KdiH

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43.1.191. Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. 2706

Begonnen von Regina Cermann, fortgeführt von Isabel von Bredow-Klaus

Ergänzung zum gedruckten KdiH

Datum der Veröffentlichung: 19.05.2026

Datierung:

1513–1524. Der Kolophon (523v) nennt den Druck von Martin Flach aus Straßburg als Vorlage (von ihm ist allerdings keine deutsche Ausgabe erhalten, dafür auf Latein: Flach, 1510, VD16 H 5054); Ablass Papst Leos X. (1513–1521) auf 169v; 1524 kopierte Nikolaus Glockendon die Kalenderminiaturen für das Missale Hallense Albrechts von Brandenburg.

Lokalisierung:

Gent/Brügge (Ausstattung).

Besitzgeschichte:

Weltlicher, männlicher Stifter (366r), der eventuell mit dem in Flandern von seiner Tante Margarethe von Österreich erzogenen Kaiser Karl V. (1500–1558) identifiziert werden kann, dessen Devise Devm time, pavperes svstine, memento finis auf 135r zu finden ist (vgl. das Stundenbuch Karls V. von ca. 1515 [Christie’s New York, 23.4.2021, lot Nr. 16]); ein kolportierter anschließender Besitz durch Margarethe erscheint daher nicht ausgeschlossen. Im Gegensatz dazu weisen schon Dörnhöffer [1911] S. 41); Brinkmann/Georgi (2006 S. 294, 297) das Gebetbuch Kardinal Albrecht von Brandenburg zu, der jedoch seit 1508 bereits dem geistlichen Stand angehörte. Ihm muss aber das Buch vorgelegen haben, um die Kalenderminiaturen 1524 kopieren zu lassen; der Eintrag im hinteren Innenspiegel, welcher im 17. Jahrhundert die Handschrift für das Jahr 1490 bereits einem Kanonikus von Hoorn in Lüttich zuweist, erscheint unbegründet; nach 1723 in der Hofbibliothek und unter Napoleon I. 1809 nach Paris überführt (Stempel der Bibliothèque impériale 1r, 524v), 1815 nach Wien zurückgekommen.

Inhalt: ›Hortulus animae‹, deutsch. Der einzige Textzeuge der nicht erhaltenen deutschsprachigen Druckvorlage von Martin Flach, Straßburg 1510. 
1r

Ü: Ortulus anime A: Der selen gärtlin wurde ich gnent. Uon dem latein man mich noch kent. zuͦ Straßburg in seym vatterlant. Hat mich Sebastianus brant. Besehen vnd vast corrigiert. zuͦ teusch auch vil trannsferiert. Was man in mich sagt hie in zeyt Das selb man dort mit freyden schneyt Do würt der somen recht auffgón. Wer mich recht pflantzt dem wirt der lón

1v−24v

Kalender der Diözese Straßburg mit Angaben zu den Monatstagen und Sonntagsbuchstaben. Kalenderbilder, Medaillons mit Sternzeichen. Am Schluss eines jeden Monats Kalenderverse. Ab 20r Tafeln und Erläuterungen zur Bestimmung der goldenen Zahl, der Charakteristika der Sternzeichen und des Sonntagsbuchstabens, Aderlasstafel

25v

Miniatur: Verkündigung an Maria

26r−86v

Marienoffizium (vgl. Nr. 43.1.159., 2r−64v; Nr. 43.1.162., 3r−78v; Nr. 43.1.200., 88v−137r) Ü: Diß seind die syben zeyt oder der Curß von vnser lieben frawen als sie zuͦsamen bracht vnd gemacht seint in dem concilio z Claromont: Vnd vff gesatzt zuͦ sprechende von babs Vrbano dem andern Mette A: DEr engel gabriel ist ingangen zuͦ Maria vnd sprach: Seiest gegruͤßt vol genaden ... 41r Laudes, 54r Prim, 60r Terz, 64r Sext, 67r Non, 71r Vesper, 79r Komplet

60r

Randminiatur: Anbetung der Hirten (Terz)

64r

Randminiatur: Maria wärmt das Jesuskind am Feuer, Josef holt Wasser (Sext)

71r

Randminiatur: Kinder spielen das ›Salve regina‹ (Vesper)

87r−97r

Erweiterung der Tagzeiten Mariens für besondere Zeiten (Advent und Weihnachten) Ü: Die syben gezeyt von vnser lieben frawen sollent gehalten vnd begangen werden durch das gantz iar vmm wie sie von dem anfang bitz hiehar geschriben ston: außgenomen etliche zeyt in dem iar wie harnach geschriben stat: Nemlich am samstag vor dem aduent ann.: zuͦ der vesper Missus est. der engel Gabriel est gesant zuͦ etc. mit den andern iiij antiffen in dem nachgeschribenen laudes metten Capittel A: ES würt außgon ein ruͦt von der wuͦrtzel yesse vnnd ein bluͦm ...

98v

Miniatur: Kreuzigung

99r−105v

Tagzeiten vom Leiden Christi Haimerl [1952] S. 139, Anm. 851; Klapper [1935] 2; auch in Nr. 43.1.7., Nr. 43.1.42a., Nr. 43.1.52., Nr. 43.1.61., Nr. 43.1.82., Nr. 43.1.123., Nr. 43.1.125., Nr. 43.1.140a., Nr. 43.1.195a., Nr. 43.1.197. und 12 weiteren Textzeugen für diesen Typ 2 mit Invitatorium bei Chlench-Priber [2020] S. 228) Ü: Diß seind die syben tagzeyt des leydens vnsers herren iesu cristi etc. A: HErre du würst auff thuͦn meyne lefftzen ...

105v–107v

Beda Venerabilis zugeschrieben, ›Sieben letzte Worte Christi am Kreuz‹, Ablass getilgt, mit Nr. 43.1.199., 67v rekonstruierbar (Haimerl [1952] S. 55, Anm. 277, S. 124, S. 139 Anm. 852; auch in Nr. 43.1.30., 5r–7r, Nr. 43.1.73., 24r–27r, Nr. 43.1.125., 30r−33v, Nr. 43.1.199., 67v−69r u.v.m.)

107v−108r

Fünf Gebete um einen guten Tod (auch in Nr. 43.1.30., 7v–8r, Nr. 43.1.73., 27r–28r, Nr. 43.1.125., 33v−34r; Haimerl [1952] S. 55, Anm. 278, S. 139, Anm. 853)

108r–109v

Gebet von den fünf Wunden (auch in Nr. 43.1.125., 34r−36v; Haimerl [1952] S. 55, Anm. 279)

110r

Miniatur: Schmerzensmann

110r−123r

Ablassgebete: Gebet vor dem Gregoriusbild (Haimerl [1952] S. 139, Anm. 855), 112r Ablassgebet ›Der himmlische König am Kreuz‹, angeblich von Papst Gregor auf Bitten einer englischen Königin, Anfang auf 113r (Griese [2011] S. 226, 229; Haimerl [1952] S. 55, Anm. 281, S. 139, Anm. 856; Ochsenbein [1979] S. 102–104), 114r Ablassgebet, angeblich Steininschrift in St. Johannis in Lateran (Haimerl [1952] S. 55, Anm. 282, S. 140, Anm. 858), Anfang auf 114v, 115v ›Anima Christi‹, deutsch (Haimerl [1952] S. 140, Anm. 859), 116r Befehlnis in das Leiden Christi (Haimerl [1952] S. 140, Anm. 860), 117v Begrüßung der Glieder Christi (Haimerl [1952] S. 140, Anm. 857), 120r Gebet vor der Marter Christi, ›Brun‹ Ruf A: O Du vrsprnnglicher brunn aller weißheit ... (Haimerl [1952] S. 140, Anm. 861; Kornrumpf [1987] Sp. 1272; auch in Nr. 43.1.73., 36r–36v; Griese [2011] S. 128f.), 121r Passionsgebet, anaphorische Betrachtung der Passion (Haimerl [1952] S. 55, Anm. 287, S. 140, Anm. 862; Griese [2011] S. 128f.)

sämtliche Ablässe bis auf zwei übersehene (383r, 496v) sind rasiert worden; Dörnhöffer (1907) S. 20f. ergänzte die Fehlstellen.
113r

Randminiatur: Liebespaare im Garten bei Lautenspiel, Gesang, Apfelpflücken

124v

Miniatur: Gebet Christi am Ölberg

125r−134r

Passion nach Johannes (Joh 18–19)

135r

DEVM TIME PAVPERES SVSTINE MEMENTO FINIS

136v

Miniatur: David im Gebet

137r−157v

Sieben Bußpsalmen mit Litanei (Märtyrer: Stefan, Clemens, Sixtus, Lorenz, Vincenz, Wolfgang, Veltin, Fabian, Sebastian, Veit, Georg, Oswalt, Christophorus, Cosmas, Damian, Gervasius und Prothasius, Mauritz, Dyonisus, Ciriax, Zehntausend Märtyrer. Beichtiger: Silvester, Leo, Nikolaus, Martin, Gregor, Augustin, Ambrosius, Hieronymus, Apollinaris. Mönche und Einsiedel: Benedikt, Franziskus, Dominikus, Bernhard, Gallus, Antonius, Lienhart, Wilhelm. Jungfrauen: Maria Magdalena, Margarethe, Martja, Agnes, Agathe, Appolonia, Dorothea, Klara, Otilie, Katharina, Barbara, Gertrud, Anna, Elisabeth, Maria von Ägypten, Ursula) und Fürbitten

137r

Randminiatur: Kahnpartie

157v–159r

›Media vita in morte sumus‹, deutsch, fälschlich Media nocte genannt mit Versen und Kollektengebeten A: In den mittel vnsers lebens seind wir in dem tod, wen suͦchen wir zu einem helffer ..., ›Deus cui proprium‹, ›Exaudi‹, ›Ineffabile‹, ›Deus qui culpa‹, ›Actiones nos hab‹, Kollektengebet für Vater und Mutter

160r−167v

sieben Abendgebete (Haimerl [1952] S. 140, Anm. 863)

168r

Randminiatur: Mönch? tritt aus einem Tor

168r−172r

acht Morgengebete (Haimerl [1952] S. 140, Anm. 864) mit unleserlich gemachten Ablässen, darunter 169v der Abend- bzw. Morgensegen, von Papst Leo einem König von Zypern zugesandt, Ablass rekonstruiert nach Nr. 43.1.199., 153v

172r−181r

vier Dankgebete (Haimerl [1952] S. 140, Anm. 865)

181r−187r

fünf Empfehlnisse (Haimerl [1952] S. 140, Anm. 866)

187r−188v

Mariengebet Ü: Ein guͦt gebett zuͦ vnser lieben frauwen vmb ein gůt selig end zuͦ erwerben A: O aller suͤsseste fraw maria vol aller gnaden vnd barmhertzigkeit, kumm mir armen snnder zuͦ hilff ...

188v−189r

Gebet beim Verlassen des Hauses (Haimerl [1952] S. 140, Anm. 867)

189r−190v

fünf Gebete beim Betreten der Kirche und in der Kirche, die letzten beiden mit Kollekte (Haimerl [1952] S. 140, Anm. 868)

190v−192r

Gebete zur Dreifaltigkeit ›trina oratio‹, deutsch mit anschließende Kollektengebet (Haimerl [1952] S. 141, Anm. 869; auch in Nr. 43.1.109., 176r−194v)

195v

Miniatur: Mater dolorosa, in sieben Medaillons die sieben Schmerzen Mariens

196r

Randminiatur: Engel wiegen das Christkind, Josef geht seinem Handwerk nach

196r−199v

Gebet zu den Fünf Schmerzen Mariens (Haimerl [1952] S. 141, Anm. 870)

199v−200v

Gebet des hl. Bernhard zum Mitleiden Mariens Ü: Diß gebet hat gemacht sant bernhart von vnser frauwen mitleiden A: O du reine zarte erwerdige suͤsse můtter vnd maget maria : ich bit dich flehelichen ...

200v−202v

›Stabat mater dolorosa‹, deutsch, alle Ablässe unleserlich gemacht Ü: Von disen nachgonden gebet hat geben ben [...] vnd heißt zu latin: planctus marie 201r A: Die můtter stuͦnd vol leyd vnd schmertzen bey dem creutz mit schwerem hertzen : do ir liebes kint ane hing ... (auch in Nr. 43.1.125., 281v–283v)

Krass (1995) Sp. 212, Fassung II.2.
203v

Miniatur: Maria in sole

204r

Ablassgebet Papst vor dem Bildnis der Maria in sole, Ablass unleserlich gemacht Ü: Babst sixt der vierd hat diß nachgond gebet gemacht vnd allen denen die ire geien wet vnd geben haben : vnd es adechtigklich sprechen vor vnß frauwen bild in der sonnen ver [...] iar wores ablaß A: GEgrüsset seyes tu allerheiligste maria du muͦter gottes : du künigin des himels du port des paradeiß du fraw der welt ...

