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KdiH

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22.1.7. Frankfurt a. M., Universitätsbibliothek, Ms. Carm. 1

Bearbeitet von Norbert H. Ott

KdiH-Band 3

Datierung:

Um 1440.

Lokalisierung:

Elsaß, Werkstatt des Diebold Lauber.

Besitzgeschichte:

Spätestens seit dem 18. Jahrhundert im Besitz des Frankfurter Karmeliterklosters: 1v Stempel CARMELIT. FRANCOF.

Inhalt:
1va–340rb Konrad von Megenberg, ›Buch der Natur‹
Einzelregister vor den 13 Teilen, 3ra–3vb Prolog
Prologfassung
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 1* + 341 Blätter, 1* und 340v–341v leer, Leerseiten vor und nach den Registern (34v–36v, 38r, 73v–75v, 77v–78r, 113v–114v, 116r, 156rv, 158r–159r, 167v, 169r, 181rv, 183r–184r, 202v, 204r–205r, 222v, 224r–225r, 263v–264v, 266r–267r, 294rv, 296r–297r, 322v–323v, 325r, 331rv, 332v–333r), 378–382 × 280 mm, Bastarda, Textbeginn der 13 Teile jeweils Textura, eine Hand, zweispaltig, 32–34 Zeilen, Rubrizierung, rote Überschriften, sechs- bis siebenzeilige rote Lombarden.

Schreibsprache:

elsässisch.

II. Bildausstattung:

40 kolorierte Federzeichnungen (2v, 38v, 60r, 78v, 82v, 86r, 89v, 93r, 98v, 107v, 111r, 116v, 123r, 136r, 140v, 145r, 150r, 151v, 159v, 169v, 176r, 184v, 191v, 199r, 205v, 214v, 216v, 225v, 231v, 236v, 244v, 253v, 267v, 278v, 281v, 287v, 290v, 297v, 325v, 333v), ein Zeichner (Gruppe A). 13 ca. halbseitige Leerräume zwischen Überschrift und Textbeginn der Register (1v, 37r, 76r, 115r, 157r, 168r, 182r, 203r, 223r; 265r, 295r, 324r, 332r), möglicherweise zur Aufnahme von Illustrationen. 13 Initialseiten mit Textbeginn der Teile in Textura (3r historisierte E-Initiale mit Blattwerk und Blütenranken, im Binnenraum unten Maria mit Kind, oben Drache; bei den übrigen, ca. ⅔–¾ der Seite hohen, etwa spaltenbreiten Initialen [39r, 79r, 117r, 160r, 170r, 185r, 206r, 226r, 268r, 298r, 326r, 334r] ist der rote Buchstabenkörper meist mit gelben und graugrünen Pinselranken verziert, mitunter Rankenwerk oder blütenbesetzte Rautenmuster im Binnenraum, zuweilen auch schraffierte Drei- oder Vierpässe im Buchstabeninnern oder in den Zwickeln der Rahmung); Initialen ⅔–¾ Seitenhöhe.

Format und Anordnung:

Ganzseitige ungerahmte Federzeichnungen ohne Hintergrund, davon 13 als bis an die Blattränder reichende Titelminiaturen zu den einzelnen Teilen auf linker Seite gegenüber dem rechts beginnenden Text (2v, 38v, 78v, 116v, 159v, 169v, 184v, 205v, 225v, 267v, 297v, 325v, 333v), die übrigen als schriftspiegelgroße Illustrationen der einzelnen Objekte mit der Kapitelüberschrift in der Funktion einer Bildbeischrift darüber, fünfmal (82v, 176r, 199r, 214v, 281v) über oder unter der Illustration auch zwei bis acht Textzeilen.

Bildaufbau und -ausführung:

Die Titelminiaturen sind bis auf 2v, 297v und 325v als »Schautafeln« konzipiert, die katalogartig eine Auswahl der im folgenden Teil behandelten Tiere und Pflanzen vorstellen. Während die Zeichnung 333v Wunderbrunnen und -menschen szenisch in eine Landschaftsdarstellung integriert und die im Wasser lebenden Wesen 159v, 169v und 184v in einem von Land umgrenzten, die gesamte Bildfläche einnehmenden Teich schwimmen, sind die Vierfüßler (78v), Vögel (116v), Insekten (205v), Bäume (225v) und Kräuter (267v) ohne räumlichen Bezug über die ganze Seite verteilt; lediglich die Tiere bzw. Pflanzen der untersten Reihe stehen auf einem schmalen Bodenstreifen. – Die Kapitelillustrationen sind durchgängig szenisch aufgefaßt: Schmales, mitunter von Bäumen bewachsenes Bodenstück, darauf rechts oder links eine die Gesamtkomposition beherrschende, oft zwei Drittel der Bildfläche einnehmende Gruppe von drei bis fünf männlichen Figuren, mit Zeigegesten auf das vor ihr stehende Tier oder die aus dem Boden wachsende Pflanze verweisend; unbeschriftetes Spruchband über der Figurengruppe bei acht Illustrationen (89v, 98v, 123r, 136r, 140v, 145r, 156r, 216v).

Großzügige, flächenbeherrschende Komposition; einfache, durchgezogene Umrißlinien, kaum Strichelung; Kolorierung mit breitem Pinsel, viel ausgesparter Papiergrund. Röhren- und Parallelfalten, Kringellöckchen und -bärte. Angabe der Augen, des Mundes und der Nase durch kurze Häkchen, Federlinien und -punkte. Bei den Darstellungen der Wassertiere ist ein regelmäßiges Muster von blauen und grünlichen gewellten Pinsellinien über die mit der Feder gezeichneten Fische, Meerwunder und Schlangen gelegt. Der Adler in der Titelminiatur zu Teil III B (116v) ist anders als die übrigen, »naturalistisch« gezeichneten Vögel als heraldisches Tier wiedergegeben. Zuweilen Verwendung tradierter Muster aus der christlichen Ikonographie: seine Jungen mit seinem Blut nährender Pelikan in der Titelminiatur 116v, Einhorn mit Jungfrau und Jäger 111r.

Bildthemen:

Titelminiaturen zu den Teilen I (2v Aderlaßmann), II (38v Vier Elemente: Adler in der Luft, Lamm im Feuer, Fisch im Wasser, Maria mit Kind auf der Erde), III A (78v Vierfüßler), III B (116v Vögel), III C (159v Meerwunder), III D (169v Fische), III E (184v Schlangen), III F (205v Kriechtiere und Insekten), IV A (225v Bäume), V (267v Kräuter), VI (297v Edelsteine: ein eine Brosche herstellender Goldschmied hinter einem altarähnlichen, von Bogenarchitektur überwölbten Tisch), VII (325v Erze: Goldschmied, einen Becher schmiedend, Komposition ähnlich 297v) und VIII (333v: Wunderbrunnen und Cynocephaloi). Keine Kapitelillustrationen zu den Teilen I, III C, IV B, VI, VII und VIII; je eine zu II (60r Donner: Vier Männer weisen auf ein Unwetter) und III D (176r Stör: Figurengruppe deutet auf einen Fisch im Wasser); je zwei zu III E (191v Drachenkopf: Schlange mit Menschenkopf, 199r Skorpion) und III F (214v Hornisse, 216v Erdschnecke); sieben zu III A (82v Esel, 86r Kamel, 89v Hirsch, 93r Elefant [mit Turm auf dem Rücken], 98v Löwe [vorderste Figur der Personengruppe als König dargestellt], 107v Panther, 111r Einhorn); sechs zu III B (123r Storch, 136r Fasan, 140v Meergans, 145r Pfau, 150r Sittich, 151v Eule); je vier zu IV (231v Quitte, 236v Lorbeer, 244v Birnbaum, 253v Balsam) und V (278v Fenchel, 281v Lilie, 287v Raute, 290v Immergrün).

Farben:

Blau, Blaugrün, Hell- und Dunkelgrün, Violettbraun, Gelbbraun, Ocker, Rot, Gelb, Grau.

Literatur:

Powitz/Buck (1974) S. 407f. – Kurth (1914) Sp. 8f.; Kautzsch (1926) S. 43; Schilling (1929) S. 194–196 Nr. 162, Taf. LXIX (38v. 297v); Fechter (1938) S. 135. 140 Anm. 15; Jänecke (1964) S. 118; Traband (1982) S. 82; Hayer (1988) S. 420; Ratisbona Sacra (1989) S. 170 Nr. 88, Abb. S. 388 (2v + 3r); Saurma-Jeltsch (1991) Katalogbd. S. 106–109; Spyra (1993) S. 18. 25f. passim; Hayer (1998) S. 166f. 408–414, Abb. 1 (38v).

Anmerkungen:

Vgl. auch die Lauber-Handschriften Nr. 22.1.9. und 22.1.20.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 23: 159v. Meerwunder. Abb. 24: 297v. Goldschmied mit Edelsteinen.

Abb. 23.
Abb. 24.