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KdiH

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13.0.22. Salzburg, Universitätsbibliothek, M I 138

Bearbeitet von Norbert H. Ott

KdiH-Band 2

Datierung:

1443 (251r, 281r).

Lokalisierung:

Bayern oder Österreich.

Besitzgeschichte:

Auf dem Vorsatzblatt 1*r Soldner oder Goldner; Ende des 18. Jahrhunderts ist ein Student namens Soldner in Salzburg nachweisbar.

Inhalt:
1. 1v–204r Jacobus des Theramo, ›Belial‹, deutsch

Übersetzung A

2. 206r–224v Andreas Kurzmann, ›Albanuslegende‹
3. 225r–248v Andreas Kurzmann, ›Amicus und Amelius‹
4. 249r–251r Andreas Kurzmann, ›De quodam moriente‹, deutsch
5. 252r–259r Streit zwischen Friedrich von Österreich und Ludwig von Bayern
6. 259v–263v Aderlaßtraktat
7. 265v–266r Verwandtschaftsbäume
8. 266v–281r Dialog zwischen Ritter und Mönch über die Eucharistie
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 281 Blätter, je ein Pergament-Vor- und Nachsatzblatt, 220 × 146 mm, Bastarda, eine Hand (Johannes Staynberger vonn Sprinczenstain 281r, auch 204r, 251r, 259r), einspaltig, 26–28 Zeilen, abgesetzte Verse, Namen und Rechtsbücherverweise rot unterstrichen, drei- bis fünfzehnzeilige, meist fünfzeilige Perl-Lombarden mit Fleuronnée und Rankenausläufern in den Kombinationen Rot, Blau und Grün.

Schreibsprache:

bairisch-österreichisch.

II. Bildausstattung:

Sieben (= vier szenisch zusammengehörige) kolorierte Federzeichnungen (1v + 2r, 2v + 3r, 3v + 4r, 4v) zu Text 1, ein Illustrator (und eine Gehilfenhand?); eine kolorierte Federzeichnung zu Text 6 (259v), schematische Verwandtschaftsbäume 265v, 266r.

Format und Anordnung, Bildaufbau und -ausführung:

Die sieben Bildseiten stehen in der Art von Titelminiaturen als ikonographischer Kurzzyklus, den Inhalt des ›Belial‹ in seinen vier wichtigsten Stationen – Klaggrund (1v + 2r), Entscheidung zur juristischen Klärung (2v + 3r), Artikelprozess (3v + 4r), executio des Urteils (4v) – zusammenfassend, dem Text voran. Die ganzseitigen Illustrationen 1v–4r sind mit einem breiten roten, von einer schmaleren oliv-gelben Linie eingefaßten Pinselstreifen im Format des Schriftraums (ca. 150 × 70 mm) gerahmt, der 1v und 3v von den Figuren und dem Bodenstück durchschnitten, 2r durch einen Architekturrahmen (Höllentor) ersetzt und 4r von gelb-olivfarbenen Strahlen umgeben ist; die Darstellung 4v ist ungerahmt und nimmt die ganze Blattfläche ein. Der Hintergrund der Miniaturen mit Christus (1v), Gottvater (3r) und Salomo (4r) ist mit einer dunkelblauen, seitlich weiß gepunzten Fläche bemalt, während die Parteienvertreter Moses und Belial (2v, 3v) vor nacktem, lediglich durch den Rahmen bezeichnetem Papiergrund agieren.

Sichere, durchgezogene, dünne Umrißlinien, kaum Strichelung, nur in Gewandfalten und am Körper Belials wenige weite Parallelschraffen. Modellierung durch freigelassenen Papiergrund und dunklere Farbwerte in den Schattenpartien. Lange, bauschig am Boden aufstoßende Gewänder mit rundem Faltenwurf; Gottvater mit dreiblättriger Krone vor blau-rot-silbernem Nimbus trägt einen hellpurpurfarbenen, blau gefütterten und mit gelber Borte eingefaßten Mantel, Salomo einen olivgrünen, gelb eingefaßten Umhang über purpurfarbenem Unterkleid, Christus ein weißes, innen purpurrosa Kleid und einen rot-silbernen Nimbus, Moses ein langes Gewand in Hellpurpur. Belial, stets nackt (2v grau, 3v hellbraun), mit menschlichen Händen und Füßen, kurzem Stummelschwanz, langer, gekrümmter Nase und dichten Kurzhaarlocken, aber ohne Hörner. Große, fein gezeichnete Hände mit lebhafter Gebärdensprache, aber eher ruhige, gemessene Körperhaltungen. Namensinschriften (Adam, Abraham, david) auf den Körpern der drei vorderen der unbekleideten, Mützen, Kopftücher oder Kronen tragenden elf Altväter (2r). Auf dem olivgrünen, gewölbten Bodenstück wachsen mit dem Pinsel gemalte Blümchen und Blätter. Sparsame Lavierung vor allem der Descensus-Miniatur 2r (zartrosa Inkarnat mit viel freigelassenem Papiergrund, Höllenburg stellenweise ebenfalls zartrosa laviert, gelb getönte Haare und Bärte), aber auch Verwendung von Deckfarben (blauer Hintergrund, grünes Bodenstück, Salomos Mantel). Die im Bildaufbau abweichende, auch im Farbauftrag und im Faltenwurf etwas gröbere Darstellung 4v vielleicht von der Hand eines Werkstattgehilfen.

Bildthemen:

Christi Descensus mit Befreiung der Altväter (1v + 2r), Belial bittet Gott um einen Prozess (2v + 3r), Moses und Belial vor Salomo (3v + 4r), zwei Engel stoßen Belial in den Höllenrachen (4v).

Farben:

Zinnober, Olivgrün und Schwarzblau deckend, Hellgelb, Purpurrosa, Hellrosa, stumpfes Blau, Gelboliv, Grau und Hellblau laviert.

Literatur:

Jungreithmayr (1988) S. 49–51. – Karin Morvay: Die Albanuslegende. Deutsche Fassungen und ihre Beziehungen zur lateinischen Überlieferung. München 1977 (Medium Aevum 32), S. 86–92; Ott (1983) S. 262–267. 326f. 459–461 (Beschreibungen sämtlicher Illustrationen), Abb. 2 (1v + 2r). 3 (3v + 4r). Zur Illustration von Text 6 siehe Nr. 87. Medizin.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Farbabbildungen (Universitätsbibliothek Salzburg): 1v-2r, 2v-3r, 3v-4r, 1v, 2r, 2v, 3r, 3v, 4r, 4v, 259v, 251r

Abb. 43: 2v + 3r. Belial bittet Gott um einen förmlichen Prozess gegen Jesus.

Abb. 43.