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74.9.1. Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 2º Cod 152

Bearbeitet von Kristina Freienhagen-Baumgardt

KdiH-Band 8

Datierung:

Mitte 15. Jahrhundert (Spilling [1984] S. 83).

Lokalisierung:

Schwaben (Augsburg?).

Besitzgeschichte:

Die Handschrift stammt aus dem Augsburger Benediktinerstift St. Ulrich und Afra, wie der Eintrag auf 1v mitteilt: Iste liber attinet monasterio Sanctorum Udalrici et Afre Augustensi (dieselbe Hand wie 324v–325r), ebenso die alten Bibliothekssignaturen 2 l 5 und F 39. Ob die Handschrift dort entstanden ist, ist ungewiss (Williams-Krapp [1986] S. 191). Ein Hinweis könnte sein, dass die Ulrich-Legende (148va) mit einer farbig ausgeführten historisierten Initiale eingeleitet wird, was in Anbetracht der geringen Anzahl von Illustrationen als Hervorhebung betrachtet werden kann. Für Afra (276va) ist zumindest eine Vorzeichnung für eine Zierinitiale mit kletterndem Affen (oder Katze?) vorhanden.

Inhalt: Nur der Sommerteil des Legendars (den Winterteil enthält Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek, 2º Cod 153 [nicht illustriert]).
2r–373v ›Der Heiligen Leben‹
A1 (Williams-Krapp [1986] S. 191); 2r–3v Inhaltsverzeichnis; Sommerteil Nr. 1–126
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier (Bl. 2–4, 13–15 Pergament), 373 Blätter (ursprüngliche Foliierung ab 4r I–XXXXII, von späterer Hand fehlerhaft fortgesetzt bis CCC65), 310 × 210 mm, Bastarda, eine Hand (zwei Namensnennungen, bei denen nicht klar ist, ob sich hier der Schreiber oder Illustrator bezeichnet: 42ra vlricus in der Initiale und 103va cuͦnradus am Rand), eine weitere Hand 324v–325r (dieses Doppelblatt ist überklebt von einem Falz aus einer Juvenal-Handschrift), zweispaltig, 31–43 Zeilen, Rubrizierungen, rote und blaue Überschriften, rote, grüne, blaue, silberne und goldene Lombarden, rote und silberne Zeilenfüllsel, bunte, teilweise gerahmte Initialen, Verzierungen mit Masken, Blütenranken, Fleuronné, oft nur teilweise oder mit Feder ausgeführt, 4r (alte Zählung Ir) Schmuckseite mit Rankenwerk; figürlicher Schmuck (Affe 103va, Affe und Kakadu 124vb, Vogel 128vb, 223va auf der Ranke klettert ein Affe oder eine Katze).

Schreibsprache:

schwäbisch (Williams-Krapp [1986] S. 191).

II. Bildausstattung:

Fünf historisierte Initialen, davon eine Deckfarbeninitiale (4ra), drei lavierte Federzeichnungen (66rb, 75va, 90va), eine unkolorierte Federzeichnung (123va), figürlicher Schmuck, zwei Illustratoren.

Format und Anordnung:

Sämtliche Illustrationen sind am Beginn der jeweiligen Legende platziert, die Initialen nehmen die halbe Spaltenbreite ein (nur 4ra breiter, 90va schmaler) und sind sechs bis acht Zeilen hoch.

Bildaufbau und -ausführung, Bildthemen:

