KdiH

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43.1.95. London, The British Library, Add. 15702

Begonnen von Regina Cermann, fortgeführt von Isabel von Bredow-Klaus

Ergänzung zum gedruckten KdiH

Datum der Veröffentlichung: 20.09.2019

Datierung:

Nach 1482 (17r).

Lokalisierung:

Paris, für den Nürnberger Absatzmarkt (Kalender, Litanei).

Besitzgeschichte:

Auf 248v männlicher weltlicher Stifter vor einem Betpult kniend, an dessen Seitenwand ein Wappenschild steht (drei goldene Lindenblätter [2:1], geteilt von einem goldenen Sparren auf blauem Grund); auf 166r Kreuzesfahne mit Doppeladler, darunter sechs Lindenblätter, auf 196r Wappenschild mit Hausmarke (goldenes AV auf blauem Grund) an einem (Linden?-) Baum aufgehängt. Vom British Museum am 24.1.1846 von Adolf Asher & Co, Verlags- und Sortimentsbuchhandlung in Berlin, angekauft (IIr).

Gebetbuch

Inhalt:
1r−12v

Kalender für Bamberg (sieben Spalten: Wochentag, Goldene Zahl, Stunden und Minuten des Neumondes, Sonntagsbuchstabe, Feststage [voll besetzt], darunter 3.3. Küngund schidung, 29.3. Küngund bewerung, 7.6. Deocarus, 19.8. Sebolt, 9.9. Küngund erhebung, 30.9. Ot pis [Bischof Otto von Bamberg], astrologischer Buchstabe; am Rand: Werktagsstunden)

13r−13v

Zirkel für die täglichen Mondstunden und -minuten, mit Erläuterungen

14r−15v

Zirkel für den Sonntagsbuchstaben und die Goldene Zahl (ausgehend vom Jahr 1474), mit Erläuterungen

16r−17r

Tafel für die Anzahl der Tage von Mariä Lichtmess bis zum Vorabend der Fastenzeit, mit Erläuterungen

17r−18v

Erläuterungen zum Auffinden des Neumondes im Kalender, ausgehend vom Jahr 1482−1501

18v−21v

Aderlasstafel mit Erläuterungen

22r

Erläuterungen zur Berechnung der beweglichen Feste. Fortsetzung 23v−25r

22v−23r

Tafel mit den Eigenschaften der zwölf Sternzeichen

23v−25r

Tafel zur Berechung der beweglichen Feste, mit Erläuterungen. Fortsetzung von 22r

25v

Vier Goldfasten

26r−91v

Kleines Marienoffizium

26r

Miniatur: Verkündigung

91v−94r

Adiutorium und Confiteor, deutsch (als Eingangsgebete zur Messe) Ü: Hienach hebt sich an das Adiutorium, das spricht man zu allen messen Jm anfanck so der prister die offen schuld spricht A: UNser hilff seý in dem namen des herrn. Der do hat gemacht hýmel vnd erden ...

94r−104v

Marienmesse zu Mariae Himmelfahrt Ü: Hienach hebt sich an die Mess van vnser lieben frawen hýmelfart. Zu dem ersten das Introit 95r A: GEgrüst seistu du heilige gepererin dýe kindelpeterin hat gepert den künig der do regirt hýmel vnd erttrich ...

95r

Miniatur: Geburt Christi

105r−120r

Sieben Bußpsalmen

106r

Miniatur: David im Gebet, hinter ihm eine Harfe im Futteral

120r–125v

Litanei, darunter zahlreiche Nürnberger Heilige, mit Fürbitten

126r–130r

Sechs Gebete A: O Almechtiger ewiger got der traurigen ein trost, der weýnenden ein frewd, der siechen ein gesuntheit ... (Klapper [1935] Nr. 96,19), 126v A: O herr erhör das andechtig gepet, vnd die dir veriehen Vertrag vnd erparm dich Jrer sündt ... 127r A: O Got dem da aýgen ist vertragen vnd erparmen enphach genediglich vnser anpetenn ... A: O herr erpeut deinen knechten die rechten hant der hymelischen hilf ... 127v A: HErr got wann du der betrübten seufzen nit versmechst noch der clagenden beger ... 128v A: ALmechtiger vnd ewiger got. Jch man dich demütiglichen das du mich vnwirdigen diener nit last verderben durch meine grosse sünd ... 129r A: ALmechtiger gnediger vnd parmhercziger got. Jch erman dich deiner güt vnd deiner parmherczigkeit ...

