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59.4.18. Basel, Kunstmuseum, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. 2008.24 (ehem. Schweinfurt, Bibliothek Otto Schäfer, Ms. OS 50)

Bearbeitet von Ulrike Bodemann

KdiH-Band 7

Gesamtbeschreibung siehe KdiH Nr. 24.0.5. (Christus und die sieben Laden).

Datierung:

Zur Herkunft: Laut Hinweis von Nigel Palmer (Palmer [2007] S. 153 f.) ist die bislang nicht zu bestimmende Frau Klossnin, die versuchsweise mit einem Fribourger Geschlecht in Verbindung gebracht wurde, identisch mit Frau Jonatha Klosnin aus der Berner Familie Kloss, die 1488 ihre deutschen Bücher testamentarisch den Beginen bei den Weissen Schwestern im Berner ›Bröwenhaus‹ vermachte (Helvetia Sacra IX, 2 [1995] S. 261).

Darin:

Inhalt:
1. 2ra–104vb Historienbibel IIa, Neue Ee
2ra–5vb Register
unvollständig: Blatt nach 5 fehlt
6ra–104vb Prosaversion des ›Marienlebens‹ von Bruder Philipp
II. Bildausstattung:

15 kolorierte Federzeichnungen zu Text 1.

Die Handschrift überliefert die Prosaversion des ›Marienlebens‹ von Bruder Philipp, die gewöhnlich den neutestamentlichen Teil der Historienbibeln IIa und Ib bildet, separat und ohne Hinweis auf einen konzeptionellen Zusammenhang mit einem alttestamentlichen Teil. Dass das Prosamarienleben hier und nicht in der Stoffgruppe 85. Mariendichtung behandelt wird, lässt sich zunächst lediglich mit dem Befund rechtfertigen, dass diese Prosaversion mit nur einer weiteren Ausnahme (die unter Nr. 59.4.17. behandelten Fragmente) ausschließlich in Historienbibeln zu finden ist. Auch die Anlage des Textes entspricht der in der Historienbibelüberlieferung üblichen: Zweispaltigkeit, Kapitelüberschriften als Bildbeischriften, Kapitelzählung in Form von Seitenüberschrift.

Format und Anordnung:

Mit der Kapitelüberschrift, die gleichzeitig als Bildüberschrift dient, dem Text eines Kapitels vorangestellt (Überschrift fehlt 15r). Mehr als halbseitig, den Schriftspiegel stets überschreitend, eine ansatzweise lineare Einfassung – einfach oder als Doppellinie – weitet den Bildraum gelegentlich nicht nur in die seitlichen Randstege hinein aus, sondern bietet auch Raum für Bildergänzungen, z. B. am unteren Bildrand zu einer unregelmäßigen Bodenfläche (vor allem beim Tod Marias 96r).

Bildaufbau und -ausführung:

Die Federzeichnungen stehen in gewisser Spannung zur Textanlage; während der Text bescheiden ausgestattet ist mit einfachen roten Lombarden, an deren Stelle nur manchmal, vor allem zu Register- und Textbeginn, grüne Lombarden mit sehr einfachem, geradezu dilettantisch wirkendem Federwerk stehen, machen die Zeichnungen einen sehr anspruchsvollen Eindruck. Von einem äußerst gut geschulten Zeichner entworfen, sind die Motive aus vielen feinen Federstrichen zusammengesetzt. Räume sind perspektivisch souverän komponiert, voluminöse Gewänder umhüllen die Figuren in differenzierten Falten und Raffungen, Schattenpartien werden malerisch durch lockere Haarstrichel, Schraffen und Häkchen gestaltet, die zurückhaltende Farblavierung tritt lediglich ergänzend hinzu. Die handelnden Personen stets in bewegter Körperhaltung mit ausdrucksstarker Gestik, differenzierter, aber sehr verschlossener Mimik. Manche Bilder wirken allerdings unvollendet: Geburt im Stall ( 30v) mit unvollendetem Hintergrund, ebenso Kreuzannagelung (80r). Sehr detailreiche Themeninterpretationen: beim Tod Marias (96r) versprengt ein Apostel Weihwasser, ein anderer bläst in ein Rauchfass, ein dritter (Petrus) liest, an einem Tisch mit Krug und Trinkbecher sitzend, vor, ein weiterer sitzt verhüllt, wohl die Totenklage sprechend, daneben; in der Ölbergszene (72v) tritt im Hintergrund Judas, gefolgt von Soldaten, durch das Tor des Bretterzauns in den Garten, ein Soldat schwingt sich währenddessen über den Zaun.

Bildthemen:

siehe Rapp (1998) S. 259–264 (Teilkonkordanz). Das Bildprogramm erweist sich als verwandt mit den seit den dreißiger Jahren von der Malergruppe A der Lauber-Werkstatt gestalteten. Die Themenauswahl betreffend steht die Raudnitzer Handschrift am nächsten (Nr. 59.4.16.): Beide beschränken ihre Bildthemenwahl auf die Standardmotive der Bibelillustration, wobei z. B. auffällt, dass beide weder die Kreuzigung noch die Auferstehung Jesu mit einem Bild versehen.

Farben:

schmale Palette, bestehend aus blassem Rosa, hell durchscheinenden Braun- und Ockertönen, sehr lichtem Graublau, mattem Grün sowie Grau.

Literatur:

(ergänzend): Rapp (1998) Nr. 3.2.12., S. 74 f. u. ö. Kostbare Drucke und Einbände aus sechs Jahrhunderten. Dauerpräsentation aus Anlass des 50jährigen Bestehens der Bibliothek Otto Schäfer. [Ausst.Kat. bearb. von Karin Hack und Georg Drescher] Schweinfurt 2001, Nr. 2 mit zwei Abb. (9v, 112v); Andachtsliteratur als Künstlerbuch. Dürers Marienleben. Eine Ausstellung der Bibliothek Otto Schäfer zu einem Buchprojekt des Nürnberger Humanismus. [Ausst.Kat. bearb. von Claudia Wiener, Anna Schwerbaum und Georg Drescher] Schweinfurt 2005, Nr. 1, S. 60 f. mit Abb. (53r); Masterpieces. Catalogue 9. Dr. Jörn Günther, Hamburg. Hamburg 2008, S. 10–13, Nr. 19.

Anmerkungen:

Handschriftencensus

Abb. 25: 96r. Tod Marias.

Abb. 25.