204r−205r

Goldenes Ave Maria des hl. Bernhard Ü: Wer diß nachgond gebett teglich andechtig spricht der [...] also hat der heilig engel sat bernhart geoffenbaret vnd wirt genant das gülden aue maria 204v A: GEgruͤsset seiestu maria ein maget vnd ein dienerin der heiligen dreyheit ... (Haimerl [1952] S. 84, Anm. 492)

Wachinger (1981) S. 80, Fassung I.1.
205r−209r

Sieben irdische Freuden Mariens (Haimerl [1952] S. 141, Anm. 871)

209r−210r

Sieben geistliche Freuden Mariens (Haimerl [1952] S. 141, Anm. 872)

210r−211r

Fünf Gebete, deren Anfänge gebildet werden aus den Buchstaben des Namens Mariens, alle Ablässe unleserlich gemacht, aber überliefert in s. n. 2601, 207r−210r (Nr. 43.1.199.): von einem Straßburger Johanniter, der seine Seele zum Pfand gesetzt hat Ü: Dise fünff gebetlin seind gemachet auß den funff bůchstaben des names vnser lieben frauwen : M.a.r.i.a. vnd fahet yedes an eymb buͤchstaben an. Und wer das alle tag spricht mit andacht vnd mit reuwen seiner sunde der [...] 210v A: Die außlegung des wortes : maria nach den funff bůchstaben mediatrix O maria ein mitlerin zwischen got vnd den menschen mach dich das mittel zwischen dem gerechten gott vnd mir armen sunder amen. Auxiliatrix ...

211r−213r

Lobpreis Mariens, in dem sie mit sieben Edelsteinen verglichen wird, aus dem Ebran Gebetbuch (Nr. 43.1.112., 50v−51r; Haimerl [1952] S. 154, Anm. 953)

213r−213v

Mariengebet A: O du ewige dochter des ewigen vatters : O du ewige můtter des ausserwölten suͦnes ...

216r−310v

hierarchische Heiligensuffragien (Texte verborgen in den Anmerkungen)

215v

Miniatur: Erzengel Michael. Bordüre: Pretiosen

217r

Miniatur: Eigenengel

220v

Miniatur: Johannes der Täufer

222r

Miniatur: Apostel Matthäus

223v

Miniatur: Apostel Philippus

225r

Miniatur: Apostel Jacobus minor

226v

Miniatur: Apostel Petrus

228v

Miniatur: Apostel Paulus

230r

Miniatur: Apostel Jakobus maior

231v

Miniatur: Apostel Bartholomäus

233r

Miniatur: Apostel und Evangelist Matthäus

234v

Miniatur: Apostel Simon

236r

Miniatur: Apostel Judas Thaddäus

237r

Miniatur: Apostel Andreas, Bordüre: Martyrium des hl. Andreas

238v

Miniatur: Apostel Thomas

241r

Randminiatur: Kinder fangen Schmetterlinge, spielen mit Vögeln im Garten

243r

Miniatur: Evangelist Markus

244v

Miniatur: Evangelist Lukas

246v

Miniatur: Martyrium des hl. Sebastian

248v

Miniatur: Valentin

250v

Miniatur: Hl. Georg im Kampf mit dem Drachen

252v

Miniatur: Martyrium des hl. Erasmus

254r

Miniatur: Martyrium der 10.000

256v

Miniatur: Kilian

258v

Miniatur: Christophorus

261r

Miniatur: Laurentius

262r

Miniatur: Martyrium des hl. Stephanus

263v

Miniatur: 14 Nothelfer als Halbfiguren

266v

Miniatur: Antonius (17.1.)

267r

Randminiatur: Antonius und Paulus

269r

Miniatur: Gregor der Große (12.3.)

271v

Miniatur: Ambrosius als Halbfigur (4.4.)

273v

Miniatur: Mystische Umarmung des hl. Bernhard (20.8.)

276v

Miniatur: Hieronymus (30.9.)

277r

Randminiatur: Hieronymus und der Löwe vor einer Stadt

278v

Miniatur: Franziskus (4.10.)

279v

Leonhard (6.11.) ohne Miniatur aber Bordürenstreifen

280v

Miniatur: Hl. Martin teilt seinen Mantel (11.11.) Bordüre: Affen reitet eine Tjost

282r

Miniatur: Nikolaus als Halbfigur (6.12.)

283v

Miniatur: Agnes als Halbfigur (21.1.)

286v

Miniatur: Dorothea als Halbfigur (6.2.)

288v

Miniatur: Apollonia als Halbfigur (9.2.)

290v

Miniatur: Gertrud im Gemach, zu ihren Füssen Mäuse. Randminiatur: Gertrud, Almosen spendend (17.3.)

291r

Randminiatur: Darbringung eines Kindes

292v

Miniatur: Margarete (15.7.)

295v

Miniatur: Maria Magdalena (22.7.)

296r

Rahmen: Landschaft mit zwei Hasen und Enten am Fluss, im Hintergrund Stadtansicht

297v

Miniatur: Anna Selbdritt (26.7.)

300v

Miniatur: Martyrium der hl. Ursula mit ihrer Gefolgschaft

302v

Miniatur: Elisabeth, Almosen spendend

304v

Miniatur: Katharina

307v

Miniatur: Barbara

309v

Miniatur: Ottilie

311r−337v

Suffragien zu den Herren- und Marienfesten, de tempore

311r−312r

Beschneidung (1.1.) (Haimerl [1952] S. 142, Anm. 874)

312r–313r

Epiphanias (6.1.) (Haimerl [1952] S. 142, Anm. 875), erstes Gebet

314v

Miniatur: Anbetung der Heiligen Drei Könige

315r–316v

Epiphanias (6.1.) (Haimerl [1952] S. 142, Anm. 875), zweites Gebet

316v−317r

Mariae Lichtmess (2.2) (Haimerl [1952] S. 142, Anm. 876)

317r−318r

Verkündigung (25.3.) (Haimerl [1952] S. 142, Anm. 877)

319v

Miniatur: Auferstehung Christi

320r−321r

Auferstehung Christi (Haimerl [1952] S. 142, Anm. 878)

