KdiH

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43.1.28. Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Ms. germ. oct. 703; Washington, National Gallery of Art, Department of Prints and Drawings, The Rosenwald Collection, B-3422a bis B-3422e

Bearbeitet von Regina Cermann

KdiH-Band 5

Datierung:

Um 1494. Reutlingen? (7v, 18v, 26v, 27v, 37r Vor-, 1v, 56r, 61v Nachzeichnungen zum bzw. vom Druck [Reutlingen: Michael Greyff, um 1494]).

Besitzgeschichte:

1v zwei unidentifizierte Wappen: links blaues A auf weißem Grund, zwischen den Schrägen statt des Querstrichs ein blauer Punkt; rechts roter Balken auf weißem Grund. 1r Eintrag von 1604, Name zu Beginn gelöscht. Auf dem vorderen Innenspiegel Eintrag von Anna Bardtenstainerin, von 1639 bis 1651 Äbtissin im Zisterzienserinnenkloster Kirchheim am Ries (Anna Bardtenstainerin ist dz biechlein hat mirs geschenckht [Rasur] got vergeltt irß), darunter von anderer Hand S. Elisabet Röbin, laut Schromm (1998) identisch mit der Kirchheimer Laienschwester Elisabetha Raben (vgl. Nr. 43.1.125.). Im Zuge der Säkularisation an das Haus Oettingen-Wallerstein gekommen (vorderer Innenspiegel: Inventarnummer K 125, Signatur Oettingen-Wallerstein I.3. [Deutsch] 8°.6). 1934 zur Versteigerung eingereicht, aber nicht verkauft (Schätzpreis 1500,– RM). Von der Staatsbibliothek am 5.12.1935 vom Münchner Antiquariat Weiss für 300,– RM erworben. Laut handschriftlichem Inventar waren die ursprünglich eingeklebt gewesene[n] Einblattdrucke bereits durch ein Münchener Antiquariat verkauft worden. Fünf Holzschnitte gelangten 1939 mit der Sammlung des emigrierten Münchner Bankiers Martin Aufhäuser in die Lessing J. Rosenwald Collection.

Berthold, ›Zeitglöcklein des Lebens und Leidens Christi‹

Inhalt:

1r

Nachtrag von 1604, die ersten eineinhalb Zeilen Rasur E[…] hertt[…]gin [ist dis] buͦch so lang gott will O herr in dein verwundts hertz hin Ein klag ich dir mein Elend mein vnd bitt dich laß mich imer vnd Ewig dein aigen sein

1v–207r

Das andächtig zitglöcklin

1v

Federzeichnung (eingeklebt): Zeitglöcklein, darüber zwei Wappen (s. o.). Nachzeichnung nach [Reutlingen: Michael Greyff, um 1494], ajr

7v

Federzeichnung: Verkündigung. Vorlage für [Reutlingen: Michael Greyff, um 1494], aviijr

18v

Federzeichnung: Geburt Christi, Maria nach einem Kupferstich von Martin Schongauer (Lehrs 5) oder seitenverkehrt nach einem Holzschnitt aus der ›Zeitglöcklein‹-Ausgabe Nürnberg: Friedrich Kreußner, [6.4.] 1493, bivv. Vorlage für [Reutlingen: Michael Greyff, um 1494], cjv

26v

Federzeichnung: Beschneidung. Vorlage für [Reutlingen: Michael Greyff, um 1494], cviijv

27v

Federzeichnung: Anbetung der Hl. Drei Könige, der älteste König nach einem Kupferstich von Martin Schongauer (Lehrs 6). Vorlage für [Reutlingen: Michael Greyff, um 1494], djv

31r

Holzschnitt: Hans Schäufelein, Die Seele des Menschen im Arme Gottes (Hollstein 529); (ehem. Schramm 606: Darbringung im Tempel)

