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37.2.4. Eger (Erlau), Föegyházmagyei Könyvtár (Erzdiözesanbibliothek), Cod. U². III.3

Bearbeitet von Ulrike Bodemann

KdiH-Band 4/1

Datierung:

Um 1450.

Lokalisierung:

Bayern oder Österreich.

Besitzgeschichte:

1783 aus der Auersperg’schen Bibliothek in Unterkrain, die nach dem Tod Heinrich Joseph Johanns Fürst von Auersperg (1783) in Wien versteigert wurde, für Fürstbischof Károly Esterházy (1725–1799) erworben und in die 1793 eröffnete Bibliothek eingegliedert; der Einband trägt alte Signaturen: III–I und B V 6 (letztere ist in der Diözesanbibliothek heute für eine andere Handschrift vergeben; die Umsignierung erfolgte vor 1902 [vizkelety 2 (1973) S. 130]).

Inhalt:
1r–138v Ulrich von Pottenstein, Cyrillusfabeln, deutsch

Hs. E; Prolog, Buch I–IV, unvollständig, bricht mitten im Text (IV,2) ab

I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, I + 141 + I Blätter (modern foliiert; 139r–141v unbeschrieben), 295 × 215 mm, Bastarda, einspaltig, 27–31 Zeilen, rote Überschriften bis 53v, vorgesehene Lombarden über zwei bis drei Zeilen fehlen von Anfang an.

Schreibsprache:

bairisch-österreichisch.

II. Bildausstattung:

86 Illustrationen vorgesehen, 49 (2v–70r) sind als unkolorierte Federzeichnungen, ab 64v nur noch skizzenhaft ausgeführt (Blattangaben siehe Bildthemen und Bildstellenübersicht).

Format und Anordnung:

Die Bildräume sind linksbündig in den Schriftspiegel eingerückt, und zwar zwischen dem Text, entsprechen damit der Konzeption der Schwesterhandschrift London (Nr. 37.2.7.); nur das Format ist mit einer Breite von knapp der Hälfte der Schriftspiegelbreite viel kleiner, außerdem ist das Bemühen erkennbar, das Bild jeweils möglichst nah an den Textanfang zu setzen, was allerdings gelegentlich zu Fehlzuordnungen führt (22v steht das Bild vom Esel, Löwen und den Wölfen nicht am Anfang von I,16, sondern am Ende von I,15). 2v wie in der Londoner Schwesterhandschrift ein diptychonartiges Doppelbild (siehe unten: Bildthemen).

Bildaufbau und -ausführung:

Die vorgesehene Bildausstattung entspricht in ihrer Anlage derjenigen der Londoner Handschrift (siehe Nr. 37.2.7.), nur ist hier der Bildrahmen meist geschlossen (Ausnahme z. B. 43v dreiseitiger Rahmen wie in der Schwesterhandschrift). Die Darstellung ist wegen des kleineren Formats auf die den Rahmen häufig überschneidenden Protagonisten konzentriert, für eine großzügige dekorative Hintergrundfüllung fehlt der Raum. Plazierung und Haltung der Figuren ahmen die Schwesterhandschrift nach, doch sind die Tiere häufiger disproportioniert, wegen der Raumnot rücken Figuren und Requisiten enger zusammen, Tiere werden in unnatürliche Körperhaltungen gezwängt und sind ohne Texthilfe kaum zu identifizieren (vgl. etwa 20r zu I,14 Ochse und Wolf: Wolf mit extrem langem Körper, vom Räderpflug, den der Ochse zieht, sind nur die hinter den Körper des Ochsen geklemmten Räder zu erkennen, oder 15v zu I,11 Ochse und Schwein: das senkrecht aufsteigende Tier könnte nahezu jeden anderen Vierbeiner darstellen). – Ausgeführt ist nur die Federzeichnung, die aber bis 62v über eine reine Silhouettierung der Figuren sehr weit hinausgeht: Durch dichte Anstrichelung der Konturen wird die Körperlichkeit plastisch ausgearbeitet, auch unterschiedliche Fell-, Gefieder- oder Gewandstrukturen sind zeichnerisch schon angelegt, so daß es fraglich scheint, ob eine Kolorierung überhaupt vorgesehen war. Die letzten ausgeführten Zeichnungen (64v–70r) nur noch skizzenhaft und ohne Binnenzeichnung.

31v am unteren Randsteg Nachzeichnung des Fuchses aus dem Bild darüber.

Bildthemen:

wie in der Londoner Handschrift; zu Vorrede und Fabel I,1 (Fuchs und Rabe) ein gemeinsames Doppelbild: links Lasterdarstellung wie in München Cgm 254 (Nr. 37.2.10.): Liebespaar und drei Kriechtiere, rechts Fuchs und Rabe. Abweichungen zur Londoner Handschrift: 7v (zu I,5 Rabe und Fuchs, der sich totstellt) nicht mehrere Motive zu einer kontinuierenden Darstellung verbunden, sondern nur ein Motiv ausgewählt (der am Boden liegende Fuchs); 34v (zu I,25) statt Auge und Ohr irrtümlich (wie zu I,26) drei Edelsteine.

Literatur:

Samuel Singer: Verzeichnis der in der erzbischöflichen Diöcesanbibliothek in Erlau vorhandenen altdeutschen Codices. Germania 32 (1887), S. 481–487, hier S. 485 (unter der Altsignatur B V 6); Vizkelety 2 (1973) S. 152 f., Nr. 60. – Joseph Niclas Kovachich von Senqvitz: Altdeutsches Fabelbuch. Beschreibung eines Altdeutschen Codex, welcher sich auf der Bibliothek des Erlauer Erz-Capituls befindet. Germania 4 (1884), S. 126–140; Scharf (1935a) S. 5–8; Scharf (1935b) S. 148 (beide unter der Altsignatur B V 6); Einhorn (1975) S. 392 f., Abb. 17 (2v). 24 (11r); Bodemann (1988) S. 61 u. ö.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensu

Abb. 104: 62v. Ulrich von Pottenstein, Cyrillusfabeln, deutsch: aufbäumendes Einhorn, von einem Raben beäugt; am Boden liegendes Einhorn mit zerstörtem Horn, zu dem der Rabe hinabfliegt (Fabel II,18. Rabe und überhebliches Einhorn).

Abb. 104.