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KdiH

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39.2.2. København, Arnamagnæanske Samling, AM 374 fol.

Bearbeitet von Rainer Leng

KdiH-Band 4/2

Datierung:

Um 1450 (Blosen/Olsen [2006] II, S. 100).

Lokalisierung:

Dänemark oder Deutschordensgebiet (Blosen/Olsen [2006] I, S. 13–18).

Besitzgeschichte:

Zunächst im Privatbesitz Bengedans (Autornennung 1r sowie als Akrosticha 8r, 20r, 33r und in den Kapitelinitialen 8r bis 44r), nach einem Brief Bengedans an den Deutschordenshochmeister (Blosen/Olsen [2006] II, S. 81) legte er das Buch dem Deutschen Orden zum Nachweis seiner Fähigkeiten vor, unklar ist jedoch, ob der Codex in Ordensbesitz überging. Erster bekannter Besitzer war Arni Magnusson (1663–1730), zuletzt Professor an der Universität Kopenhagen; die Umstände seiner Erwerbung sind unbekannt; nach Magnussons Tod ging die Handschrift als Erbe an die Universität Kopenhagen.

Inhalt:
1. 1r–45v Johannes Bengedans, Feuerwerkbuch, gereimt, mit Illustrationen, teilweise Bearbeitung des ›Feuerwerkbuchs von 1420‹

›Johannes Bengedans van Greuensten / in Hessenlant Der hot diss buch ghescriben / mit syner hant‹ 1v ›IN deme namen gotis will ich heben an / Eyn nige ghedichte ab ich kann‹

2. 46r–79v Johannes Bengedans, ›Bellifortis‹-Auszüge, Bildkatalog mit Beischriften

›Wy man eyn bolewerk vor steden edder vor sloten buwen vnde vor waren sal myt stortinngen vnde myt graben‹

I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 79 Blätter (neuere Foliierung des 19. Jahrhunderts, zum Teil fehlend, alte Foliierung nur bruchstückhaft erhalten, zu Störungen in der Lagenschichtung vgl. Blosen/Olsen [2006] II, S. 96), ca. 200 × 295 mm, Bastarda von zwei Händen, 1. Hand Johannes Bengedans (Blosen/Olsen [2006] II, S. 99f.), 2. Hand nur einzelne Kommentare 3v, 4rv, 18rv, 24v, 44v, Ergänzung einer Überschrift 33ar; durchgehend einspaltig bis 30 Zeilen, Kapitelzählung und -überschriften in roter Tinte, rote Incipit-Zeichen vor Rezepten; die Handschrift bricht 45v abrupt ab (vgl. Blosen/Olsen [2006] II, S. 97f.), der folgende Teil war ursprünglich selbstständig, ist jedoch auch von Bengedans geschrieben.

Schreibsprache:

Wechselnde niederdeutsche und hochdeutsche Elemente (Blosen/Olsen [2006] II, S. 107 ff.).

II. Bildausstattung:

Teil 1 41 aquarellierte Federzeichnungen 6v, 7v [2], 10r, 10v, 11r [2], 13v, 14r, 14v, 15r [2], 15v, 17r, 17v [2], 18v, 19r, 20r, 20v, 21r, 24r [3], 25r, 25v, 26r, 27r, 28r, 28v [2], 29r, 31r [2], 32r, 33v, 34r [2], 37r, 42v, 43r; Teil 2 68 Bildseiten mit überwiegend aquarellierten Federzeichnungen 46r–79v mit teilweise mehreren Einzelzeichnungen: 48r (2), 49r (2), 59r (2), 64r (2), 65v (2), 68r (2), 71r (2), 71v (3), 72r (3), 73r (2), 75r (2), 75v (3), nicht kolorierte Federzeichnungen ohne Überschrift 78v, 79r, 79v; in Teil 1 Zeichnungen durchgehend von einer Hand (möglicherweise von Bengedans selbst); an Teil 2 waren vermutlich drei Zeichner beteiligt: Zeichner I 46r–69v und 75v–79v, Zeichner II 70rv, Zeichner III 71r–75r (sehr ähnlich Zeichner I, jedoch mit kräftigerer und groberer Kolorierung); zudem lassen die sonst nur im ersten Teil vorkommenden typischen Schattierungen durch Kreuzschraffuren 50r und 74v auf partielle Beteiligung dieses Zeichners auch im zweiten Teil schließen.

