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59.2. Historienbibel Ib

Bearbeitet von Ulrike Bodemann

KdiH-Band 7

Der Text der Historienbibel Ib ist jünger als derjenige der Redaktion Ia und hängt nur teilweise von diesem ab; er verbindet ihn mit dem der Historienbibel IIa. Deutlich wird dies bereits anhand der Herkunft einiger »Textbausteine«: Der erste Prolog basiert auf IIa (Richer gott von hymelrich …), der zweite Prolog mit Engellehre auf Ia (Do gott in siner maiestat [auch: mayenkrafft/ magenkrafft] swebete …), der Textbeginn der Alten Ee folgt Ia (In dem anvang beschuͦff gott hymel vnd erden …). Für die Neue Ee ist IIa die einzige Vorlage der neuen Bearbeitung (Maria muͦter Edele kúsche maget …). Inzwischen geht die Forschung davon aus, dass die Historienbibel Ib die Redaktion IIa gewissermaßen »abgelöst« hat, so dass sie eigentlich in Vollmers Klassifizierungssystem besser in die ›Großgruppe II‹ gestellt werden könnte. Die Überlieferung der Historienbibel Ib schließt sich fast nahtlos an die der Historienbibel IIa an, die um 1430 zum Produktionsschwerpunkt der Werkstatt Diebold Laubers geworden war. Nach den fünfziger Jahren entstehen hier keine Handschriften der Version IIa mehr, von nun an werden in Laubers Umfeld ausschließlich Ib-Abschriften erstellt. Ob die Ib-Redaktion vielleicht gar in der Lauber-Werkstatt selbst konzipiert wurde, lässt sich hingegen nach wie vor nicht belegen.

Rapp (1998) unterteilt (mit von Bloh [1993]) aufgrund der Textverhältnisse in der Alten Ee die Gruppe Ib in zwei Untergruppen:

A (Alte Ee bis Tobias):

St. Gallen, Kantonsbibliothek, Vad Slg Ms. 347c+d
Hamburg, Staats- und Universitätsbibliothek, Cod. 7 in scrin.
London, The British Library, Egerton 856
Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. 1.15 Aug. 2º

B (Alte Ee bis Usija, dazu die Berichte über Ijob, Alexander, Ester, Philadelphus, Seleukus):

Colmar, Bibliothèque municipale, Ms. 304
Regensburg, Fürstlich Thurn und Taxis’sche Hofbiobliothek, Ms. 175
Solothurn, Zentralbibliothek, Cod. S II 43
Strasbourg, Bibliothèque nationale et universitaire, Ms. 2674

In beiden Gruppen schließt die Historienbibel Kapitel vom ›Antichrist‹ und vom ›Jüngsten Gericht‹ ein, normalerweise als Beschluss der Neuen Ee, nur in zwei Handschriften der (älteren) Gruppe A (St. Gallen und London) sind sie noch in unmittelbarem Anschluss an das Buch Judit eingefügt, wo in der Gruppe B dann der Alexander-Exkurs ergänzt wird. Die Textvarianten innerhalb der (jüngeren) Gruppe B sind beachtlich. Die Colmarer Historienbibel etwa reduziert die ›Geographie‹ (aus Historienbibel IIa) auf eine Kurzfassung. Nur sie und die Straßburger Handschrift haben einen vollständigen Psalter, jedoch in unterschiedlichen Versionen, wobei die Straßburger Fassung in den Beigaben (Cantica, Paternoster, Ave Maria, Credo, Symbolum Quicumque) mehr auf die Historienbibel IIa zurückgreift als die Colmarer. In der Regensburger, der Straßburger und der Solothurner Handschrift ist die Historienbibel engstens mit Marquards von Lindau ›Auszug der Kinder Israel‹ verknüpft, der in Regensburg und Straßburg der Alten Ee folgt (und laut Register als konzeptionell zu ihr gehörend aufgefasst ist), in Solothurn hingegen separat im Anschluss an die ›Neue Ee‹ ergänzt wird.

Diese Varianten wirken sich auf die Konzeption der Bildprogramme nicht drastisch aus. Es überwiegt mehr der Eindruck einer recht großen Homogenität, die auch daher rührt, dass die Herstellung der acht bekannten Ib-Handschriften offenbar in den Händen nur weniger Schreiber lag. Gemeinsam ist allen Handschriften etwa, dass die Zusätze gegenüber Historienbibel IIa – Daniel bis Makkabäer – sehr selektiv illustriert werden: ausführlich das Danielkapitel, das Buch Judit und (wo vorhanden) der Alexander-Exkurs, überhaupt nicht die Berichte über Tobias sowie die in Gruppe B ergänzten Kapitel über Ijob, Ester und die kurzen Passagen über Philadelphus, Seleukus und Usija. Gemeinsam ist ihnen auch eine Umstrukturierung des Bilderrepertoires, das mit der Historienbibel IIa bereits vorlag. Wenngleich einzelne Bildthemen in einzelnen Handschriften sich bis zu den ältesten Vertretern der Historienbibel IIa zurückverfolgen lassen, werden doch die Schwerpunkte, wie Rapp (1998) und Saurma-Jeltsch (2001) gezeigt haben, verschoben. So ist etwa der aus IIa übernommene Sondertext der ›Geographie‹ in keiner einzigen Ib-Handschrift illustriert, und das Bild der Kreuzigung mit Ecclesia und Synagoge, das in IIa als Klammer zwischen den beiden Testamenten fungiert, ist in Ib-Handschriften aufgegeben. An seine Stelle tritt mit zunehmender Verbindlichkeit die allegorische Darstellung des Stammbaums Marias. Dieses neue Motiv ist mit Saurma-Jeltsch als Signal für die neue Ausrichtung der Historienbibel Ib zu sehen: Nachdrücklich wird die Genealogie und die historische Kontinuität betont. Im Bildprogramm äußert sich dies etwa in der Tendenz zum Verzicht auf zäsursetzende Bilder, Todes- und Geburtsbilder etwa werden wie in der Historienbibel Ia auch in Ib wesentlich zurückhaltender eingesetzt als in IIa.

Mehrere Handschriften der Gruppe gehören der Terminologie Saurma-Jeltschs zufolge zu den »Halbfertigprodukten« der Produktionsgemeinschaft um Diebold Lauber: Handschriften, in die zunächst der Text niedergeschrieben wurde, deren Illustrationen aber nicht notwendig in einem unmittelbar anschließenden Arbeitsgang, sondern unter Umständen deutlich später realisiert wurden. So scheinen einige der Handschriften in einem unfertigen Zustand zu sein (etwa die Hamburger Handschrift Nr. 59.2.2.), besonders individuell – laut Saurma-Jeltsch womöglich in mehr als zwei Etappen hergestellt – ist die Londoner Historienbibel (Nr. 59.2.3.): Möglicherweise noch in der Lauber-Produktion begonnen, ist sie jedenfalls zunächst unfertig geblieben und dann deutlich später »modernisiert« worden. Die Colmarer Handschrift schließlich (Nr. 59.2.1.) ist überhaupt nicht mehr illustriert worden, also »Halbfertigprodukt« geblieben. Von Saurma-Jeltsch (2001) nicht – wohl aber von Rapp (1998) – zu den Produkten aus der Umgebung Diebold Laubers gezählt wurden die Regensburger und die Straßburger Handschrift, die dem Layout, der Konzeption und dem Schreiber nach ebenfalls in den Lauber-Kreis gehören – jedoch nicht von einem der bisher bekannten Buchmaler ausgemalt worden sind: In der Straßburger Historienbibel (Nr. 59.2.7.) wurde die Ausstattung ohnehin nur begonnen und dies ganz offensichtlich deutlich später. Ähnliches dürfte für die Regensburger Handschrift gelten (Nr. 59.2.4.), die wohl von demselben Schreiber geschrieben worden ist, deren Illustrator sich aber unter den aus dem Lauber-Kreis bekannten Händen bislang nicht identifizieren lässt.

So stellt sich die Historienbibel Ib als in Text- und Bildkonzeption fest in der Lauber-Werkstatt verankerter Werktyp dar, der sich erst bedingt durch arbeits- oder vertriebstechnische Neuerungen (Herstellung von »Halbfertigprodukten«) aus diesem Produktionszusammenhang löste.

Bildthemenliste zu Historienbibel Ib kann über die Redaktion angefragt werden.