130r−137r

Totenvesper 131r A: ICh hab lieb gehabt denn herrn, wann er wirt erhören die stým meines gepets ...

131r

Miniatur: Auferweckung des Lazarus

137v−151v

Kurze Totenvigil (Ottosen [1993] 14/72/24)

138r

Miniatur: Bestattung

151v−156r

Seelengebete für den ersten Tag nach Verscheiden A: HErr wir piten dich das du deinem diener des ersten tag der begrebnuß oder sýbent oder dreissig seins verschidens wir begeen, wöllest geben die geselschaft deiner heiligen ..., 152r am Jahrestag A: O Got ein herr der gnaden vnd ablas, gib deinen dienern vnd dienerin der Jartag Jrer begrebnúß wir begeen vnd gedencken den stul der kulung ..., 152v für einen Priester A: O Herr ewiger got verleich vns das die sel deines dieners des priesters die du auß gefürt hast ..., für einen Mann A: ALmechtiger got den man nymer pitet on öfnuͮng der parmherczigkeit. Piß genedig der sel deines dieners N ..., 153r für eine Frau A: O Herr wir piten dich durch dein gütigkeit, erparm dich der sele deiner dienerin N ..., 153v für die Eltern A: O Herr got der du vns gepoten hast zu ern vater vnd müter ..., für die Geschwister A: O Herr ein geber got der gnaden vnd ein liebhaber menschliches heils ..., für Wohltäter 154r A: O vnser Herr erparm dich der sele vnser wolthuer ..., für Schutzbefohlene 154v A: O Herr ihesu xpe des parmherczigkeit an zal ist ..., für Verstorbene auf dem Friedhof 155r A: O Herr got in des parmherczigkeit die selen der glaubigen rwen ..., für alle Seelen 155v A: O Herr got dem do eýgen ist sich zu erparmen ...

156r−160v

Johannes von Indersdorf, drei Gebete an die Dreifaltigkeit aus der Sammlung für Herzog Wilhelm III. von Bayern (siehe Nr. 43.1.112., 64r−64v. Haimerl [1952] S. 155, Anm. 965) 157r A: O Du heilige driualtigkeit O ware eýnigkeit ... 158v A: O herre mein got, ein künig aller künig vnd ein gewaltiger fürst ... 159v A: O heiliger got, O starcker got, O vntötlicher got, erparm dich ...

157r

Miniatur: Dreifaltigkeit

160v–163r

›Trina oratio‹, deutsch A: HErr got almechtiger vater der du dir gleich wesenlich vnd gleich ewig vor der werlt einen sun geporn hast ...

163r–165r

Dreifaltigkeitsgebete A: HErr almechtiger ewiger got vnd vnauͮßsprechenlich on ende vnd anfanck ... 164r A: HErr eröffen die orn deiner parmherczigkeit ... A: HErr got erparme dich deines dieners vnd laite alle mein v̈buͮng teglich zu dem güten ... 164v das letzte mit Ablass eines Papst Martin Ü: Von dem nach geschriben gepet hat der pabst Martinus dreissig tag ablas gebenn 165r A: DEr aller höchsten vnd vnteiligenn driualtigkeit vnsers herrn ... (Haimerl [1952] S. 141, Anm. 869)

165r−170r

Aegidius Romanus (?), Tagzeiten zur Passion (Hymnus ›Patris sapientia‹, deutsch, jede Strophe mit Vers und Kollekte), hier Papst Johannes [XXII.] zugeschrieben, mit Ablass Ü: Hienach vahent sich an die Siben tagzeýt von vnsers hern leyden als pabst Johannes gemacht hat, dauon vil ablas ist 166r A: DEs vatters weißheit vnser herr ihus xpus got vnd mensch ward gefangen zu metten zeýt in diser frist. Do kam Judas gegangen vnd küst got ...