37r

Federzeichnung: Darbringung im Tempel. Vorlage für [Reutlingen: Michael Greyff, um 1494], dvr; (ehem. Schramm 607: Flucht nach Ägypten)

44v

Holzschnitt: Hans Baldung Grien, Zwölfjähriger Christus im Tempel (Mende 133); (ehem. Schreiber 130a: Zwölfjähriger Christus im Tempel. Washington, National Gallery of Art, The Rosenwald Collection, B–3422a)

53r

Holzschnitt: Hans Schäufelein, Drei Engel (Hollstein 490); (ehem. Schramm 609: Taufe Christi)

56r

Federzeichnung (eingeklebt): Versuchung Christi. Nachzeichnung nach [Reutlingen: Michael Greyff, um 1494], giijv

61v

Federzeichnung (eingeklebt): Christus predigend. Nachzeichnung nach [Reutlingen: Michael Greyff, um 1494], gviijv

66r

Holzschnitt: Hans Schäufelein, Christus sendet den Hl. Geist herab auf den Menschen (Hollstein 460); (ehem. Schramm 612: Letztes Abendmahl)

67r

Holzschnitt: Hans Schäufelein, Christus vom Pfeil der Liebe ins Herz getroffen (Hollstein 515); (ehem. Schreiber 164b: Fußwaschung. Washington, National Gallery of Art, The Rosenwald Collection, B–3422b)

71r

Holzschnitt: Hans Schäufelein, Christus tritt zu einem tafelnden Paar (Hollstein 517); (ehem. Schramm 614: Judas erhält die dreißig Silberlinge)

75v

Holzschnitt: Hans Baldung Grien, Gebet am Ölberg (Mende 137); (ehem. Schramm 615: Gebet am Ölberg)

80r

Holzschnitt: Hans Schäufelein, Die Seele des Menschen vor der Hl. Dreifaltigkeit (Hollstein 489); (ehem. Schramm 616: Gefangennahme)

82r

Holzschnitt: Hans Schäufelein, Christus segnet die Kreatur (Hollstein 498); (ehem. Schramm 617: Christus wird abgeführt)

86r

Holzschnitt: Hans Süss von Kulmbach, Die Liebe Gottes vereinigt die Seele des Menschen mit Christus (Winkler [1941] Abb. 27); (ehem. Schramm 618: Christus vor Kaiphas)

87r

Holzschnitt: Hans Schäufelein, Christus, zwei Schafe und Petrus (Hollstein 502); (ehem. Schramm 619: Verspottung)

88v

Holzschnitt: Hans Süss von Kulmbach, Almosenspende; (ehem. Schramm 620: Rat der Hohenpriester)

94r

Holzschnitt: Hans Schäufelein, Christus mit Salbengefäß am Bett eines Kranken (Hollstein 516); (ehem. Schramm 621: Christus vor Pilatus)

100v

Holzschnitt: Christus als die Wahrheit und der Weg zur Wahrheit; (ehem. Schreiber 263a: Christus vor Pilatus. Washington, National Gallery of Art, The Rosenwald Collection, B–3422c)

106r

Holzschnitt: Gott sendet Taube des Hl. Geistes zu einem betenden Mönch herab; (ehem. Schramm 623: Entkleidung Christi)

107v

Holzschnitt: Hans Schäufelein, Christus als die Sonne der Gerechtigkeit (Hollstein 455); (ehem. Schramm 624: Geißelung)

110r

Holzschnitt: Hans Schäufelein, Das Feuer göttlicher Liebe sühnt die Erbsünde (Hollstein 505); (ehem. Schramm 625: Dornenkrönung)

114r

Holzschnitt: Hans Schäufelein, Gotteskindschaft (Hollstein 504); (ehem. Schramm 626: Pilatus wäscht seine Hände)

116v

Holzschnitt: Hans Schäufelein, Christus heilt einen Blinden (Hollstein 495); (ehem. Schramm 627: Kreuztragung)

