39.13. Leonhart Fronsperger
Bearbeitet von Rainer Leng
KdiH-Band 4/2
Leonhart Fronsperger wurde um 1520 in Bayern geboren und gelangte aus dem Landsknechtsstand in gehobene Positionen im kaiserlichen Heer. Nach der Annahme des Ulmer Bürgerrechts nahm er in den Jahren 1553 bis 1563 und 1568 bis 1573 erneut an kaiserlichen Feldzügen teil. 1566 wurde er Feldgerichtsschultheiß. Im folgenden Jahr trat er als Oberster Zeugmeister in das herzogliche Zeughaus in München ein, blieb jedoch kaiserlicher Provisionär mit Anspruch auf ein Wartgeld. Er starb am 23. 5. 1575 bei einer Geschützprobe (zur Vita
Neben zahlreichen gedrucken Werken aus dem Bereich der Kriegswissenschaften sowie einem Weinkaufbüchlein, einer Bauordnung und einem Lob des Eigennutzes (VD16 F 3106–VD16 F 3129) sind Teile seiner Kriegs- und Feuerwerksbücher auch handschriftlich überliefert.
1557 fertigte Fronsperger eine Handschrift, die sich mit der Lustfeuerwerkerei befaßt, für die Wiener Hofbibliothek an (Wien, Cod. 10922, siehe Nr. 39.13.4.). Sie beruht teilweise auf Auszügen des gleichzeitigen Druckes Von Geschütz vnnd Fewrwerck (Frankfurt am Main 1557, VD16 F 3114), wird aber noch genauer im späteren Druck Von Kayserlichem Kriegsrechten Malefitz vnd Schuldhändlen (Frankfurt am Main 1565, VD16 F 3118) wiederholt. Die 35 aquarellierten Federzeichnungen zeigen Werkzeuge, Raketen und Büchsenmeister bei der Anfertigung von Lustfeuerwerken.
Um 1570 widmete er eine heute in Dresden aufbewahrte Handschrift (Mscr. C 73, siehe Nr. 39.13.1.) unter dem Titel ›Von Geschütz der grossenn stück Büchsenn‹ dem sächsischen Kurfürsten August (1553–1586). Sie stimmt weitgehend mit seinem älteren Druck Von Geschütz vnnd Fewrwerck (Frankfurt am Main 1557, VD16 F 3114) überein. Etwa um dieselbe Zeit widmete er die fast inhaltsgleiche Handschrift Wien, Cod. 10866 (Nr. 39.13.3.) Kaiser Maximilian II. (1562–1576). Beide besitzen neun bzw. 18 einfache, nicht kolorierte Federzeichnungen von Kalibermeßstäben, Kugeln, Quadranten sowie Feuerkugeln und Raketen in einfacher Seitenansicht bzw. im Schnittbild. Die Handschrift München, Cgm 3675 (siehe Nr. 39.13.2.) beinhaltet dagegen eine nach Fronspergers Tod von einem anonymen Schreiber gefertigte Abschrift aus dem Druck ›Vonn Geschütz vnnd Fewrwerck‹ samt Nachzeichnungen der Holzschnitte.
Insgesamt zeigt sich bei Fronsperger ein deutlich größeres Interesse für die Drucklegung. Seine zahlreichen Drucke beherrschten den Markt. Dabei wurden häufig nur ältere Texte neu variiert und kombiniert. Während Autoren wie Franz Helm (39.9.) oder Andre Popffinger (39.15.) auf den Weg exklusiver handschriftlicher Verbreitung an hochrangige Adressaten setzten, scheint dies bei Fronsperger nur in Ausnahmefällen und zudem chronologisch den Drucken sogar nachgeordnet der Fall gewesen zu sein. Selbst dabei orientierten sich die Illustrationen noch an den groben Holzschnitten. Eine Aufwertung der Illustrationen beim Übergang in die Handschrift fand nicht statt.