Format und Anordnung:

Durchgehend rahmenlos, in Teil 1 wechselnde Größen von 17 × 115 mm bis seitenfüllend 200 × 295 mm; auf eigener Seite nur 24r, sonst unregelmäßig wechselnd ober- oder unterhalb des Textes, in den laufenden Text eingeschoben oder am linken bzw. rechten Rand des Textes; in Teil 2 durchgehend ganzseitig auf eigener Seite mit mehrzeiligen Beischriften anfänglich meist oberhalb der Zeichnung, dann gelegentlich auch seitlich oder in Freiräumen, ohne Überschrift nur 62r, 62v, 78r.

Bildaufbau und -ausführung, Bildthemen:

In Teil 1 einfache Werkzeuge oder Geräte zur Pulverherstellung (Wannen, Meiler, Becken, Schaufeln, Destillierofen) bzw. Geschoße und Zubehör (13v–15v Quadranten, dann vorwiegend Sprengbomben und Feuerpfeile), inhaltliche Bezüge sind hier vor allem bei der Reimvorrede (1v–4v) zu Wien, KK 5135 (siehe 39.1.11.) zu erkennen, die auch teilweise im Bildmaterial übereinstimmt, die Sprengbomben und Quadranten tauchen später auch bei Martin Merz (München, Cgm 599 [siehe 39.6.4.]) auf, der Text orientiert sich über große Strecken am ›Feuerwerkbuch von 1420‹; die Illustrationen in Teil 1 sind ausgesprochen grob, schematisch in einfacher Seitenansicht, teilweise in Schnittdarstellung (z. B. 24r), ohne perspektivische Ansätze und ohne Hintergründe, dafür gelegentlich mit ausführlichen Legenden (z. B. 34r), grobe und flächige Kolorierung, Schattierung nur durch gelegentlich ohne Rücksicht auf die Lichtführung vollständig umrahmende Kreuzschraffuren; Teil 2 besteht ausschließlich aus Bildmaterial des ›Bellifortis‹ unter Auflösung der Reihenfolge und Beschränkung auf einige Burgendarstellungen sowie den Abbildungen zu Geschützen, Kampfwägen, Ebenhöhen und Steigzeug mit erläuternden Kurzbeischriften, die völlig unabhängig von der lateinischen Vorlage sind; die Zeichnungen erscheinen gegenüber der Vorlage stark vergröbernd, lediglich auf 46r–47v sind noch angedeutete Rasengründe bei den ebenfalls stark vereinfachten Burgendarstellungen vorhanden, sonst durchgehend isolierte Geräte in seitlicher Darstellung, grob und flächig koloriert, Binnenzeichnung in Form eines Löwenkopfes als Gußzier auf einem Geschütz nur 54v, die Kolorierung betreffende Malanweisungen (gel, grune) nur 66r–67r.

Farben:

Rot, Blau, Grün, Braun.

Edition: Hans Blosen / Rikke Agnete Olsen: Kriegskunst und Kanonen. Das Büchsenmeisterbuch des Johannes Bengedans. Zwei Bände, Aarhus 2006 (mit farbigem Faksimile der kompletten Handschrift).

Literatur:

Kristian Kålund: Katalog over den Arnamagnæanske Håndskriftsamling. København 1889, Bd. I, S. 295, Nr. 532. – Christian Probst: Beugedantz (Bengedans), Johannes. In: 2VL 1 (1978), Sp. 838 f.; Ralf G. Päsler: Deutschsprachige Sachliteratur im Preußenland bis 1500. Untersuchungen zur Überlieferung. Köln/Weimar/Wien 2003 (Aus Archiven, Bibliotheken und Museen Mittel- und Osteuropas 2), S. 215; Rikke Agnete Olsen: The Ideal of Warfare. A Newly Found Medieval Manuscript and a European Riddle. Château Gaillard 19 (2000) S. 217–221; Rikke Agnete Olsen: Johannes Bengedans finally found out. Château Gaillard 21 (2004) S. 249f.; Hans Blosen: Johannes Bengedans van Grevensten in Hessenlant / Der hot diss buch ghescriben mit syner hant. In: Neue Perspektiven der Sprachgeschichte. Hrsg. von Ursula Götz und Stefanie Stricker. Heidelberg 2006 (Germanistische Bibliothek 26), S. 231–243; Rainer Leng: Rez. zu Blosen/Olsen (2006). Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 130 (2008), S. 392–396.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 76: 34r. Johannes Bengedans, Feuerwerkbuch: Destillierofen.

Abb. 77: 73r. Johannes Bengedans, ›Bellifortis‹-Auszüge: Fahrbarer Büchsenschirm.

Abb. 76.
Abb. 77.