goldene Leuchter. Der Schmerzensmann in der Initiale 119r steht in seinem Sarg und zeigt vor einem kräftig blauen Himmel segnend seine Wundmale, am Kreuz hängen Besen und Geißel. Aus der Initiale wächst eine farbenfrohe Akanthusranke mit Phantasieblüten über den unteren Rand.
Augenscheinlich ist für die naturalistischen Ranken (182r, 185r) des letzten Faszikels eine sechste Hand verantwortlich. Die Rosenranken sind nicht stilisiert, sondern sehr naturalistisch mit feinen Blättern und Blüten gemalt. Auch der neben der Ranke sitzende Putto mit dem Totenschädel ist sicher diesem Maler zuzuordnen. Ebenso scheint dieser Maler auch die ganzseitige Initiale 137v mit den zwei Hörner spielenden Putten gemalt zu haben. Auf dem aus einem vegetabilen Dekorationselement gebildeten A-Strich sitzen zwei sehr ähnliche Putten mit Hörnern, in die sie blasen, ein deutlicher Hinweis auf die zwei Wappen, die beide auf dem Helm Hörner tragen. Die Hörner umrahmen die Wappenfarben der beiden Familien, links des Mannes, dominant grün weiß, dessen Bedeutung hervorgehoben wird, da der gesamte Hintergrund grün ist. Rechts die Wappenfarben der Frau, schwarz und silber. Beide Wappen haben zudem die Form von Hörnern. Die Putten dieser Initiale und der Putto in der Rosenranke (185r) haben die dunkler umrahmten Augen, die Rouge-Bäckchen und die mit dunklerem Inkarnatton (rosa) gezeichneten Speckröllchen gemeinsam.

Das ikonographische Programm ist zwar nicht ungewöhnlich, aber in seiner künstlerischen Gestaltung in Form von Blütenranken mit Heiligenbüsten nur selten anzutreffen. Die Heiligenbüsten in den Blüten lassen an Vorlagen aus dem böhmischen Kunstraum denken; ein ähnliches Konzept findet sich in der Wenzelsbibel und im Graduale des Magistir Weceslai (Prag, Archiv der Karlsuniversität, o. Sign.). Viele Künstler gingen im 15. Jahrhundert während des Bürgerkriegs 1420–1434 ins benachbarte Ausland, vor allem nach Franken und mit ihnen gelangten auch ihre Bildideen nach Franken. Tatsächlich finden sich diese Blütenbüsten in mehreren fränkischen Beispielen. Von Nikolaus Bertschi (Missale für Kloster Kaisheim, München, Clm 7901), Georg Glockendon d.Ä. (Perikopenbuch für Friedrich den Weisen, Jena, Ms. El.f.1) und Nikolaus Glockendon (Pontificale Gundekarianum, Eichstätt, Cod. B4, fol. 44r) existieren einzelne Randdekorationen mit Blütenbüsten. Auch der Augsburger Buchmaler Conrad Wagner, der nach böhmischen Vorbildern gearbeitet hat, wählt Blütenbüsten im Missale für Johannes von Giltlingen von 1487 (ehem. Slg. Lansburgh, Taos, New Mexico, seit 1994 Jörn Günther Hamburg, derzeit wohl Privatbesitz). In den Akanthusranken, deren Farbigkeit an das Goslaer Gebetbuch denken lassen, sitzen ähnlich den Putten und Heiligen musizierende Engel.
Welche Werkstatt in Bamberg das Gebetbuch angefertigt hat, lässt sich bisher nicht identifizieren. Auch in der Darstellung des Schmerzensmanns wird der Bezug zu böhmischen Vorbildern deutlich. Eine sehr ähnliche Bildformulierung findet sich im Gebetbuch Nr. 43.1.27. eines Prager Künstlers. Aufgrund der engen Kontakte zwischen Nürnberg und Prag im 16. Jahrhundert ist diese Kombination von böhmischen Elementen in die fränkische Buchmalerei nicht verwunderlich.

