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KdiH

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13.0.11. Heidelberg, Universitätsbibliothek, Cod. Sal. VII 114

Bearbeitet von Norbert H. Ott

KdiH-Band 2

Datierung:

Um 1460.

Lokalisierung:

Schwaben.

Besitzgeschichte:

Eintrag 95va unter dem Textende: Ex dono D: Jacobi Mayr / Parocho acatholico in / Zofingen prope Winterthur / in Helvetia anno 1786 Mense Majo.

Inhalt:
1ra–95va Jacobus de Theramo, ›Belial‹, deutsch

Übersetzung A

I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 113 Blätter, 308 × 206 mm, Bastarda, eine Hand (Franciscus Jäger, 95va), zweispaltig, 32–33 Zeilen, zweizeilige rote Lombarden, rot unterstrichene Stellengaben zu den Dekretalienzitaten, rote Maleranweisungen.

Schreibsprache:

westschwäbisch.

II. Bildausstattung:

26 kolorierte Federzeichnungen (6vb, 7vb, 9va, 12va, 13ra, 17ra, 19vb, 23ra, 23va, 25vb, 26va, 29va, 38vb, 54vb, 56vb, 58va, 60ra, 60va, 68va, 69vb, 88vb, 89ra, 90va, 92rb, 93va, 95vb), ein Zeichner.

Format und Anordnung:

Spaltenbreite, ca. ⅓ bis ⅖ des Schriftraums hohe, ungerahmte Illustrationen meist unmittelbar neben der illustrierten Textpassage am Fuß, am Kopf und in der Mitte der Textspalte, Figuren teilweise seitlich angeschnitten, mitunter über den Schriftraum hinaustretend.

Drei rote Maleranweisungen von der Texthand über der Illustration in der Funktion von Bildtituli: Hie sol gemalet werden alz Belial fur fur [sic!] den Richter kumpt mit seiner klag vnd furlegung (25vb), hie sol gemalet stavn alz sy auff den gesaczten tag fur gericht komen (26va), hie sol gemalet werden wie sy der sach hindergang tuͦnd (68va).

Bildaufbau und -ausführung:

Die »leidlich proportioniert[en]«, jedoch plumpen Figuren (Wegener) mit runden, ausdruckslosen Gesichtern stehen, oft in dichtgedrängten Gruppen, vor nacktem Papiergrund auf einem hohen, seitlich gerade beschnittenen, olivgrünen Bodenstück; keinerlei sonstige Angabe des Handlungsorts oder irgendwelcher Räumlichkeit, kein Himmel. Sparsame Modellierung durch ausgesparte Lichter oder dunklere Farbtöne, keinerlei Schraffierung bis auf wenige kurze parallele Federlinien in Schattenpartien der Gewänder. Parallelfalten durch kräftige Pinselstriche markiert, meist eckiger Faltenbruch bei den aufstoßenden Gewändern der Sitzfiguren. Einige zentralsymmetrische Kompositionen, so häufiger bei dem auf seinem Thron sitzenden Richter (9va, 13ra, 19vb, 38vb) sowie – wohl bedingt durch den tradierten Bildtyp – bei Christi Himmelfahrt (92rb) und Pfingsten (93va). Personengruppen (Gott mit seinen rat herren vnd patriarchen 7vb, die Schiedsleute 69vb) sitzen auf einer schräg ins Bild ragenden, einem Chorgestühl ähnlichen Bank.

Bildthemen:

Außer den Darstellungen des äußeren Prozessverlaufs – darunter als einzige Illustration dieser Szene in der gesamten ›Belial‹-Ikonographie die Amtsenthebung Salomos durch Joseph von Ägypten am Beginn der zweiten Instanz (60ra) – mehrere Illustrationen aus biblisch-heilsgeschichtlichem Kontext: Christi Descensus mit Befreiung der Altväter aus einem weit geöffneten Höllenrachen (6vb), Christi Himmelfahrt (92rb), Pfingsten mit den betenden, auf einer niedrigen Ringmauer kreisförmig sitzenden Jüngern und Maria (93va), als Abschluß des Zyklus fast spaltenhoch Maria mit Kind im Strahlenkranz auf drei Teufeln stehend (95vb, Anspielung auf die Anrufung Mariens als Schlußformel des Texts).

Farben:

Oliv, Kobalt, Gelb, Rotbraun, Karmin, Zinnober, Grau, Deckweiß in hellen, stumpfen Tönen.

Literatur:

Bartsch (1887) Abb. 414. – Wegener (1927) S. 62; Frommberger-Weber (1973) S. 94 u. Anm. 277. 278; Hummel (1981) S. 40; Ott (1983) S. 305. 408–414 (Beschreibungen sämtlicher Illustrationen) und passim, Abb. 24 (38v). 25 (93v); Ott (1992a) S. 1002 Anm. 19.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 22: 7vb. Belial bittet Gott um einen förmlichen Prozess gegen Jesus. Abb. 23: 95vb. Maria mit dem Kind als Bezwingerin des Teufels.

Abb. 22.
Abb. 23.