59.4.4. Darmstadt, Universitäts- und Landesbibliothek, Hs 1
Bearbeitet von Ulrike Bodemann
KdiH-Band 7
Um 1430 (Wasserzeichendatierung
Hagenau, Werkstatt Diebold Laubers.
Liber catenatus (aus einer Klosterbibliothek?); nach
| 1v–212vb | Alte Ee | |
| 1v Bild | ||
| 2ra–3va Prolog | ||
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3va–212vb Prosaauflösung der ›Weltchronik‹ des Rudolf von Ems mit alttestamentlicher Fortsetzung
bis Kap. Also es einen monot vnd drù gontze jor one regen waz, darin Abbruch wegen Blattverlusts
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| 213ra–288vb | Neue Ee | |
| 213ra–215vb Register | ||
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217ra–288vb Prosaauflösung des ›Marienlebens‹ von Bruder Philipp
bricht wegen Blattverlusts im Kap. Also maria mit libe vnd sele zuͦ himel fuͦr ab.
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Papier, 288 gezählte Blätter, dazu je ein Vorsatzblatt vorn und hinten, jeweils zwei Blätter sind auf einen Falz geklebt und bilden so einen Bogen, sehr defekt (Blatt 1 um ca. 1/3 beschnitten, auf ein neues Blatt aufgezogen; Verluste von meist einem Blatt nach 13 [2 Blätter?], 47, 53, 63, 76, 125, 153 [2 Blätter?], 160, 162, 175, 185, 186, 187, 189, 210, 212, 231, 233, 246, 247, 269 [2 Blätter], 270, 277, 279, 280, 281, 286 [2 Blätter], 288; Blatt 272 gehört zwischen die beiden verlorenen Blätter nach 286; teilweise verloren [z. T. die Illustrationen herausgeschnitten]: Blatt 3, 9, 76, 179, 195, 220, 222, 232, 243, 244, 245), 425 × 280 mm, zweispaltig, meist 34–35 Zeilen, vier Bastardahände, I: 1r–239rb mit Ausnahme von 213r–215v (34–35 Zeilen), II: 239rb–252r (meist 34 Zeilen), III: 252v–288v (33 Zeilen), IV: 213r–215v (Register); rote Kapitelzählung, rote Überschriften, Strichel, Caput-Zeichen, abwechselnd rote und blaue Kapitellombarden.
elsässisch.
136 von ursprünglich 155(?) kolorierten Federzeichnungen, 108 von ursprünglich 117(?) zur Alten Ee, 28 von ursprünglich 38(?) zur Neuen Ee; zwei Bildinitialen 2ra und 217ra. Gruppe A der Lauber-Werkstatt.
meist halbseitig (Eingangsbilder 1v und 216v ganzseitig), ungerahmt, zusammen mit Überschrift, die als Bildbeischrift fungiert, dem Text eines Kapitels vorangestellt. Initialen viertelseitig über die gesamte Spaltenbreite.
Die Initialen bilden mit den oberhalb von Text und Initiale als Kopfillustrationen platzierten halbseitigen Bildern jeweils ein Ensemble, das durch Rankenwerk und Drolerien ergänzt wird (2r Binnenfigur: Phantasiewesen, Kopfillustration: Christus als Weltenrichter, dazu Blüten und Phantasietiere, 217r Binnenfigur: Phantasiewesen, Kopfillustration: Maria mit Kind als thronende Madonna und adorierender junger Mann, dazu Greif, Lindwurm, Blüten).
Die Textillustrationen schöpfen den vorgegebenen Bildraum nicht nur völlig aus, sondern greifen auf die Randstege, gelegentlich auch auf die Spaltenzwischenräume des umgebenden Textes aus. Die Bildszene baut sich auf vorderster Sehebene auf; Hintergrund ist nicht angegeben. Gezeichnet wird in prägnanten Strichen, Schattenpartien gelegentlich mit breiten Schraffen angegeben, sonst wenig Binnenzeichnung. Figuren agieren auf nach unten nahezu linear abschließenden, flächig kolorierten Bodenstücken, die sich nur selten (bei hierfür prädestinierten Themen, z. B. Landverteilung Josuas 137r) zu Ansätzen von Landschaftsformationen entwickeln; Gebäude als Ortsbestimmung sind aus Versatzstücken zusammengewürfelt, die einzige Innenraumdarstellung findet sich bei Simsons Rache an den Philistern 167r: Durch einen Bogenrahmen sieht der Betrachter in einen ansatzweise zentralperspektivisch konstruierten Raum, auch hier bleibt nicht nur Simson, die Säule umgreifend, im Vordergrund, auch die Darstellung der Philister, auf eine von der Säule getragene Balustrade gedrängt, bleibt ohne Tiefe.
Erzeugnis der Mitarbeitergruppe A der Lauber-Werkstatt, deren Markenzeichen die Vorliebe für freistehende, oft schneckenhausförmig ondulierte Kringellocken und Zaddeln, für rhythmisch gewelltes Faltenwerk und für opulente Kostümdetails wie Beutelärmel ist. Kennzeichnend auch die schablonenhaft gezeichneten großflächigen Gesichter sowie die stereotypen Fußhaltungen, »mit der die Figuren schräg auf dem Terrain rutschend zu kleben scheinen« (
siehe
Ansatzweise wird ein Bedürfnis nach bewusst eigener Ausschöpfung des biblischen Motivrepertoires sichtbar: Statt der sonst üblicheren Darstellung des Todes Nadabs und Abihus wird die Steinigung der Gotteslästerer dargestellt (100r), statt Mose, wie er Gott um Speisung des Volkes bittet, wird gewissermaßen die Folgehandlung, die Bestrafung der nach Fleisch Gelüstenden, ins Bild gesetzt (105r), statt des Untergangs der Rotte Korach die Flucht ins Bundeszelt (110r), statt der Ernennung Josuas zum Richter Josua vor der Überschreitung des Jordans (126v), statt des Pfingstthemas (Erfüllung durch den Heiligen Geist) der Auszug der Apostel, um zu predigen (284r). Bileam und der Esel sind zweimal in nahezu identischer Ausführung dargestellt (117r und 117v), wohl weil der Buchmaler den Freiraum 117r missverstanden hat.
In markanten Einzelheiten greift die Darmstädter Handschrift eine Traditionslinie auf, die von der Dresdener Handschrift A 49 aus der Werkstatt von 1418 (Nr. 59.4.5.) vertreten wird: so in der Darstellung der Weissagung über den Untergang des römischen Tempels, die nur in Dresden A 49 eine Parallele hat (in Darmstadt Blatt 240r mit Textualis-Inschrift auf der Tempelfront: dis hot vns ein alt wip geseit).
Den adorierenden jungen Mann 217r, in dem
Dominierend sind helles Umbra und Rostbraun neben Grün (oft partiell hellbraun übermalt), daneben Ockergelb, Violettrot, selten leuchtendes Rot, Schwarz. Blau fehlt (mit Ausnahme des Rankenwerks der Initiale 217r).
Abb. 27: 189r. David erhält Goliats Schwert.