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26A.7. Frankenberg: Wigand Gerstenberg,
›Chronik der Stadt Frankenberg‹

Bearbeitet von Norbert H. Ott

KdiH-Band 3

Wigand Gerstenberg genannt Bodenbender, am 1.5.1457 in Frankenberg an der Eder geboren und dort am 27.8.1522 gestorben, war nach seinem Theologiestudium in Erfurt Meßpriester an der Marienkirche seiner Heimatstadt. Als Kaplan (1494–1500) des Landgrafen Wilhelm III. von Hessen-Marburg (1483–1500) und danach (1503–1506) der Landgräfin Anna, stand er in enger Beziehung zum hessischen Fürstenhaus: Er erhält Pfründen in Marburg und begleitet seinen Landesherrn auf dem Wormser Reichstag von 1495.

Gerstenberg ist Autor einer Thüringisch-hessischen Landeschronik (Kassel, 4o Ms. Hass. 115, s. 26A.25.1.), einer Regententafel von Thüringen und Hessen (Darmstadt, Hessische Landes- und Hochschulbibliothek, Hs 238, s. unter 45. Genealogien) und einer Chronik seiner Heimatstadt. Doch anders als die an Wilhelm III. gerichtete, ihren zahlreichen Vorlagen eng folgende ›Landeschronik‹ zeigt die 1506 abgeschlossene ›Stadtchronik‹ einen weit großzügigeren Umgang mit den Quellen: In der Absicht, der stad gemeynen nottz zu hanthaben (Diemar S. 388), inseriert Gerstenberg auch selbst hergestellte Fälschungen Frankenberger Privilegien in seinen Text, der sich durch äußerst lebendige Berichte über die eigene Gegenwart auszeichnet und das Selbstbewußtsein des städtischen Chronisten auch in kritischen Äußerungen über die Landesherrschaft zum Ausdruck bringt.

Während die Pergamenthandschrift der Regententafel mit Stammbäumen, Wappen und Rankenwerk ausgestattet ist, enthalten die beiden Autographen der Landes- und der Stadtchronik Illustrationszyklen von beträchtlichen Realitätsanspruch, die von den relativ zahlreichen neuzeitlichen Abschriften nicht übernommen wurden. Die Bildprogramme beider Chroniken hat Gerstenberg selbst entworfen: Seine roten, stets mit der Wendung hir sal stehin beginnenden Maleranweisungen dienen den nach der Eintragung angefertigten Illustrationen als Bildbeischriften. Im zeichnerischen Niveau sind die – nach Blattverlusten noch 15 – kolorierten Federzeichnungen der Stadtchronik zwar geringer als die nur leicht mit Rot und Blau lavierten der Landeschronik, die eine auch in der Personendarstellung und der Komposition von vielfigurigen, bewegten Szenen geübte Hand verraten. Doch auch der Illustrator der Stadtchronik ordnet nicht ungeschickt Personengruppen und Architekturansichten in ein in eine Landschaft integriertes »Ereignisbild« ein, bemüht sich, vor allem bei Schlachtenbildern, um zuweilen etwas maniriert wirkende Körperkrümmungen der Kämpfenden oder der am Boden liegenden Streitrösser, und zeigt besonders Interesse an »realistischen« Details wie Waffen, Rüstungen und Kleidung. Mit ihrem Anspruch, Wirklichkeit zu vermitteln, sind die Illustrationen der Frankenberger Stadtchronik durchaus schon auf dem Weg zur frühneuzeitlichen Graphik.

Editionen:

Joh[ann] Phil[ipp] Kuchenbecker: Analecta Hassiaca partim ex mss. eruta partim typis iam excusa sed varius obvia collegit, observationes preavias et indices necessarios adiecit. Bd. 5. Marburg 1731, S. 145–240; Christoph F[riedrich] Ayrmann: Sylloge anectodorum omnis aevi chronicorum. Bd. 1. Frankfurt a. M. 1746, S. 621–672; Hermann Diemar: Die Chroniken des Wigand Gerstenberg von Frankenberg. Marburg 1909 (Veröffentlichungen der historischen Kommission für Hessen und Waldeck 7), S. 379–474.