KdiH

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43.1.78a. Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 106; Mainz, Martinus-Bibliothek, Hs. 46

Begonnen von Regina Cermann, fortgeführt von Isabel von Bredow-Klaus

Ergänzung zum gedruckten KdiH

Datum der Veröffentlichung: 12.10.2026

Datierung:

Um 1495.

Lokalisierung:

Konstanz.

Ausführliche Beschreibung unter Nr. 25.3.2. Siehe auch Nr. 85.10.2.

Inhalt: Religiöse Dichtung und Prosagebete, darunter:

5.

43r–v

Ablassgebet Papst Clemens Ü: Dis sind die vier fröd die vnser her haut an dem hailigen fron crutz ... A: Die erst fröd ist Ich ermanen dich lieber herr ihesu cristi der fröd die din minriche sel empfieng an dem hailigen crutz ...

6.

44r–47v

Achttagegebet an Maria A: O du allersüssosti vnd hochgesegnoti ewige Jungfrow maria Ich armer sunder vall demüttenclich zuͦ den füssen der hailigen mütterlichen barmhertzikait mit hertzen vnd mit dem lib ... (auch, mit abweichendem Beginn, in Karlsruhe, Cod. St. Peter pap. 6, 219v–223v)

47v

Miniatur: Krönung Mariens

7.

48r–64r

Himmelfahrt Mariens Ü: vnser frowen tag als sy zuͦ himel fuͦr A: Do nun die zitt komen was das Jhs sin muͦtter wolt zuͦ Im han In dz himelrich... (Hilg [1981] S. 395)

64v

Taufe Christi

8.

65r–68r

Fünf Gebete für Verstorbene Ü: Das ist ain guͤtt gebett von allen globigen selen A: Ich bitt dich her himelscher vatter durch dinen höchsten namen durch dinen vetterlichen gewalt ...

68v

Versuchung des hl. Antonius

69r

Veronika mit dem Schweißtuch

9.

69r–70r

Gebet zum Antlitz Jesu A: Got grütz dich du frunttliches anntlitt weliches für vns vff dem altaur des crütz bist also blaich worden ...

10.

70r–v

Mariengebet A: O Ir aller säligosten füs die da habent getragen den küng der welt ...

11.

70v–74r

Mystischer Traktat A: Ain waure sponsa christi sol sin gantz lutter vnd rain gedenken In verstentnus In willen vnd begirden ...

12.

74r–75r

Meister Eckhart, ›Von abegescheidenheit‹, Auszug

13.

75r–v

Anweisung zur kurzen Betrachtung des Leidens Christi an jedem Tag der Woche A: Wiltu dz wirdig liden vnnsers lieben herren gern alle tag mit einem kurtzen übergang bedenken ...

14.

76r–v

Ü: Dis gebett ist vs der latin gemacht von ainem hochgelerten
Drei Bittgebete der Anna Mumprat und Schenkungsvermerk 1497

15.

119r–121r

Nachtrag: Gebete von der hl. Ursula und den Jungfrauen

I. Kodikologische Beschreibung:

Pergament (1–40) und Papier (41–122), II + 122 Blätter, 215 × 160 mm, Bastarda, drei Hände (I: 1r–59r, 60v–68r, II: 59v–60r, III: 69r–75v, zwei Nachtragshände), einspaltig, 27–28 Zeilen (1r–40r), 21 Zeilen (41r–68r), 17–18 Zeilen (69r–75v), drei- und vierzeilige rote Lombarden (1r–68r).

Schreibsprache:

östliches Südalemannisch (Eichenberger/Mackert [2012/2013]).

II. Bildausstattung:

24 Miniaturen, wohl von Rudolf Stahel, davon jeweils eine zu Text 6 (47v), Text 7 (64v), Text 8 (68v) und Text 9 (69r).

Format und Anordnung:

Zwei ganzseitige Miniaturen (64v, 68v), zwei halbseitige, davon eine im unteren Drittel (47v), eine im oberen Drittel (69r).

Bildaufbau und -ausführung:

Der Bildaufbau ist in den vier Miniaturen sehr klar gestaltet. Die sehr kindliche Maria kniet mittig im Bild und gleichmäßig sind neben ihr zu beiden Seiten Jesus, Gottvater und mehrere Engel angeordnet, während die Taube des Hl. Geistes über ihr schwebt (47v). Die gleiche Anordnung der Personen findet sich auch bei der Taufe, bei der sich jedoch der Jordan perspektivisch problematisch vom sehr niedrigen Horizont ins Bild ergießt (64v). Die dritte Miniatur dieses Gebetsteils ist Antonius in einer Grotte gewidmet, der bedrängt wird von drei Teufeln (68v). Gerade bei Antonius zeigt sich eine besonders detaillierte Behandlung der feinen Bart- und Haartracht und die voluminöse Faltengebung der fließenden Gewänder. Stahels Sinn für Details wird auch deutlich in den Bäumen des Hintergrunds mit den darüber kreisenden Krähen und den Blümchen auf den Rasenstücken bei der Taufe und beim hl. Antonius. Blumen detailliert, Gräser dagegen eher schematisch wiederzugeben, ist eine Vorliebe Rudolf Stahels. Auch die plastische Gewandgestaltung sowie das klare Kolorit verweisen diese Miniaturen in das Werk Stahels. Vgl. Konrad (1989) und Buchmalerei im Bodenseeraum (1997, S. 322).

Bildthemen:

Die Miniatur der Marienkrönung steht als Abschluss des Achttagegebets, in dem Maria an ihre Freuden gemahnt wird, zu denen als letztes ihre Krönung zählt. Zugleich hat diese Miniatur aber auch direkten Bezug auf die nachfolgende Himmelfahrt Mariens, die ebenfalls mit der Marienkrönung endet. Die Taufe Christi vor dem Allerseelengebet steht dagegen nicht in unmittelbarem Textzusammenhang. Sie befindet sich am Ende einer Lage und es könnte sein, dass an die Miniatur eine Lage anschließen sollte, die mit einem Text mit Bezug zur Taufe begonnen hat. Warum die Miniatur des hl. Antonius zwischen den Allerseelengebeten und dem Gebet an das hl. Antlitz steht und unmittelbar gefolgt wird von der Miniatur der hl. Veronika, kann nicht beantwortet werden. Es gibt keinen Text zu diesem Heiligen. Die Miniatur der hl. Veronika mit dem Schweißtuch wiederum leitet ein Gebet an das hl. Antlitz ein (69r).

Farben:

klare Temperafarben: Rot, Grün, Dunkelblau, Hellblau, Violett, Gelb, Ocker, Braun, Weiß, Orange, Hellgrün, Dunkelgrün.

Literatur:

Barack (1865/1974) S. 101f.; Eichenberger/Mackert (2012/2013), online-Katalogisat von Codex Donaueschingen 106. – Banz (1908) S. 17–24; Lehmann-Haupt (1929) S. 177, Abb. 116; »Unberechenbare Zinsen« (1993) S. 120; Bergmann (1986) S. 417; Konrad (1989) S. 74f.; Fechter (1997) S. 128–131 (Nr. 38 + 38a); Buchmalerei im Bodenseeraum (1997) S. 321f.; Spätmittelalter am Oberrhein (2001) S. 377f. (Nr. 218).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus