KdiH

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43.1.31. Bressanone / Brixen, Bibliothek des Priesterseminars, Nr. 149 (Standort T 5)

Bearbeitet von Regina Cermann

KdiH-Band 5

Datierung:

Ende 15. Jahrhundert (Montag [1968]; Hermann [1905]: Anfang 16. Jahrhundert).

Lokalisierung:

Augsburg? (Hermann [1905]: Pustertal).

Besitzgeschichte:

Anfang des 16. Jahrhunderts im Besitz der Veronika von Neideck (1v, 2r, 8r, 9r), die nach dem Tod ihrer beiden Ehemänner Obersthofmeisterin am kaiserlichen Hof zu Wien wurde (vgl. Erloschene Edelgeschlechter Tirols [1846] S. 178).

Gebetbuch der Veronika von Neideck

Inhalt:

1r

leer

1v

Federzeichnung: Veronika von Neideck, um den Hals ihr Wappen, in den Händen die ihrer Ehemänner (1. Christoph von Welsberg, 2. Christoph von Thun)

2r–3r

Nachtrag: Bekenntnis zu Gott Testament Darumb mein got mein herr meiner S[el] lediger du allerhöchstes gut … Ich Veronica dein arme creatur erkenn heut vor dir … Das du mein herr bist

3v–4v

Nachtrag: Kreuzestitel in hebräischer, griechischer und lateinischer Sprache (ersten beiden mit Lautschrift), bezeichnet als Tetragramaton, mit Ablaß von Papst Sixtus IV.

5r–7v

Nachtrag: Sieben Messen, die Papst Leo [IX.] Kaiser Heinrich [III.] gab zur Errettung von Seelen aus dem Fegefeuer, voran Exempel

8r

Familieneinträge aus den Jahren 1508–1528: 1508 Tod des ersten Ehemannes Cristoff von weldsperg und des Sohnes Balthasar von weldsperg, 1514 Tod des Bruders Jorg von neidegg, Erzbischof von Trient, 1528 Tod des zweiten Ehemannes Christoff von Thun

8v

Nachtrag: Rezept

9r

Nachtrag: Notizen über das Fest der hl. Veronika, Fastentag vor Conceptio Mariae, gestiftete Messen

9v–14v

›Sancta Maria‹, deutsch (Klapper [1935] Nr. 98,1)

9v

Miniatur: Mater dolorosa (ein Schwert)

14v–18r

Fünf irdische Freuden Mariens (als dritte Freude Auffindung im Tempel anstelle der Auferstehung) O du edle hochgelopte Junckfraw Maria die Aue maria opfer ich dir der grossen frewden vnd wirde die du hettest da dein kind ist mensch worden

18r–20r

Gebet, angeblich auf Bitten einer englischen Königin von Papst Gregor III. verfaßt und mit soviel Tagen Ablaß versehen wie Christus Wunden zählte (andernorts zur Wandlung gesprochen) O Du aller miltester herr Jesu criste Ich ermane dich vnd bit durch die inprinstige grosse liebe … (Variante zu Haimerl [1952] S. 55, Anm. 281)

20r–20v

Annengebet O Du heylige vnd vberheylige ein muter der mutter vnsers herren Jhu cristi In dir wirt erfunden der adel deiner alt fordern

20v–22r

Passionsgebet Gregors d. Gr., ›Adoro te in cruce pendentem‹, deutsch (siebenteilig), mit Ablässen verschiedener Päpste (Gregor I., Nikolaus, Calixtus, Sixtus)

22r

Beichtformel

22v–33v

Ps.-Birgitta von Schweden, ›15 Gebete zum Leiden Christi‹, vorweg Gebet zur hl. Birgitta

