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39.4.3. Berlin, Deutsches Historisches Museum - Bibliothek, RA 18/414 (olim Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Ms. germ. quart. 2041)

Bearbeitet von Rainer Leng

KdiH-Band 4/2

Datierung:

1453 (33v), Wasserzeichen Amboß (nicht exakt zu bestimmen, da genau im Falz), ähnlich Piccard IX,1, IV,1106 (Salzburg 1428), Nachträge Anfang 16. Jahrhundert.

Lokalisierung:

Süddeutschland/Österreich.

Besitzgeschichte:

Herkunft unbekannt, möglicher Besitzer 33v W. C. Z. 1453; die Zuschreibung an Kurfürst Friedrich II. (1437–1470) von Brandenburg beruht lediglich auf vagen Hinweisen (heutige Bibliotheksheimat und Stempel mit brandenburgischem Adler auf dem spätgotischen Einband); Stempel und Altsignaturen der letzten Bibliotheksorte auf dem Rücken und im Deckel: Nr. 117 (des Archivs des Generalstabs), Ms. 4 (nach dem Übergang des Generalstabsarchivs an das Berliner Zeughaus), Nr. 135 (Umsignierung innerhalb der Zeughausbestände), dazu eine nicht weiter zuordenbare Signatur H 120 und ein 1816 datierter Stempel der K: Pr: Plankammer. Letzter bekannter Bibliotheksort war die 1945 geplünderte Zeughausbibliothek; da keine der anderen Zeughaushandschriften seither wieder ans Licht kam, muß sich die Handschrift 1945 außer Haus befunden haben. Sie wurde vom Ministerium für Volksbildung der Berliner Staatsbibliothek (Ost) als Einzelstück überwiesen, am 8. März 1950 akzessioniert und als Ms. germ. quart. 2041 eingestellt.

Inhalt:
1. 1r–29r ›Feuerwerkbuch von 1420‹
2. 29r–33v Achilles Thabor, ›Feuer‹ (deutsche Bearbeitung des ›Liber ignium‹)

›Das sind dy fewr die maister Achilles Thobor geschriben hat welher erdhaftigkait als wol an dem erdreich als in dem mer enthaft ist. Nim Sandarace‹

3. 34r–48v Johannes Hartlieb, ›Onomatomantia‹
4. 49r–203v (Pseudo-)Hartlieb, ›Iconismis bellicis‹, Bildkatalog kriegstechnischer Geräte mit wenigen Beischriften
5. 211r–231r Albrecht von Lannenberg, Kriegskünste

›Hienach volgenn herrn Albrechts von Lannenbergks kunst. Item ein fewer bey dir zutragen‹

I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 2 + 254 + 1 Blätter (zwei nicht foliierte Vorsatzblätter, ein nicht foliiertes Nachsatzblatt, 254 modern mit Blei foliierte Blätter, parallel dazu bis S. 463 reichende Paginierung mit blauem Buntstift, nur recto), 290 × 200 mm, Hand I 1r–33v, Bastarda, einspaltig, 29 Zeilen, Lombarden, Rubrizierungen, Zwischenüberschriften rot unterstrichen; Hand II nur ein- bis siebenzeilige Bildbeischriften in Bastarda 53r–69v, Hand III nur Bildbeischrift 182v vom Ende des 15. Jahrhunderts, Hand IV 211r–231r Kursive vom Anfang des 16. Jahrhunderts, einspaltig, 20–29 Zeilen.

Schreibsprache:

bairisch.

II. Bildausstattung:

Sechs einfache Schemazeichnungen von Hand I (43r–44v, 45v, 47r), 231 aquarellierte Federzeichnungen (49r–203v, mit zahlreichen Leerseiten, gelegentlich nur Vorzeichnungen) in leicht variierender Qualität, aber wohl doch von einem süddeutschen Zeichner; 26 grobe Federzeichnungen 213r–231r von der Hand des Schreibers.