123v

Holzschnitt: Hans Schäufelein, Der heilige Petrus, betend in den Wolken (Hollstein 461); (ehem. Schramm 628: Kreuzannagelung)

130v

Holzschnitt: Kreuztragung; (ehem. Schramm 629: Kreuzaufrichtung)

134r

Holzschnitt: Von der Anschauung Gottes von Antlitz zu Antlitz; (ehem. Schreiber 493b: Kreuzigung. Washington, National Gallery of Art, The Rosenwald Collection, B–3422d)

138v

Holzschnitt: wie 80r; (ehem. Schreiber 965a: Christus am Kreuz zwischen den Schächern. Washington, National Gallery of Art, The Rosenwald Collection, B–3422e)

145r

Holzschnitt: Hans Baldung Grien, Kniender vor der Hl. Dreifaltigkeit (Mende 115); (ehem. Schramm 632: Lanzenstich)

150r

Holzschnitt: Hans Schäufelein, Maria, Johannes und Maria Magdalena (Hollstein 488); (ehem. Schramm 633: Ohnmacht Mariens)

152r

Holzschnitt: wie 107v; (ehem. Schramm 634: Kreuzabnahme)

155v

Holzschnitt: Hans Baldung Grien, Christus segnet die Gräber (Mende 125); (ehem. Schramm 635: Grablegung)

159v

Holzschnitt: Hans Süss von Kulmbach, Ohne Christus ist keine Seligkeit zu erlangen (Winkler [1941] Abb. 26); (ehem. Schramm 636: Christus in der Vorhölle)

166v

Holzschnitt: Hans Schäufelein, Der reuige Sünder vor der Hl. Dreifaltigkeit (Hollstein 457); (ehem. Schramm 637: Auferstehung)

177r

Holzschnitt: Gnadenstuhl über der Erde schwebend; (ehem. Schramm 638: Himmelfahrt Christi)

187v

Holzschnitt: Hans Schäufelein, Die Seele des Menschen ruft die Hl. Dreifaltigkeit an (Hollstein 459); (ehem. Schramm 639: Pfingsten)

195r

Holzschnitt: Hans Schäufelein, Die Sonne als Symbol Christi (Hollstein 452); (ehem. Schramm 640: Jüngstes Gericht)

207v–211v

leer
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier (Wasserzeichen Krone bislang nicht identifiziert), 212 Blätter, moderne Bleistiftfoliierung (gezählt 1, 1a, 2–211), 162 × 112 mm. Lagenformel: V9 (1a), 9 VI117, VI–1128 (nach 128: unbeschriebenes Blatt zu drei Viertel abgeschnitten, kein Textverlust), 7 VI212 (212 Innenspiegel). Lagensignaturen a10, b-[s]12. Kursive, eine Hand, einspaltig, 18–20 Zeilen, rote Strichel, Caputzeichen, Unterstreichungen. Platz für zweizeilige Initialen ausgespart.

Schreibsprache:

schwäbisch.

