KdiH

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43.1.7. Augsburg, Universitätsbibliothek, Cod. III.1.8º 55

Bearbeitet von Regina Cermann

KdiH-Band 5

Datierung:

2. Hälfte 15. Jahrhundert (Schneider [1988]: Ende 15. Jahrhundert).

Lokalisierung:

Augsburg? (Schneider [1988]: Bayern).

Besitzgeschichte:

Anfang des 16. Jahrhunderts im Besitz von Wolfgang Rumler († 1518) in Innsbruck, der 1508 Ursula Zieglerin aus Nördlingen geheiratet hat (3v–5r; obwohl auf die Gebete zu den weiblichen Heiligen noch eines zum hl. Wolfgang folgt [206v–207r], bleiben aufgrund von Schriftbild und Dekor Zweifel, ob Wolfgang Rumler bereits der Erstbesitzer gewesen ist). Im Vorderdeckel Monogramm JGB: Anno 1732 zu handen bekommen (Schneider [1988] liest IP oder IB).

Ungeklärte Bibliothekssignatur des 19. Jahrhunderts e. 124 (Vorderdeckel). Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts in die Oettingen-Wallersteinsche Sammlung gelangt. Seit 1980 in der Universitätsbibliothek Augsburg.

Gebetbuch Wolfgang Rumlers

Inhalt:

Text mit einigen Auslassungen parallel überliefert in Nr. 43.1.124.

1r–3r

Register (bricht nach dem Gebet zum hl. Christophorus ab)

3v–5r

Nachtrag: Einträge der Familie Rumler (1508–1518)

5v

leer

6r–35v

Sieben Bußpsalmen mit Litanei (darin wilhalm, vlrich, narciß, Conrad, ludwig, mang, afra, hylaria, adelhaid), Fürbitten und Gebet. Anfang fehlt

36r

leer

36v–39v

Johannes von Indersdorf, Gebet zur Dreifaltigkeit aus der Sammlung für Herzog Wilhelm III. von Bayern (Haimerl [1952] S. 155, Anm. 965, Nr. 1)

36v

Miniatur: Gnadenstuhl

39v–42r

Morgengebet

42v–46v

Gebet zum Antlitz Christi bzw. zur hl. Veronika

42v

Miniatur: Veronika mit dem Schweißtuch

46v–71r

Gebete zur Messe O Schoͤffer himmels vnd der erden küng aller künig herr aller herren … (vgl. Nr. 43.1.38., 19v–25v; München, Cgm 178, 27r–31v), darin 60v–63r zwei Seelengebete von Johannes von Indersdorf aus dem ›Ebran-Gebetbuch‹ (Haimerl [1952] S. 156, Anm. 972, Nr. 4, 5)

46v

Miniatur: Schmerzensmann im Sarkophag

71v

leer

72r–76v

Gebete zum Schutzengel und Eigenapostel

77r–79v

Bitte um Ablaß in einer Kirche

79v–81v

Gebet für ein seliges Ende O [l]ieber herr ihu xpe du bist durch vnsern willen kommen auff ditz erdtrich

82r–86r

Johannes von Indersdorf, Gebet aus der Sammlung für Herzog Wilhelm III. von Bayern (Haimerl [1952] S. 156, Anm. 973). Hier zu Weihnachten

86v

leer

87r–103v

Johann von Neumarkt, ›Tagzeiten vom Leiden Christi‹ (Klapper [1935] Nr. 1,2–14)

103v–112v

Gebete zu Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten (zwei), vom Jüngsten Gericht. In Anlehnung an Gebete von Johannes von Indersdorf für Herzog Wilhelm III. von Bayern

113r

leer

113v–127r

Johann von Neumarkt, ›Tagzeiten vom Mitleiden Mariens‹ (Klapper [1935] Nr. 2,4–13)

113v

Miniatur: Sitzende Madonna

127v–131v

Johannes von Indersdorf, Mariengebet aus der Sammlung für Herzog Wilhelm III. von Bayern (Haimerl [1952] S. 156, Anm. 971)

131v–132v

›Goldenes Ave Maria‹

133r–148r

Kommuniongebete (Haimerl [1952] S. 84, Anm. 490)

148r–152r

Drei Gebete zu Gründonnerstag

152v–154v

Pestgebet, mit Ablaß von Papst Pius II. (Haimerl [1952] S. 84, Anm. 488)

155r–156v

Gebet zum hl. Sebastian (Pestgebet; Haimerl [1952] S. 84, Anm. 489)

157r–207r

Heiligengebete und -suffragien: Apostel, Evangelisten, Märtyrer, Bischöfe, Beichtiger, Jungfrauen, Witwen; Johannes d. T. (zwei), Johannes d. Ev. (zwei, von Johannes von Indersdorf, Haimerl [1952] S. 154, Anm. 957; Abfolge gestört: 186r–187v, 189r), Antonius (188v, 190r–191v), Petrus und Paulus (189r–189v, 188r), Christophorus, Erasmus, Leonhard, Maria Magdalena (von Johannes von Indersdorf, Haimerl [1952] S. 155, Anm. 958), Barbara, Ottilie, Katharina, Apollonia, Wolfgang

192r

leer

192v

Miniatur: Christophorus

207v–209v

Johannes von Indersdorf, drei Seelengebete aus dem ›Ebran-Gebetbuch‹ (Haimerl [1952] S. 156, Anm. 972, Nr. 1, 2, 4)

210r–211r

Kreuzsegen Ich empfilch mich hewt vnd ymmer

211v

leer
I. Kodikologische Beschreibung:

Pergament, 211 Blätter, moderne Foliierung, 85 × 65 mm. Lagenformel: II4, IV+1–112 (+/–vor 6), 2 IV28, IV–135 (– nach 35), 8 IV99, IV+1108 (+108), III+1–2113 (+113, – 2 nach 113), III119, IV+1128 (+120), 3 IV152, II+1–1156 (vor 155) oder II+2–2156 (vor 153, 155), IV164, III170, 2 IV186, IV+1195 (+192; inhaltlich gehört Blatt 189 vor 188), 2 IV211. Bastarda, zwei Hände: I. 1r–3r, 6r–35v, 84r–211r; II. 37r–83v (6.–11. Lage). Einspaltig, elf bis zwölf Zeilen, Rubriken, gelegentlich rote Strichel, rote oder blaue Caputzeichen, ein- bis fünfzeilige rote und blaue (verblaßt) Lombarden.

Schreibsprache:

mittelbairisch, mit gelegentlich leicht ostschwäbischem Einschlag (Schneider [1988]).

II. Bildausstattung:

Fünf Miniaturen (36v, 42v, 46v, 113v, 192v), eingefaßt von einfarbigen (36v, 42v) oder Augsburger Wechselrahmen (46v, 113v, 192v) mit Goldpollen an den Seiten; mindestens zwei weitere Miniaturen herausgeschnitten (vor 6, 155; eventuell vor 153). Auf zwei leeren Seiten möglicherweise Bilder vorgesehen (71v, 86v). Vier vier- bis fünfzeilige Blattgoldinitialen auf blauem Grund (37r, 47r, 54r) bzw. umgekehrt (193r), eine mit Augsburger Wechselrahmen (47r), alle begleitet von zweiseitigen Ranken. Wohl Augsburger Werkstatt.

Format und Anordnung:

Vier ganzseitige Miniaturen (36v, 42v, 113v, 192v), 50–55 × 36–43 mm, eine mit einer Textzeile darüber (46v), 48 × 36 mm, jeweils auf verso-Seiten, bis auf die Blätter 113 und 192 Bestandteile des Quaternionenverbunds.

Bildaufbau und -ausführung:

Schlichte, formelhafte Kompositionen, bei denen der Bildgegenstand auf das Notwendige reduziert worden ist. Grobe Werkstattarbeit eines professionellen Ateliers, das sich Dekorformen Johannes Bämlers zu eigen gemacht (aufsichtige wilde Nelkenblüte) und stark simplifiziert hat (Vorläufer der Augsburg-Salzburger Missalien-Werkstatt?).

Bildthemen:

Der Schmerzensmann (46v) nimmt als Sinnbild des eucharistischen Opfers auf den Höhepunkt der Messe Bezug. Zu den Tagzeiten vom Mitleiden Mariens erscheint (sofern die Miniatur nicht auf die zwei nachfolgenden verlorenen Blätter Bezug genommen hat) kein spezifisches Compassio-Thema, sondern ein neutrales Marienbild (113v). Vor Blatt 6 könnte David im Gebet, vor 155 der hl. Sebastian gestanden haben. Auf 71v war vielleicht ein Schutzengel, auf 87v das Gebet am Ölberg oder eine Kreuzigung geplant.

Farben:

Rosa, Weiß, Blau, Ocker, Gelb, Grün, Grau, Rot, Beige. Blattgold (brüchig). 113v, 192v verschmiert.

Literatur:

Schneider (1988) S. 666–673. – Grupp (1897) S. 8 f., Nr. 199, 237.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 46: 46v+47r. Schmerzensmann im Sarkophag. Textseite mit Blattgoldinitiale, Ranke.

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Abb. 46.