22v

Miniatur: Birgitta im Gebet vor einem Kruzifixus

33v–34v

›Acht Verse Sankt Bernhards‹, fälschlich bezeichnet mit siben vers

34v–49r

Sieben Bußpsalmen mit Litanei (… Steffan, sixt, lorentz, Vincentz, yppolit, fabion, sebastion, Blasy, Erasm, Lamprecht, Jörg, Cristoff, Vallentin, Veyt, Moritz, dionisi, Achaci, Eustachi, Kylion, Siluester, Leo, Martin, Niclaus, Ambrosi, Jeronime, Augustin, Gregori, Reichart, Benedickt, Francisß, Egidi, Gall, Othmar, Bernhardin, Anthoni, Ruͦprecht, Erhart, Bricti, Vlrich, Onnoffere, Maria Magdalena, Anna, Agnes, Agata, Lucia, Otilia, Tecla, helena, katherina, Dorothea, Maria Egyptiaca, Margret, barbara, Elizabet, Appolonia, Cristina, Vrsula, Affra), Fürbitten und Kollekten

35r

leer

35v

Miniatur: Vera icon

49r–50r

Mariengebet, 49r Rubrik Das nachuolgent gepet sol man sprechen vij freytag, 50r Gegrüst seyest du aller heyligste Maria ain mutter gottes ein kunigin der hymel ein port des paradeyss

49v

Miniatur: Verkündigung

50r–53v

›Sieben irdische Freuden Mariens‹ (Erscheinungs-Typus), laut Rubrik nach der gwonhait der pruder der obseruantz des heyligen ordens Sant Francissen wellichs gepet der kron mit Babstlichem Ablas gar hochwirdigclichen begnadt ist …

53v–55r

Suffragium zum hl. Erasmus

55v–57v

Zwei Passionsgebete zum Kommunionempfang, erstes mit Ablaß von Papst Benedikt XII. O du aller miltester herr Jesu criste Ich erman vnd bit dich durch dein inprinstige grosse lieb da du mit lieb hast gehabt des menschlich geschlecht …, 56v O Schepfer diser welt vnd erloser Jhu xpe der du bist ausgangen an dein heyliges leyden tragent dein creutz nit von not wegenn deinet halben

55v

Miniatur: Kreuzigung mit Maria und Johannes

57v–59r

Seelengebet mit Ablaß von Papst Pius II. (1458–1464) Got mein herr erbarm dich vber die selen die nit besunder bitter habent

59r–59v

Gebet zur Dreifaltigkeit Gesegen wir den schopfer vnd den richter aller ding die hailig vnd vntaillich triualtikait

59v–66v

Johannes von Indersdorf, Gebete zur Dreifaltigkeit für Herzog Wilhelm III. von Bayern (Haimerl [1952] S. 155, Anm. 965–970)

67r–71r

Seelenmesse

71v–78r

Fünf irdische Freuden Mariens Ich pit dich heylige fraw Sancta maria durch alle die eren vnd grosse genad die dir got hat gethan …, am Schluß Antiphon ›Salve regina‹, deutsch

71v

Miniatur: Strahlenkranzmadonna

78v–81r

Suffragium zur hl. Anna

81r–84r

›Bedas Gebet von den sieben letzten Worten Christi am Kreuz‹

84r–87r

Zwei Mariengebete, erstes zw petten vor dem vesper biltt. O dw zuuersich vnd beschenug aller der die in dich seufftzenn …, 85r O liebe vnd aller heyligiste Junckfraw maria edle suesse königin Ich vnwirdiger aller creatur Ich naige mich zw deinen gnaden

87r-93r

Rosenkranz Mariens (50-teilig) O Frey dich dw gepererin cristi ain vnuermayligte Junckfraw Frey dich wan dw hast freydt von dem Engel Empfangen

93v–96r

Drei Paternoster, gepaart mit Gebeten für einen Sterbenden (›Ars moriendi‹, deutsch). Vorrede Seit dem mal das alain yedleicher mensch gericht wirt nach dem als er wirt erfunden zw sein letzten zeytten …, 94r Herre Jhesu criste durch dein grosse angst vnnd durch dein heylligs gepett das dw getan hast auff dem ölberg