II. Bildausstattung:

Acht Federzeichnungen (in der Literatur nur sieben erwähnt, da die unkolorierte Federzeichnung auf 37r durch einen Holzschnitt verdeckt war), drei davon eingeklebt (1v, 56r, 61v), fünf direkt auf die Buchseiten skizziert (7v, 18v, 26v, 27v, 37r). 32 Holzschnitte (31r, 44v, 53r, 66r, 67r, 71r, 75v, 80r, 82r, 86r, 87r, 88v, 94r, 100v, 106r, 107v, 110r, 114r, 116v, 123v, 130v, 134r, 138v, 145r, 150r, 152r, 155v, 159v, 166v, 177r, 187v, 195r), darunter zwei Wiederholungen (80v = 138v; 107v = 152r), ein weiterer vormals über der Federzeichnung auf 37r. Die heute im Buch befindlichen Holzschnitte stammen aus einem Frühdruck, der mit über 1000 Holzschnitten verschwenderisch illustriert worden war: Ulrich Pinder, ›Der beschlossen gart des rosenkranzes marie‹. Nürnberg: [Friedrich Peypus für Ulrich Pinder], 9.11.1505 (VD 16 P 2806). Sie wurden erst zwischen 1934 und 1935 in die Handschrift eingeklebt, um die Entnahme von 33 in der Literatur beschriebenen Holzschnitten und Einblattdrucken zu kaschieren; unverhofft wurde beim Herauslösen eine achte Federzeichnung freigelegt (37r). 20 der heute vorhandenen Holzschnitte (darunter zwei Wiederholungen) werden Hans Schäufelein (vgl. Hollstein German, Bd. XLIII, S. 40–94), vier Hans Baldung Grien (vgl. Oldenbourg [1962] S. 17–33; Mende [1978] S. 49–55), drei Hans Süss von Kulmbach (vgl. Winkler [1941] S. 8; Meister um Albrecht Dürer [1961] Nr. 25, S. 58), fünf einem Anonymus zugewiesen (vgl. Meister um Albrecht Dürer [1961] S. 59). 28 der originären Holzschnitte sollen laut Baumeister (1920b) Probeabzüge der von Johann Amerbach in Basel 1492 veranstalteten Ausgabe des ›Zeitglöckleins‹ gewesen sein (vgl. Schramm Bd. 21, Nr. 606, 607, 609, 612, 614–621, 623–629, 632–640). Ihr heutiger Verbleib ist unbekannt. Fünf weitere (Schreiber Nr. 130a, 164b, 263a, 493b, 965a), die 1920 als Einblattdrucke gesondert publiziert worden waren, befinden sich seit 1939 in Washington. Sie wurden 1491 von Markus Reinhard in Kirchheim (Elsaß) für die erste deutschsprachige Ausgabe des ›Zeitglöckleins‹ genutzt. Zwei Zeichner.

Obgleich die entwendeten Holzschnitte zwei verschiedenen Serien entlehnt sind, die bereits 1491 und 1492 zur Illustrierung zweier ›Zeitglöcklein‹-Ausgaben dienten, handelte es sich bei ihnen nicht um Buchholzschnitte, da ihre Rückseiten unbedruckt waren. Möglicherweise hatte man parallel zu den Buchausgaben Einblattdrucke herausgebracht, die die Folge leicht reduziert darboten, um sie noch auf einer Folioseite unterbringen zu können: Zu Kaspar Hochfeders Nürnberger Ausgabe von 1495 existiert jedenfalls solch ein Bogen (Schreiber 21b; Abb. in TIB Bd. 161, S. 38, mit 35 von 40 Buchholzschnitten – Schanze [1996] S. 137, 139 weist den Einblattdruck allerdings einem Nachfolger Hochfeders zu und datiert ihn um 1500). Für diese These spräche, daß man den im Basler Druck wiederholten Holzschnitt (Schramm Bd. 21, Nr. 621, 622) nur einfach besaß und auf Ergänzungen aus der Kirchheimer Folge angewiesen war. Im Auktionskatalog von 1934 glaubte man, in der Handschrift die Vorlage für die Basler Ausgabe erkennen zu können. Dies verbietet sich jedoch aufgrund der engen Bezüge zwischen den Zeichnungen und den Reutlinger Holzschnitten. Beer hatte bereits 1929 erkannt, daß die Reutlinger Holzschnitte nach den Baslern kopiert sind (seitenverkehrt zueinander). Das Verhältnis scheint aber komplizierter gewesen zu sein: Die Handschrift könnte ein Arbeitsschritt zwischen der Basler und der Reutlinger Ausgabe darstellen. Der für die Reutlinger Edition verantwortliche Reißer war keineswegs ein geistloser Handwerker, der blindlings einer Vorlage folgte, sondern hatte offenbar eigene Ambitionen; zwischen den Holzschnitten der Kirchheimer und der Basler Ausgabe wählte er die ihm genehme Variante: So orientierte er sich bei der Fußwaschung oder bei Christus vor Pilatus eher an der Kirchheimer Komposition, beim letzten Abendmahl oder bei der Versuchung Christi entschied er sich hingegen für die Basler Lösung. Für die Geburt Christi könnte überdies ein Holzschnitt aus Friedrich Creussners Nürnberger Edition von 1493 Pate gestanden haben (lateinisch bereits 1489). Einzelne Blätter enthalten zudem Reminiszenzen an Martin Schongauer (18v, 27v). Eine seiner Stärken lag gewiß in der Klärung räumlicher Situationen. Die Reutlinger Holzschnitte sind sehr gut gezeichnet, von allen ›Zeitglöcklein‹-Illustrationen sind es vielleicht die schönsten. Wie eng das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Handschrift und Drucken ist, müßte eingehender untersucht werden (die Texte unterscheiden sich hinsichtlich Schreibweise und Wortwahl; Vorzeichnungen und Reutlinger Holzschnitte verhalten sich seitengleich zueinander; in der Handschrift gibt es keinerlei Spuren von Markierungen o. ä., die auf eine Verwendung als Druckvorlage hinweisen, stattdessen sind Lagensignaturen vorhanden; zu interpretieren blieben auch die drei eingeklebten Nachzeichnungen, die die Reutlinger Holzschnitte plump kopieren).

Format und Anordnung:

Eingeklebte Federzeichnungen (drei): 66–72 × 55–56 mm (Nachzeichnungen nach den Reutlinger Holzschnitten, diese messen 65 × 56 mm); direkt aufgebrachte Federzeichnungen (fünf): mit Rahmenleiste 71–75 × 63–67 mm, ohne 65–68 × 55–60 mm (Vorlagen zu den Reutlinger Holzschnitten); Holzschnitte des Frühdrucks (32): 64–68 × 46–50 mm. Die einst vorhandenen Basler Holzschnitte (28): 65 × 47 mm, die Kirchheimer (fünf): 55–57 × 38–39 mm (ehedem auf 44v, 67r, 100v, 134r, 138v; heute in Washington). Um die Bildfelder dem Schriftspiegel anzupassen, wurden seitlich Zierleisten hinzugetuscht (auch im Basler Druck hatte man sich mit schmalen Bordürenstreifen beholfen). Über den Illustrationen (7v, 18v, 26v, 27v, 31r, 37r, 61v, 66r, 71r, 75v, 80r, 82r, 116v, 123v, 134r, 138v, 145r, 152r, 159v, 166v, 177r, 195r) oder unterhalb (44v, 53r, 56r, 67r, 86r, 87r, 94r, 100v, 106r, 107v, 110r, 114r, 130v, 150r, 155v, 187v) sieben bis elf Zeilen Text, nur eine mittig gesetzt (88v). Von den 39 Bildern (ohne Titelblatt) entfallen ein bis drei auf eine Stunde des Tages oder der Nacht: 1. (7v), 2. (18v), 3. (26v, 27v, 31r), 4. (37r), 5. (44v), 6. (53r, 56r, 61r), 7. (66r, 67r), 8. (71r), 9. (75r), 10. (80r, 82r), 11. (86r, 87r, 88v), 12. (94r), 13. (100v), 14. (106r, 107v, 110r), 15. (114r, 116r), 16. (123v), 17. (130v, 134r), 18. (138v, 145r), 19. (150r, 152r, 155v), 20. (159v), 21. (166v), 22. (177r), 23. (187v), 24. (195r). Die Positionierung der Bilder im Text weicht vom Reutlinger Druck ab. Öfters finden sich am unteren Blattrand Reste von Bildtituli (1v dz zyt gloͤcklin, 18v die geburt …, 31rin tempel geopffert, 56rversuͦcht wart vom gaist, 86r ihs ward gefiert fur den bischoff, 123v ihs wirt g[e]nagel[t], 134ram crucz).

