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KdiH

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Die folgenden Zeichen haben eine besondere Bedeutung. Sie stehen ohne Leerzeichen beim Wort, auf das sie sich beziehen.
+Das Wort dahinter muss vorkommen.
-Das Wort dahinter darf nicht vorkommen.
~Das Wort dahinter sollte eher nicht vorkommen.
<Das Wort dahinter sollte vorkommen, aber nicht so dringend wie andere Wörter.
>Das Wort dahinter sollte vorkommen, und zwar dringender als andere Wörter.
*Platzhalterzeichen am Ende eines Wortes; steht für kein, ein oder mehrere Zeichen.
" "umgibt eine Folge von Wörtern; es wird dann nicht nach den Wörtern einzeln gesucht, sondern nach der Folge als ganzer.
( )bündelt Wörter zu einem Ganzen, um eins der obigen Präfixe darauf beziehen zu können.

9.1.4. Cambridge (Massachusetts), Harvard University, Houghton Library, MS Ger 74

Bearbeitet von Norbert H. Ott

KdiH-Band 1

Datierung:

1444–1446.

Lokalisierung:

Ostfranken, vielleicht Nürnberg (Teil IV). 1458–1476. Schwäbischalemannisches Grenzgebiet und Ostschwaben (Teile I–III).

Besitzgeschichte:

Die vier Teile der Handschrift wurden mit erheblichen Blattverlusten noch im 15. Jahrhundert zusammengebunden; zahlreiche Nachträge von insgesamt neun Händen des 15. und 16. Jahrhunderts lassen auf häufigen Besitzerwechsel oder auf eine hausbuchartige Benutzung durch mehrere Generationen schließen. 1954 aus Mailand vom Antiquariat William H. Schab, New York, gekauft, 1955 von der Houghton Library erworben.

Sammelhandschrift aus vier Teilen, vorwiegend mit Rezepten, Reimreden, Sprichwörtern, Lehrsprüchen und Priameln, u. a. von Freidank, Heinrich von Mügeln, dem Mönch von Salzburg und aus dem Rosenplüt-Werkkomplex; in Teil I u. a. ein strophisches Gedicht über die Burgunderkriege 1474/75 (12v–15r), das ›Schwäbische Weihnachtsspiel‹ (22r–26v) und – im gleichen Überlieferungskontext wie im Liederbuch der Clara Hätzlerin (Prag Ms. X A 12) – die

Inhalt:
40r–40v ›Greisenklage‹
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 71 Blätter, Blattverluste, 204 × 149 mm, Bastarda, fünf Hände (I: 3r–11v, 18r–33v, 34v–40v; II: 1r–2v, 10v–11v [Korrekturen], 12r–15v, 33v–34r; III: 42r–51v; IV: 53r–55r; V: 62r–71r) und neun Nachtragshände des 15. und 16. Jahrhunderts; einspaltig, 20–32 Zeilen, rote Strichelung, Überschriften und Unterstreichungen, einfache rote Initialen, keine Rubrizierungen in den von den Händen II und V geschriebenen Teilen.

Schreibsprache:

Mundarten: schwäbisch (Hand IV), schwäbisch mit alemannischen Einschlägen (Hände I und II), ostschwäbisch (Hand III), nordbairisch-ostfränkisch (Hand V).

II. Bildausstattung:

Eine kolorierte Federzeichnung zur ›Greisenklage‹ (40r); sechs weitere, teilweise kolorierte Federzeichnungen (1r oben rechts am Blattrand lineare Zeichnung einer Hand, die einen Trinkbecher hält, zu Hans Rosenplüts Weingruß Nun grieß dich got du edels getranck; 22r–23r vier Zeichnungen in brauner und roter Feder jeweils am rechten Blattrand zum ›Schwäbischen Weihnachtsspiel‹ [22r Praecursor in kurzem Rock mit Federhut und Heroldsstab auf hohen Holzschuhen; 22v Kaplan mit Krummstab und gesiegeltem Brief; 23r oben Isaias, den rechten Arm ausstreckend, über der Brust Schriftband mit Inschrift Ecce uirgo con; 23r unten Engel mit ausgebreiteten Flügeln]; 30v mit dem Lineal gezeichnete Geißel, unkoloriert, ganzseitig, Beischriften mit Farbangaben: der zwifel strick ain tail rot vnd guldin der ander tail ytel gold, die stang swartz vnd rot).

Illustration zur ›Greisenklage‹ links im ausgesparten Schriftraum, ungerahmt, doch rahmenartig senkrecht am linken Bildrand und an der Oberkante des Schriftspiegels Textzeile: wie gern wir nu werden alt/wann es dann kommet so ist eß zebald. Alter Mann mit schwarzem Bart in bäuerlicher Kleidung (kurzer Rock, Mütze, in Stiefeln steckende Hosen), am Gürtel ein Messer, in der linken Hand ein Rosenkranz, die rechte auf einen Stock gestützt, auf gestricheltem, unkolorierten Bodenstück nach links gehend. Nur Umrißlinien, eckiger Faltenbruch, unsicher gezeichnete Hände. Kolorierung in Rot und laviertem Sepia. Gleiche Hand wie die vier Illustrationen zum ›Schwäbischen Weihnachtsspiel‹.

Farben:

Rot, Sepia. (22r–23r nur Orange für Inkarnat.).

Literatur:

Eckehard Simon: Eine neuaufgefundene Sammelhandschrift mit Rosenplüt-Dichtungen aus dem 15. Jahrhundert. ZfdA 102 (1973), S. 115–133 (ausführliche Handschriftenbeschreibung), Abb. 1 (40r); Eckehard Simon: Das Schwäbische Weihnachtsspiel. Ein neu entdecktes Weihnachtsspiel aus der Zeit 1417–1431. ZfdPh 94 (1975) Sonderheft Mittelalterliches deutsches Drama, S. 30–50, Abb. 1 (22r). 2 (22v); Kiepe (1984) S. 217f. u. ö.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus