KdiH

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4.0.11. Colmar, Bibliothèque municipale, Ms. 261

Bearbeitet von Norbert H. Ott

KdiH-Band 1

Datierung:

Um 1410–20.

Lokalisierung:

Elsaß.

Besitzgeschichte:

Wohl zunächst im Besitz von Laienkreisen (Eintrag des frühen 15. Jahrhunderts auf dem Rückendeckel), dann im Dominikanerinnenkloster Unterlinden in Colmar, 1792 in die Stadtbibliothek gekommen. Bl. 1–45 regelmäßig, dann bis Bl. 97 vereinzelt Zusätze lateinischer Quellenzitate von einer Hand des 15. Jahrhunderts am Blattrand, die in die Handschriften der »Elsässischen Werkstatt von 1418« und die Diebold Laubers in Berlin, Heidelberg und Pommersfelden z. T. übernommen wurden. Siehe Nr. 4.0.8., 4.0.23., 4.0.48.

Inhalt:
ara–266vb Otto von Passau, ›Die vierundzwanzig Alten‹
Register, Vorrede, 24 Reden
(Schluß fehlt; wohl auch noch die ›Dankbarkeit‹ ursprünglich vorhanden, siehe die von vorliegendem Manuskript abhängigen Nrn. 4.0.8., 4.0.23., 4.0.48.)
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 266 Blätter, zwei Pergamentblätter a.b., die vier letzten Blätter ausgerissen (alte Zählung: a.b. 1–183. 183a. 184–191. 193–266), 300 × 204 mm, Textualis, eine Hand, zweispaltig, 30 Zeilen, rote und blaue Initialen, rote Überschriften und Autoritätennamen, Rubrizierung.

Schreibsprache:

elsässisch.

II. Bildausstattung:

24 Deckfarbenminiaturen (3ra, 6vb, 10va, 17rb, 22rb, 28va, 34ra, 40ra, 49ra, 55rb, 61va, 82ra, 122vb, 130va, 141ra, 149va, 161va, 171ra, 181va, 188vb, 220rb, 230vb, 242vb, 256va), eine Hand.

Sechszeilige Fleuronnée-Initiale D zum Register, rot und blau (ara); 15zeilige S-Initiale (90 × 40 mm) zur Vorrede, blauer Buchstabenkörper, mit linearen Federzeichnungen (Gottvater, zwei singende Engel, schreibender Johannes) gefüllt (1ra). 23 durchschnittlich vierzeilige Initialen zu den Anfängen der Reden: einfache rote oder blaue Buchstabenkörper (6vb, 17va, 34ra, 40ra, 55rb, 61va, 82ra, 149va, 181va, 188vb, 220vb, 243ra), mit Linienmustern oder floralen Ornamenten belegt und gefüllt (10va, 22va, 28va, 49ra, 122vb, 130va, 141ra, 161vb, 171ra, 230vb [J-Initiale zu jagen aus zwei Jagdhörnern], 156va); keine Initiale zum 1. Alten 3ra. Wohl andere Hand als die der Miniaturen.

Aus der Nachfolge der Freiburger Rüdiger-Schopf-Werkstatt.

Format und Anordnung:

Miniaturen 1/3–1/2 Spaltengröße (60–100 × 60 mm), quadratisch bis hochrechteckig, stets am Beginn einer Rede am Kopf oder am Fuß der Spalte, häufig ca. 1/3 über den Schriftspiegel hinausragend, aber auch zwischen dem Text. Die Initiale des darauf folgenden Textanfangs stößt in der Regel an den unteren Bildrand, fünfmal steht sie am Kopf der Folgespalte.

Bildaufbau und -ausführung:

Die doppelten, farbig gefüllten Federlinien der Umrahmung bilden unten und an den Seiten einen einfachen Architekturrahmen, der oben mit einfachen Bogen, Spitzgiebeln und ziegelgedeckten Dächlein abschließt; die Rückwand des nicht perspektivisch gesehenen, flach wirkenden Raums ist mit roter oder blauer Farbfläche gefüllt, die von ornamentalen Punkt- und Rautenmustern in Gold dekoriert wird; Teppich hinter dem 1. Alten. Häufig wird der Raum durch eine Mittelsäule halbiert, oft bilden Säulen auch die seitlichen Bildgrenzen; meist grüner Bodenstreifen. Der Alte sitzt stets links auf einer steinernen Bank oder auf Kissen und spricht gestenreich (Zeige- und Dialoggebärden) mit der rechts stehenden minnenden Seele: gekrönte, blondgelockte Jungfrau in langem, am Boden aufstoßenden weißen Gewand; beim 1.–10. Alten Wundmale an den Händen der Seele. Der 1., 13., 17. und 19. Alte mit Krone, die übrigen mit Kapuzen, Turbanen und geknoteten Stirnbändern. Wiederholungen des Bildaufbau sind stets vermieden: wechselnde Stellung der Alten, Variation bei den Gewändern, den Kopfbedeckungen und dem Architekturgehäuse.

Straffe, kräftige Umrißlinien mit Feder und Pinsel in Tinte und schwarzer Farbe, fast keine Strichelung, Parallelfalten, wenig Modellierung der Figuren mit dunkleren Tonwerten in den Schattenpartien, die Rundsäulen stark plastisch angelegt, aufgesetzte Lichter in den Gesichtern. Schlanke Figuren, die Jungfrauen mit zu großen Köpfen und Kronen.

Bildthemen:

Einzelbilder der vierundzwanzig Alten im Dialog mit der minnenden Seele.

Farben:

Rot, Blau, Grün, Gelb, Weiß, Schwarz, Gold, Silber.

Literatur:

Catalogue général des manuscrits des bibliothèques publiques de France. T. 56: Colmar (Ed. P. Schmitt). Paris 1969, Nr. 196. – A.-M.-P. Ingold: Les manuscrits des anciennes maisons religieuses d’Alsace. Strasbourg 1898, S. 54; Jerchel (1932 a) S. 33f., 74f.; Schmidt (1938) Nr. 25; Stange 4 (1951) S. 48, Abb. 74 (40ra); Stamm (1981) S. 333 Anm. 28.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 73: 230vb. Der zweiundzwanzigste Alte spricht zur minnenden Seele.

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Abb. 73.