KdiH

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2.4.16. Leiden, Universiteitsbibliotheek, ms. VCF 29

Bearbeitet von Norbert H. Ott

KdiH-Band 1

Datierung:

1522.

Lokalisierung:

Erfurt.

Besitzgeschichte:

Aus dem Besitz des Schreibers der Handschrift, des Erfurter Bürgers und Notars Valentin Hernworst, 1536 in den Besitz der Erfurter Augustiner übergegangen; seit 1632 im Besitz der Christine von Schweden, dann im Besitz des Isaac Vossius.

Inhalt:
1. 1r–24r Ps.-Albertus Magnus, ›De Lapidibus‹, Auszüge, deutsch
2. 25r–32r Planetentafeln
3. 33rv Johannes de Rupescissa, ›De consideratione quintae essentiae‹, lateinische Auszüge
4. 33v–38v Verschiedene alchemistische Rezepte und Gedichte, lateinisch und deutsch
5. 39r–71v Ps.-Thomas von Aquin, ›Aurora consurgens‹, lateinisch
6. 72r–100v Verschiedene alchemistische Rezepte und Kurztraktate, lateinisch und deutsch, darin 89r–99v umfangreiche Bilderfolge
7. 101r–103v ›De lapide philosophico‹, deutsch
8. 104r–114r ›Die Tabula der Kunst der Alten‹, deutsch
9. 114v–120r Verschiedene alchemistische Rezepte und Traktate, lateinisch und deutsch
10. 120v–123r Ps.-Raymundus Lullus, ›Elucidatio testamenti‹, lateinisch
11. 123v–124v Rezepte, deutsch und lateinisch
12. 125r–132v Alchemistisches Vokabular, lateinisch
13. 133r–135r ›Sinonima artis philosophie‹, lateinisch und deutsch
14. 135v–141r Verschiedene alchemistische Rezepte und Kurztraktate, lateinisch und deutsch
15. 141v–143v ›Fundamentum bonum‹, deutsch
16. 148r–150v Verschiedene Rezepte zur Weindestillation, deutsch
17. 150v–151r ›Von den vier geheimnissen der weissen philosophenn‹
18. 151r–152r ›Von Calciuirung des Goldes‹, deutsch
19. 152v–154r Lorenz Misch, ›De compositione auri potabilis‹, deutsch (nachgetragen 1566)
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 161 Blätter, 308 × 206 mm, gotische Kanzleikursive, eine Hand (Valentin Hernworst), 29–38 Zeilen, zwei- bis dreizeilige rote und violette Initialen, Rubrizierungen.

Schreibsprache:

thüringisch-obersächsisch.

II. Bildausstattung:

166 Federzeichnungen (37r, 37v, 38r, 38v, 39v, 40v, 41r, 41v, 42v, 43r, 43v, 44v, 45r, 46r, 48r, 49v, 50v, 51r, 51v, 52r, 52v, 53r, 54v, 56r, 56v, 57r, 58v [2], 59r, 60r, 60v [2], 62r, 63r, 64r [2], 65v, 69r, 70v, 73r, 73v, 74r, 76r [2], 76v [2], 77r [2], 78r, 78v [6], 79r [2], 79v [6], 80r [2], 80v [3], 81r [4], 81v [16], 82r [2], 82v [2], 83r [2], 83v [2], 84r [2], 84v [2], 85r [2], 85v [2], 86r [2], 86v [2], 87r [2], 87v [2], 88r [2], 88v, 89r, 89v, 90r [2], 90v, 91r, 91v [2], 92r [2], 92v, 93r, 93v, 94r, 94v, 95r, 95v, 96r, 96v, 97r [3], 97v [6], 98r [3], 98v [3], 99v, 104v, 105r, 106r, 107r, 108r, 109r, 109v, 110v, 111r, 111v, 113r, 113v, 144v [3]), drei Zeichner (I: 37r–77r, 104v–113v [boeren: vielleicht der Schreiber Valentin Hernworst], II: 78r–99v [Johannes Hoch, 99v], III: 144v).