96r–99r

Zwei Mariengebete: O heylige fraw maria Ich erman dich vnd bitt dich durch alle dein ere vnd gnad …, 98r O dw mueter aller genaden vnd der pamhertzigkaytt Ich bedenckh yetzundt an dein pitters waimen vnd clagenn

99r–103r

Drei Segen: O –̷ der segen der von himel kam vonn dem vater do vnserr herr ihesus cristus geporrn wartt der ge vber mich …, 100v –̷ Gesegenn mich hewtt N der aller höchster paum als er ye gewuchs –̷ gesegen mich hewt das hellig creutz das dar aus wart geschlagen …, 102v Ich empfilche mich hewt in die crafft der yberwallenden wunden vnsers herren

103r–105r

Mariengebet, empfohlen von Bernhard von Clairvaux Nem war ich pin ain mueter gotz vol aller gnaden vnd parmhertzigkayt

105v

Rubrik Wer dis gebet andechtiglich spricht der verdiennt also vil als ob er tausent pater noster vnd aue maria sprech
I. Kodikologische Beschreibung:

Pergament, 105 Blätter, moderne Tintenfoliierung, 162 × 110 mm. Lagenformel: IV+18 (+1, Innenspiegel), 3 IV32, IV+141 (+35), 5 IV81, 2 VI105. Bastarda, zwei Hände: I. 10r–78r, einspaltig, 21 Zeilen, rote Strichel, Rubriken, selten Unterstreichungen, ein- bis vierzeilige rote und blaue Lombarden. II. 78v–105r, einspaltig, 18–23 Zeilen, gelegentlich Kadellen, rote Strichel, Rubriken, ein- bis dreizeilige rote Lombarden. 2r–9v diverse Nachträge vom Ende des 15., Anfang des 16. Jahrhunderts, darunter die Hand der Veronika von Neideck (2r–3r, 8r, 9r).

Schreibsprache:

südbairisch (Montag [1968]).

II. Bildausstattung:

Sechs Miniaturen (9v, 22v, 35v, 49v, 55v, 71v), fünf mit Augsburger Wechselrahmen und Goldpollen an den Ecken und Seiten (9v, 49v, 71v Rot, Grün. 22v, 55v Rot, Grün, Blau), eine mit unprofiliertem rot-grünem Rahmen ohne Goldpollen (35v). Eine Federzeichnung (1v). Eine vierseitige Akanthusranke (10r). Elf vier- bis sechszeilige Buchmalerinitialen auf Blattgoldgrund mit Wechselrahmen und Rankenausläufern: Initialkörper zumeist Blau mit rot-grünem Rahmen, gelegentlich Grün mit rot-blauem Rahmen, im Blattgoldgrund sechsblättrige Punze (23r, 34v, 50r, 54r, 56r, 58r, 59r, 59v, 62r, 67r, 72r). Zehn zwei- bis dreizeilige Buchmalerinitialen, zumeist Blau, mit Weiß gehöht, auch Rot oder Grün, mit Gelb abgesetzt, auf schwarz umrandetem Blattgoldgrund, zum Teil gepunzt (10r, 18v, 20r, 21r, 22r, 23r, 33r [2], 33v, 74r). Bis auf die Federzeichnung gehört der Buchschmuck in den Konnex der Augsburg-Salzburger Missalien-Werkstatt (vgl. Holter [1972] S. 246–257).

Format und Anordnung:

Fünf ganzseitige Miniaturen (9v, 22v, 35v, 49v, 71v), 104–115 × 67–72 mm, eine 23 hohe (55v), 80 × 67 mm. Mit Ausnahme von Blatt 35, das im Format kleiner ausfällt und mit wenigen Stichen an Blatt 34 genäht worden ist, sind sie integrativer Bestandteil des regelmäßigen Quaternionenverbundes. Die ganzseitige Federzeichnung (1v) besitzt keine feste Umgrenzung; sie wurde als eine Art Exlibris in die erste Lage eingeschaltet. Der gesamte Buchschmuck befindet sich im ersten Teil der Handschrift (10r–78r).