321r−321v

Compassio Mariae (Haimerl [1952] S. 142, Anm. 879)

321v−322v

Himmelfahrt Christi (Haimerl [1952] S. 142, Anm. 880)

323v

Miniatur: Pfingsten

324r−324v

Pfingsten (Haimerl [1952] S. 142, Anm. 881)

324v−325v

Trinitatis (Haimerl [1952] S. 142, Anm. 882)

326v

Miniatur: Auferstehung der Seelen

327r−327v

Fronleichnam (Haimerl [1952] S. 142, Anm. 883)

327v−328v

Mariae Heimsuchung (2.7.) (Haimerl [1952] S. 142, Anm. 884)

329r−329v

Mariae Himmelfahrt (15.8.) (Haimerl [1952] S. 142, Anm. 885)

329v−330r

Mariae Geburt (8.9.) (Haimerl [1952] S. 142, Anm. 886)

330r−330v

Kreuz (14.9.) (Haimerl [1952] S. 142, Anm. 887)

331v

Miniatur: Marienkrönung und Heilige im Himmel

332r−332v

Allerheiligen (1.11.) (Haimerl [1952] S. 143, Anm. 888)

332v−333r

Tempelgang Mariens (21.11.) (Haimerl [1952] S. 143, Anm. 889)

333r−334r

Mariae Empfängnis (8.12.) (Haimerl [1952] S. 143, Anm. 890)

335v

Miniatur: Geburt Christi

336r−336v

Geburt Christi (25.12.) (Haimerl [1952] S. 143, Anm. 891)

336v−337v

Unschuldige Kinder (28.12.) (Haimerl [1952] S. 143, Anm. 892)

338v

Miniatur: Veronika mit dem Schweißtuch

339r−340v

Ablassgebet vor dem Antlitz Christi (Haimerl [1952] S. 145, Anm. 899, Ablass unleserlich gemacht)

341r

Gebet zur Altarweihe (Haimerl [1952] S. 143, Anm. 893)

341v

Miniatur: Priester beten vor der Messe

342r−343r

Beichtspiegel: Adiutorium (Haimerl [1952] S. 146, Anm. 907), Introibo (Haimerl [1952] S. 146, Anm. 908), Confiteor (Haimerl [1952] S. 146, Anm. 909), Misereatur (Haimerl [1952] S. 146, Anm. 910)

343v−347v

drei Gebete zum Schuldbekenntnis (Haimerl [1952] S. 146, Anm. 911; auch in Nr. 43.1.6., 1r–5v)

347v−348r

Beichtspiegel: zehn Punkte, durch die der Mensch sich seiner vergessenen Sünden erinnert (Haimerl [1952] S. 147, Anm. 912)

348r−357v

Beichtspiegel: Unterweisung über die sieben Todsünden (Haimerl [1952] S. 147, Anm. 913)

357v−358v

Beichtspiegel: neun fremde Sünden (Haimerl [1952] S. 147, Anm. 914)

358v−359r

Beichtspiegel: sechs Sünden im Hl. Geist (Haimerl [1952] S. 147, Anm. 915)

359r−359v

Beichtspiegel: vier rufende Sünden in den Himmel (Haimerl [1952] S. 147, Anm. 916)

359v−362r

Beichtspiegel: Unterweisung in die zehn Gebote (Haimerl [1952] S. 147, Anm. 917)

362r−364r

Beichtspiegel: Bekenntnis über die fünf Sinne (Haimerl [1952] S. 147, Anm. 918)

364r−364v

Beichtspiegel: sieben leibliche und geistliche Werke der Barmherzigkeit (Haimerl [1952] S. 147)

364v−365r

Beichtspiegel: sieben Gaben des Hl. Geistes (Haimerl [1952] S. 147)

365r

Beichtspiegel: drei göttliche Tugenden und die drei Angeltugenden (Haimerl [1952] S. 147)

365r−365v

Beichtspiegel: die acht Seligkeiten (Haimerl [1952] S. 147)

365v

Beichtspiegel: die acht Räte (Haimerl [1952] S. 147)

366r

Miniatur: Stifter beim Kommunionempfang Randminiatur: Gemeinde beim Kommunionempfang

366r−379r

Kommuniongebete: ›St. Bernhards Kurs‹ zur Elevation und weitere (Haimerl [1952] S. 143, Anm. 897)

379v

Miniatur: Elevation

379v–384r

Kommuniongebete, zum Teil mit unleserlich gemachten Ablässen 380r A: WEyest gegrüsset du worer fronleichnam ihesu christi vnsers herren geborn auß der iungkfrauwen maria ..., 380v A: Ich bitte andechtigklichen an dich verborgene gottheyt die du worlichen vnder disen gestalten vnd figuren verborgen bist ..., 382r A: Gegrüsset seyest du ein liecht der welt ein wort des vatters ein wores opffer ..., A: Almechtige krafft des ewigen gottes erzeyge in mir dein vermngen ..., 382v A: Biß wilkum worer gott vnd worer mensch mein schöpffer ..., 383r Gebet auf Bitten König Philipps von Frankreich A: O herr iesu criste ein suͦn des lebendigen gottes der du disen deinen allerheyligsten leichnam ... (Haimerl [1952] S. 144)

384r−400v

Auslegung der Messe Ü: Ein schon außlegung der heiligen meß gezogen auß dem Rational vnd andern büchern der heyligen geschrifft A: SO sich der priester zuͦ der meß wil schicken so nimpt er zuͦ dem ersten auff das haupt ... (Haimerl [1952] S. 143)

401r−409r

Marienmesse ›Salve sancta parens‹, deutsch Ü: Hie nach volgt ein ampt der heiligen meß von vnser lieben frauwen das man gewonlich pflegt zu falten an etlichen orten am samstage Der Introit oder ingangk der meß Salue sancta parens A: GEgrüsset seyestu heylige gebererin vnd kintbeterin die du geboren hast den kunig der do regnieret hymmelreich vnd ertreich ymer vnd ewigklich ... (Haimerl [1952] S. 143; Kornrumpf [2004a] Sp. 975)

409r−410r

St. Bernhard zugeschrieben, Vaterunser-Paraphrase (Adam [1976] S. 151ff., S. 239, Nr. 17) Ü: Diß pater noster mit außlegung hat sant berhart gemacht A: Uatter vnser erhöcht in deiner geschöpffde süß in die lieb ...