Format und Anordnung:

Zu Text 5 35 von einfacher Federlinie gerahmte, meist quer- und seltener hochrechteckige, textbreite, ca. 1/5–2/3 Schriftspiegelhöhe große Illustrationen (37v–70v), sowie zwei kreisförmige (42v, 52r) und zwei ungerahmte, neun (50v) und vier (51v) Zeilen hohe Marginalien am Außenrand; Wappen 37r ungerahmt auf unterer Blatthälfte; viele Illustrationen zwischen dem Text, einige am Kopf oder am Fuß der Seite. Zwölf ganzseitige ungerahmte Illustrationen, meist mit deutschen und/oder lateinischen, oft umfangreichen In- und Beischriften (73r, 73v, 78r, 89r, 90v, 91r, 92v, 94r, 94v, 95v, 96r, 96v), 16 meist textbreite, 1/3–2/5 des Schriftspiegels hohe Illustrationen in ähnlicher Anordnung (74r, 76r, 76v, 77r, 89v, 90r, 91v, 92r, 93r, 93v, 95r), 76v oben: gerahmte und durch senkrechte Federlinie in zwei Bildszenen geteilte Miniatur. Die von einer Federlinie gerahmten, ganzseitigen Darstellungen der Folge 78v–81v sind durch Federlinien in zwei bis 16 Bildfelder unterteilt, die jeweils deutsche Beischriften enthalten. Die Bilderfolge 82r–88v faßt auf jeder Seite je zwei querrechteckige, von doppelter, mit Farbe gefüllter Federlinie gerahmte Einzelbilder mit jeweils zwei Zeilen Text über der Darstellung zusammen. Die Folge 97r–99v besteht aus insgesamt 17 Einzelszenen, die in zwei bis drei Bildzeilen pro Seite und meist zwei Szenen pro Zeile (auf gemeinsamem Bodenstück) fortlaufend angeordnet sind. Folge 104v–113v: textbreite, 1/3–2/3 des Schriftspiegels hohe, ungerahmte Illustrationen, das Bodenstück unten und seitlich jedoch durch waagrechte bzw. senkrechte Federlinien begrenzt. 144v: drei am Außenrand übereinander angeordnete, vier bis sechs Zeilen hohe Zeichnungen. – Die Bilderfolgen 73r–113v sind meist nur mit Bildbeischriften versehen; die ursprünglich dazugehörigen Texte (z. B. ›Donum Dei‹, Lacinius) sind auf ein Minimum reduziert oder fehlen völlig.

Die Illustrationen sind von der gleichen Hand, von der die alte Foliierung stammt, in zwei Serien durchnumeriert: Nr. 1–71 (37r–99v), Nr. a–m (104r–113v); die Darstellungen 76r–78r und 82r–88r werden von dieser Zählung übergangen und sind mit Bleistift von A–Z, Aa–Zz und aaa–mmm gezählt.

Bildaufbau und -ausführung:

Die einzelnen, von zwei Haupthänden stammenden Bilderfolgen sind sehr unterschiedlich aufgebaut. ›Aurora consurgens‹-Serie (37v–70v): auf einfachem, flachem Bodenstück agierende Figuren, nur wenn ikonologisch gefordert mit Architekturversatzstücken versehen, unbemalte Papierfläche als Hintergrund. Die allegorischen Folgen 73v–77r und 89r–96v enthalten viele frontalsymmetrisch angeordnete, gleichwohl auf knapp angedeuteten Bodenstücken spielende Darstellungen. Ebenfalls auf einem Bodenstück stehen die Gegenstände des Katalogs alchemistischer Gefäße, Geräte und Öfen 78v–81v. Die gerahmte Bilderfolge 82r–88v integriert das Handlungspersonal in narrativer Tendenz in eine stets variierte Landschaftsszenerie mit detailreichen Hintergründen, Figuren tragen z. T. leere Spruchbänder. Auch das ganzseitige Einzelbild 78r bezieht die Vorgangsschilderung in eine Landschaftsdarstellung ein, während die auch in Nr. 2.4.25., 21v überlieferte Illustration eines alchemistischen Gedichts 73r mehrere über die ganze Seite verteilte Einzelszenen lose miteinander verknüpft und mit Textzeilen durchsetzt. Die ebenfalls in Nr. 2.4.25. überlieferte Lacinius-Folge 97v–99v faßt die dort auf Einzelbilder verteilten Darstellungen in einer ununterbrochenen Bilderreihe streifenartig zusammen. Die stets formal variierten Destillierkolben der ›Donum Dei‹-Serie 105v–113v stehen auf oder schweben über einem Bodenstück, nur 109r ist der Kolben ohne Bodenfläche dargestellt.

