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KdiH

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39.5.6. Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 719

Bearbeitet von Rainer Leng

KdiH-Band 4/2

Datierung:

Ca. 1462/63 (laut Kurras [1980] S. 7 nach einer Autopsie durch Piccard).

Lokalisierung:

Süddeutschland (Nürnberg?).

Besitzgeschichte:

Aus der Privatsammlung des Gründers des Germanischen Nationalmuseums, Hans von und zu Aufseß; Stempel (Lugt [1921–1956] Nr. 2749) auf dem ersten vorgebundenen Blatt recto; dem Germanischen Nationalmuseum zur Gründung 1852 von Aufseß übergeben.

Inhalt:
1. 1r–15v Johannes Formschneider (?), Büchsenmeisterbuch mit Illustrationen
2. 16r–60v ›Feuerwerkbuch von 1420‹
3. 60r–64v Pulverrezepte; 64rv vier nachgetragene Rezepte
4. 65r–69r Anleitung zum Büchsen- und Kugelgießen;

›Wenn du wilt giessen ain stainbuchsen. Item wenn du wiltt giessen ain stain buchsen, sie sey clein oder groß, So reysß sie auff ain brett‹

5. 69v–71v Salbenrezepte

›Die salbe dar mit du hailest die wunden und den sig der wunden‹

6. 72v–75r Diverse Nachträge: 72v Anleitung zum Glockenguß, 73rv Kaliber von Büchsen und Kugeln (Textverluste), 74r Beginn eines Nachtrags (Textverlust), 75r Nachtrag von späterer Hand Item ein schlangen die leng der züg xxxvi wie hie stet, daneben Maßstrich.
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 21 + 75 Blätter (20 neue nicht foliierte Blätter vorgebunden, vom ersten erhaltenen alten Blatt neu mit Blei foliiert bis 75, folgt noch ein nicht foliiertes Nachsatzblatt; alte Tintenfoliierung teilweise erhalten, beginnend 1r [neu] mit 20 und 75r [neu] mit 98 endend; älte Foliierung läßt mehrfach Blattverluste erkennen), 215 × 150 mm, Bastarda von mehreren Händen: I. 1–60r, II. 60r–63v, III. Nachträge 64rv und 72v, IV. 65r–75v; wechselnde Schrifträume und Zeilenzahlen, rote Lombarden und Rubrizierungen nur Nr. 2.

Schreibsprache:

nordbairisch-fränkisch.

II. Bildausstattung:

1r–15v Bildkatalog von 28 mit leicht lavierten Federzeichnungen versehenen Seiten, meist ein bis zwei, aber auch bis zu elf Einzelzeichnungen je Seite, ausgeführt von einer ungelenken Hand; dazu 67r–69r zahlreiche Maßstriche für Büchsen- und Kugelkaliber im Text und am Rand, 73rv weitere Maßzeichen für Kaliber von Büchsen und Kugeln.

Format und Anordnung:

Kleinere Abbildungen von Büchsen ca. 90 × 130 mm, jeweils zwei übereinander pro Seite (1r, 3r, 4rv, 11rv, 15v), größere Geschütze ganzseitig bis zu 210 × 130 mm im Querformat (1v, 2r, 5r–9r, 12v); sonst einzelne halb- bis ganzseitige Geräte auf einer Seite, 13v–15r mehrere Einzelzeichnungen auf der Seite; durchgehend ohne Beischriften.

Bildaufbau und -ausführung:

Geschütze teils in seitlicher Ansicht, teils in Draufsicht, teils in erhöhter Perspektive in einfachen, groben Tintenlinien; gelegentlich noch leichte Anklänge an geklappte Perspektive; durchgehend rahmenlos und ohne jegliche Hintergründe; Rohre nicht koloriert; in den Holzlafetten und sonstigen Konstruktionen wird eine einfache Tiefenwirkung durch die Lavierung erzielt: dem Betrachter zugewandte Holzflächen sind gelb, abgewandte grau laviert.

Bildthemen:

Überwiegend Karren- und Tarrasbüchsen in verschiedenen Lafetten und mit diversen Arten der Richtung und Elevation; abweichend davon 1v Quadrant, 4r Belagerungsturm, 9v und 10r Geschützbohrmaschinen, 10v und 15v Schutzschirm, 11v Blide, 12r und 15r Steigzeug, 13r Hebezeug, 14r–15r Feuerpfeile und Sprengkugeln. Abbildungen gut übereinstimmend mit sonst u. a. unter dem Namen des Nürnberger Büchsenmeisters Johannes Formschneider überlieferten Bilderkatalogen in München, Cgm 734 (siehe 39.5.4.), 61v–74r sowie mit den Geschützdarstellungen in München, Cgm 356 (siehe 39.5.3.), S. 26–63. Siehe auch die verwandten Abbildungen in München, Deutsches Museum, Hs. 1949–258 (siehe 39.5.2.), Erlangen, Ms. B 26 (siehe 38.9.4.), Heidelberg, Cod. Pal. Germ. 126 (siehe 39.6.3.), Frankfurt, Ms. germ. qu. 14 (siehe 39.8.2.) sowie die drei nachweislich aus Nürnberg stammenden Überlieferungen Gotha, Cod. Chart B 1032 (siehe 39.7.2.), Stuttgart, Cod. milit. 4o 31 (siehe 39.5.8.) und Weimar, Q 342 (siehe 39.7.6.). Aufgrund der Datierung der Handschrift dürfte hier ein Fragment eines der ältesten Vertreter des Formschneider-Corpus vorliegen.

Farben:

Gelb, Grau.

Literatur:

Kurras (1980) S. 7 f. – Essenwein (1872), Tafeln A XXXIV–XXXVIII (11v, 2r, 1r, 7v, 4v, 5v, 3r, 6v, 7r, 11r, 9v, 10r). B Ig (13v); Jähns (1889) S. 394 (fälschlich »Münchener Hof- und Staatsbibliothek«); Rathgen (1928) S. 170f.; Erich von Kürzel-Runtscheiner: Der Kanonenbohrturm in Augsburg. Zeitschrift des historischen Vereins für Schwaben 54 (1941), S. 391; Hassenstein (1941) S. 87; Feldhaus (1956) Sp. 391; Hall (1979) S. 21. 129 (dort Altsignatur Kr 300 angegeben); Leng (2002) Bd. 2, S. 263–266.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 105: 3r. Johannes Formschneider (?), Büchsenmeisterbuch: Zwei Tarrasbüchsen.

Abb. 105.