KdiH

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43.1.19. Berlin, Staatliche Museen – Preußischer Kulturbesitz, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. 7-1 bis 13-1

Bearbeitet von Regina Cermann

KdiH-Band 5

Datierung:

Mitte 15. Jahrhundert (Kristeller [1915]: vor 1450).

Lokalisierung:

Bayern oder Franken, Nürnberg? (Schmidt [1995]).

Besitzgeschichte:

1835 mit der Sammlung Carl Ferdinand Friedrich von Naglers (1770–1846) erworben (Lugt [1921–1956] Nr. 2529).

Fragment eines Bilderzyklus

Inhalt:

7–1r

Überschrift: vnsers herrn kundu[n]g
Holzschnitt: Verkündigung (Schreiber 45)

7–1v

Überschrift: vnsers herrn purt
Holzschnitt: Geburt Christi (Schreiber 72)

8–1r

Überschrift: vnser frawen schiedung
Holzschnitt: Marientod (Schreiber 721)

8–1v

Überschrift: vnser fraw alls die ir kint am arm hot
Holzschnitt: Maria mit Kind, Landschaft (Schreiber 1074)

9–1r

Überschrift: als der herr gefangen wart
Holzschnitt: Gefangennahme (Schreiber 227)

9–1v

Überschrift: als der h[er]r fur gericht wart gefurt
Holzschnitt: Handwaschung des Pilatus (Schreiber 282)

10–1r

Überschrift: als der herr gegeiselt wart
Holzschnitt: Geißelung (Schreiber 302)

10–1v

Überschrift: als der herr gekrut wart
Holzschnitt: Dornenkrönung (Schreiber 315)

11–1r

Überschrift: als der herr dz kreucz auß trug
Holzschnitt: Kreuztragung (Schreiber 356)

11–1v

Überschrift: als der herr an dz kreutz genagelt wart
Holzschnitt: Kreuzannagelung (Schreiber 680)

12–1r

Überschrift: [a]ls man herrn vom kreutz nam vnd begraben wart
Holzschnitt: Kreuzabnahme (Schreiber 504)

12–1v

Überschrift: als der herr am kreutz hing
Holzschnitt: Kreuzigung (Schreiber 686)

13–1r

Überschrift: als der herr am ostertag maria magdalen erschein
Holzschnitt: Noli me tangere (Schreiber 561)

13–1v

Überschrift: als der herr pet auf dem olperg
Holzschnitt: Gebet am Ölberg (Schreiber 205)
I. Kodikologische Beschreibung:

Pergament, sieben Einzelblätter, 118–121 × 70–78 mm (beschnitten), Reste einer älteren Foliierung auf 7–1r (1), 10–1r (4), 11–1r (5) vorhanden. Bei 10–1 untere Ecke alt angeflickt. Über den Holzschnitten eine Zeile Text, in einer zierlichen Bastarda geschrieben.

Schreibsprache:

mittelbairisch (Schmidt [1995]).

II. Bildausstattung:

14 Holzschnitte, direkt auf das Pergament gedruckt, bis auf die Madonna (Schreiber 1074) zur Gulden puchlein-Gruppe gehörig (München, Staatsbibliothek, Dauerleihgabe der Graphischen Sammlung, o. Sign., datiert 1450 [164r]; vgl. Weigmann [1918] und Schmidt [1998] S. 72–80). Nach Schmidt (1995) stammen die Berliner Abzüge nicht – wie Kristeller (1915) und ihm nachfolgend Weigmann (1918) und später auch Schreiber annahmen – von denselben Druckstöcken wie die Münchner Blätter. Kristellers (1915) mit dem Gulden puchlein verknüpfte Datierung ist deshalb obsolet, der Schrift nach dürfte sie aber dennoch zutreffen; das Gros der zu dieser Gruppe gehörenden Holzschnitte fand im 2. Drittel des 15. Jahrhunderts seine Verbreitung (vgl. Schmidt [1998] S. 72; s. auch Nr. 43.1.48., 43.1.49., 43.1.87., 43.1.142., 43.1.152., 43.1.185.; auch in Form von Miniaturen [Darmstadt, Landesmuseum, Graphische Sammlung, AE 328 und 329; Nijmegen, Universiteitsbibliotheek, Hs. 292, 75v] und Kupferstichen [s. Nr. 43.1.145., 24v, 32v, 41v] sind diese Kompositionen überkommen). Schmidt (1995) zufolge könnte sich im Münchner Cgm 105 der Prototyp dieser äußerst erfolgreichen Serie erhalten haben (s. Nr. 43.1.118.).

Format und Anordnung:

117–121 × 70–78 mm, Kopienfolge mit Eckschrägen in den Rahmenleisten. Die Pergamentblätter wurden beidseitig bedruckt und mit einer Titelzeile am oberen Blattrand versehen. Klebereste an den Längsseiten ermöglichen zwar, Vorder- und Rückseite zu bestimmen, eine sinnvolle Rekonstruktion ist aber nicht möglich, da sich drei Blätter gegen jede logische Abfolge sperren (9–1, 12–1, 13–1). Die Überschrift auf 9–1v, die die gewöhnlich erst am Schluß des Prozesses erfolgende Handwaschung des Pilatus als eine beliebige Gerichtsszene ausgibt, läßt darauf schließen, daß man nicht immer die passende Szene zur Hand hatte bzw. die Bilderfolge nicht sonderlich umfangreich war; auch die Zusammenfassung von Kreuzabnahme und Grablegung auf 12–1r kann als Indiz hierfür gelten. Die Holzschnitte waren vielleicht einstmals als autonomer Zyklus einem Gebetbuch vorangestellt. Ähnliche, der Meditation dienende Bilderfolgen haben sich in Nr. 43.1.27., 43.1.30. und 43.1.186. erhalten; für die Beschriftung findet sich in Nr. 43.1.70. eine Parallele.

Bildthemen:

Fragmente aus einem Marien- und Passionszyklus.

Farben:

Kräftig koloriert mit Gelb, Grün, Blau, Rotbraun, Orange, Rosa, Ocker, Silber (oxydiert). Farben zum Teil abgesplittert bzw. abgewaschen (besonders Grün, Blau, Gelb), wohl absichtlich, um die Holzschnitte freizulegen.

Literatur:

Kristeller (1915) S. 7 f., Nr. 13–25, S. 23, Nr. 105, Taf. IV–VII (sämtliche Blätter [mit Textzeilen]). – Schreiber Folge 45, Abb. in TIB Bd. 161, Nr. 045, 072, 205, 227, 282, 302, 356, Bd. 162, Nr. 561, 680, 686, 721, Bd. 164, Nr. 1074; Weigmann (1918) S. 11, 15 f., 20–26, unter Nr. 8, 11, 31, 33, 39, 40, 42, 43, 45, 46, 48, 55; Schmidt (1995) Bd. 1, S. 233–235, Bd. 2, Abb. 245–247 (8–1v, 11–1r, 11–1v); Schmidt (1998) S. 74, Abb. 11 (Schreiber 227 [9–1r]).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 35: 9–1v. Handwaschung des Pilatus (Holzschnitt).

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Abb. 35.