KdiH

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43.1.6. Augsburg, Universitätsbibliothek, Cod. I.3.8º 10

Bearbeitet von Regina Cermann

KdiH-Band 5

Datierung:

Um 1520 (Merkl [1999]).

Lokalisierung:

Augsburg.

Besitzgeschichte:

Im vorderen Innenspiegel Papierzettel des 19. Jahrhunderts Dieses Gebethbuch wurde im Jahre 1317 [1517?] von einem Dominickaner Mönch geschrieben. Auf dem vorderen Einband silberne Zierinitialen C O[ettingen] W[allerstein] unter einer Krone. Seit 1980 in der Universitätsbibliothek Augsburg.

Gebetbuch (Fragment?)

Inhalt:

1r–5v

Beichtformel, zwei Reuegebete (Haimerl [1952] S. 146, Anm. 911, Nr. 3, 1, 2), Ps 85, deutsch

5v–9r

Johannes von Indersdorf, Mariengebet und vier Gebete zur Dreifaltigkeit aus der Sammlung für Herzog Wilhelm III. von Bayern (Haimerl [1952] S. 156, Anm. 971, S. 155, Anm. 965, S. 156, Anm. 969)

9v

Zwei Segen

10r–22v

Gebete zur Messe, 13r–20v Ausschnitt aus Ulrich Putsch, ›Modus orandi sub celebracione missarum‹, deutsch

23r–23v

Passionsgebet Gregors d. Gr., ›Adoro te in cruce pendentem‹, deutsch (fünfteilig)

24r–27r

Fünf Segensgebete

27r–28r

Passionsgebet nach einer Steininschrift in S. Giovanni in Laterano, mit Ablaß (Haimerl [1952] S. 140, Anm. 858, S. 144)

28r–35v

›Sieben letzte Worte Christi am Kreuz‹, ergänzt um weitere Gebete

35v–37r

Ps 87, deutsch, zu Ehren des Todes Christi und seiner fünf Wunden, Gebet zu den fünf Wunden Christi

37r–38v

Gebet vom Mitleiden Mariens O du suͤsse muͦter maria Ich erman dich des wirdigen standes

38v–40v

›Fünf Schmerzen Mariens‹ Gegruͤsset seyst du muͦter cristi den du haste geclagte mit traurigem herczen als het gelert Symeon … (Simeons Prophezeiung, Suche nach dem Zwölfjährigen, Geißelung, Kreuzigung, Pietà)

41r–42r

Suffragium zum hl. Georg

42r–44r

Drei Pestgebete, eines an Sebastian, ein anderes an Maria adressiert

44r–46v

Heiligengebete und -suffragien: Christophorus, 14 Nothelfer, Eigenapostel

46v

Gebet zu Pfingsten Kvm hayliger gayst erfuͤlle die hertzen deiner gelaubigen …, bricht ab … zuerkennen vnd von (Haimerl [1952] S. 155, Anm. 959, Nr. 1)

46v

Historisierte Initiale: Pfingsten

47r–55r

Mariengebete, darunter Antiphon ›Salve regina‹, deutsch, Gebet zur Himmelfahrt Mariens O du allerweyseste iuͦnckfraw wo hin geest du … (Haimerl [1952] S. 142, Anm. 885), ›Magnificat‹, deutsch, ›Auslegung der fünf Buchstaben des Namens Maria‹, Antiphon ›Regina coeli‹, deutsch

49r

Historisierte Initiale: Marientod

55r–55v

Gebet zur Geburt Christi Heut ist gebornn cristus … (Haimerl [1952] S. 143, Anm. 891)

55r

Historisierte Initiale: Geburt Christi, nach einem Dürer zugeschriebenen Holzschnitt (TIB Bd. 10 [Commentary] S. 540, Nr. 526c)

56r–62v

Heiligengebete und -suffragien: Johannes d. T. (zwei), Johannes d. Ev., Franziskus, Schutzengel, Barbara (zwei), Katharina

63r

Gebet zum Hl. Kreuz (Haimerl [1952] S. 142, Anm. 887)

63r–63v

Gebet zu allen Heiligen (Haimerl [1952] S. 143, Anm. 888)

64r–67r

Seelengebete

67v

Gebet zur Himmelfahrt Christi Herr Jhesu criste du ainige suessigkait nach dem als du erstörst die band des todts …, bricht ab … mein flaisch erstande

67v

Historisierte Initiale: Auferstehung, nach einem Dürer zugeschriebenen Holzschnitt (TIB Bd. 10 [Commentary] S. 541, Nr. 526i)

68r–69v

Johannes von Indersdorf, zwei Seelengebete aus dem ›Ebran-Gebetbuch‹ (Haimerl [1952] S. 156, Anm. 972, Nr. 4, 5), im Anschluß zwei weitere Seelengebete

70r–74v

Gebete und Psalmen (25, 42), in einer Kirche zu sprechen

74v–89r

Sieben Bußpsalmen mit Litanei, Fürbitten und Gebet

75r

Historisierte Initiale: David im Gebet

89v–90r

Seelengebet für Vater und Mutter, alle gläubigen Seelen

90v

›Recordare virgo mater‹, deutsch Gedenck iunckfraw vnd muͦter gottes so du stast vor dem angesicht gottes

91r–92r

›Acht Verse St. Bernhards‹

92v

leer

93r–97r

›St. Bernhards Kurs‹ (Haimerl [1952] S. 143, Anm. 897, Nr. 1), im Anschluß fünf weitere Kommuniongebete (Haimerl [1952] S. 143, Anm. 897, Nr. 3–6)

