KdiH

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43.1.15. Berlin, Staatliche Museen – Preußischer Kulturbesitz, Kupferstichkabinett, Cim. 22 (ehem. Hs. 36)

Bearbeitet von Regina Cermann

KdiH-Band 5

Datierung:

Um 1430–1440 (Schreiber, Cohn [1934], von Heusinger [1953], Field [1965], Bevers [1994]), 1430–1450 (Lehrs [1908]), Mitte 15. Jahrhundert (Schmidt [1995]). Elsaß (Cohn [1934], Jänecke [1964]), Oberrhein (Bevers [1994]).

Lokalisierung:

Bayern? (Gugenbauer referiert bei Schreiber, Field [1965], Schmidt [1995]).

Besitzgeschichte:

1835 mit der Sammlung des preußischen Generalpostmeisters und späteren Staatsministers Carl Ferdinand Friedrich von Nagler (1770–1846) erworben (Lugt [1921–1956] Nr. 2529).

Gebetbuch mit Holzschnitten der Passion

Inhalt:

Text parallel überliefert Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs. 1735, 91r–102r; Kompilation von Gebeten zur Passion (in verschiedenen Zyklen überliefert: Nr. 43.1.59., 7r–87v; andere Texttradition: Nr. 43.1.211., 9v–26v und Tagzeiten zur Passion (Nr. 43.1.62., 18r–40v)

1v

leer

1r–13v

Zwölfteiliger Gebetszyklus zur Passion (nachfolgend in rekonstruierter Reihenfolge)

1r

Holzschnitt: Palmsonntag (Schreiber 151a)

3v

Gedennck wie vnnser lieber herre gein Jerusalem an dem palmtag ein rait

3r

Holzschnitt: Letztes Abendmahl (Schreiber 170a)

4v

Gedennck wie mit grosser begi[r] vnnser lieber herre Jhesus cris[t] nam mit seinen lieben Jungner das abentessen

4r

Holzschnitt: Gebet am Ölberg (Schreiber 193a)

5v

O du frewdenreicher trost aller betrübten herczen ich dannck dir vnd man dich das du nach dem abent essen deinen lieben Jungern Jr heilig fuezz twugst … vnd von in gingt auf den perg Oliueti

5r

Holzschnitt: Christus vor Hannas (Schreiber 257a: Christus vor Pilatus. Blatt oben links beschriftet Annas)

7v

O du gewaltiger schopfer aller creatur vnd dinge ich pitt dich vnd mon dich … des ellenden stens zu metten zeit vor Annas dem richter …

7r

Holzschnitt: Geißelung (Schreiber 290a)

6v

O kunige der ewigen ern vnd ich dannck dir vnd mon dich … der gar herten scharffen gaisl sleg …

6r

Holzschnitt: Dornenkrönung (Schreiber 310a)

2v

O du gewaltiger richter vber lebentig vnd vber tod ich dannck vnd mon dich des gar peinlichen chronens …

2r

O du Clarer Spiegel der heiligen gothait Cristus Jhesus … wie gar vnparmherczycleich dich die Juden vnfurten

8r

Holzschnitt: Ecce homo (Schreiber 329a)

8v

O herre der gruntlosen parmherczichait Jch dannck dir vnd lob dich darumb das dir der swär ast des heiligen fronkreuczes auf dein vorserten rucken ward gegeben

9r

Holzschnitt: Kreuztragung (Schreiber 343a)

9v

O herre künige vber allew reich Jch dannck dir vnd ich mon dich des erhohens an dem ast des heiligen fronkreuczes des schamleichen hanngens zu nonczeit

10r

Holzschnitt: Kreuzigung (Schreiber 435b)

10v

O du Clarer Spiegel der lauteren gothait Jch dannck dir vnd mane dich … des gar senleichen abnemens

13r

Holzschnitt: Pietà vor Marterwerkzeugen (Schreiber 977b)

13v

O du wares liecht himelreichs vnd ertreichs ich dannck dir vnd mon dich das dein heiliger leichnam czu Conpletczeit ward gelegt in das wueste ertrich

11r

Holzschnitt: Grablegung (Schreiber 519a)

11v

O Gewaltiger got Sighafter got Jch dannck dir vnd man dich der gewaltigen frölich vrstend

12r

Holzschnitt: Auferstehung (Schreiber 538o)

