KdiH

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87.1.11. Philadelphia, University of Pennsylvania, Rare Book & Manuscript Library, LJS 463

Bearbeitet von Pia Rudolph

KdiH-Band 9

Datierung:

1443 (72r).

Lokalisierung:

Buchau (72r). Illustrationen: Schwäbischer Raum.

Besitzgeschichte:

Um 1500 wurden im Kalender und auf Bl. 73 Nachträge angebracht, die auf die Freiherren von Gundelfingen verweisen. Im Damenstift zu Buchau sind mehrere Frauen mit Verbindungen zur Familie von Gundelfingen nachweisbar, so dass eine Auftraggeberin bzw. spätere Nutzerinnen aus der Familie in Frage kommen (Hummel [2000] S. 14–34). Über verschlungene Heiratswege, die Hummel (2000, S. 35f.) nachzeichnet, könnte die Handschrift nach Donaueschingen gekommen sein. Spätestens seit dem 19. Jahrhundert in der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen (alte Signatur: Cod. 494). Vor 1993 verkauft; 2004 von Lawrence J. Schoenberg erworben (davor: Privatbesitz, u. a. Jörn Günther). 2011 stiftete Schoenberg († 2014) seine Handschriftensammlung der Universität von Pennsylvania.

Inhalt:
1. 1r–71v ›Iatromathematisches Hausbuch‹
2. 71v–72r Rezept für zwei gute Pulver (parallel überliefert in: Nr. 87.1.1., Nr. 87.1.10., Nr. 87.1.18.)
3. 73r–74r Nachträge von späteren Händen
I. Kodikologische Beschreibung:

Pergament, I + 74 Blätter (Vorsatzblatt Papier), 230 × 163 mm, Bastarda und Textura (für Monatsverse, Über- und Beischriften), eine Hand, Heinrich Stegmüller von Wiesensteig (72r; vgl. Hummel [2000] S. 11–15), einspaltig, 31–34 Zeilen, blaue KL-Ligatur mit rotem Fleuronné (1r) danach rote KL-Ligaturen, zweizeilige rote und blaue Lombarden (z. T. mit Fleuronné), wenige schwungvolle Ober- und Unterlängen, Zeigehände, Rubrizierung.

Schreibsprache:

schwäbisch (Ulmschneider [2011] S. 23).

II. Bildausstattung:

53 kolorierte Federzeichnungen. Eine Werkstatt. Jerchel (1932, S. 63f.) vergleicht die Illustrationen mit denen der Handschrift München, Cgm 28 (Nr. 87.1.6.).

Format und Anordnung:

Im Kalenderteil (1r–17r) nimmt ein Monat jeweils drei Seiten ein (zuerst zwei Seiten für den Kalender und Teile der Monatsregeln, eine für Monatsverse und -regimen). In Medaillons: die Tierkreiszeichen in gelben Rahmen (ca. neun Zeilen hoch, jeweils auf der ersten Seite des Kalenders im unteren Seitenbereich); die mehrfarbig gerahmten Monatsarbeiten jeweils unterhalb der Monatsverse (nehmen etwa die halbe Seite ein). Im Kapitel zu den Tierkreiszeichen: Medaillons mit gelben Rahmen für die Tierkreiszeichen (ca. 15 Zeilen hoch, nehmen in der Breite zwei Drittel des Schriftspiegels ein). Ohne Rahmen, in rechteckigen Bildfeldern, etwa zwei Drittel des Schriftspiegels breit: die Planeten (ca. 25 Zeilen hoch), der Zodiakusmann (33 Zeilen hoch). Ganzseitig: Aderlassmann (keine Beischrift). Die restlichen Abbildungen in ca. 17 Zeilen hohen, gelb-rot gerahmten Medaillons, die in der Breite den gesamten Schriftspiegel einnehmen (ungerahmt und in eckigen Feldern nur die Harnschau auf 69v und die Badeszene auf 58r, diese wirkt gedrungen, um den Zuber: grasartige, dekorative Pflanzen).

Bildaufbau und -ausführung:

Kräftige schwarze Umrisslinien. Meist blauer, nach unten zum Rasenstück verblassender Himmel (nur bei der Weinlese auf 14r ein roter Hintergrund). Ohne Himmel: Planeten, Zodiakus-, Aderlassmann und Badeszene; die Harnschau nur auf kleinem Rasenstück. Häufig einfache Landschaftselemente (Hügel, Bäume, Häuschen), bei den Monatsarbeiten sind die Landschaften detaillierter und weiträumiger. Die Figuren sind modisch gekleidet, schmal und länglich. Zarte Farbübergänge und Schattierungen schaffen Plastizität.

Bildthemen:

siehe Bildthementabelle in der Untergruppeneinleitung 87.1. Ikonografisch ist auffällig, dass die Planeten nicht wie in den anderen Handschriften in dieser Untergruppe durch nackte, stehende Figuren repräsentiert werden, sondern bekleidet gezeigt werden und auf einem Thron sitzen (stehend nur Saturn, Jupiter, Mars). Dies ist nur noch in München, Cgm 28 (Nr. 87.1.6.) und 2º Cod. ms. 578 (Nr. 87.1.9.) der Fall. Daneben ist Jupiter in allen drei Codices bekleidet, mit abgeschlagenem Haupt und Schwert in Händen dargestellt statt mit seinen üblichen Attributen, den Blitzen/Pfeilen. Zwischen diesen wohl sämtlich im schwäbischen Raum entstandenen Handschriften scheint es daher einen engeren Zusammenhang zu geben.

Farben:

Gelb, verschiedene Rottöne, Grün, Blau, Braun, Grau, Schwarz.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 54: 35v. Venus.

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Abb. 54.