166r

Miniatur: Große Kreuzigungsszene

170r−173r

Gebet zu den Gliedern Christi, Papst Innozenz III. zugeschrieben, mit Ablass Ü: Diß hernach geschriben gepete hat gemacht der heilig pabst Innocencius der drit. Vnd hat geben darzu vil ablas als man sagt zu ýedem gruss CCC tag A: GEgrüsset seistu erwirdiges haubt ihu xpi vor dem erpidemt aller gewalt ...

173r−174v

Sieben letzte Worte Christi am Kreuz A: O Herr ihesu xpe der hangend an dem kreucz gesprochenn hast zu dem schecher ...

174v−175r

Passionsgebet A: O Herre ihu xpe, Ich ermane dich der manigueltigen pittrigkeit die du hettest an dem heiligen kreucz ...

175r−177v

Passionsgebet Gregors d. Gr., ›Adoro te in cruce pendentem‹, deutsch (fünfteilig) 176r A: O Herre ihesu xpe, Ich pett dich an als du an dem kreucz gehangen pist ...

176r

Miniatur: Gregoriusmesse

178r−182r

Drei Passionsgebete. Das erste ›St. Peters Gebet‹ mit Ablass Ü: Diß nachgeschriben gepet hat gemacht vnd gepet alle tag piß an sein ende sant Peter der erst pabst, Dauon ist vil groß mercklichs ablas geben von manigen pebsten Cardineln vnd pischof A: O Herr Ihesu xpe eýn schöpffer vnd ein erlöser der werlt, der du pist gegangen zu der marter ... 180r A: HErr ihesu xpe sun des lebendigen gots der du von himeln auß der schoß des vaters auf erden kumen ... 181r A: O Aller süster ihesus der du mich an dem kreucz so Jnniglich vmbfangen vnd geliebet hast ...

182r−184v

Bernhardin von Siena, ›Gebet vom süßen Namen Jesu‹ A: O Guter ihu O süsser ihu ein sun der Junckfrawen marie vol genaden vnd warheýt ...

184v−189v

›Acht Verse St. Bernhards‹

190r−192r

Aegidius Romanus, ›Salva sancta facies‹, deutsch, hier Papst Johannes XXII. zugeschrieben, mit Ablass Ü: Diß nachgeschriben gepet hat gemacht pabst Johannes der xxij. Vnd allen den die Ir sünde berewet vnd gepeicht haben, vnd das gepet mit andacht sprechen, vnd ansehen das antlucz ihu xpi, hat er geben zehen tausent Jar ablas 191r A: GEgrüsset seistu heiliges antlucz vnsers erlösers ...

191r

Miniatur: Veronika mit dem Schweißtuch

192v−195r

Tägliches Gebet für ein seliges Ende, mit Ablass Ü: Mit diser hernach geschriben vermanuͮng sol man got den herrn alle tag vermanen. Vnd zum mynsten am freitag, das Jm got ein vernüftigs ende wöl geben A: HErre ihu xpe ich man dich des clopffens, des dein heilige menscheit enpfing ...

