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38.6. Hans Lecküchner, ›Kunst des Messerfechtens‹

Bearbeitet von Rainer Leng

KdiH-Band 4/2

Die älteste Fassung der ›Kunst des Messerfechtens‹ liegt in der Handschrift Cod. Pal. germ. 430 der Universitätsbibliothek Heidelberg aus dem Jahr 1478 vor. Sie ist mit Ausnahme eines Widmungsbildes (1v, ohne Bezug zur Fechterei) nicht illustriert. Die älteste mit Abbildungen versehene Fassung entstand zwischen 1478 und 1482 für Kurfürst Philipp den Aufrichtigen von der Pfalz (1476–1508) unter Lecküchners unmittelbarer Beteiligung vermutlich in einer Nürnberger Werkstatt (Nr. 38.6.1.). Vermutlich aus der selben Werkstatt stammt die einzige weitere Überlieferung, die Texte und Bilder Lecküchners zusammen überliefert (Nr. 38.6.3.). Die Urheberschaft an der gekürzten Fassung schreibt sich hier der Kompilator, Peter Falkner, selbst zu. Ebenfalls aus derselben Werkstatt, jedenfalls unter Verwendung der gekürzten Bearbeitung Peter Falkners, stammt eine textlose Bilderserie in der ehemals Donaueschinger Sammelhandschrift Cod. 682 (Nr. 38.6.2., ausführlich Nr. 38.2.3.).

Das Bildprogramm ist monoton. Von den über 400 Illustrationen der von Lecküchner selbst in Auftrag gegebenen Fassung (Nr. 38.6.1.) zeigen gerade zwei etwas anderes als sich in unterschiedlichen Stellungen gegenüberstehende Kämpfer mit dem langen Messer. Selbst die seltenen Bereicherungen dieser Grundszene durch Landschaftsdetails oder individuell gestalteter Kleidung der Kämpfer wurden in den weiteren Fassungen aufgegeben.

Text- und Bildüberlieferung besitzen einen Schwerpunkt im nordbayerischen Raum in der Zeit von 1478–1500. Nicht illustrierte Textüberlieferungen und Bearbeitungen setzen sich in geringem Umfang bis in das 16. Jahrhundert fort. Noch aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert stammt eine Bearbeitung in Salzburg, Universitätsbibliothek, M I 29. In Nürnberg mag Albrecht Dürer an den Text gekommen sein; seine Abbildungen der Kämpfer mit dem langen Messer stehen jedoch nicht in unmittelbarem Bezug zu illustrierten Lecküchner-Fassungen (siehe Nr. 38.9.11., dazu noch die verschollene Kopie der Dürer-Handschrift in Breslau, Universitätsbibliothek, M 1246). Ab 1530 findet sich Lecküchners ›Kunst des Messerfechtens‹ auch in Augsburger Handschriften wieder. In einer Sammelhandschrift des Bildhauers Gregor Erhard (Nr. 38.9.5.) von 1533 und in einer späten Kompilation u. a. mit Stücken des Augsburger Huters Jörg Wilhalm (Nr. 38.7.5.) aus dem Jahr 1556 sind die Lecküchner-Texte jedoch namentlich Johannes Liechtenauer zugeschrieben.

Die Drucke des Egenolff’schen Fechtbuchs ab 1531 (siehe 38.10.) führen zwar einen zu Hans Lebkhommer verballhornten Lecküchner als Verfasser an, haben jedoch weder in Text noch in der Illustration unmittelbaren Bezug zu Hans Lecküchner.

Editionen:

Eine Ausgabe mit engl. Übersetzung nach Heidelberg, Cod. Pal. germ. 430 und München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 582 (38.6.1) wird von Jeffrey L. Forgeng vorbereitet.

Literatur zu den Illustrationen:

Theodor Raspe: Die Nürnberger Miniaturmalerei bis 1515. Straßburg 1905 (Studien zur Deutschen Kunstgeschichte 60), S. 42 f.; Hans Peter Hils: Meister Johannes Liechtenauers Kunst des langen Schwertes. Frankfurt a. M. 1985 (Europäische Hochschulschriften, 3, 257), S. 183–187; hans peter hils: Lecküchner, Hans (Johannes). In: 2VL 5 (1985), Sp. 641–644; Jan-Dirk Müller: Bild – Vers – Prosakommentar. In: Hagen Keller (Hrsg.): Pragmatische Schriftlichkeit im Mittelalter. Erscheinungsformen und Entwicklungsstufen. München 1992 (Münstersche Mittelalter-Schriften 65), S. 253–258 und 276–279; Jan-Dirk Müller: Hans Lecküchners Messerfechtlehre und die Tradition. Schriftliche Anweisungen für eine praktische Disziplin. In: Jan-Dirk Müller (Hrsg.): Wissen für den Hof. Der spätmittelalterliche Verschriftlichungsprozeß am Beispiel Heidelberg im 15. Jahrhundert. München 1994 (Münstersche Mittelalter-Schriften 67), S. 355–384.