410r−410v

Ave Maria-Paraphrase? A: GEgrüsset seiestu maria Ein port des paradises ein stern der welt ein zerstörerin der hellen ...

411r−412r

Apostolisches Glaubensbekenntnis (auf die Apostel verteilt, Apostelcredo) A: ICh glaub in gott vater almechtigen schöpfer des hymmels vnd der erden Sanctus andreas Und in iesum cristum ...

412r−416v

Athanasisches Glaubensbekenntnis

416v

Historisierte Initiale: Jesuskind als Salvator

416v−418v

St. Bernhardins Gebet ›Vom süßen Namen Jesu‹ A: O Gütiger iesus o süsser iesus O iesus ein sun der iungfrauwen Marie ... (Haimerl [1952] S. 143)

419r

Historisierte Initiale: hl. Bernhard am Schreibpult

419r−420v

›Acht Verse St. Bernhards‹ (Haimerl [1952] S. 72 Anm. 393, Stammler [1965] S. 13f.)

421r

Miniatur: Johannes

421r−422v

Anfang des Johannesevangeliums (1,1−14)

422v–423r

drei Gebete zum Ave-Maria und zum Ave-Maria-Läuten A: Empfahe das wort o iungfrauw maria das dir von dein herren durch den engel herab gesendet ist ... A: vnd gesegnet ist die frucht deines leibs iesus cristus ... 423r Ü: Ein anders wann man das Aue maria leutet A: Bet die iij letzen im aduent ...

423r−424r

Gebet zum Tenebrae-Läuten Ü: Diß gebett sol gesprochen werden zu mittag so man das Tenebre leut besunder am freytag zu gedechtnuß des todes christi A: Unisterniß seint worden ...

424r−424v

zwei Gebete zu Beginn und Abschluss eines Werkes A: EWiger gott ich bit dich demutiglichen du wollest barmhertziglich en dises fürnemen ... A: GEsegnet sey der süß nam vnsers herren iesu criste vnd der aller süssesten iungkfrauwen marie ...

424v−426r

drei Gebete zur Sündenvergebung A: ICh hab gesündet über die zale des sandes ..., 425r A: ALmechtiger gütiger got der du deinen durstigen volck in der wüste ..., 425v A: O Gott der du auß vnserer schult gar billich erzürnest vnd doch durch buͦßuertykeit besenfftiger würdest ...

426r–426v

Gebet um Frieden A: Gib fryden herre in vnseren tagen ...

426v−427r

Gebet für reine Gedanken A: O herr vater vnd gott meines lebens nit verlaß mich in eym bosen gedanck ...

427r−428r

Gebet um rechte Rede A: Das vngerecht vnd betruglich wort thuͦ weyt von mir herre ...

428r−428v

Gebet für gute Werke A: Nit verlaß mich herr vatter vnd herscher meines lebens ...

428v−429r

Gebet um Freundschaft A: WO do ist freuntschafft vnd lieb do ist versamelung der heiligen ...

429r−429v

Bitte um Demütigkeit A: HErr iesu christe ein schoner bildener vnd form worer demütikeit ...

429v−430r

Bitte um Geduld A: HErr iesu criste der du durch dein heilige gedult die hoffart der bösen geist zerstöret hast ...

430r

Bitte um Keuschheit A: O herr brenn mit dem feur des heiligen geystes vnsere nieren vnd vnser hertz das wir dir mit keyschem leybe dienen ...

430r−430v

Bitte um Schutz vor Sünde und Schande A: Herr iesu criste : ich bit dich durch deinen vnschuldigen tod ...

431r–431v

Gebete gegen Anfechtung A: O Got du vnbegreyffeliche maiestat : der du das israhelisch volck von der schweren dienstbarkeit der egyptier gnädigklich hast erlediget erlöse ... 431v A: Almechtiger aller miltester gott sihe an genedigklich vnser gebet vnd erlöse ...

431v−432r

Gebet für einen Freund A: Hymlischer vatter barmhertziger gott ich bit dich demütigklichen für N. ...

432r−433r

Gebet gegen die Pest Ü: Antiffen Saluator mundi sol man betten wann man mit creutzen geet vnd gott vnd seine heiligen anrüffet für siechtagen sterbot pestilentz krieg oder vm andere sachen A: DV seligmacher der welt behalt vns alle ...

433r−433v

Gebet um gutes Wetter A: ZV dir o ewiger barmhertziger gott saent wir mit ernst demutigklichen ruͦffen de erbarm dich über vnser nach deyner grossen barmhertzigkeit ...

433v−434r

Gebet um Regen A: Almechtiger ewiger got an dir stat alles vnser heyl geistlichs ...

434r−434v

Gebet bei Unwetter A: Die sigbare ubergeschrifft Jesus von nazareth ein künig der Juden ...

434v−435v

bei einem Anliegen A: O maria gnadryche milte barmhertzige liebe muͦtter vnd sünerin aller sünd ...

435v−436v

beim übers Feld gehen Ü: Für die die über felt gond A: O herr füer mich in deinen weg so würd i gon in deiner worheit ...

436v−437r

Vor dem Feind A: Herr erhör mein gebett ... Gott der du bist ein fürer deyner heyligen sende den engel des frydens ...

437r−437v

Auf dem Wasser A: Almechtiger ewiger gott der du die kynder von israel in aller sicherheit ...

437v−439r

Für die Kirche A: ALmechtiger vnd barmhertziger got ein kunig des hymmels vnd der erden dein miltigkeit ich innigklich erforder das durch die ...

439r−439v

Beim Aderlassen A: O Guter her iesu criste ein mitler gottes vnd der menschen der auff dz wir nit zügeteylt würden der peyn des ewigen todes ...

439v−440r

Gegen die Pest A: Wunigin der hymel frew dich allan dann der du verdienet hast zuͦ tragen allan...

440v−441v

gute Arznei Ü: Ein preseruanf das ist ein fürkomende vnd furbewarende artzeney eyner geistlichen kranckheit sucht oder pestilentz A: So ein mensch sich enpfindet mit einer sorgklichenn kranckheit als mit dotsünden beladen ...

441v−442r

St. Bernhards Arznei gegen einen jähen Tod Ü: Sant bernharts gebet wider den gahen vnd schnellen tod do von seint (Ablass getilgt) A: O Barmhertziger herr iesu crist ich erckenn zwei ding in mir die natur die du beschaffen hast vnd die sund die ich armer sunder volbracht hab ...