Hand I, nach Boeren möglicherweise der Schreiber der Handschrift: Vorzeichnung mit kräftiger Feder, Umrißlinien häufig neu angesetzt und an- und abschwellend, Parallelschraffuren, v. a. bei Bodenflächen, z. T. auch parallele Häkchen, Modellierung hauptsächlich durch kräftige Pinselstreifen und wenige ausgesparte Lichter. Ziemlich grobe, dickliche Gesichter mit Doppelkinn, lange Haare der Damen aus unterbrochenen Federkringeln, meist nur Parallelfalten. Flächiger, oft auch deckender, mitunter etwas fleckig wirkender Farbauftrag. Hand II (Johannes Hoch aus Erfurt: [...] sindt diese vorgeschribene Bylde vnd Figuren durch Johannem Hoch Illuminierer gemacht, 99v): Vorzeichnung mit feinerer, dünner Feder, durchzogene, glatte Umrißlinien, kaum Schraffuren auf Körpern, Schattenpartien auf ebenen Flächen durch Parallelschraffur unter dünner Farbfläche angedeutet, Modellierung der alchemistischen Kolben mit Doppelreihen kurzer, der Wölbung folgender Parallelstriche. Runde, pausbäckige, jung wirkende Gesichter, gut und sicher gezeichnete Akte mit Grübchen am Hals und an den Knien, sonst jedoch fast ohne jede Binnenzeichnung. Viel freigelassene Papierfläche, dünn aufgetragene, durchsichtige Kolorierung. Hand III (144v): Zittrige, mehrfach ansetzende Umrißlinien, eher unbeholfen.

Bildthemen:

›Aurora consurgens‹-Folge 37v–70v vgl. Nr. 2.4.4. (mit Abweichungen). – Drei Kinder auf Töpfen sitzend, ein liegender Ritter (Saturn) von einem Schwert durchbohrt, den eine Frau mit Waage mit Wasser begießt, aus der Wunde des Ritters fließt Blut in einen Bottich, in dem ein Nackter badet, assistiert von zwei Engeln und einer Dame, unten vier Kinder auf Wolkensäumen, ein Fuchs am Feuer (73r) [vgl. dazu Nr. 2.4.25., 21v]. – Allegorische Bilderfolge I, darunter einige Darstellungen aus dem ›Buch der heiligen Dreifaltigkeit‹: Drache, Adler und Rabe in einem bekrönten Kolben (73v); Gelehrter, Löwe, Rind und Vogel neben einer großen Uhr, flankiert von Turm und Brunnen (74r); Christus am Galgenkreuz (76r); Enthauptung (76r); Räderung und Krug (76v); Trinität, daneben Kronen (76v); Evangelistensymbole mit Kronen (77r); acht Kronen (77r). – Urteil des Paris als Allegorie auf die Vollendung des alchemistischen Werks (78r). – Bilderkatalog alchemistischer Geräte, Gefäße und Öfen (78v–81v). – Allegorische Bilderreihe mit deutschen mariologischen Zweizeilern: Bär mit Jungen; Dame zieht Segelschiff an Land (82r); Traubenernte von einem Baum, an dem Trauben und Eicheln wachsen; Phönix (82v); zwei Männer zersägen ein Bild mit zwei Königen; Dame am Ufer, Schiff mit Ritter und Tieren (83r); Tautropfen und Sonnenstrahlen; Dame mit zwei Herren am Feuer (83v); Tischszene; zwei Bewaffnete vor einer Kirche (84r); Löwe mit Jungen; Vögel um einen Baum auf einer Insel (84v); Kuh; Dame am Burgfenster vor Regenwolken (85r); Bauer und drei Vögel am See; über vier Betenden schwebt eine Truhe (85v); Tiere neben schlafendem Hirten; Frau schöpft Wasser mit Sieb (86r); Dame vor geöffneter Truhe; Magnetberg zieht Schiff an (86v); Dame mit Einhorn; Alexander der Große faßt in einen Brunnen (87r); drei Vögel über Feuer; Herr blickt über Mauer (87v); Strauß füttert zwei Junge; Vogel (88r); Mann im Bett, auf dem ein Vogel sitzt (88v). – Allegorische Bilderfolge II, darunter mehrere Darstellungen aus dem ›Buch der heiligen Dreifaltigkeit‹ (89r–96v): u. a. alchemistische Rebis-Trinität (90v, 96r); luziferische Rebis-Trinität (91r); gekrönte Schlange sticht Adam im Beisein Evas eine Lanze in die Brust (91v); Hermaphrodit mit Zepter (92r); forma speculi trinitatis (92v); Hermes Trimegistos mit Vögeln (92r); Marienkrönung mit Evangelistensymbolen (94r); Drache Urobos, Doppeladler und Planeten (94v); flos sapientium (95r). – Bilderfolge zu Lacinius: Tötung eines Königs, Grablegung, Ausgraben des Skeletts, Auferstehung in fortlaufenden Bildzeilen (97r–99v) [vgl. dazu Nr. 2.4.25., 43r–50v]. – ›Donum Dei‹-Bilderfolge (104v–113r): Kolben mit wechselnden Inhalten (nacktes gekröntes Paar stehend und liegend, nacktes Kind, König, Königin). – Alchimistische Gefäße (144v).