195v−202v

›Sancta Maria‹, deutsch mit Ablass Ü: Hienach volget ein schön andechtig gepet von vnser lieben frauͮen, Vnd wer es dreissig tag petet mit rechter andacht, vmb was müglicher götlicher sach er begert von vnser lieben frawen, des pet wirt er an zweifel gewert 196r A: SAncta maria ein Junckfraue ob allen Junckfrawen. Eýn müter der parmherczigkeit, ein muter aller wirdigkeit ... (Klapper [1935] Nr. 98,1; zahlreiche Parallelüberlieferung, mindestens 26 weitere im KdiH)

196r

Miniatur: Pietà mit Johannes und Maria Magdalena. In der Bordüre an einen Baum gehängtes Wappenschild mit Hausmarke

202v−209r

Johann von Neumarkt, Tagzeiten vom Mitleiden Mariens Typ 1 (Klapper [1935] Nr. 2,6−13; auch in Nr. 43.1.82., 69r−74v, 43.1.93., 36r−38v, 43.1.96., 94v–100r, 43.1.109., 115v−119v, 43.1.123., 205r−209v, 43.1.163., 186r−192v, 43.1.179., 86v−90v, 43.1.210., 97r−133v und 16 weiteren Textzeugen bei Chlench-Priber [2020] S. 236 [ohne diese Handschrift])

209r−218v

Mariengebete: drei vom Mitleiden Mariens A: O Du künigin vnd keiserin aller engel vnd menschen ... 210r A: O Du züuͮersicht vnd beschirmung aller ... 211r A: O Du edle vnd höchste künigin Junckfraw maria. Ich pit dich vnd verman dich, gedenck des ellenden stands ... zwei Gebete in Todesnöten 212v A: EÝa du sunderliche gotförmliche vnd heyligste keýserin der gütigkeýt ... 215r A: O Wirdige muter gottes, vnd ein liechter sterne diß ellenden meres ...

218v–220r

Mariengebet ›Englischer Gruß‹ 219r A: GOt grús dich maria roß ane dorn du pist die der hýmelisch vater in der götlichen maiestat erhöcht hat ...

220v–221v

›Goldenes Ave Maria‹ A: GEgrüsset seistu maria ein dienerin der heiligen driualtigkeit ... (Fassung I.1 Wachinger [1981] Sp. 81, Nr. I.1.; auch in Nr. 43.1.6a., 43.1.96., 43.1.60., 43.1.82., 43.1.90., 43.1.97., 43.1.112., 43.1.116., 43.1.124., 43.1.133., 43.1.146., 43.1.147., 43.1.164., 43.1.180., 43.1.191., 43.1.197., 43.1.199., 43.1.210. und in München, Cgm 4685, 76v)

221v−223v

›Sieben himmlische Freuden Mariens‹ (Überbietungs-Typus) 222r A: FRew dich Junckfraw maria, wann in dem hýmel die eýnig schöne diener eren ...

223v−225r

Anfang des Johannesevangeliums (Io 1,1−14)

225v−228v

Zwei Morgen- und zwei Abendgebete A: HErr almechtiger vater Ich sag dir danck das du mich dise nacht genediglich bewart hast ... 226r A: HErr got ich beuilch dir hewt meinen leib vnd sele ... 227r A: HErr heiliger almechtiger vater, was ich in disem tag mit gedancken reden oder wercken wider deine gepot ... 227v A: IN der stunde des kunftigen tags bit ich dich herr, mich mit parmherczigkeit zu erfüllen ... mit Bitten an die Erzengel, Apostel, Evangelisten, Märtyrer, Beichtiger

228v−263r

Heiligengebete und -suffragien: Eigenengel, Bartholomäus, Sebastian, Nikolaus (zwei), Christophorus, Wolfgang, Georg, Erasmus, Achatius, Ulrich, Barbara, Katharina (zwei), Maria Magdalena (zwei), Apollonia, Helena, alle Engel

230r

Miniatur: Bartholomäus

232v

Miniatur: Martyrium des hl. Sebastian

233r

Miniatur: Nikolaus

235v

Miniatur: Christophorus

237v

Miniatur: Wolfgang

239v

Miniatur: Georg im Kampf mit dem Drachen

242r

Miniatur: Martyrium des hl. Erasmus

244r

Miniatur: Martyrium des hl. Achatius mit seinen Gefährten

247r

Miniatur: Ulrich

248v

Miniatur: Barbara, vor ihr ein Mann am Betpult kniend (an dessen Seitenwand Wappenschild)