12v

leer
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, I + 13 + I Blätter, moderne Bleistiftfoliierung, 138 × 100 mm (beschnitten). Lagenformel: VI+113 (+1; ursprünglich wohl +2). Die Blätter sind spätestens seit der Zeit C. F. F. von Naglers an neue Papierfälze geklebt und zu einer Lage verbunden worden: Dabei wurde bei den ersten sieben Blättern recto zu verso verkehrt und die Reihenfolge insgesamt mehrmals vertauscht. Eine inhaltlich kohärente Text-Bild-Abfolge ergibt sich bei der Anordnung: 1v/1r, 3v/3r, 4v/4r, 5v/5r, 7v/7r, 6v/6r, 2v/2r, 8r/8v, 9r/9v, 10r/10v, 13r/13v, 11r/11v, 12r/12v. Kursive, eine Hand, einspaltig, 20–24 Zeilen, rote Strichel, zwölf dreizeilige Lombarden in Grün, Rot oder Hellbraun, jeweils am Gebetsanfang, gelegentlich schlicht verziert: 2v Blatt, 6v Gesicht, 11v Blüte. Teilweise Textverlust an den äußeren Längsseiten durch Beschnitt. Die Ränder unten mit Papier verstärkt und auf ein Format gebracht. Kleinere Einrisse zum Teil mit Papier hinterlegt.

Schreibsprache:

mittelbairisch (Schmidt [1995]).

II. Bildausstattung:

Zwölf Holzschnitte (1r, 3r, 4r, 5r, 7r, 6r, 8r, 9r, 10r, 13r, 11r, 12r), bis auf 12r (Schreiber 538o), den Schmidt (1995) in einem Blockbuch wiederentdeckte (Symbolum apostolicum. Wien, Nationalbibliothek, Ink. 2. D. 42, Bl. 7), unikal überliefert.

Format und Anordnung:

128–139 × 80–93 mm. Als Bilderfolge für eine Lage konzipiert (VI+113 [+2]): sechs Doppelblätter mit je zwei nebeneinander gedruckten Holzschnitten, die beim Falten auf verso- (vor dem Falz) bzw. recto-Seiten (nach dem Falz) gelangten.

Bildaufbau und -ausführung:

Disparate Holzschnitte: Bereits Schreiber und Cohn (1934) haben zwei Holzschnitte, das vorzüglich gezeichnete Gebet am Ölberg (Schreiber 193a) und die in einem Blockbuch wiederkehrende Auferstehung (Schreiber 538o), von den übrigen abgesondert. Enger zusammenschließen lassen sich Schreiber Nr. 290a, 329a, 343a, 435b, 519a, 977b (insgesamt etwas steifere Körperhaltung); altertümlicher wirken Schreiber Nr. 151a und 257a (größere Hände und Köpfe, weiche Gewandfalten); zu beiden Gruppen indifferent nehmen sich Schreiber Nr. 170a und 310a aus. Nach Schmidt (1995) sind die Stilunterschiede nicht verschiedenen Händen – wie Schreiber und von Heusinger (1953) annahmen –, sondern verschiedenen Vorlagen geschuldet. Cohn (1934), von Heusinger (1953) und Jänecke (1964) konstatierten eine Nähe zur elsässischen Buchmaler-Werkstatt von 1418 (mit Heidelberg, Cod. pal. germ. 144 verglichen). Von Schmidt (1995) aufgrund der verschobenen Datierung und Lokalisierung dahingehend modifiziert, daß ein Teil des Vorlagenmaterials aus diesem Umfeld stammen könnte.

Bildthemen:

Zwölfteiliger Passionszyklus (Palmsonntag bis Auferstehung). Die Umfunktionierung von »Christus vor Pilatus« in »Christus vor Annas« deutet darauf hin, daß die Holzschnittfolge nicht ursprünglich für diesen Text geschaffen worden ist.

Farben:

Sorgfältig koloriert mit Grün, Blau bzw. Graublau (dabei Lichter ausgespart!), Rot, Hellbraun, Dunkelbraun, Gelb (zum Teil dieselben Farben, die auch für die Initialen verwendet wurden). 1r Farben verblaßt.

Literatur:

Lehrs (1908) Nr. 13–24, Taf. XIII–XV (alle Holzschnitte). – Schreiber Folge 151a, Abb. in TIB Bd. 161–163; Cohn (1934) S. 19 f.; von Heusinger (1953) S. 25–27; Jänecke (1964) S. 141–143; Field (1965) unter Nr. 36, I.a.; Bevers (1994) S. 93, Nr. III.4, Farbabb. (6v+7r); Schmidt (1995) Bd. 1, S. 275 f., Bd. 2, S. 8 f., Abb. 289 (11v+12r), 290 (Rekonstruktion); Die Karlsruher Passion (1996) S. 234, Nr. 60, S. 235, Abb. 198 (7r); Gutenberg. aventur und kunst (2000) S. 269, Kat.-Nr. GM 22, Farbabb. von 8v+9r; Spätmittelalter am Oberrhein (2001) Teil 2, Bd. 1, S. 116, Nr. 213, Farbabb. von 8v+9r.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 20: 3v+4r. Textseite. Christi Gebet am Ölberg (Holzschnitt).

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Abb. 20.