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39.2. ›Feuerwerkbuch von 1420‹

Bearbeitet von Rainer Leng

KdiH-Band 4/2

Für das ›Feuerwerkbuch von 1420‹ ist kein Autor auszumachen. Die Entstehungszeit dürfte in die 20er Jahre des 15. Jahrhunderts fallen. Die ältesten datieren Abschriften fallen in die Jahre 1429 (München, Cgm 4902), 1430 (Heidelberg, Cod. Pal. germ. 787) und 1432 (Freiburg, Hs. 362). Kurz vor bzw. um 1430 tritt es bereits in Überlieferungsgemeinschaften mit lateinischen ›Bellifortis‹-Handschriften auf. (Göttingen, Cod. Ms. philos. 64, München, Clm 30150, Strasbourg, Ms. 2259). Inwieweit es partiell verwandten Texten in den ältesten Büchsenmeisterbüchern (siehe 39.1.) bereits als Vorlage diente, oder seinerseits aus diesen Quellen gespeist wurde, läßt sich nicht exakt bestimmen.

Das ›Feuerwerkbuch von 1420‹ besteht aus unterschiedlichen Bestandteilen. Nach einer Vorrede, die sich an Fürsten, Grafen, Herren und Städte richtet und den Nutzen eines guten Büchsenmeisters betont, folgen 12 Büchsenmeisterfragen zu Grundlagen der Feuerwerks- und Schußtechnik. Ein Katalog von moralischen und fachlichen Anforderungen an einen Büchsenmeister folgen mehrere Blöcke mit Rezepten und Anleitungen zur Herstellung von Büchsenpulver bzw. Reinigung und Aufbereitung von Schwefel, Kohle und Salpeter sowie einer ganzen Reihe von Anleitungen verschiedener Arten des Ladens und Beschießens von Büchsen. Der Schluß folgt keiner geordneten Anlage mehr und ist häufig durch Nachträge, Erweiterungen und Rezeptschleppen verändert. In drei Fällen liegen Reimbearbeitungen vor (Bad Arolsen, IV Hs. 83, København, AM 374 fol. [siehe 39.2.2.] und Berlin, Ms. germ. fol. 710a). Der geographische Überlieferungsschwerpunkt liegt, wie schon bei den ältesten Feuerwerks- und Kriegsbüchern, im bairischen und südwestdeutschen Raum. Niederdeutscher Herkunft ist nur eine Handschrift (Berlin, Ms. germ. quart. 867), eine andere, bearbeitete und illustrierte Fassung entstand in Dänemark oder im Deutschordensgebiet (København, AM 374 fol. [siehe 39.2.2.]).

Das ›Feuerwerkbuch von 1420‹ ist in den ältesten Fassungen nicht illustriert und auch die weitere, durch das ganze 15. Jahrhundert konstant verlaufende Überlieferung, sei es monographisch, sei es in Kombination mit anderen Texten oder Bildkatalogen kommt ohne Illustrationen aus. In der Gesamtzahl überwiegen eindeutig die nicht illustrierten Fassungen:

Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 2o Cod. 164, fol. 1r–62v

Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4o Cod. 129, fol. 35r–99v

Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 4o Cod. 143, fol. 1r–43v

Augsburg, Universitätsbibliothek, III. 1.2o 44, fol. 2r–52v

Augsburg, Universitätsbibliothek, III. 1.8o 59, fol. 2r–35r

Bad Arolsen, Fürstlich Waldecksche Hofbibliothek, IV Hs. 83

Berlin, Deutsches Historisches Museum, Ms. 1, seit 1945 verschollen

Berlin, Deutsches Historisches Museum, Ms. 2, seit 1945 verschollen

Berlin, Deutsches Historisches Museum, Ms. 18, seit 1945 verschollen

Berlin, Bibliothek der Artillerie- und Ingenieurschule, Heeresbücherei, C. no. 1617 – Hs. 1170, seit 1945 verschollen, siehe Hassenstein (1941) S. 85 (Nr. a11)

Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Hdschr. 235, 71 Bll.

Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Ms. germ. fol. 710a, 1r–26v

Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Ms. germ. fol. 1117, 294r–322r

Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Ms. germ. fol. 1129, 68r–82r

Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Ms. germ. quart. 621, 1r–48r (siehe 39.4.2.)

Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Ms. germ. quart. 867, 1r–41r und 48r–96r

Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Ms. germ. quart. 1018, 32r–66r (siehe 39.1.1.)

Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Ms. germ. quart. 1187, 13v–45v

Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Ms. germ. quart. 2041, 1r–29r (siehe 39.4.3.)

Cambridge (Mass.), Harvard College Library – Houghton Library, MS Typ 320 (olim Wien, Bibliothek Hauslab, Hs. 3, olim Wien, Liechtenstein Museum, Bibliothek, *165-4-3), S. 1–37 (siehe 39.6.1.)

Darmstadt, Universitäts- und Landesbibliothek, Hs 1074, 1r–52v

Dillingen, Studienbibliothek, Ms. XV 50, 1r–33r

Dresden, Sächsische Landesbibliothek, Mscr. App. 463, 8r–72v

Dresden, Sächsische Landesbibliothek, Mscr. C 262, 223r–239r

Freiburg, Universitätsbibliothek, Hs. 362, 73r–89r

Gotha, Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt-Gotha, Chart. B 428, 1r–48v

Göttingen, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek, 2° Cod. Ms. philos. 64, 94r–147v

Heidelberg, Universitätsbibliothek, Cod. Pal. germ. 122, 1r–46r

Heidelberg, Universitätsbibliothek, Cod. Pal. germ. 301, 6v–20v

Heidelberg, Universitätsbibliothek, Cod. Pal. germ. 585

Heidelberg, Universitätsbibliothek, Cod. Pal. germ. 787, 2r–26r und 34r–45r (siehe 39.1.4.)

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. St. Georgen 71, 131v–[143?], Fragment

Kassel, Universitätsbibliothek –Landes- und Murhardsche Bibliothek, 4o Ms. math. 14, 1r–46r

Leeds, Royal Armouries, Inv. No. I/34, 1r–51r (siehe 39.1.5.)

Leipzig, Universitätsbibliothek, Ms. 1597, 1r–88r

Memmingen, Stadtbibliothek, 4o 2.39, fol. 116r–121r

München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 356, S. 1–24, 93–102 (siehe 39.5.3.)

München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 599, 48r–62v (siehe 39.6.4.)

München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 734, 1r–59v (siehe 39.5.4.)

München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 4902, 1r–31r

München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5437, 1r–8v

München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 30150, 94r–150r

München, Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Kurbayern, Äußeres Archiv 3904 (= Staatsverwaltung Bd. 2348; Fragment)

New York, Public Library, Spencer Collection, Ms. 104, 1r–55r (siehe 39.4.13.)

Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 719, 16r–60v (siehe 39.5.6.)

Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 1480, 1r–50v

olim Ramsen, Antiquariat Heribert Tenschert, Kat. XXV, Nr. 21, jetzt Schweiz, Privatbesitz, 83v–94r (siehe 39.4.14.)

Roma, Città del Vaticano, Bibliotheca Apostolica Vaticana, Cod. Pal. lat. 1889, 94r–106v

Sibiu (Hermannstadt), Arhivele Statului, Ms. Varia II, 374, 1r–36v (siehe 39.5.7.)

Strasbourg, Bibliothèque Nationale et Universitaire, Ms. 2250

Strasbourg, Bibliothèque Nationale et Universitaire, Ms. 2259, 1r–18v

St. Gallen, Kantonsbibliothek, VadSlg, Ms. 396, 1r–46r

Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Q 342, 55r–82v (siehe 39.7.6.)

Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. 2952, 31v–80v (siehe 39.4.18.)

Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. 3062, 1r–22r (siehe 39.4.19.)

Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. 10940, 115r–148v

Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 19.28. Aug. 2o

Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 226 Extravag., 7r–31v

Im 16. Jahrhundert gelangt das ›Feuerwerkbuch von 1420‹ auch mehrfach in den Druck (Flauii Vegetii Renati vier bucher der RitterschaftMit einem zusatz / von Büchsen geschoß / Puluer / Fewrwerck, Augsburg, Heinrich Stainer 1529, VD16 V 466; Büchsenmeysterei. Von Gschoß / Büchsen / Puluer / Salpeter vnd Feurwerck etc … Straßburg, Christian Egenolph 1529, dann Frankfurt, Christian Egenolph 1531, 1534, 1550, mit Ergänzungen Frankfurt, Christian Egenolphs Erben 1559, 1569, 1582, VD16 B 91289135). Abgesehen von Titelholzschnitten sind die jeweiligen Drucke in den Feuerwerkbuch-Teilen nicht illustriert. In der handschriftlichen Überlieferung von Kriegs- und Artilleriebüchern des 16. Jahrhunderts lebt das ›Feuerwerkbuch von 1420‹ ebenfalls fort. Allerdings wird der monographische Charakter dabei aufgelöst. Zahlreiche Einzelrezepte werden in neue Rezeptfolgen ohne Bezug zur Herkunft integriert; lediglich die 12 Büchsenmeisterfragen werden oft in eigenen Kapiteln als einigermaßen geschlossener Textblock innerhalb der meisten Artilleriebücher weiter tradiert, jedoch vielfach überarbeitet und aktualisiert.

Die illustrierten Fassungen des ›Feuerwerkbuchs von 1420‹ stellen eine Ausnahme dar. Die Illustrationen sind von außerordentlich geringem Umfang. So besitzt etwa Heidelberg, Cod. Pal. germ. 502 nur eine einzige Initiale mit figürlichem Schmuck (siehe 39.2.1.). Auch München, Cgm 399 (siehe 39.2.3.) hat nur eine marginale Zeichnung. In engerer Verbindung stehen die drei Handschriften Nürnberg, Hs 1481a (siehe 39.2.5.), Wien, Cod. 2987 (siehe 39.2.6.) und Cod. 3064 (siehe 39.2.7.), die jeweils drei sehr kleine und grobe Schemazeichnungen zu verschieden geformten Rohren und einer Salpeterziehanlage im laufenden Text bzw. am Seitenrand aufweisen. Lediglich zwei Überlieferungen sind in größerem Umfang illustriert. Die gereimte Bearbeitung durch Johann Bengedans mit zahlreichen Ergänzungen und Erweiterungen in København, AM 374 fol. (siehe 39.2.2.) hat im Feuerwerkbuchteil immerhin 41 Illustrationen, eine ebenso intensive Bearbeitung von Anfang des 16. Jahrhunderts durch Christoph Seßelschreiber (München, Cgm 973 [siehe 39.2.4.]) kommt auf 28 Zeichnungen.

Dabei scheint die Neigung zur Illustration mit zunehmender Intensivität der Bearbeitung und der Überlieferungsgemeinschaft mit weiteren Bildkatalogen oder illustrierten Texten zu wachsen. In Einzelfällen ist die Abgrenzung von einer bearbeiteten Fassung des ›Feuerwerkbuchs von 1420‹ zur bloßen Aufnahme von Zitaten oder Exzerpten in anderen illustrierten Texten schwierig. So liegen etwa weitere Illustrationen zu Texten, die teilweise dem ›Feuerwerkbuch von 1420‹ entnommen wurden, vor in Wien, Cod. 3064 (siehe 39.1.9.), Weimar Q 342 (siehe 39.7.6.) oder Frankfurt, Ms. germ. qu. 14 (siehe 39.8.2.). Sie wurden hier jedoch nicht unter die Überlieferungen des ›Feuerwerkbuchs von 1420‹ im engeren Sinne aufgenommen.

Editionen:

Wilhelm Hassenstein (Hrsg.): Das Feuerwerkbuch von 1420. 600 Jahre Deutsche Pulverwaffen und Büchsenmeisterei. Neudruck des Erstdruckes aus dem Jahre 1529 mit Übertragung ins Hochdeutsche und Erläuterungen von W. H. München 1941; Gerhard Kramer: Berthold Schwarz. Chemie und Waffentechnik im 15. Jahrhundert. München 1995 (Abhandlungen und Berichte des deutschen Museums N.F. 10) (Faksimile und Transkription von Freiburg, Universitätsbibliothek, Ms. 362, 73r–89r); Manuel Baetz: Das Feuerwerkbuch von 1420. Faksimile mit Übertragung in modernes Deutsch. [Radolfzell] 2001 (Text nach dem Erstdruck von 1529, bzw. nach Hassenstein [1941]).