Enge ikonographische Übereinstimmung des Zyklus 89r–96v mit Basel, L IV 1, S. 263–297 (Nr. 2.4.3.), und Manchester, German Ms. 1 (Nr. 2.4.23.). Zum Zyklus 37v–70v vgl. Berlin, Ms. germ. quart. 848 (Nr. 2.4.4.); zum Einzelbild 73r vgl. Nürnberg, Hs 16752, 21v (Nr. 2.4.25.), zum Zyklus 97r–99v ebenfalls Nr. 2.4.25., 43r–50v. Die Illustrationen 76r–77r, 90v, 91r, 91v unten, 92v, 94r, 95r und 96r stimmen eng mit der Ikonographie des ›Buchs der heiligen Dreifaltigkeit‹ (Nr. 2.1.) überein.

Farben:

Rot, Blau, Grün in verschiedenen Abstufungen, Lila, Braun, Gelb, Hellgrau, Rosa, Hellorange, bei Hand I teilweise deckend, bei Hand II in zartem, durchsichtigem Kolorit.

Literatur:

Boeren (1975) S. 83–90. – Carl Gustav Jung: Psychologie und Alchemie. 1. Aufl. Zürich 1944, Abb. 9 (78r). 17 (86r). 20 (94r). 38 (95v). 90 (82r). 99 (74r). 129 (60v). 140 (99r). 152 (73r). 201 (53r). 241 (87r); Liselotte Möller: Nährmutter Weisheit. Eine Untersuchung über einen spätmittelalterlichen Bildtypus. DVjs 24 (1950), S. 347–359, hier S. 358; Carl Gustav Jung: Symbole der Wandlung. Zürich 1952, Abb. 89 (82v). 104 (91v); Christine von Schweden [Ausstellungskatalog]. Nationalmuseum Stockholm 1966, Nr. 888; Lennep (1966) Abb. 18 (73r). 19 (78r). 20 (87r). 21 (86r); Jacques van Lennep: A propos de Jérôme Bosch. Polémique, Tarot et Sang-Dragon. Gazette des Beaux-Arts 71 (1968), S. 189f.; Buntz (1968) S. 36 u. Anm. 3; Ploss u. a. (1970) S. 217; Klossowski (1973) Abb. 35 (78r). 36 (89r). 43 (73r); Jürgen W. Einhorn: Spiritalis unicornis. Das Einhorn als Bedeutungsträger in Literatur und Kunst des Mittelalters. München 1976 (Münstersche Mittelalter-Schriften 13), Nr. 131; Telle (1980) S. 138f.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 33: 78r. Urteil des Paris als Allegorie auf die Vollendung des alchemistischen Werks.

Abb. 35: 52r. Planetenrad.

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Abb. 33.
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Abb. 35.