252r

Miniatur: Katharina

254v

Miniatur: Maria Magdalena

259r

Miniatur: Apollonia mit Zange

260v

Miniatur: Auffindung des Kreuzes Christi durch Helena

263r−264r

Johannes von Indersdorf, zwei Seelengebete aus dem ersten Ebran-Gebetbuch A: O Du reicher pruͮnn der parmherczigkeit, teil mit dein veterliche lieb allen glaubigen selen ... 263v A: O Ewiger vnd almechtiger gott erparm dich v́ber aller meiner frewnt vnd glaubig selen ... (siehe Nr. 43.1.112., 69r. Haimerl [1952] S. 156, Anm. 972, Nr. 4, 2)

264v–265r

Seelengebet mit Ablass Papst Johannes XXIII. Ü: Das hernach geschriben gepet hat bestetigt pabst Johannes der xxiij. Wer das allen gelaubigen selen spricht auf einem kirchoff berewt vnd gepeicht der hat so vil tag ablas als manig leichnam rwt auf demselben kirchof A: SEýt gegrússet alle glaubig sel Geb euch der die rwe ihesus xpus der da ist des lebendigen gots sun ...

265r−266v

Seelengebet, auf Bitten Philipps von Frankreich von Papst Bonifatius VI. (!; sonst Innozenz VI.) mit Ablass versehen Ü: Von grosser pet wegen herrn philips von franckreich ein künigk gab der pabst Bonifacius der sechst allen den die das hernach ... 265v A: HErre ihesu xpe der das aller heiligst flaisch vnd dein reýnes tewres plut ...

266v−282v

Marquard von Lindau, ›Eucharistie-Traktat‹, Auszug (Hofmann [1960] S. 289,13−295,7) Ü: Hienach hebt sich an gar ein schöne lere wie sich der mensch halten sol vor vnd nach wenn er wil enphahen das heilig Sacrament den hochwirdigen leichnam vnsers lieben herren ihesu xpi. Zu dem ersten sol man mercken dreý dingk ee man zu geet zu dem heiligen Sacrament die sol man mit allem fleiß eben mercken

282v−286v

Beichtformel A: ICh armer sünder bekenn dem almechtigen parmherczigen got, Marie der himelkünigin, allen heiligen vnd allen engeln das ich layder alzu vil gesünt hab von meinen kintlichen tagen piß auf dise stund ...

287r−289v

Katechismus: Zehn Gebote, Sieben Todsünden, Fünf Sinne, Sechs Werke der Barmherzigkeit, Sieben Sakramente, Sieben Gaben des Hl. Geistes, Neun fremde Sünden

290r−294r

Register

I. Kodikologische Beschreibung:

Pergament, 4 + 294 + 4 Blätter (an der Längsseite von Blatt 24 ein 55 mm breiter Pergamentstreifen angestückt, zeitgenössische rote Tintenfoliierung von 26r−294r in der Mitte oben [1−270], darauf Bezug nehmend Register 290r–294r), 137 × 97 mm, professionelle Bastarda, eine Hand, einspaltig, 14 Zeilen, Rubriken, Versalien gelb ausgemalt. Lineament 1r−25v mit Braun, 26r−294r mit Rot gezogen, systematisch, sehr regelmäßig angelegte Handschrift, arbeitet mit internen Blattverweisen und Register.

