KdiH

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43.1.68. ehem. Hamburg, Antiquariat Dr. Ernst Hauswedell, 1970/175,3045

Begonnen von Regina Cermann, fortgeführt von Isabel von Bredow-Klaus

Ergänzung zum gedruckten KdiH

Datum der Veröffentlichung: 15.12.2015

Datierung:

Um 1525.

Lokalisierung:

Niederrhein (?).

Besitzgeschichte:

Aufbewahrungsort unbekannt, vier Grafiken aus diesem Gebetbuch tauchten nach der Versteigerung 1970 auf bei C. G. Boerner, Düsseldorf, Neue Lagerliste 56, 1971, Nr. 3, Nr. 39 (erneut: Berlin, Bassenge, Auktion 73, Kunst des 15.–19. Jahrhunderts, 4./5.6.1999, Nr. 5481), Nr. 46 (heute: Bocholt, Galerie der Stadt) und Nr. 47; eine Federzeichnung bei Les Enluminures, Paris, Catalogue 1, 1992, Nr. 37.

Inhalt: Niederdeutsches (Nonnen?)-Gebetbuch
1. Holzschnitt: Durchbohrtes Herz Jesu am Kreuz, umgeben von Nägeln und Wundmalen, mit lateinischer xylografischer Unterschrift, 1525 datiert (Abb. bei Boerner [1971] S. 5, Nr. 3)
2. Kupferstich: Meister IM, Auferstehung Christi, nach Dürers 1512 datiertem Kupferstich aus der Passion (Bartsch 17; nicht in TIB 10,1, S. 56–59, unter .017, C1–C17 aufgeführt)
3. Kupferstich: Meister PW von Köln, sitzende Mondsichelmadonna, umgeben von einer Kompartimentbordüre (Lehrs 7 [1930] S. 270, Nr. 5; Abb. Boerner [1971] Umschlag; TIB 9,2, S. 6, Abb. S. 7, Nr. .005: Ex. London, BM)
4. Kupferstich: Monogrammist S, Lactatio und Amplexus des hl. Bernhard (Hollstein Dutch & Flemish 13, S. 166, Nr. 249 mit Abb.)
5. Kupferstich: Israhel van Meckenem, Lactatio des hl. Bernhard (Lehrs 9 [1934] S. 206, Nr. 211)
6. auf einem Blatt recto Kupferstich: Israhel van Meckenem, Bernhard (Lehrs 9 [1934] S. 269, Nr. 323)
7. auf demselben Blatt verso Kupferstich: Israhel van Meckenem, Johannes d. Ev. (Hollstein German 24, S. 229, Nr. 626, XXIVa, Abb. S. 250. - mittlerweile Israhel abgeschrieben)
8. Federzeichnung: Agnes
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 381 Blätter, 133 × 99 mm, Anfang und Schluss sowie möglicherweise einige Blätter innerhalb der Handschrift fehlen, zum großen Teil von einer Hand geschrieben, mit Einschüben von anderen Händen.

II. Bildausstattung:

Sechs Kupferstiche, davon zwei koloriert, ein kolorierter Holzschnitt, eine Federzeichnung, Klebespuren von einer weiteren, ehedem eingeklebten Grafik.

Format und Anordnung:

Nach der Versteigerung 1970 wurden die grafischen Blätter offensichtlich aus der Handschrift herausgetrennt und einzeln verkauft. Fünf Blätter waren ursprünglich auf- (Herz Jesu, Bernhard, Johannes, Agnes) bzw. eingeklebt (Mondsichelmadonna), drei mit eingebunden worden (Auferstehung, Lactatio sowie Lactatio und Amplexus des hl. Bernhard). Von der vormaligen Situierung innerhalb der Handschrift ist nur bekannt, dass die beiden Kupferstiche mit den Einzelfiguren des hl. Bernhard und Johannes des Evangelisten auf der Vorder- bzw. Rückseite eines Blattes montiert waren.

Bildaufbau und -ausführung:

1. Der Holzschnitt zeigt die Darstellung des durchbohrten Herzens Christi am Kreuz, gekrönt von der Dornenkrone und umgeben von den stigmatisierten Händen und Füßen und drei Nägeln. 2. Die gegenseitige Kopie der Auferstehung von 1512 aus Dürers Kupferstich-Passion bildet den Auferstandenen auf seinem geschlossenen Sarg ab, umgeben von Wächtern. 3. Vom Meister PW von Köln (1490 bis 1510 tätig) stammt der Kupferstich der Madonna auf der Mondsichel. Umgeben ist die Madonna von einer Flammenglorie, während sie von zwei über ihr schwebenden Engeln gekrönt wird. Das Hauptbild wird gerahmt von einer Kompartimentbordüre mit Blumen, Vögeln und Erdbeeren. In der Ausführung scheinen die Köpfe klein im Verhältnis zum voluminösen Gewand und Körper Mariens. Dieser Stich wurde von Weigmann [1928] dem Meister S zugewiesen. 4. Die doppelte Darstellung des Hl. Bernhard in einer Kirche, im linken Teil mit der Lactatio, im rechten mit dem Amplexus (Passavant 3 [1862] S. 65, Nr. 181), trägt die Signatur des Meisters S. Weitere Stiche des Monogrammisten S, dessen Werk bisher noch nicht monografisch erfasst ist, finden sich in Nr. 43.1.33., Nr. 43.1.64. und Nr. 43.1.65. 5. Der Kupferstich der Lactatio des hl. Bernhard trägt das Schriftband Monstra te esse matrem (Lehrs 9 [1934] Nr. 211) und ist Israhel van Meckenem zugeschrieben. Die Muttergottes thront unter einem geschnitzten Balchachin und zeigt ihre Brust dem vor ihr knienden Bernhard. Auf ihrem Schoß hält sie das nackte Jesuskind mit einer Hand fest, das in einer starren Bewegung auf den Heiligen weist. 6. Auf ein nachträglich eingefügtes kleineres Blatt ist der Kupferstich des hl. Bernhard von Israhel von Meckenem (Lehrs 9 [1934] Nr. 323) geklebt, auf dessen Rückseite montiert war der Kupferstich Johannes segnet den Kelch mit der Schlange (7.). Dieser Stich ist eine gegenseitige Kopie Israhel van Meckenems (nach Weigmann [1928], Boerner [1971] und Bassenge [1999], dagegen von New Hollstein [1986] IvM abgeschrieben) nach Schongauer (Lehrs 5 [1925] S. 218 Nr. 45) und offenbar ein Einzelblatt, das nur bei Hollstein German 24 Nr. 626 genannt wird. 8. Die mit Deckfarben bemalte Federzeichnung der Hl. Agnes gehört zu den sog. Nonnenarbeiten; möglicherweise wurde die Figur von einer grafischen Vorlage abgezeichnet. Mit Palmwedel und Lämmchen auf dem Arm findet man die hl. Agnes auf gewebten Kölner Borten bzw. Stickereien, die letztlich wohl auf Entwürfe Stefan Lochners zurückzuführen sind (Reineking-von Bock [1970] S. 172, Nr. 430, Abb. 132, S. 174, Nr. 434, Abb. 133). Um Agnes’ Heiligenschein finden sich die Worte Agnete de Agnus dei. Von Format und Auffassung ähnlich war ein verlorener Kupferstich vom Meister des Dutuitschen Ölbergs, vgl. dessen Dorothea (Lehrs 2 [1910] Nr. 80).

Bildthemen:

Auffällig ist das dreimalige Vorkommen des hl. Bernhard. Sehr selten ist die Darstellung des Heiligen Herzens am Kreuz. Da die Gebetstexte nicht bekannt sind und zudem auch nicht bekannt ist, an welchen Stellen im Buch die Illustrationen eingefügt waren, lässt sich zum Bild-Text-Bezug nichts feststellen.

Farben:

Mit Sicherheit koloriert waren der Holzschnitt (Grün, Rot, Gelb) und das Blatt mit Johannes (Hollstein German 24 Nr. 626: Rot, Gelb, Blau). Ein sehr zartes Kolorit besitzen zwei Stiche Israhels van Meckenem (Lehrs 9 [1934]: zarter Farbauftrag von Blau, Rotbraun, Braun, etwas Gelb, Grau; Die Federzeichnung wurde mit Rot, Grün, Gelb und etwas Blau kräftig mit Deckfarben ausgemalt.

Literatur:

Weigmann (1928) S. 249–251, Taf. 3 (Abb. von 5.); Hauswedell (1970) S. 117, Nr. 3045, Taf. 13 (Abb. von 5.); Boerner (1971) S. 4f., Nr. 3 (mit Abb. von 1.), S. 40f., Nr. 39 (mit Abb. von 7.), S. 44, Nr. 46 und 47 (Farbabb. Vorsatzbl., Umschlag von 3.); Pieper (1972) S. 27, Farbabb. 31 (Abb. von 5.), S. 29, Nr. 6; Hindman (1992) S. 90f., Nr. 37 (mit Farbabb. von 8.); Bassenge (1999) S. 100, Nr. 5481 (mit Farbabb. von 7.).