97r–99v

Sequenz ›Ave vivens hostia‹, deutsch, Hymnus ›Pange lingua‹, deutsch

99v

Kupferstich: Lucas van Leyden, Kreuztragung Christi (Bartsch 72, datiert 1515)

100r–101v

Gebet vom Jüngsten Gericht O Ewige goͤtliche barmhertzigkait, o ernstliche gerechtigkait …, Bitte um Erlösung der Seelen O Guͤtiger ihesu von vnaußsprechelicher miltigkait

102r

Kupferstich: Albrecht Dürer, Apostel Paulus (Bartsch 50 II, datiert 1514)

102v

leer
I. Kodikologische Beschreibung:

Pergament, 101 + 1 + 14 Blätter (102 eingebundener Papierabzug eines Kupferstichs; 103–116 leere, neu hinzugebundene Blätter), moderne Foliierung, 132 × 105 mm (stark beschnitten). Lagenformel (Ist-Zustand): 5 IV40 (einst IV+1–18 [+/– vor 1], 4 IV40?), III46 (einst IV–246 [vor 41, 47]?), IV54, I56 (einst IV–656 [6 vor 56]?), 2 IV72, III+280 (+75, 80), IV88, III+2–195 (+88, +/– vor 91), II99, I+1102 (+102), 3 II114, I116 (fraglich, ob Reihenfolge intakt, Textverlust zwischen Blatt 46 und 47, 67 und 68). Professionelle Bastarda, zur Rotunda tendierend (typisch für Augsburg), eine Hand, einspaltig, 20 Zeilen, rote Strichel, Caputzeichen, Rubriken.

Schreibsprache:

undifferenziertes Oberdeutsch mit überwiegend bairischen Merkmalen (Schneider [1988]).

II. Bildausstattung:

Eine zehn- (75r), zwei vier- (49r, 55r), zwei dreizeilige historisierte Initialen (46v, 67v). Zwei Kupferstiche (99v, 102r). Auf 1r, 41r, 56r, 62r schmale, einseitige Streublumenbordüren auf den Bundstegen, auf 75r kandelaberartige Groteske. Zahlreiche ein- bis dreizeilige braun-goldene Buchmalerinitialen auf farbigem Grund (blau, rot, purpur, violett, orange, grün). Vor Blatt 91 vermutlich eine Miniatur herausgeschnitten. Klebespuren an den Fälzen von 10r, 19r, 24r, 46v, 50r, 52v, 56r, 63r, 70r, 92v, 95v. Von Merkl (1999) Narziß Renner zugewiesen.

Format und Anordnung:

Die vier kleineren historisierten Initialen stehen bei kurzen Gebetstexten zu hohen Festtagen, die große eröffnet die Bußpsalmen. Drei der vier Streublumenbordüren zeichnen Heiligengebete, eine den Beginn der Beichte aus. Ohne erkennbaren Textzusammenhang wurden die beiden Kupferstiche in die Handschrift eingefügt: Der eine wurde auf 99v eingeklebt, der andere am Schluß als Blatt 102 eingebunden. Sowohl im Hinblick auf den Text als auch auf die Ausstattung hinterläßt die Handschrift einen unausgewogenen, fragmentarischen Eindruck. Die vier Bordürenstreifen könnten darauf hindeuten, daß einstmals auf den gegenüberliegenden Seiten Miniaturen vorhanden waren (Beichte, Georg, Johannes d. T., Katharina).

Bildaufbau und -ausführung:

Die kleinen Initialbilder sind unspektakuläre Malereien, die sich dem Buchstabenkörper fügsam unterordnen; einzig der betende David gibt in seiner würdevollen Zerknirschung eine imposante Figur ab. Zwei Motive (Geburt, Auferstehung) wurden aus der Nürnberger ›Salus animae‹-Ausgabe von 1503 (Nr. 34.3C.4.a.) übernommen. Ungewöhnlich für Narziß Renner ist der hier vorherrschende disziplinierte Einsatz von Buchschmuck, da dieser im besten Sinne dilettantische Künstler sich ansonsten eher durch unorthodoxe, höchst originelle Lösungen ausgezeichnet hat (vgl. Nr. 43.1.13.). Vermutlich sind die wenigen Schmuckseiten aber heute nurmehr der traurige Rest einer einstmals weitaus opulenteren Ausstattung.

Bildthemen:

In der Figur des betenden David den Auftraggeber erkennen zu wollen – wie dies Schneider (1988) und modifiziert auch Merkl (1999) getan haben – erscheint aufgrund der eindeutigen Charakterisierung durch Heiligenschein und Harfe als unzulässig. Vor Blatt 91 könnte eine Miniatur mit dem hl. Bernhard gestanden haben.

Farben:

Nur zehnzeilige Initiale auf 75r bunt: Rehbraun, Grün, Blau, Blaßgelb, Orange, Grau, Weiß, Schwarz. Die kleineren Initialen in Halbgrisaille: Ocker, Pinselgold, Braun bzw. Schwarz. Kupferstiche unkoloriert.

Literatur:

Schneider (1988) S. 135–145, Farbabb. 7 (75r). – Merkl (1999) S. 51, 54, 325 f., Nr. 33, Abb. 236 (75r).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 9: 55r. Textseite mit historisierter Initiale: Geburt Christi.

Abb. 10: 62r. Textseite mit Buchmalerinitiale, Streublumenbordüre.

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Abb. 9.
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Abb. 10.