442r−442v

Gebet für einen Kranken A: Almechtiger ewiger got auß brüderlicher liebe so vns allen von dir gebotten ist werde ich vermanet ...

442v−445r

Sterbelehre (Haimerl [1952] S. 145, Anm. 901)

445r−448v

Interrogationes bei einem Sterbenden in neun Teilen (Haimerl [1952] S. 145, Anm. 902) mit Schlussgebet (Haimerl [1952] S. 145, Anm. 903)

449r

Angeblich Anselm von Canterbury (Haimerl [1952] S. 145, Anm. 904)

449r−449v

Stoßgebet (Haimerl [1952] S. 145, Anm. 905)

449v−452v

fünf Sterbegebete: zu Christus, Maria, Michael, Christus, Profiscere (Haimerl [1952] S. 145, Anm. 906)

454v

Miniatur: Totenamt

455r−459r

Totenvesper

459r−516v

Totenvigil nach dem Gebrauch von Straßburg (Ottosen [1993] 14, 72, 24, 32, 28, 57, 68, 11, 38), Kollektengebete

517r–524r

Inhaltsverzeichnis

523v

Kolophon: Getruckt vnd geendet zu straßburg durch MArtinum Flach am Mitwoch nach des heiligen creutz erhöhung Nach der geburt Christi vnsers herren MCCCCC vnd zehen Jar

Dise stück begreifft diß buchlein me dann das wi getruckt : Ortulus

I. Kodikologische Beschreibung:

Pergament, II + 524 + II* Blätter, 215 × 157 mm, Textura (gerundet), eine Hand, einspaltig, 17 Zeilen, Schriftspiegel Rot ausgegrenzt, 120 × 85 mm, rotes Lineament, ein- bis zweizeilige Buchmalerinitialen, Initialkörper entweder in Ocker, mit Pinselgold und Rot, Braun oder Schwarz abgesetzt, oder in Grau bzw. Rosa, mit Rot und Weiß abgesetzt, auf farbigem Grund (Blau, Rot, Ocker, Grün), größere drei- bis sechszeilige Initialen erhalten zusätzlich einen braunen Leistenrahmen, der Buchstabenkörper ist innen mit Blüten, Früchten, Perlen, einem Häschen (300v), einem Vogel (228v) gefüllt oder aus diesen gebildet, gelbe Versalien, zahlreiche einzeilige Zeilenfüller, Rubriken.

Schreibsprache:

elsässisch (Menhardt 1 [1960] S. 205).

II. Bildausstattung:

Insgesamt 68 Miniaturen, davon 36 ganzseitig (135 × 85 mm), umgeben von einer vierseitigen Bordüre (175 × 125 mm), als Einzelblätter aus dickerem Pergament hinzugebunden und 32 dreiviertelseitige Miniaturen innerhalb des Lagenverbundes (90 × 83 mm), zwei vierzeilige historisierte Initialen (416v, 419r); 18 Randminiaturen in den Bordüren; 107 Bordüren überwiegend im Gent-Brügger-Stil mit Streublumen (61), Pretiosen (12), oder Renaissanceelementen (7), aber auch Stoff oder Teppich (5) oder mit Schrift (4), zudem fünf Bordürenstreifen (160r, 168r, 401r, 416v, 419r). Fünf Bordüren auf schwarzem Grund, ansonsten helle Töne (Rosa, Hellblau, Hellbraun, Beige), häufig mit Gold ziseliert. Namengebendes Werk für den sogenannten Hortulusmeister (vgl. die Zusammenfassung des Forschungsstandes in Gebetbuch des Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg [2006] S. 17, Anm. 20). Verschiedene Hände mit Simon Bening als Hauptmaler.

Format und Anordnung:

Die 36 ganzseitigen Miniaturen besitzen in der Regel eine Bordüre, nur wenige Miniaturen sind mit einem schlichten Rahmen umgeben (124v, 195v, 203v, 276v, 300v, 304v). Auf den ganzseitigen Miniaturen gegenüberliegenden Seiten sind die Textanfänge ebenfalls immer mit einer Bordüre umgeben. Die 32 Dreiviertelbilder sind ebenfalls von vierseitigen Bordüren umgeben, haben aber keine gegenüberliegenden Bordüren. Ausgefallen sind die (Bilder-) Rahmen der Miniaturen 258v und 313v, die wie zwischen Bild und Bordüre auf die Miniaturen aufgelegt sind und dadurch das ganzseitige Bild unterteilen bzw. das Hauptgeschehen hervorheben (hierzu Thoss [1987], die diese Binnenrahmung als Versuch sieht, die tiefenräumliche Darstellung mit den flächigen Anforderungen eines Buch-Layouts zu harmonisieren).
Interessant ist die Konzeption der Kalenderbilder als ganzseitige Miniaturen, vor die Kalenderblätter gehängt wurden. Auch bei einer weiteren Miniatur (137r) ist dieser Effekt zu beobachten.

Die wichtigsten Haupttexte werden mit einem Vollbild eröffnet und gegenüber wird der Textanfang mit einer Bordüre umgeben; alle größeren Textanfänge wurden mit Bordüren ausgezeichnet.

Bildaufbau und -ausführung:

An den zahlreichen Miniaturen des Wiener Hortulus waren mehrere Maler beteiligt, eine genauere Händescheidung steht jedoch noch aus. Bereits wenige Beispiele illustrieren die Unterschiede in den beteiligten Händen: so stammen die beiden Darstellungen des Hieronymus 276v und 277r offensichtlich von zwei verschiedenen Malern. Auch bei den aufeinander folgenden Miniaturen 231v und 233r werden die stilistischen und technischen Diskrepanzen deutlich. Der Wiener Hortulus steht in enger Verbindung zu einem Stundenbuch Karls V. (Christie’s New York, 23.4.2021, lot Nr. 16), das Horenbout zugeschrieben wird. Sowohl in den Kalenderminiaturen als auch in einigen weiteren Miniaturen sind Übernahmen oder enge Verwandtschaften zu beobachten. Das Stundenbuch Karls V. wiederum gehört vor allem mit seinen Kalenderminiaturen in die Gruppe um das Spinola Stundenbuch (J. Paul Getty Museum, Ms Ludwig IX 18), das Rothschild Stundenbuch (Kerry Stokes Collection) und das Brevier Mayer van den Bergh (Antwerpen, inv. 496). Eine detaillierte Analyse der Bildübernahmen und der Zusammenhänge zwischen dem Stundenbuch Karls V. und dem Wiener Hortulus fehlt bislang. Deutlich wird aber ein enger Austausch von Vorlagen zwischen Horenbout und Bening, die in die verschiedenen Stile umgesetzt wurden. Inwieweit Horenbout möglicherweise am Wiener Hortulus beteiligt war, bleibt zu untersuchen. Beiden Handschriften gemeinsam ist die ungewöhnliche Art der Bordürenbildung mit den auf die Miniaturen aufgelegten Rahmen.

Simon Bening griff sowohl auf eigene Vorlagen zurück als auch verwendete er Material aus dem Hortulus weiter in anderen Werken. Einige Details oder Bildformulare werden immer wieder verwendet, von denen hier nur einige wenige aufgezeigt werden können. Gerade mit dem Gebetbuch des Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg (Kassel, Universitätsbibliothek, 4º Ms. math. 50) gibt es viele Ähnlichkeiten wie z. B. die Darstellung der Anbetung der Hirten, die in beiden Handschriften beinahe identisch ist, in Kassel jedoch in einem etwas ruinöseren Ambiente spielt. Vorher hatte Bening dieselbe Darstellung schon im Gebetbuch in Lissabon, Museu de Arte Antiga, Ms. 13, 22v, verwendet. Auch das Gebet am Ölberg zeigt die Jünger in der gleichen Weise in Rouen, Bibliothèque municipale, Ms. 3028, 49r und in Wien; in Rouen ist jedoch Jesus seitenverkehrt ausgerichtet und Stimmung und Lichteinfall sind sehr unterschiedlich gestaltet. Während es in Wien tiefe Nacht ist, scheint die Szenerie in Rouen recht gut ausgeleuchtet zu sein. Pfingsten ist ebenfalls identisch in Rouen zu sehen (76r), ebenso die Messe feiernden Priester (82r), die Verkündigung inklusive dem Waschkorb im Vordergrund (87r), leicht abgewandelt auch die Geburt Christi in Rouen (116r), David im Gebet (159v) und Anna Selbdritt (241r).

Auch die Evangelistenbilder wurden gleich mehrfach wiederholt, Matthäus mit dem sich im Bett fläzenden Engel, Markus und Lukas illustrieren auf dieselbe Art den Wiener Hortulus und die Stundenbücher in Rouen, Ms 3028 (Matthäus seitenverkehrt) und in Kassel, 4º Ms. math. 50, dort sogar mit noch mehr Details und Utensilien, und in Stockholm, Königliche Bibliothek, Cod. Holm. A 227, 62r (zu den Evangelistenbildern siehe Pächt [1983]). Lukas erscheint zudem noch auf einem Blatt im Brooklyn Museum von 1521. Auch die Figur des Jakobus findet man gleich in drei weiteren Handschriften: in Kassel, 4º Ms. math. 50, 7r, im Rothschild Gebetbuch, Kerry Stokes Collection, 209v und in München, Clm 28346, 197v. Die ungewöhnliche Ikonografie des Christophorus taucht als Idee nicht zum ersten Mal im Wiener Hortulus auf, sondern begegnet erstmalig im Berliner Stundenbuch der Maria von Burgund und danach im Breviarium Grimani, im Stundenbuch Isabella la Catolicas in Cleveland CMA 62.256 und im Gebetbuch Johann Albrechts in Kassel. Etwas abgewandelt verwendet Bening dieses Bildformular dann noch einmal im Spinola Stundenbuch (Los Angeles, Getty Museum, Ms Ludwig IX 18) und in Rouen, Ms 3028, 236r. As-Vijvers (2013, S. 308, 310, 312) und As-Vijvers (2018, S. 199) sieht den Hauptgehilfen Benings in den Bordüren am Werk, was gut zu sehen sei auf 196r, wo Engel helfen, das Kind zu wiegen oder auch bei den Randminiaturen mit den Szenen aus dem Leben Gertruds (290v/291r).

Nikolaus Glockendon kopierte 1524 alle Kalenderminiaturen des Wiener Hortulus, häufig seitenverkehrt, für das Missale Hallense, Aschaffenburg Ms. 10. Gelegentlich stellte er die Darstellungen etwas um oder übernahm nicht immer alle Elemente seitenverkehrt. Auch die Marienkrönung mit der Anbetung der Heiligen (Wien 331v/Aschaffenburg 452v) übernahm Glockendon, stellte sie aber deutlicher dar, als es im Hortulus der Fall war. Ebenso übernahm er das Pfingstwunder (Wien 323v/Aschaffenburg 182v).

Das Stifterbild (366r) zeigt die einzige Person mit individuelleren Gesichtszügen, die durchaus als die Karls V. angenommen werden können.

Bildthemen:

Die Kalenderbilder beinhalten die traditionellen Themen, siehe Bildthementabelle in der Einleitung zur Stoffgruppe 65. Kalender (ohne diese Handschrift): Januar: Speisen, Frau spielt Klavichord im Hintergrund, Februar: Holzsammeln, März: Stockspiel, April: Herde austreiben, Mai: Picknick, Kahnpartie, Juni: Schafschur im Dorf, Juli: Heuernte, August: Kornernte, September: Pflügen und Säen, Oktober: Weinherstellung und Ochsenschlachten, November: Dreschen, Dezember: Schlachten.
Die einzige Abweichung zur Bildthementabelle findet sich im Monat März, in dem das Stockspiel dargestellt wird (zu diesem und dessen Darstellung in der Kunst siehe Willemsen [1998]). Solcher Art Spielszenen finden sich sehr häufig im Stundenbuch Karls V. (Christie’s New York, 23.4.2021, lot Nr. 16), dort zum Beispiel die erste Darstellung des Golfspiels, Seifenblasen, Kreisel, Reifendrehen und viele weitere. Im Wiener Hortulus erscheinen noch zwei weitere Spielszenen in den Randminiaturen (Kinder spielen das ›Salve regina‹ 71r und Affen reiten eine Tjost 280v).

