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39.2.4. München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 973

Bearbeitet von Rainer Leng

KdiH-Band 4/2

Datierung:

1521–1524 (2r, 5r u. ö.).

Lokalisierung:

München.

Besitzgeschichte:

Geschrieben von Christoph Seßelschreiber, nach 1521 Büchsenmeister im Dienst Wilhelms IV. von Bayern, nach einer Notiz auf dem hinteren Deckel (nicht mehr lesbar, nach Hartig [1917] S. 142 Autograph Herzog Ludwigs X. Brueder Hertzog Wilhelm wider zu zustellen. Actum den 14. tag Jenner Anno 1542.) wohl als Geschenk des Autors in den Besitz der bayerischen Herzöge Wilhelm IV. (1508–1550) und Ludwig X. (1516–1545) gelangt, verzeichnet im Katalog der Hofbibliothek von 1582 (Hartig [1917] S. 140, Altsignatur der Hofbibliothek Vorsatz verso Manuscrip. Teutsch. st. 4. n. 13, Exlibris der Hofbibliothek Dressler [1972] Typ B 3ab: Maximilian I., 1623–1651), 1800 nach Paris verbracht (Stempel 1r), seit 1815 wieder in München.

Inhalt:
1. 1r–91r Christoph Seßelschreiber, ›Von Glocken- und Stuckgießerei‹
2. 91v–118v ›Feuerwerkbuch von 1420‹ (Bearbeitung, Auszüge)
3. 119r–153v Christoph Seßelschreiber, ›Von Glocken- und Stuckgießerei‹, Fortsetzung
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 1 + 153 + 48 Blätter (leeres und nicht foliiertes Vorsatzblatt, dann moderne Tintenfoliierung 1–154, springt von 5 auf 7, nach 14 elf, nach 46 neun, nach 57 ein, nach 59 zehn, nach 90 vier, nach 154 24 leere, nicht foliierte Blätter), 215 × 160 mm, überwiegend Kursive, teilweise epigraphische Lettern mit zahlreichen seitenverkehrten Buchstaben nach Vorbild von Gußmodeln, einspaltig bis 21 Zeilen, Autograph Christoph Seßelschreibers (mehrfach, auch als Monogramm 1r, 6v, 8v u. ö.).

Schreibsprache:

bairisch.

II. Bildausstattung:

Insgesamt 209 Seiten mit meist mehreren aquarellierten Federzeichnungen 15r–20r, 21r, 23r–33r, 34r, 36v, 39r, 40r, 41r, 43r, 44r–45v, 47rv, 50rv, 51v, 52v, 53v–54v, 55v, 57r, 58r, 60r–72r, 74v–78v, 78(2)v, 80r–84v, 87r–90v, 91v, 92r, 96r, 97r, 98r–104r, 107r–108v, 110r–111r, 112r, 113r, 117r, 118v, 120v–122r, 123r–128v, 129v–130v, 131v–132v, 135v–140r, 141r–142r, 143r, 144r, 145r, 146r–153v, alle von der Hand Christoph Seßelschreibers.

Format und Anordnung:

Alle Zeichnungen rahmenlos, überwiegend im laufenden Text ab 10 × 10 mm, gelegentlich unter dem Text (häufig nur kleinere Wappen), ganzseitig ohne Beschriftung oder nur mit einzeiliger Beischrift nur 144r, 145r, 146r, 147r, 148rv, 149v–153v, doppelseitig nur 42v/43r, Ausfalttafeln für größere Kaliberzeichnungen oder ausladende Geschützläufe nur 19r und 21r (335 × 160 mm) sowie 44rv und 45rv (145 × 345 mm).

Bildaufbau und -ausführung, Bildthemen:

Einfache schematisch dargestellte Geräte, mit gelegentlich groben Schraffuren, keine Hintergründe, nur selten angedeuteter Rasengrund, meist einfache Seitenansicht, selten überhöhte Perspektive, insbesondere bei den Mühlen und Antrieben 143ff. mit deutlichem Bemühen zur perspektivischen Wiedergabe (wenig gelungen, Räder oft zu Elipsen verzerrt); auffällig sind Blatt 69–72 Zeichnungen von Seilwinden und Flaschenzügen mit nach den Seilverläufen durch das Papier gezogenen Fäden; Inhalt steht in engem Bezug zu Seßelschreibers beruflicher Tätigkeit: zunächst schematische Zeichnungen von Gießplätzen, Gießwerkzeug u. a. zum Glockenguß, Stückgießerei mit Beschreibung von Geschützen samt Wappen mit Inschrift bzw. Jahreszahl; Schießanleitungen, Wägen, Wagenburg, geometrische Berechnungen von Höhe und Abstand, Hebezeug, Züge, Seilzüge (Quelle vermutlich München, Cgm 356 [siehe 39.5.3.], S. 74f., 128–135); Feuerwerkbuch mit ikonographischen Kommentaren, Brechzeug (zur Benutzung von München, Clm 197,I [siehe 39.1.7.] mit Bildkonkordanz vgl. Hall [1979] S. 41); weitere Abbildungen nach Vorlage Kyeser (Taucher, Schwimmgürtel, Wassertechnik; Mühlen und Wasserhebewerke mit Ähnlichkeiten zu Erlangen, Ms. B 26 (siehe 38.9.3.) und Weimar, Fol 329 (siehe 39.9.40.); zuletzt Brunnen nach eigenen Güssen.

Farben:

Braun, Rot, Gelb, Ocker, Blau.

Literatur:

Schmeller (1866) S. 160. – Jähns (1889) S. 589; O. Hartwig: Christoph Seßelschreiber und sein Buch über Büchsenmeisterei. Kultur des Handwerks (1927), S. 278–284; Hassenstein (1941) S. 86 (Nr. b7); Eduard A. Geßler: Seßelschreiber, Christoph. In: 1VL 4 (1953), Sp. 163f.; Egg (1961) S. 62 f., Abb. Tafel XVI, Nr. 30 (37r); Gerhard Eis: Mittelalterliche Fachliteratur. Stuttgart 21968, S. 16; Egg (1969) S. 122; Gundolf Keil: ›Der Hussitenkriegs-Ingenieur‹. In: 2VL 4 (1983) Sp. 331; Hall (1979) S. 128; Margarethe Schilling: Glocken. Gestalt, Klang und Zier. Dresden 1988, S. 61–64. 97. Abb. 93 (1r). 94–99 (8v–11r). 100 (5v); Innsbrucker Bronzeguß (1996) S. 88 f. Abb. S. 89 (28v/29r); Leng (2002) Bd. 2, S. 216–218; Leng (2004a) S. 98 f. mit Abb. 3.6 (70v/71r).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 78: 71v/72r. Christoph Seßelschreiber, ›Von Glocken- und Stuckgießerei‹: Hebezeug mit durch das Papier gezogenen Schnüren, die den Seilverlauf verdeutlichen.

Abb. 79: 77v/78r. Christoph Seßelschreiber, ›Von Glocken- und Stuckgießerei‹: Feuerwerkbuch mit Beizeichnungen des Autors.

Abb. 78.
Abb. 79.