Bildaufbau und -ausführung:

Die fünf Vorzeichnungen sind von beachtlicher Qualität. Vom Format her sind sie geringfügig größer als die Reutlinger Holzschnitte, weil sie noch von einer doppelten Rahmenleiste umgeben sind, die auf 27v und 37v zudem profiliert ist. Verglichen mit den Holzschnitten sind die Figuren in den Zeichnungen voluminöser, raumfüllender. Im einzelnen bestehen folgende Abweichungen: 7v der Engel besitzt Flügel, Türöffnung links kleiner, weder Sims noch Buchsbaum sichtbar; 18v im Hintergrund zwei Hügel, auf einer Kuppe ein Bäumchen, 26v aus der Prophetin Hanna (?) ist eine dritte Assistenzfigur mit Judenhut geworden, die in die Mitte des Raumes gerückt worden ist, 27v die Hl. Drei Könige sind anders gewandet und bieten andere Gefäße dar, der zweite faßt sich an seine Krone anstatt nach oben auf den Stern zu weisen (der kniende Alte ist mit seinem Hermelinkragen einem Kupferstich Martin Schongauers entlehnt, Lehrs 6), 37v Tafel mit hebräischen Schriftzeichen fehlt. Die drei Nachzeichnungen entsprechen im wesentlichen den Holzschnitten, doch sind die Umrisse weicher und etwas diffuser; sie wirken nicht sonderlich souverän.

Bildthemen:

Außer dem Titelmotiv enthielt die Handschrift ursprünglich einen 39-teiligen Zyklus zum Leben und Leiden Christi. Bei den gedruckten deutschsprachigen Ausgaben schwankt die Ausstattung zwischen 26 und 40 Illustrationen; die in diesem Zusammenhang wichtigen Basler und Reutlinger Ausgaben bieten wie die Handschrift einstmals eine Folge von 39 Bildern mit einer charakteristischen Wiederholung (Christus vor Pilatus). Erst seit den Drucken gehören Bilder offenbar konstitutiv mit zum Buch (auf 4v heißt es eigens: Das bild cristi ansehen in der gestalt als denn yetliche stund vordert vnd hieby funden wurt). Alle derzeit bekannten deutschsprachigen Handschriften (Kaeppeli [1970–1993] Bd. 1, S. 241, Nr. 670; außerdem: Berlin, Ms. germ. quart. 1817 [Abschrift nach dem Druck GW 4169 ?]; Cambridge, University Library, Add. 6904; Dessau, Stadtbibliothek, Georg. 70. 8°; Stockholm, Kungliga Biblioteket, Til. Ty. 2 [Abschrift nach dem Druck GW 4171 ?) überliefern nur den Text. Zwei weitere illustrierte Textzeugen sind die Zeitglöcklein Nr. 43.1.84a. und 43.1.90a. Allein zwei lateinische Codices aus der Mitte bzw. dem zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts besitzen Bilderzyklen mit 33 Federzeichnungen (Kassel, Landesbibliothek, 4° Ms. theol. 97; Weimar, Anna Amalia Bibliothek, Oct. 49). Es ist daher signifikant, wenn die einzige illustrierte deutschsprachige Handschrift gleich mit drei Inkunabeln in Verbindung zu bringen ist. Warum der Künstler, der die Basler Holzschnitte für den Reutlinger Druck transformierte, hier seine Arbeit bereits nach der fünften Zeichnung beendet hat, steht nur zu vermuten: Da er das Bildfeld auf 31r offenbar übersehen hatte, geriet seine Darbringung im Tempel – ungeachtet der Bildtituli – an die für die Flucht nach Ägypten vorgesehene Stelle (37r). Entschlossen wurde seine Zeichnung mit dem passenden Holzschnitt aus der Basler Folge überklebt (sie ist deshalb auch nicht koloriert); bequemlichkeitshalber ist man so vielleicht weiter verfahren. Die heute vorhandenen Holzschnitte sind bis auf zwei (44v, 75v) willkürlich eingefügt; ohne Kenntnis des Frühdrucks wäre ihr Inhalt oft kaum zu benennen.

Farben:

Eingeklebte Federzeichnungen: Braune Feder, koloriert mit Grün, Gelb, Blau, Lackrot, Braun, Orange. Direkt aufgebrachte Federzeichnungen: Schwarze Feder, koloriert mit Grün, Blau, Bordeaux, Blaßgelb, Braun, Rotbraun, Grauviolett, Rotorange. Zierleisten: blaßgelber Fond, braun gemustert. Nachträglich eingeklebte Holzschnitte: Blau, Gelb, Braun, Rosa, Orange, Grün. Da die Ersatz-Holzschnitte etwas kleiner ausfallen, wurde die Lücke bis zur gemalten Einfassung mit einem grell orangefarbenen Strich überspielt; einige Male wurden notgedrungen auch die flankierenden Bordürenstreifen retuschiert ( 67r, 134r, 138v). Washingtoner Holzschnitte: Dunkelblau, Rot, Gelb, Ocker, Braunviolett, Lackrot, Grün, Lila, Braun, Zinnober.

Literatur:

Lampert (1970) S. 70–74. – Baumeister (1920) S. 10 f., Nr. 30–34, mit Abb. der fünf Einblattdrucke; Schreiber 130a, 164b, 263a, 493b, 965a (wohl nach Abb. bei Baumeister beschrieben, da angeblich ohne Bemalung), Abb. in TIB Bd. 161–163; Karl & Faber, München, 11. Mai 1934. Auktion IX: Bibliophile Kostbarkeiten aus den Bibliotheken S. D. d. Fürsten Öttingen-Wallerstein in Maihingen und des Augsburger Patriziers Marcus Fugger (III. Teil) und Beiträge aus anderem Besitz, Nr. 62, S. 11; Field (1965) Nr. 13–17, Abb. von Schreiber Nr. 130a, 164b, 263a, 493b, 965a; Weck (1978) Sp. 801 f.; Schneider (1988) S. 12–15, 21, 132; Brandis (1997) S. 27–57, Farbabb. 21 (44v+45r); Schromm (1998) S. 23, 29, 305.

Anmerkungen:

Anmerkungen:

Ein gleichfalls in der Literatur als ›Zeitglöcklein‹ bezeichnetes Blockbuch hat bis auf die 24-Stunden-Einteilung mit Bertholds Werk nichts gemein. Die knappen Bildunterschriften dort kehren – gefolgt von ausführlichen Gebeten – in Nr. 43.1.206., 9v–109v wieder. Als »Leidensuhr« strukturiert ist auch ein Text, der in Nr. 43.1.41., 1r–37r und 43.1.80., 28v–64v überliefert ist.

Auf zwei Kupferstichen Israhels van Meckenem (Lehrs 191, 192), von denen es verschiedene Kopien (Lehrs Bd. IX, S. 191–194) sowie eine freie Kopie vom Monogrammisten H mit dem Messer gibt (Lehrs 1), faßt Maria einem um Fürsprache bittenden Mönch kosend an die Wange bzw. an das Kinn, während das von ihr gehaltene Christuskind mit einem Hammer an die Glocke einer Uhr schlägt. Schon Nagler ([1858–1879] Bd. 3, S. 161) mutmaßte, daß mit dem Mönch der Autor des ›Zeitglöckleins‹ gemeint gewesen sein könnte (vgl. die Zusammenfassung von Hutchison in TIB Bd. 9,2 [1991] S. 339 f.).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 49: 18v. Geburt Christi.

Abb. 50: 56r. Versuchung Christi.

Abb. 51: 31r. Die Seele des Menschen im Arm Gottes (Holzschnitt).

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Abb. 49.
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Abb. 50.
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Abb. 51.