Ebenfalls konventionell gestaltet sich das weitere Bildprogramm mit der Eröffnung des Marienoffiziums durch die Verkündigung (25v). Die einzelnen Tagzeiten werden durch Bordüren ausgezeichnet, die teilweise historisiert sind, deren Ikonografie jedoch nur bei der Terz das traditionelle Bild der Anbetung durch die Hirten aufnimmt (60r). Die anderen beiden Szenen (Maria wärmt das Kind am Feuer [64r] und die Kinder spielen das Salve regina [71r]), haben mit der traditionellen Illustration eines Marienoffiziums nichts zu tun, stehen aber im unmittelbaren Zusammenhang mit den Texten. Auch die Eröffnungsminiatur der Tagzeiten vom Leiden Christi überrascht nicht mit der Kreuzigung (98v). Die Gruppe der Ablassgebete wird eingeleitet von der Figur des Schmerzensmannes (110r) und auch das zweite Ablassgebet erhielt eine Auszeichnung durch eine Bordüre mit einer ländlichen Szene. Den Auszug aus dem Johannesevangelium, der sich mit der Passion Christi beschäftigt, schmückt das Gebet am Ölberg (124v). Und auch die Bußpsalmen werden konventionell von David im Gebet eingeleitet (136v). Weder die Abend- noch Morgengebete (160r und 168r) wurden bebildert, aber doch ausgezeichnet durch einen Bordürenstreifen. Des Weiteren ist bemerkenswert, dass das Dreifaltigkeitsgebet im Anschluss an die ›Trina oratio‹ mit einer dreiseitigen Bordüre versehen worden ist (193r). Das Gebet zu den fünf Schmerzen Mariens wurde mit einer Miniatur mit der Schmerzensmutter illustriert (196r) und zudem ist der Textbeginn mit einer Bordüre versehen worden, in der eine Szene aus den ersten Lebenstagen Christi, die Engel wiegen das Christkind, während Josef arbeitet, wiedergegeben wird (196r). Auch das Goldene Ave Maria (204r) erhielt eine Miniatur der Madonna in sole (203v).

Am opulentesten wurden die Heiligensuffragien ausgestattet: 46 der 52 Suffragien wurden mit Miniaturen der angerufenen Heiligen bebildert. Von den 19 Suffragien zu den Herren- und Marienfesten wurde dagegen nur eine kleinere Auswahl von sechs wichtigen Festen illustriert: Epiphanias (314v), Ostern (319v), Pfingsten (323v), Fronleichnam (326v), Allerheiligen mit Marienkrönung (331v), Weihnachten (335v). Es folgt Veronika mit dem Schweißtuch zum traditionellen Gebet (338v). Gleich drei Miniaturen beinhalten Messdarstellungen: die Zelebration einer Messe zum Beichtspiegel (341v), der Stifter beim Kommunionempfang (366r) und die Elevation (379v) zu den Kommuniongebeten. Die Marienmesse ›Salve sancta parens‹ wird eigentümlicherweise nur mit einem Bordürenstreifen ausgezeichnet (401r), ebenso das Gebet vom Süßen Namen Jesu (416v) und die acht Verse des hl. Bernhard, die jedoch zusätzlich eine historisierte Initiale mit seinem Bildnis erhielten (419r). Das Johannesevangelium schmückt die Darstellung des Evangelisten (421r), die Totenvesper (454v) erhielt das Totenamt.

Häufig transportieren die Randminiaturen inhaltliche Ergänzungen, wie bei den das Kind wiegenden Engeln (196r), Antonius und Paulus im Rahmen zur Antoniusminiatur (267r), Hieronymus mit dem Löwen bei der Hieronymusminiatur (276v), die beiden Szenen aus dem Leben der hl. Gertrud (290v/291r) und der Kommunionempfang der Gemeinde beim Kommunionempfang des Stifters (366r). Gelegentlich haben die Randminiaturen inhaltlich nichts mit dem Text zu tun, sondern sind illustrative Genreszenen, die auch in Kalendern vorkommen (siehe Bildthemenliste zur Stoffgruppe 65.): Liebespaar (113r), Kahnpartie (137r), Mönch tritt aus der Stadt (108r), Kinder fangen Schmetterlinge (241r), Hasen am Fluss (296r).

Digitalisat:

https://viewer.onb.ac.at/1000E2B2/ (schwarz-weiß)

Literatur:

Denis I,3 (1795) Sp. 3186−3188, Nr. DCCCCLI; Tabulae II (1868) S. 120; Waagen (1867) S. 59−63. – Dörnhöffer (1907–1911); Winkler (1925) S. 119−121, Tf. 69; Manuscrits et Livres (1962) S. 37−40, Nr. 64, Abb. 16, 17 (290v/291, 280v); Nilgen (1967) S. 316, Abb. 20; Dogaer (1969) S. 338, 340; Biermann (1975); Madou (1975) S. 313, Inv. Nr. 380, Pl. 103 a und b; de Winter (1981) S. 342–427, Abb. 28 (386v); Pächt (1983); Hansen (1984) S. 240–242, Abb. 22, 48, 130, 155, 174, 236, 243, 252, 280, 314; Hansen (1985) S. 26, Abb. 6, S. 29; Thoss (1987) S. 105, 119−121, Nr. 78, Farbabb. 20 (258v); Marrow (1984) S. 549f.; Dogaer (1987) S. 164, 172; Brinkmann (1991) S. 50, Abb. 29; Flemish Illuminated Manuscripts 1475−1550 S. 37f., Farbabb. 41 (258v); Le prince et le peuple (1998) S. 45, Farbabb. von 304v, S. 53 Farbabb. von 290v, S. 158 Farbabb. von 1v, S. 243 Farbabb. von 291r, S. 318 Farbabb. von 258v; Willemsen (1998) S. 34, 82, 203, 269, Abb. 4 (291r), 163 (4v), Taf. I (291r); Zimmermann (1998) 184, Abb. 108c (314v); Krass (1998) S. 167f., 181f., 187; Smeyers (1998) S. 473, S. 471, Farbabb. 80 (290v); Dekeyzer (2002) S. 450; Ochsenbein (2003) S. 116; Illuminating the Renaissance (2003) S. 190; Mane (2004) S. 70, Farbabb. 1, S. 184f., Farbabb. 2; Kornrumpf (2004a) Sp. 975; Christ ist geboren (2006) S. 88, Abb. 19 (335v), S. 132f., Abb. 22 (314v); Gebetbuch des Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg (2006) S. 17–20, 24–26, 30, 32f., 35, 43, 68, 71, 82, 91f., Abb. 35 (314v); Wolf (2006) S. 41–44, Abb. S. 40 (258v); Krieger (2012) S. 458f.; As-Vijvers (2013) S. 118, 215, 308, 310, 312, 317; As-Vijvers (2018) S. 199, 209; Reiter (2021) S. 106, 133.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus; manuscripta.at