Bildthemen:

Die historisierten Initialen stehen in direktem Zusammenhang zu den von ihnen eingeleiteten Texten. So stehen der Putto mit Kreuz im Messkelch zu Beginn des (unvollständigen) Messgebets, das Jüngste Gericht und ein Mann mit Spitzhut und mit geschultertem Kreuz beim Vater unser (5r, 5v) und die Maria auf der Mondsichel (84r) bei der Auslegung des Salve Regina. Eingeleitet werden die Beichtgebete (105r) von einer großen Initiale, die bewohnt wird von der vor ihrem Betpult knienden Stifterin, die zur über ihr schwebenden Strahlenkranzmadonna betet. Umgeben wird der Text von einer Blütenranke mit den Heiligen Barbara, Elisabeth und Franziskus, wohl als Hinweis auf die Tugenden der Stifterin. Die Wappen der Dame und ihres Ehemannes finden sich wieder in der Initiale mit den zwei Horn spielenden Putten (137v) beim Beginn der Menschwerdung Christi. Das illustrierende Bildprogramm setzt sich fort mit einem Priester mit Monstranz beim ersten Gebet vor dem Empfang der Kommunion (110r) und einem Messkelch (116r) nach dem Empfang der Kommunion beim dritten Gebet, auf 119r erscheint der Schmerzensmann folgerichtig bei der Johannespassion. Wie das Initialprogramm folgt die Bordürengestaltung auch der traditionellen Ikonographie: Das Messgebet (4v): Putten mit den Arma, das Ave Maria (18v): Verkündigung, das Apostelcredo (32r–33v): Credo, das Magnificat (75v): Hlg. Eufemia, Katharina, Sophia), das Gebet zu Gott (97v–98r): Hlg. Apollonia, Agnes, Margaretha und Helena, und die Beichtgebete (105r): Hlg. Barbara, Elisabeth und Franziskus. Diese Textanfänge werden jeweils von einer Rankenbordüre umgeben, in der die Heiligen in Blütenkelchen sitzend integriert sind.
Die zehn herausgetrennten Graphiken stammten alle aus dem Textteil mit den Andachten zum Leidensweg Christi in 24 Stunden (Leidensuhr) und haben vermutlich einen Passionszyklus gezeigt.
Die beiden bas de pages mit Tieren könnten religiöse Fabeln darstellen oder sind weltlich zu interpretieren. Auch die Blumen und Hähne der Bordüre 5r und der modische gekleidete Rankenhalter 32v sind wohl rein dekorativ zu verstehen.

Selten verbreitet scheint in der Buchmalerei das Apostelcredo zu sein. Ein weiteres Apostelcredo in der Buchmalerei findet sich in Nr. 43.1.94., London, add. 15695 fol. 4r–v. Das Apostelcredo auf 32r bis 33v folgt der gängigen Zuordnung der Apostel zu den ihnen zugeschriebenen Glaubensartikeln in zahlreichen, vor allem plastischen Beispielen (Schiller 4,1. [1988] S. 134–147). Es gibt jedoch nur wenige graphische Zyklen (z. B. Utrecht Psalter, Utrecht, Universitätsbibliothek Ms. 32, 90r, Hartmann Schedel Weltchronik 1493, 101v). Daneben könnte als Ideengrundlage gedient haben: Meister E.S, Apostel mit den Credoworten (Lehrs 2 [1910] Nr. 100-111) oder Der Heiland und die Zwölf Apostel des Meisters der Berliner Passion (Lehrs 3 [1915] S. 94 Nr. 45–57). Eine direkte Vorlage, zumal ein Apostelcredo in Büsten, die aus Blüten wachsen, lässt sich nicht finden. Von beiden weicht die Zuordnung etwas ab, wobei grundsätzlich die Credo-Artikel nicht dogmatisch den Aposteln zugeschrieben sind, sondern durchaus variieren können.

Farben:

Keine rechten Buchmalerfarben, eher Wasserfarben, reiche Palette, jedoch stärkere Gebrauchsspuren (fleckig, berieben, vor allem das Silber stark oxydiert).

Literatur:

von Behr (1901) S. 142, 150; Grieb (1957) S. 33–41; Stadt im Wandel (1985) Bd. 1, S. 604f., Nr. 515 (Farbabb. von 105r); Kapp (2001) S. 280–290.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus