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KdiH

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11.4.34. München, Staatliche Graphische Sammlung, Hs. 1501

Bearbeitet von Ulrike Bodemann und Gisela Fischer-Heetfeld

KdiH-Band 1

Datierung:

(2. Viertel?) 15. Jahrhundert.

Besitzgeschichte:

Als Leihgabe des Bayerischen Nationalmuseums 1959 der Staatlichen Graphischen Sammlung München übergeben.

Aus drei Teilen zusammengebundene medizinisch-astrologische Sammelhandschrift; im ältesten Teil (darin u. a. Johannes Hartlieb, ›Kunst der Gedächtnis‹, 131r–136r):

Inhalt:
1. 11r–41v Astrologische Tagewählerei
Inc.: Der machtig khunig Nabuchodonozor der sandt sein poten gen orient ...
2. 52r–56v Von den Sternzeichen und Tierkreiszeichen
Inc.: NV merk das erst czaihen das haist Acturus maior oder vrsa maior ...
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier (20 ungezählte +) 137 gezählte Blätter, ca. 195 × 137 mm, Bastarda, eine Haupthand (lenhard boley dictum schülmeister de goppingen, 110v), mehrere Nachtragshände, wechselnde Spalten- und Zeilenzahl, rote Lombarden, Überschriften, Randziffern, Caputzeichen, Strichelung, z. T. Seitentitel, rote (und von späterer Hand grüne) Unterstreichungen.

Schreibsprache:

bairisch.

II. Bildausstattung:

51 lavierte Federzeichnungen, zwölf zu Text 1 (11r, 14r, 17r, 19v, 22v, 25v, 28r, 31r, 33v, 35v, 38r, 40r), 39 zu Text 2 (52r [3], 52v [4], 53r [4], 53v [4], 54r [5], 54v [4], 55r [4], 55v [4], 56r [5], 56v [2]), ein Zeichner; ferner 45v–49r astrologische Kreisdiagramme in Rot und Schwarz.

Format und Anordnung:

11r–41v miniaturhafte Bildchen (ca. 35 × 25 mm, auch querformatig), nachträglich in den im Schriftspiegel ausgesparten Raum links in den Text eingerückt (11r am Rand nachgetragen). 52r–56v je drei bis fünf ungerahmte Zeichnungen (ca. 30–60 × 20–90 mm) locker über die Seite verteilt, meist am linken Rand übereinander angeordnet, aber auch rechts und unten um die Schriftblöcke gruppiert.

Bildaufbau und -ausführung, Bildthemen:

Zu Text 1 Tierkreiszeichen, beginnend mit Widder; Zwillinge (17r) als kindliches Paar, nackt stehend, Jungfrau (25v) stehend, in lang fließendem Kleid, Schütze (33v) als höfischer Jüngling mit Armbrust und Jagdtasche, Wassermann (38r) als jugendlicher Wildmann, der einen Wasserkrug ausleert.

Zu Text 2 Sternbilder einschließlich der Tierkreiszeichen, frei im Raum schwebend oder über mit zartem Federstrich angedeuteter Bodenlinie, nur Großer und Kleiner Bär (52r) auf gerahmtem Bodenstück; Großer Bär (52r) an einem Baum sich aufrichtend, Herkules (52v) im Knielaufschema gegen den Stier kämpfend, Jungfrau (53r) mit Flügeln (als Justiciabezeichnet), Boetes (53r) nackt stehend, Zwillinge (53r) als höfisches Paar, beide mit Lanze, der männliche Zwilling in modischem kurzem Wams mit weiten Ärmeln, Agitator (53v) mit Peitsche in Kastenwagen, zwei Pferde nach rechts, Cepheus (53v) als Mädchen in langem blauem Kleid, mit erhobenen Händen stehend, um die Schultern liegt ein Band mit lang auslaufendem Ende, Cassiopeia (54r) mit erhobenen Händen auf Thronhocker sitzend, Andromeda (54r) als Mädchen in langem, mehrfach gegürtetem Kleid, mit erhobenen Händen stehend, Perseus (54v) nackt mit erhobener Keule und Medusenhaupt, Lyra (54v) als Baßgambe mit Bogen, Schütze (55r) als Centaur mit Pfeil und Bogen, Walfisch (55r) als Drache, Wassermann (55r) stehend, in knielangem Kleid, einen Wasserkrug ausleerend, Eridanus (55v) stehend, in wadenlangem Kleid und mit Zepter (?), neben ihm ein umgekehrter Krug, Orion (55v) in wadenlangem Kleid, um den Körper ein Gürtelband gewunden, in der Hand eine Keule (?), Großer Hund (56r) mit vier Brüsten, Puteus (56r) als sechseckiges leeres Becken auf Sockel, Centaurus (56v) als Pferdemensch mit Zepter in der Rechten, um die Linke hängt ein achtförmig gewundenes Band, über ihm schwebt ein auf dem Rücken liegendes, rattenartiges Tier, Schlange (56v) lang ausgestreckt, auf dem Schwanz flügenschlagender Rabe, weiter vorn Deckelbecher. Auswahl und Bildmotive entsprechen nicht Michael Scotus, sondern schöpfen aus offenbar verschiedenen und gelegentlich mißverstandenen (z. B. Lyra) älteren Traditionen.

Menschen und Tiere sind sorgfältig, sicher und wohlproportioniert gezeichnet; mit der Feder ausgeführte Umrißlinien in rotbräunlicher Tinte, die Binnenzeichnung durch Lavierung in blassen Farbtönen oder dünnen Pinselschraffen, Inkarnatangabe durch feine Strichelung, die Sterne in Gold aufgemalt; Haare als krause Federkringel, einfach fallende Gewänder mit Röhrenfalten.

Farben:

Braun, laviertes Blaßrot, helles Gelbgrün, Blau, Pinselgold.

Literatur:

Frank Fürbeth: Johannes Hartlieb. Untersuchungen zu Leben und Werk. Tübingen 1991 (Hermaea NF 64), S. 45f.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus