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KdiH

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Die folgenden Zeichen haben eine besondere Bedeutung. Sie stehen ohne Leerzeichen beim Wort, auf das sie sich beziehen.
+Das Wort dahinter muss vorkommen.
-Das Wort dahinter darf nicht vorkommen.
~Das Wort dahinter sollte eher nicht vorkommen.
<Das Wort dahinter sollte vorkommen, aber nicht so dringend wie andere Wörter.
>Das Wort dahinter sollte vorkommen, und zwar dringender als andere Wörter.
*Platzhalterzeichen am Ende eines Wortes; steht für kein, ein oder mehrere Zeichen.
" "umgibt eine Folge von Wörtern; es wird dann nicht nach den Wörtern einzeln gesucht, sondern nach der Folge als ganzer.
( )bündelt Wörter zu einem Ganzen, um eins der obigen Präfixe darauf beziehen zu können.

11.4.21. Heidelberg, Universitätsbibliothek, Cod. Pal. germ. 832

Bearbeitet von Ulrike Bodemann und Gisela Fischer-Heetfeld

KdiH-Band 1

Datierung:

Nach 1491.

Lokalisierung:

Regensburg, Berthold Furtmeyr und Werkstatt.

Besitzgeschichte:

Das rheinpfälzische und das bayerische Wappen Bl. 16r und 103r weisen auf Pfalzgraf Philipp den Aufrichtigen in Heidelberg (1448–1508) und seine Frau Margarethe von Bayern-Landshut als Auftraggeber oder Besitzer.

Astrologisch-astronomisch-mantische Sammelhandschrift; darin:

Inhalt:

Inc.:

1. 1v–13r Kalender der Diözese Eichstätt (nach Regiomontanus) mit Mondzyklen für 1491 und 1510 und Monatsversen
2. 36r–83v Petrus de Abano, ›Astrolabium planum‹, deutsch
3. 84ra–92rb Von den 36 Sternbildern, deutsch nach Michael Scotus
Inc.: WEre vndter dem grossen Bern geporn wirdt der wirdt gewaltig vnd reich Jn der welt ...
4. 92va–98rb Von den zwölf Tierkreiszeichen
Inc.: WJder ist haiß vnd trucken fewrs natur orientisch ... Wer darJnn geporen wirdt der wirdt ein Colericus ...
5. 98va–101va Von den sieben Planeten und ihren Kindern
Inc.: SAturnus ein Stern bin ichs genant Der höchst planet gar woll bekant ... Meine kind sind siech dür plaich vnd kalt ...
6. 104ra–105vb Die vier Complexionen
Inc.: Sangwineus ist des luffts natur ...
7. 106ra–108rb Die vier Elemente
Inc.: Die Erde ist das erst vnd nyderst vndter den vier elementen ...
I. Kodikologische Beschreibung:

Pergament, 275 Blätter, 360 × 270 mm, Bastarda, ein- und zweispaltig, zwei Schreiber (Bl. 244–271 und die Erläuterungen zu den Furtmeyr-Tafeln von der zweiten Hand), 29–33 Zeilen, rote Überschriften, Strichel, Caputzeichen, Unterstreichungen, Rubrizierungen, rote, blaue und gelbe Initialen.

Schreibsprache:

bairisch.

II. Bildausstattung:

Zwei ganzseitige astronomische Drehbilder in Deckfarbenmalerei (16r, 103r) von Berthold Furtmeyr und 502 Deckfarbenminiaturen von anderer Hand, wohl aus der Furtmeyr-Werkstatt (von Rohr S. 92 u. 165: Thomas Schilt?): 24 zu Text 1 (2r–13r jeweils zwei Bilder recto), 408 zu Text 2 (36r–83v für alle zwölf Tierkreiszeichen 1 × 6 und 7 × 4 Bilder pro Seite), 36 zu Text 3 (84ra–92rb pro Seite zwei Bilder), zwölf zu Text 4 (92va, 93ra, 93va, 94ra, 94va, 95ra, 95va, 96ra, 96va, 97ra, 97va, 98ra), 14 zu Text 5 (98va [2], 99ra [2], 99va [2], 100ra [2], 100va [2], 101ra [2], 101va [2]), vier zu Text 6 (104ra, 104va, 105ra, 105va), vier zu Text 7 (106ra, 106va, 107ra, 107va). Ferner Diagramme und Tabellen, im Rückendeckel ein Astrolabium mit drehbarer Scheibe und Zeiger, 17r–19v Mondphasenscheiben.

Format und Anordnung:

Zu Text 3–7 quadratische oder leicht hochrechteckige Bilder (ca. 60–95 × 80 mm); Text 3: je ein Bild über jeder Textspalte, Text 4: Bild über jeder linken Textspalte, Text 5: auf jeder Seite stehen über der linken Textspalte zwei Bilder übereinander, Text 6 und 7: je ein Bild über der linken Textspalte. – Die Blätter mit den beiden Tafeln Furtmeyrs (ca. 34 × 25 cm) sind separat eingebunden.

Bildaufbau und -ausführung, Bildthemen:

Die Handschrift steht in einem Geflecht vielfältiger Beziehungen: Während die Planeten- und Sternbilder wie die des Coburger Ms. 5 (Nr. 11.4.12.) die Holzschnittfolgen Erhart Ratdolts (siehe Nr. 11.2.a.) kopieren, war die Handschrift ihrerseits Vorlage für Heidelberg Cod. Pal. germ. 833 (Nr. 11.4.22.). Die Bilder sind, anders als die parallele Coburger Bildfolge, mit malerischen Mitteln und unter Beifügung vieler narrativer Details ausgeführt. Rahmung durch ein- oder mehrfarbige profilierte Streifen, als Bildbühne meist ein Bodenstück mit hochliegendem Horizont, der Hintergrund mit Blattgold ausgelegt (zuweilen auch rot oder blau mit Federranken), häufig durch eine Mauer ausgegrenzt, oder in eine offene, gestufte Landschaft führend: steinige Wege und Pflanzen im Vordergrund, grüne Wiesenhügel im Mittelgrund, blaue Berge mit Häusern und Burgen im Hintergrund. Enge, aus einfachen Elementen zusammengesetzte Innenräume (karierte Fliesenfußböden). Die Figuren kaum individualisiert, krause Haare, zu große Köpfe, aber Bemühen um Abwechslung in Mimik und Gestik. Stern- und Planetenfiguren in antikisierenden Phantasiekostümen, sonst Tracht der Zeit um 1490 mit eckiger Faltengebung. Außer bei den Tierkreiszeichen stets Beischriften über dem oberen Bildrahmen, die Sterne nie eingezeichnet.

Text 3, 4 und 5 wie Coburg, Ms. 5 (11.4.12.: Text 4, 5 und 6); abweichend Krone (84va) ohne Edelstein, Agitator (86va) und Walfisch (88vb) nicht quer, 87va Pleiaden: Henne mit sechs Küken, 90rb Schiff Argo: der Ruderer stehend mit langer Ruderstange; Stier (93ra) als Ganzfigur, Zwillinge (93va) ohne Flügel, der Jüngling im Hemd, das Mädchen ohne Lyra, Jungfrau (95ra) ohne Flügel, Steinbock (97ra) nicht als Ziegenfisch; die Planetengötter in einachsigen (nur Saturn in zweiachsigem) Wagen durch Wolken fahrend, Venus (100va) in langem, aber über die Knie hochgeschobenem Kleid, Luna (101va) in langem Gewand, ohne Hörner; bei den Planetenkindern nur die Saturnkinder (98va) abweichend: links oben Galgen ohne Gehängten, unten zwei Gefangene mit Beinen im Holzblock.

Zu Text 6 jeweils Darstellung eines Paares, 104ra für Sanguineus in Umarmung, 104va für Colericus sich gegenseitig schlagend, 105ra für Flegmaticus untätig an leerem Tisch sitzend, 105va für Melancholicus auf einer Bank sitzend, die Frau spinnt, der Mann wendet sich den Kopf haltend ab. – Zu Text 7 106ra Landschaft für Erde, 106va auf ein Ufer zufahrendes Schiff für Wasser, 107ra Wolken mit blasendem Gesicht für Luft, 107va Flammen für Feuer.

Drehfigur 16r zur Ermittlung des Mondlaufes: zwei drehbare Scheiben mit goldenen Zeigern über Kreisfigur in rechteckigem Rahmen; in den Rahmenzwickeln oben rechts und links je zwei nackte Frauen als Wappenhalterinnen, dazwischen Ranken und zwei Äffchen, unten Flusslandschaft mit vielen Tieren, rechts und links zwei sitzende Frauen in roten Gewändern, jeweils auf ihrem Schoß einen Hasen liebkosend; in der Kreisfigur ein Kranz der Tierkreiszeichen mit Gradeinteilungen, abweichend zum Zyklus zu Text 4 Stier als Halbfigur, Jungfrau und Zwillinge mit Flügeln, die Sterne stets eingezeichnet; auf der größeren Scheibe darüber kranzförmig Darstellungen der 30 Mondphasen, auf der oberen kleinen Scheibe Sonne mit Strahlennimbus und Mond, ganz vergoldet. – Drehfigur 103r zur Einstellung des Sonnenstandes: zwei drehbare Scheiben, die obere mit goldenem Zeiger, über rechteckigem Rahmen; in den Rahmenzwickeln oben rechts und links je zwei Putten als Wappenhalter, dazwischen Ranken und zwei Äffchen, die inneren beiden Putten halten die Rankenstämme, die als Einstellungsmarkierungen für die untere Drehscheibe dienen; unten Flusslandschaft mit Tieren, rechts und links sitzen nackte Frauen, die linke mit Einhorn, die rechts mit Hirsch; auf der unteren Drehscheibe kranzförmig die Planetengötter im Wagen, ähnlich wie der Zyklus zu Text 5, hier jedoch wie im Druck mit Darstellung der Häuser auf den Wagenrädern, mit Benennung und Zuordnung zu den Wochentagen, auf der oberen Drehscheibe goldene Sonne mit Strahlenkranz, umgeben von einem in sieben Segmente unterteilten Kranz, auf dem die Stunden des Tages verzeichnet sind.

Die kostbar ausgestattete Handschrift zeichnet sich vor allem durch ihre vorzügliche Kolorierung aus, der gegenüber die Zeichnung abfällt. Von besonderer Qualität sind die beiden von Furtmeyr selbst gemalten Drehbilder, an die das Gros der übrigen Bilder nicht heranreicht.

Farben:

Bunte, aber harmonische Palette aus Deckgrün, Olivgrün, Kobalt, Chromgelb, Ocker, schmutzigem Karmin und Zinnober, Umbra, Pinselgold, Blattgold und Blattsilber, Deckweiß, Schwarz und vielen Ausmischungen.

Zu den Illustrationen der Texte 1 und 2 siehe Nr. 65: Kalender und Nr. 80: Losbücher.

Literatur:

Wille (1903) S. 130f. – Wegener (1927) S. 102–106, Abb. 95 (16r). 96 (48r). 97 (100v). 98 (91r); von Rohr (1967) S. 92–94. 132f. 165f.; Haage (1981) Teilfaksimile (Bl. 36–83) und Kommentarband passim; Mittler/Werner (1986) S. 136f., Taf. 39 (16r); Regensburger Buchmalerei (1987) Nr. 109, Taf. 80 (103r); Unger (1986) Nr. 56.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 223: 89r. Eridanus, oben bekleidet im Kastenwagen sitzend, unten nackt in Flussbett liegend; Orion als gewappneter Krieger.

Abb. 223.