Die Deckfarbeninitiale zu Ambrosius (4ra) übertrifft in der Ausführung die weiteren Initialen bei weitem (Illustrator 1). Quadratisch, in zweierlei Grüntönen doppelt gerahmt, zeigt sie Ambrosius mit Stab und Buch in Frontalansicht, mit leicht nach rechts gewandtem Blick, Binnengrund Gold mit unregelmäßigem Blumenmuster in hellerem Ton, Buchstabenkörper blau mit schattierten Blattornamenten; der linke, obere und untere Textrand vollständig durch Rankenschmuck eingefasst, der sich auch zwischen die Spalten rankt, der rechte Rand nur durch Rankenausläufer und vereinzelte Blüten geschmückt. Ambrosius mit feinem Pinsel gezeichnet, Schattenwurf im Gesicht durch Weißabstufungen, detailreiche Ausführung (Bibel mit Schließen und Buchbeschlägen, Bischofsringe, Musterung der Kasel). Die weiteren Illustrationen sind wohl für die geübte Hand des ersten Illustrators angelegt worden, wurden dann jedoch von der ungeübten Hand des zweiten Illustrators mit lavierten Federzeichnungen ausgeführt. Die Initiale zu Petrus und Marcellinus (66rb) ist eine violette, doppelt gerahmte P-Initiale, Binnengrund hellgrün mit gelbem Rankenmuster, Petrus mit weißem Bart, goldenem Kleid und blauer Stola, kein Heiligenschein, in der Rechten ein aufgeschlagenes Buch (die Bibel), mit der Linken den Schlüssel haltend und zugleich im Zeigegestus auf die Schrift deutend. In der Gesamtheit wirkt die Initiale ein wenig verwischt gemalt, die Ränder sind nicht exakt gezogen. Auffällig ist, dass nur Petrus abgebildet ist, obwohl die Legende von Petrus und Marcellinus handelt. In der D-Initiale zu Barnabas (75va) ist der in seitlicher Draufsicht dargestellte Löwe missglückt, wirkt gnomenhaft personifiziert, Hinterteil des Löwen außerhalb der Initiale dargestellt, flächiger Farbauftrag, keine Feinzeichnung von Fell etc. Mit dem Löwen ist möglicherweise ein Bezug zu Apostel Markus markiert, dessen Symbol der Löwe ist und zu dem Barnabas eine enge Verbindung hatte. Vielleicht ist auch dem Illustrator die Ikonografie zu Barnabas nicht geläufig. Dafür spricht nicht zuletzt die Illustration zu Johannes dem Täufer (90va). Diese bewohnte Initiale zeigt einen zurückblickenden Löwen (?), auf dem Ausläufer der Ranke sitzt eine Figur mit Krone, blonden Haaren und Vogelkörper mit Schlangenschwanz. Der zweite Illustrator nimmt nicht die gängige Ikonografie (mit Fellgewand, Kreuzstab und Lamm [vgl. Nr. 74.2.2.]) zu Johannes auf, sondern folgt seiner Vorliebe, Mischwesen (127va) darzustellen. Zu Ulrich von Augsburg (117vb) eine siebenzeilige blaue D-Initiale auf grünem Hintergrund mit gelben Ranken, Ulrich frontal, in goldenem Kleid, vor sich den Fisch haltend, Gesicht grob gezeichnet, misslungene Perspektivierung, die Rahmung unregelmäßig. Zu Kilian und Gefährten (123va) ist die Initiale farbig mit Blütenranken, Maria mit Kind, Kind mit der Hand am Kinn der Mutter, in der Initiale nur vorgezeichnet, nicht koloriert. Darüber hinaus eine figürliche Illustration am Rand (103va): Zu Beginn der Legende zu Papst Leo eine größere Figur mit gelockten Haaren, rotem Umhang, darüber Sanct Leo, unterhalb davon ein kniender Mönch mit Tonsur, ein Spruchband in Händen mit der Aufschrift Miserere mei, über dessen Haupt cuͦnradus (Schreiber oder Illustrator?), an der hängenden Ranke ein Affe.

Farben:

Gold, Blau, Grün, Braun, Weiß, Schwarz, Rosé, Gelb.

Literatur:

Spilling (1984) S. 83f. – Firsching (1973) S. 71 (Nr. 1); Williams-Krapp (1986) S. 191; Der Heiligen Leben (1996) S. XVII.

Weitere Materialien im Internet:

http://www.handschriftencensus.de/18575

Abb. 83: 4r. Ambrosius.

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Abb. 83.