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13.0.21. ehem. Rotthalmünster, Antiquariat Heribert Tenschert (jetzt Privatbesitz); Wrocław (Breslau), Biblioteka Uniwersytecka, Akc. 1948/208

Bearbeitet von Norbert H. Ott

KdiH-Band 2

Datierung:

2. Drittel 15. Jahrhundert.

Lokalisierung:

Östliches Schwaben (wohl Augsburger Gegend).

Besitzgeschichte:

Ob die ganze Handschrift oder nur der in Wrocław befindliche Teil sich einst unter der Signatur A. III. I. 16. in Görlitz, Bibliothek der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, befand, ist nicht auszumachen: im vorderen Innendeckel außer einem Kupferstichexlibris (Ex Bibliotheca Williana) Görlitzer Bibliothekssignatur. 1948 in die Universitätsbibliothek Wrocław gekommen.

Jacobus de Theramo, ›Belial‹, deutsch

Inhalt:

Übersetzung A, fragmentarisch
Wrocław 1ra–20vb: [...] der müg gesprechen das das buoch ain ander gedicht sey als man von tutschen biechern offt rett ...–... vnd do der tag kam do kam auch moyses vnd praucht für daz gericht die stuk seiner fürlegvng geschriben etc.; folgt ehem. Rotthalmünster 1ra 〈21ra〉 – 56vb 〈76vb〉: Das sind die stuck der fürlegung die moyses uff den hwtigen tag für praucht haut ...–... Vnd jre recht nit haut vngemeldet gelausen wann der selbn; folgt Wrocław 21ra 〈77ra〉 – 61vb 〈117vb〉: tugenthaften schwester sind wol fier ...–... byß an das letst end der welt da von kan er sy woll stercken [...]

I. Kodikologische Beschreibung:

Papier; ehem. Rotthalmünster: 56 unfoliierte Blätter, zwischen den Blättern 13/14, 25/26, 45/46 und 48/49 fehlt je ein Einzelblatt; Wrocław: 62 foliierte Blätter, zu Beginn und zwischen den Blättern 8/9, 27/28 und 61/62 fehlt je ein Einzelblatt, zwischen 9/10 und 56/57 je ein Doppelblatt. Der Teil ehem. Rotthalmünster (Bl. 21–76 der Gesamtfolge) gehört zwischen die Blätter 20/21 des Teils in Wrocław, Bl. 21 Wrocław ist Bl. 77 der Gesamtfolge, das (unbeschriebene) Schlußblatt 62 Wrocław ist Bl. 118 der Gesamtfolge; mit den zwölf fehlenden Blättern enthielt die Handschrift ursprünglich 130 Blätter. 284 × 206 mm, Bastarda, eine Hand, zweispaltig, 48–49 Zeilen, rote Unterstreichungen von Namen und von Dekretalstellenverweisen, zwei- bis dreizeilige, in einfachen Schnörkeln auslaufende rote Initialen, z. T. mit einem roten Sternchen links daneben, Binnenraum an wenigen Stellen (z. B. 50v) mit Fleuronnée gefüllt.

Schreibsprache:

ostschwäbisch.

II. Bildausstattung:

Noch 25 von ursprünglich 35 kolorierten Federzeichnungen, davon elf (und sechs fehlende) in Wrocław, 14 (und vier fehlende) in ehem. Rotthalmünster 〈in Spitzklammern Blattangaben der Gesamtfolge〉. Wrocław: 8r, 11v [teilweise ausgerissen], 14v, 17v, 20v; ehem. Rotthalmünster: 4v + 5r 〈= 24v + 25r〉, 12v 〈= 32v〉, 14v 〈= 34v〉, 17r 〈= 37r〉, 26v 〈= 46v〉, 28v 〈= 48v〉, 45v 〈= 65v〉, 48v 〈= 68v〉, 50r 〈= 70r〉, 50v 〈= 70v〉, 51v 〈= 71v〉, 52rb 〈= 72rb〉, 52v 〈= 72v〉, 53v 〈= 73v〉; Wrocław: 25r〈 = 81r〉, 26v 〈 = 82v〉, 27r〈= 83r〉, 28r 〈 = 84r〉, 54v〈= 110v〉, 55v 〈= 111v〉; verlorene Illustrationen auf der ausgerissenen oberen Blatthälfte Wrocław 29v 〈= 85v〉 und auf den fehlenden Blättern zwischen Wrocław 8/9, 9/10 [zwei Illustrationen]; ehem. Rotthalmünster 13/14 〈= 33/34〉, 25/26 〈= 45/46〉, 45/46 〈= 65/66〉, 48/49 〈= 68/69〉; Wrocław 27/28 〈= 83/84〉, 56/57 〈= 112/113〉), ein Zeichner.

Format und Anordnung:

Schriftraumbreite, ½–¾ des Schriftraums hohe (114–156 × 140–144 mm), mit einfacher, die Figuren und Gegenstände oft anschneidender Federlinie (so Wrocław 8r; ehem. Rotthalmünster 4v 〈= 24v〉, 14v 〈= 34v〉; Wrocław 25r 〈= 81r〉, 27r 〈= 83r〉, 55v 〈= 112v〉) gerahmte Illustrationen; nur zweimal (so ehem. Rotthalmünster 50v 〈= 70v〉 und 52rb 〈= 72rb〉) überschneidet die Zeichnung die Rahmenlinie. Eine ganzseitige (193 × 142 mm, ehem. Rotthalmünster 13v 〈= 33v〉) und eine spaltenbreite Illustration (86 × 84 mm, ehem. Rotthalmünster 52rb 〈= 72rb〉). Oberkante des Rahmens zuweilen der unterschiedlichen Zeilenzahl der beiden Textspalten entsprechend gestuft. Die gleich großen, separat gerahmten Zeichnungen ehem. Rotthalmünster 4v + 5r 〈= 24v + 25r〉 bilden eine inhaltliche und kompositorische, auf gegenüberliegende Blätter verteilte Bildeinheit. Wie die in die Bildfläche ragenden, aber durch den Bildrahmen ausgegrenzten Initialen Wrocław 17v und ehem. Rotthalmünster 50v 〈= 70v〉 zeigen, entstanden die Illustrationen nach der Rubrizierung.

Bildaufbau und -ausführung:

Die Figuren agieren auf einem olivgrünen, gewölbten Bodenstück vor leerem Papiergrund, auf dem auch der gelbe Kastensitz Salomos oder der Klappstuhl Josephs steht. Belial mit langen Ohren, heraushängender Zunge, Büffelhörnern und hufartigen Händen und Füßen ist mit einem kurzen, seitlich geschlitzten Rock in weiß-rotem Mi-parti bekleidet, auch Salomo – mit dreiblättriger Krone und Lilienzepter – trägt ein kurzes Mi-parti-Gewand in Rot und Braun mit weißem Mittelstreifen, Joseph von Ägypten einen langen purpurroten, gelb eingefaßten Mantel und einen grün-weißen gefalteten Hut, Moses hat über dem purpurnen langen Unterkleid einen gelben, faltenreichen Umhang. Auf die Darstellung der rechtsrelevanten gesiegelten Schriftstücke in dreifacher Ausfertigung ist großer Wert gelegt.

Sichere, durchgezogene Umrißlinien mit dünner Feder, sparsame, offene Parallelstrichelung für Schattenpartien. Kaum Modellierung durch ausgesparte Lichter, viel freigelassener Papiergrund, flächiger, lavierender Farbauftrag in stumpfen Tönen, bei denen schmutziges Gelb, Hellrosa, Sepia und bräunliches Rot und Braun überwiegen, kein Blau.

Bildthemen:

Ausschließlich Illustrationen der Prozessstationen. Wie in München, Cgm 345 (Nr. 13.0.17.), und Stuttgart, Cod. theol. et phil. 2o 195 (Nr. 13.0.25.), ist Belials Schilderung des Sündenfalls vor Gericht als eigener Teil in die Bildeinheit integriert (ehem. Rotthalmünster 14v 〈= 34v〉). Die Darstellung des Urkundenbeweises (ehem. Rotthalmünster 26v 〈= 46v〉) bringt ebenfalls wie dort den Zeugen Ezechiel aus dem zitierten Verfahren gegen Satan, zwei Zeitebenen ineinanderschiebend, ins Bild des aktuellen Prozesses vor Salomo. (Zum Zusammenhang der drei Handschriften siehe Nr. 13.0.17.)

Der vorliegende (fragmentarisch erhaltene) Zyklus folgt in den Grundzügen den Bilderfolgen in München und Stuttgart, erweitert sie aber auf originelle, in der Ikonographie aller übrigen ›Belial‹-Handschriften einzigartige Weise. So bringt er die seltene Beratungsszene Salomos mit den Rechtsgelehrten Scaevola und Ulpian (ehem. Rotthalmünster 45v 〈= 65v〉, mit Namensbeischriften volpianum und steofolium über ihren Köpfen). Eigenständige Bilderfindung des Illustrators scheint auch der weibliche Teufel unter den Zeugen Belials (ehem. Rotthalmünster 17r 〈= 37r〉) zu sein sowie die Gesetzestafeln als Attribute Mosis (ehem. Rotthalmünster 5r 〈= 25r〉) und der traditionelle, in der ›Belial‹-Ikonographie jedoch einzelgängerische Wolkensaum, auf dem Gott Belial beim Übergang in die zweite Instanz empfängt (ehem. Rotthalmünster 50v 〈 = 70v〉), 51v 〈 = 71v〉). Völlig einmalig ist die Darstellung des auf einem Höllenhund zu Joseph von Ägypten reitenden Belial (ehem. Rotthalmünster 52rb 〈= 72rb〉).

Erschlossene Bildthemen der auf den fehlenden Blättern enthaltenen Illustrationen: Belial bittet Gott um einen Prozess (Wrocław 8/9); Belial mit Gottes Brief vor Salomo; Ladung Christi (beide zwischen Wrocław 9/10); die Parteien schwören den Gefährdeeid oder Belials petitorische Klage in Anwesenheit Mosis und zweier Propheten (ehem. Rotthalmünster 13/14 〈= 33/34〉); Urkundenbeweis Mosis (ehem. Rotthalmünster 25/26 〈= 45/46〉); Salomos Endurteil (ehem. Rotthalmünster 45/46 〈= 65/66〉); Belial bittet Salomo um eine Revisionsinstanz (ehem. Rotthalmünster 48/49 〈= 68/69〉); Jeremias spricht zu den Schiedsleuten (Wrocław 27/28 〈= 83/84〉; Jesaja spricht zu den Schiedsleuten (Wrocław 29v 〈= 85v〉); Moses bringt Jesus das Urteil (Wrocław 56/57 〈= 112/113〉). Vgl. Nr. 13.0.17., 13.0.25., 13.0.a., 13.0.b.

Farben:

Stumpfes Grün leicht deckend, Rosa, Sepiabraun, Rotbraun, bräunliches Rot, schmutziges Gelb laviert.

Literatur:

[Johann Gotthelf Neumann:] Die Bibliothek der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften alphabetisch verzeichnet. Theil 1.2. Görlitz 1819, S. 12. – Galerie Gerda Bassenge. Auktion 53: Bücher vor 1600. 18. Mai 1989. Berlin 1989, Nr. 1365 S. 63f. u. Abb. S. 4 (ehem. Rotthalmünster 52rb 〈72rb〉). S. 5 (ehem. Rotthalmünster 28v 〈48v〉); Leuchtendes Mittelalter [I]. Katalog XXI. Antiquariat Heribert Tenschert. Rotthalmünster 1989, Nr. 46, S. 294–301 u. Abb. S. 294 (ehem. Rotthalmünster 17r 〈37r〉). S. 297 (ehem. Rotthalmünster 52r 〈72r〉). S. 299 (ehem. Rotthalmünster 14v 〈34v〉); Ott (1991) S. 44, Abb. 6 (ehem. Rotthalmünster 52r 〈72r〉); Ott (1992) S. 230. 233, Abb. 5 (ehem. Rotthalmünster 17r 〈37r〉). 9 (ehem. Rotthalmünster 14v 〈34v〉); Ott (1993a) Abb. 13 (ehem. Rotthalmünster 26v 〈46v〉); nicht bei Ott (1983).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 38: 50v 〈 70v〉. Belial bittet Gott mit Salomos Apostelbrief in Händen um eine zweite Instanz. Abb. 39: 14v 〈34v〉. Belial weist den Richter Salomo auf den Sündenfall hin. Abb. 40: 4v + 5r 〈24v + 25r〉. Moses mit seinen Zeugen vor dem Richter Salomo.

Abb. 37.
Abb. 38.
Abb. 39.
Abb. 40.