Format und Anordnung:

Schemazeichnungen jeweils auf einer Seite unter mehrzeiliger Überschrift; Bildkatalog 49r–203v jeweils ganzseitige Zeichnungen, gelegentlich Sammeldarstellungen von Werkzeugen mit bis zu 10 Einzelzeichnungen auf einer Seite (als eine Zeichnung gezählt), durchgehend ohne Rahmen, sporadische mehrzeilige Beischriften im allgemeinen am oberen Seitenrand nur 53r–69v, 67v–69r auch Beischriften quer am Seitenrand; doppelseitige Zeichnung nur 148v/149r; Federzeichnungen 213r–231r teils ganzseitig, teils im laufenden Text.

Bildaufbau und -ausführung:

Bildkatalog 49r–203v grobe Zeichnungen unter Vereinfachung der zeichnerischen Vorlage, durchgehend rahmenlos und ohne beigefügte Szenerien, meist auf mit wenigen kräftigen gelben Pinselstrichen angedeutetem Rasengrund, flächige und nur in Ausnahmefällen leicht schattierende Kolorierung, auch die Burgen- und Belagerungsbilder der Vorlage flach und vergröbert dargestellt; Federzeichnungen 213r–231r grobe und unbeholfene Nachzeichnungen der Vorlagen, mit kräftigem Strich und stark schattierend, ohne Rahmen, Vorder- oder Hintergründe.

Bildthemen:

Bildkatalog 49r–203v überwiegend nach Vorlagen aus dem ›Bellifortis‹; Planetenbilder sind stark vergröbert noch 49r, 52r, 82r, 106r, 144r, 146r, 173r, 177r, 187v zu erkennen (mit Wiederholungen, somit stark bearbeitete Sieben-Kapitel-Fassung des Bellifortis), 53v ohne Planetenbild noch Referenz auf die Vorlage Hie fecht sich an das ander tail Saturnus); zahlreiche rot-weiß-rote Banner (64v, 146v, 148r, 155r); Inhalte: 49r–51r Trompetenengel und Fechtszenen zu Pferd und zu Fuß, 52r–60v Belagerung und Werkzeug, 63r–78v Belagerung und Steigzeug, 82r–96r Belagerungsgerät, Türme, 106r–118r Feuerwerk, Sprengbomben, Destillieröfen, Dampfbad, 132r–141v Feuerwaffen, nur teilweise aus dem ›Bellifortis‹, 144r–172r Belagerungsszenen, hussitische Karrenburg, Streitwägen, Belagerungstürme, Bliden, Mangen, Armbrüste, Hebezeug, fahrbare Schilde, 173r–176r Werkzeug, Schnallen, Handschuhe, 177r–187v Tiere als Wächter, Annäherungshindernisse, Hebezeug, 187v–203v Brücken, Brunnen, Taucher, Wassertechnik. Bildbestand weitgehend übereinstimmend mit der etwas sorgfältiger gezeichneten und regelmäßiger beschrifteten Handschrift Wien, Cod. 3062 (siehe 39.4.19.) sowie olim Ramsen, Antiquariat Heribert Tenschert, Katalog Nr. XXV, Nr. 21 (siehe 39.4.14.).

Farben:

Gelb, Braun, Ocker, Blau, Rosé, Rot, Grün.

Literatur:

Romocki (1895) S. 127, Anm. 1; Jähns (1889) S. 261 f.; Sitzungsberichte, Sitzung am 20. März. Zeitschrift für historische Waffen- und Kostümkunde N. F. 3 (1929/31), S. 68; Hassenstein (1941) S. 85 (Nr. a12); Volker Schmidtchen: Albrecht von Lannenberg. In: 2VL 1 (1978), Sp. 198 (dort als Nr. 135 des Zeughauses angegeben und dem Deutschen Historischen Museum Ostberlin zugeschrieben); Waldburg (2000) S. 25; Leng (2002) Bd. 2, S. 424 f. 447; Rainer Leng: Achilles Thabor. In: 2VL 11 (2004), Sp. 10 f.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Taf. XIXb: 146v. (Pseudo-)Hartlieb, ›Iconismis bellicis‹: Kampf habsburgischer Gewappneter gegen hussitische Kämpfer.

Taf. XIXb.