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KdiH

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39.4.7. Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Durlach 11

Bearbeitet von Rainer Leng

KdiH-Band 4/2

Datierung:

Ca. 1420–1430, Wasserzeichen Dreiberg ähnlich Piccard XVI,1, II,495, jedoch etwas größer (Arnhem 1411).

Lokalisierung:

Südwestdeutschland.

Besitzgeschichte:

Auftraggeber und erste Besitzer sind unbekannt; gegen Ende des 16. Jahrhunderts im Besitz des Markgrafen Ernst Friedrich von Baden-Durlach (1585–1603, Exlibris Ir, vgl. Gerhard Kattermann: Exlibris und Supralibros badischer Markgrafen und Markgräfinnen nach Beständen der Badischen Landesbibliothek. Gutenberg-Jahrbuch 17/18 [1942/43] S. 219–229, Abb. S. 220).

Inhalt:
1r–139r Konrad Kyeser, ›Bellifortis‹, Bearbeitung, lateinisch mit deutschen Ergänzungen
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 2 + 144 Blätter (zwei moderne Vorsatzblätter, das erste nicht foliiert, das zweite modern mit Blei foliiert I mit aufgeklebtem Exlibris, vorne und hinten zwei aus dem Spiegel ausgelöste nicht foliierte Pergamentblätter, 144 zweifach modern mit Blei foliierte Blätter, gelegentlich in gestörter Reihenfolge und an neuen Falzen eingebunden), 405 × 289 mm, Bastarda von zwei Händen; Hand I: lateinische Beischriften, Hand II: wenig später hinzugefügte deutsche Beischriften; Hand I abgesehen von einem 2v zugefügten lateinischen Kapitelverzeichnis von Vegetius, De re militari (zwei- bis dreispaltig, bis 62 Zeilen) einspaltig in wechselnder Zeilenzahl, Hand II ein- bis maximal zweizeilig, nicht rubriziert, keine Lombarden.

Schreibsprache:

alemannisch.

II. Bildausstattung:

178 Seiten mit meist einer, stellenweise mehreren aquarellierten Federzeichnungen (nur 143v nicht kolorierte Vorzeichnung) von einer wenig geübten, flüchtig arbeitenden Hand aus einer unbekannten, vermutlich südwestdeutschen, evtl. elsässischen Werkstatt; eine zweite, geschultere Hand (vielleicht aber auch nur eine hochwertigere Vorlage) ist in den letzten Abbildungen 137r und 139r zu erkennen.

Format und Anordnung:

Wechselnde Zeichnungsgröße von 130 × 50 mm bis zu den mit Tintenlinien abgeteilten Bildraum von 250 × 190 mm vollständig füllenden und gelegentlich leicht überschreitenden Abbildungen; ungerahmt, jeweils auf gesonderter Seite mit lateinischen Beischriften in der oberen Bildhälfte, deutsche Beischriften unter der Zeichnung.

Bildaufbau und -ausführung:

Waffen und Geräte in stark vereinfachter seitlicher Darstellung, bei Holz monochrom gelb, bei Metallteilen leicht schattierend blau koloriert; kaum Binnenzeichnungen und Schraffuren, keine Hintergründe; komplexere Szenen mit Architektur und Personen einfach und grob die Vorlage wiedergebend, Burgen meist nur grob skizziert mit monochrom rot abschattierender Kolorierung für die Mauern und grün für die Dächer; Personen meist in Vollrüstung mit angedeuteten Schuppenpanzern, Spitzhelmen mit geöffneten Visieren, gelegentlich angedeuteten gezaddelten Waffenröcken, stereotypen Gesichtszeichnungen; nur 135v und 139r Personen mit aufwendigerer Gewandung, Binnenzeichnung, durch Schraffuren und schattierender Kolorierung angedeutetem Faltenwurf.

Bildthemen:

1r Maufaton, 2r Kampf gegen die Sonne, 3r–16r Streit- und Kampfwägen, 17v–48r Bliden, Fernwaffen, Belagerungstürme, Steigzeug, 49r–57v Burgenserie, Belagerungstechniken, 58r–69r ohne erkennbare innere Reihenfolge Brücken, Belagerungstechniken, Steigzeug, 70r–78v Armbrüste, Spannhilfen, Bolzen, einfache Schleudern, 79r– 81v Schilde, Setztartschen, Bohrer, 82v Salathiel, 83r–100v Brücken, Schiffe, Wassertechnik, Badehäuser, 102r Jagd auf Hirsch und Schwarzwild, 104r–109r Feuerwaffen, 110r–113r nur vergröbernd angedeutete und textlose Planetenbilder und Philoneus, 114r–115r Öfen, 115v–118r Küchen, teils mit nach dem Wind drehendem Rauchfang, 118v Streitkarren, 119r Drachen, 120r–134v diverse Waffen und Werkzeuge, Keuschheitsgürtel, 135r magische Anleitung zum Hervorbringen von Trugbildern aus der Erde, 137r magische Anleitung zur Vertreibung eines Burgwächters, 139r Speisezimmer mit Warmhaltevorrichtung für Speisen; nahezu komplette ›Bellifortis‹-Abschrift in zeichnerischer Vereinfachung, teilweise unter Auflösung der Reihenfolge der Vorlage und weitgehender Eliminierung der Planetenbilder; hierin und in den nicht dem ›Bellifortis‹ entnommenen Zugaben gegen Ende der Handschrift verwandt mit den späteren Handschriften Wien, Cod. 3068 (siehe 39.4.20.), olim Donaueschingen, Cod. 860 sowie dem späteren Wien, Cod. 5518 (siehe 39.4.23.), für die diese Handschrift als unmittelbare Vorlage jedoch ausscheidet.

Farben:

Rot mit Mischungen, Gelb, Blau, Grün.

Literatur:

Holder (1970) S. 4. – Jähns (1889) S. 257; Quarg (1967) S. XXXI; Schmidtchen/Hils (1985) Sp. 481; Leng (2002) Bd. 2, S. 430.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 90: 139r. Konrad Kyeser, ›Bellifortis‹ (Bearbeitung): Speisezimmer mit beheizbarer Wandvertiefung zum Warmhalten der Speisen.

Abb. 90.