II. Bildausstattung:

24 Miniaturen (26r, 95r, 106r, 131r, 138r, 157r, 166r, 176r, 191r, 196r, 230r, 232v, 233r, 235v, 237v, 239v, 242r, 244r, 247r, 248v, 252r, 254v, 259r, 260v), umgeben von vierseitigen Kompartimentbordüren. Vor Blatt 26 befand sich einst wohl noch ein Wappen. Zwölf einseitige Kompartimentbordüren (40r, 55r, 60r, 64v, 69r, 73r, 84v, 91v, 119v, 145v, 202v, 223v), 38 dreizeilige Buchmalerinitialen (26r, 40r, 55r, 60r, 64v, 69r, 73r, 84v, 91v, 95r, 106r, 119v, 131r, 138r, 145v, 157r, 166r, 176r, 185r, 191r, 196r, 202v, 223v, 230r, 231v, 233r, 235v, 237v, 239v, 242r, 244r, 247r, 248v, 252r, 254v, 259r, 260v, 267r), Initialkörper entweder rot-gold auf blau-weiß ornamentiertem Hintergrund oder blau-weiß auf rot-gold ornamentiertem Hintergrund, gelegentlich gefüllt mit bunten Margeriten (40r, 55r, 91v, 252r), Rosen (60r, 145v) oder Veilchen bzw. Stiefmütterchen (166r, 235v, 242v, 248v, 267r), teilweise auch Tieren (64r, 95r, 191r, 202v, 244r, 259r Vögel; 106r Drache; 157v Falter). Zahlreiche ein- bis zweizeilige Pinselgoldinitialen, wechselweise auf rotem oder blauem Grund, gefüllt mit kleinen Blüten, Blättern, Ornamenten oder Hundeköpfen (z. B. 88r, 126r, 128v, 153v, 169v), selten rote oder blaue Zeilenfüller, mit Pinselgold gehöht. Drei grafische Zirkel (13v, 14v, 15r). – Pariser Atelier, möglicherweise dem Maître de Jacques de Besançon zuzuschreiben.

Format und Anordnung:

Bis auf die dicht aufeinanderfolgenden Bilder zu den Heiligengebeten sind die Miniaturen (68−70 × 51 mm) stets recto positioniert und haben drei Zeilen Text darunter . Elf Zeilen hoch mit Rundbogenabschluss. Typisch französisches Layout mit großen Kopfminiaturen und darunter breiten Initialen, die die Hälfte der Textbreite einnehmen.

Bildaufbau und -ausführung:

Obwohl Text und Schrift deutsch sind, sind Dekor und Miniaturen im Stil französisch. Die sehr sorgfältig ausgeführten Miniaturen machen einen ordentlichen, gediegenen, dabei etwas steifen Eindruck. Besondere Kennzeichen oder Einfälle sind nicht zu sehen. Der Bildraum wird meistens nur locker gefüllt. Die Personen stehen häufig in luftigen Räumen, die den Blick in eine Landschaft ermöglichen. Zum Beispiel steht die hl. Veronika (191r) unter einer tempelartigen Architektur mit Säulen, die einen weiten Blick in die Landschaft auf eine Stadt erlaubt. Einige der Heiligen stehen in dem immer wiederkehrenden Standardraum (gelegentlich abgewandelt auf 26r, 191r, 233r, 259r) mit einem Vorhang hinten, kostbaren Marmorwänden, Porphyrsäulen vorn und seitlichen rundbogenartigen Wanddurchbrüchen mit Landschaftsausblick. Innenräume werden in der Regel nach vorne mit filigranem Maßwerk abgeschlossen. Selbst figurenreiche Szenen wie die Beweinung (196r) weisen kaum Überschneidungen auf, sondern lassen auch hier Raum für einen weiten Landschaftsausblick. Die einzige Szene, die den Eindruck von Gefülltheit erweckt, ist die Bestattungsszene auf 130r, in der viele Menschen am offenen Grab stehen. Die langgestreckten Figuren haben alle ein zierliches Gleichmaß und zeigen wenig Temperament in ihren Bewegungen. In das helle Inkarnat der Frauen und das gebräunte der Männer zeichnete der Maler mit spitzer Feder sehr fein Gesichter mit schwarzer Tinte hinein und färbte zart Augenlider, Wangen, Mund mit Orange. Obwohl die ovalen Gesichter mit hoher, runder Stirn, Mittelscheitel und breiten Haarsträhnen mit mehreren Farben fein modelliert wurden, besitzen sie kaum Ausdruck. Die Linienführung ist sehr routiniert mit regelmäßigen Falten und sehr vielen Schraffuren. Struktur wird zudem mit Höhungen in Muschelgold erreicht.

Die Miniaturen können dem Atelier des Jacques de Besançon oder seinem Kollegen mit dem Notnamen Maître de Jacques de Besançon zugeschrieben werden, mit dem zusammen er wohl das Johannes-Offizium in Paris, Bibliothèque Mazarine, Ms. 461 ausmalte. Zu diesen Miniaturisten Manion (1996) und Brinkmann in: Ars vivendi, ars moriendi (2001) S. 200. Stilistisch eng verwandt ist dieses Gebetbuch mit Wolfenbüttel, Cod. Guelf. 296 Blank. und zudem mit einem Gebetbuch aus der Sammlung Renate König, heute in Köln (Nr. 43.1.163.), das dem Vorgänger des Jacques de Besançon, Maître François, zugeschrieben wird. Vor allem die Gestaltung der Blätter 1v, 144r, 154r, 179r, 215r, 217v, 225r, 226v, 233v zeigt viele Übereinstimmungen. Auch das Stundenbuch Wien, Cod. 1840 (Pächt/Jenni [1974] S. 80f.) aus der Maitre François Gruppe fällt in diese stilistische Gruppe.

Allgemeines zu der Gruppe von insgesamt acht bisher bekannten, in Paris gefertigten Gebetbüchern für den süddeutschen Markt bei Cermann unter Nr. 43.1.3. Vergleichshandschriften sind zudem Nr. 43.1.4., 43.1.10., 43.1.109., 43.1.163., 43.1.210. und 43.1.179.

Bildthemen:

Die Bildthemen zeigen ein Standardprogramm mit Verkündigung zum Marienoffizium, Geburt Christi zur Marienmesse, König David im Gebet zu den Bußpsalmen, Auferweckung des Lazarus zur Totenvesper, Bestattung zur Totenvigil, hl. Dreifaltigkeit zu den entsprechenden Gebeten, Kreuzigung zu den Tagzeiten zur Passion, Gregorsmesse zum Gebet an den hl. Gregor, Veronika zum ›Salve sancta facies‹, Pietà zum Mitleiden Mariens. Die folgenden 14 Miniaturen zeigen Heilige zu den ihnen gewidmeten Gebeten.

Farben:

Typische französische Palette in Blau, Rosa, Rotbraun, Grün, Blau, Grau, Weiß, Ocker, Gelb, braunes Violett, Hellblau, Hellgrün, Braun, Rotorange, Schwarz, Pinselgold, Orange. Die Miniaturen wirken in ihren Farbwerten gedämpft, da sie vielfach durch eine kontrastierende Schraffur gebrochen wurden: Die meisten Farben wurden mit Pinselgold gehöht, in ihren Farbwerten somit eingeebnet; einige Farben wurden aber auch mit Rot (Pinselgold, Grau, gelegentlich auch Ocker und Gelb) oder Blau (Weiß) schraffiert. Dadurch wird eine Gleichförmigkeit des Farbbilds erzielt. Nur in den Bordüren treten die Farben klarer hervor, insbesondere Gelb und Orange stechen dort heraus.

Literatur:

Catalogue of Additions (1864) S. 11f. – Plotzek (1987) S. 128; Ars vivendi, ars moriendi (2001) S. 200; Backhouse (2004) S. 68, Farbabb. 53 (248v); Cermann (2005) S. 87, 121, 128, Anm. 622; Cermann (2010) S. 11f.

Abb. 3: 26r.

Abb. 4: 252r.

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Abb. 3.
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Abb. 4.