Bildaufbau und -ausführung:

Die Kompositionen sind auf das ikonographisch unabdingbare Personal reduziert; bis auf ein geschnitztes Betpult und eine steinerne Brüstung bei der Verkündigung (49v) und einem Altar mit Kruzifixus, vor dem Birgitta kniet (22v), wurde auf eine situative Ausschmückung verzichtet. In der oberen Bildhälfte enthebt Blattgoldgrund der Notwendigkeit einer Realitätsschilderung, Glanz allein soll den Eindruck von Kostbarkeit vermitteln. Auf dem Boden wurden vereinzelt naturalistische Details hinzugefügt (9v Fliesen, 22v Altarplinthe, Pilgertasche, 55v Feldsteine). Obgleich es sich um ein routiniertes Werkstattprodukt handelt, wurde es offenbar von seiner Besitzerin geschätzt: Kleine, oben angenähte Seidentüchlein sollten die Bilder schützen (auf 9v, 49v, 71v noch erhalten); abgeplatzte Farbe (9v, 35v, 55v) bzw. Abrieb durch Abküssen (22v, 71v Gesichter), Flecken und abgegriffene Ränder zeugen von einem regen Gebrauch.

Bildthemen:

Das Gebetbuch enthält mehr oder minder Standardtexte, zu denen es zumeist eine feste Ikonographie gab. Dennoch wurden die in den Rubriken erwähnten Bilder, vor denen die Andacht verrichtet werden sollte, nicht immer sogleich mitgeliefert: So fehlt zum Passionsgebet Papst Gregors I. die obligate Gregoriusmesse (20v vor der erscheinung Sancti Gregory) und zum Mariengebet auf 84r die Pietà. Illustriert wurde hingegen Birgitta, wie sy [die 15 Gebete] knyend vor dem pild vnsern herren Jhu cristi am creutz taglichen mit aller andacht ermant vnd gepetten hat (23r). Von den Mariengebeten (darunter drei verschiedene Fassungen der irdischen Freuden: 14v–18r, 50r–53v, 72r–78r) wurden drei mit Miniaturen bedacht (9v, 49v, 71v). Letzteres ist mit der Anweisung versehen ze sprechen knyent vor vnser lieben frawen pild (72r). Nur eine Miniatur nimmt auf die Passion Bezug (55v). Die Vera icon, die sonst häufig zum Gebet ›Salve sancta facies‹ erscheint, wurde ohne konkreten Textzusammenhang zu Beginn der Bußpsalmen eingefügt und erinnert durch ihre provisorische Befestigung an originale römische Pilgerandenken.

Farben:

Die Federzeichnung wurde mit Wasserfarben koloriert: Das Kleid der Wappenfrau imitiert einen changierenden Stoff in Rosa und Blau. Die Bodenscholle wurde gelbgrün ausgestrichen. Für die Wappen wurde Rot, Blau, Weiß, Schwarz, Silber und Gold gebraucht. Bei den Miniaturen kamen schlichte, meist unvermischte Farben zum Einsatz. Grundakkord aus einem durchdringenden Blau, gedämpften Rot und Grün; daneben Gelb, Rosa, Blattgold (roter Bolus, sechsblättrige Punze), sparsam Ocker, Weiß, Grau, Schwarz, Braun, Rehbraun.

Literatur:

Hermann (1905) Nr. 43, S. 41 f. – Ludescher (1935) S. 169, Abb. 1 (1v); Montag (1968) S. 27.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Taf. XII: 49v+50r. Verkündigung an Maria. Textseite mit Buchmalerinitiale

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Taf. XII.