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KdiH

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38.1.5. Wien, Kunsthistorisches Museum, KK 5012 (bisher Kunsthistorisches Museum, Kunstkammer, P 5012; olim Ambras 54)

Bearbeitet von Rainer Leng

KdiH-Band 4/2

Datierung:

Ca. 1480–1500, Wasserzeichen Traube (beschnitten), ähnlich Piccard XIV, I,832 (Augsburg 1489), (15. Jahrhundert von Sacken [1855] S. 242; 1. Hälfte 15. Jahrhundert Wierschin [1956] S. 36, Ende des 15. Jahrhunderts Hils [1985a] S. 120).

Lokalisierung:

Oberdeutschland.

Besitzgeschichte:

Auftraggeber und Erstbesitzer unbekannt, der Eintrag im vorderen Innendeckel Meister peter falkners kunste Zu Ritterlicher Were ist eher Titel als Besitzereintrag; der Weg in die Ambraser Sammlung ist nicht nachvollziehbar; im Ambraser Verlassenschaftsinventar Erzherzog Ferdinands ist der Codex unter den Kriegs- und Fechtbüchern nicht eindeutig zu identifizieren (Boeheim [1888] S. CCLXXXIX), demnach wohl erst nach 1596 auf Schloß Ambras gelangt, beim Abtransport der Ambraser Handschriften nach Wien 1665 vom Ambraser Schloßhauptmann verheimlicht und deshalb erst 1806 vor den anrückenden französischen Truppen nach Wien verbracht, dort jedoch nicht in die Bibliothek, sondern in die Kunstsammlungen des Kaiserhauses gelangt.

Inhalt:
1. 1v–18r Johannes Liechtenauer, ›Kunst des langen Schwerts‹ in der Bearbeitung von Peter Falkner in Versen, mit Abbildungen

›Jungk Ritter Lern gott lieb haben vnd frawen In eren Vnnd red den leytten wol Bis manlich wa man sol‹ 2r ›Merck was ich dir sag Ain oberhaw recht schlag‹ 18r ›Hie enndet Maister Peter Falkners kunst mit dem langen swert‹

2. 18v–43v Hans Lecküchner, ›Kunst des Messerfechtens‹ in der Bearbeitung von Peter Falkner in Versen, mit Abbildungen

›Ob du wildt achten Messer fechten betrachtten So lern die kunst die dich ziert zu schimpff vnd zu ernst hofiert‹ 43rHie enndet Maister Peter Falkners kunst Mitt dem Messer‹

3. 44r Aufgeklebter Holzschnitt Kreuzigungsgruppe mit Beschriftung ›Ihesus nazarenus rex iudeorum
4. 46r–56r Andreas Liegnitzer (?), Dolchfechten im Harnisch, mit Abbildungen

›Hye hept sich an das degen fechten ym harnisch wiltu das verborgen sey so er felt‹

5. 57v Aufgeklebte Zeichnung St. Markus-Löwe mit Schwert mit Beschriftung ›Sanctus Marcus
6. 58r–61r Stangenfechten, mit Abbildungen

›Merck waß ich meld ynn der stangen byß schnel winden vnd vff heben fechten vnd nyder legen‹

7. 62r–65r Kampf im vollen Harnisch mit dem Luzerner Hammer und der Hellebarde, mit Abbildungen

›Merck daß ist auch ein leer wie du mit kemphlicher wer solt wartten mordt agst vnd hellebartten‹

8. 65v–67r Kampffechten nach fränkischem Recht mit Kolben und Stechschild, mit Abbildungen

›Merck daß ist der frenckisch kampf wol bericht schilt kolben vnd tegen macht zΓ nicht. Das ist der Text. Hastu einen schilt vnd kolben vnd er auch also‹

9. 67v–72v Peter Falkner, Kampf zu Pferd im vollen Harnisch mit Lanze und Schwert, einschließlich Ringen, mit Abbildungen

›Hie hept sich an meister peter valckners kunst zuͦ roß. Das erst mit der glenen (!). Darnach mit dem swert vnd in ringen. Das ist der text ein gemeine ler zu roß. Das ist die erst hutt‹

I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, I + 73 Blätter (neue Foliierung nur auf jedem 10. Blatt), 208 × 137 mm, Bildkatalog 2r–17v und 19r–43v jeweils zwei- bis sechszeilige Beischriften, in den weiteren Bildkatalogen vier- bis neunzeilige Beischriften, einspaltig, Bastarda von zwei Händen, I: 1v–46r, II: 46v–72v, keine Lombarden und Initialen, durchgehend rubriziert.

Schreibsprache:

nordbairisch.

II. Bildausstattung:

Insgesamt 129 aquarellierte Federzeichnungen, dazu ein kolorierter aufgeklebter Holzschnitt 44r und eine kolorierte aufgeklebte Zeichnung; überwiegend von einem unbekannten oberdeutschen Zeichner, eng verwandt mit Zeichner I von olim Donaueschingen, Cod. 862 (38.2.3.) und München, Cgm 582 (38.6.2.), lediglich die aufgeklebte Zeichnung 57v und die aufwendigere letzte Zeichnung 72v dürften von einer anderen Hand stammen.

Format und Anordnung:

Durchgehend 100–160 mm hohe ungerahmte Zeichnungen über die ganze Seitenbreite in der unteren Seitenhälfte mit darüber stehenden Beischriften mit unmittelbarem Bildbezug; abweichend davon nur der aufgeklebte Holzschnitt 44r 60 × 80 mm auf 100 × 75 ausgeschnittenem Papier und die aufgeklebte Zeichnung 57v 85 × 125 auf 120 × 125 ausgeschnittenem Papier; 33v und 42v Zeichnungen durchgestrichen; an Aussparungen bei in den Textbereich hineinragenden Bildern ist zu erkennen, daß erst die Bilder, dann der Text gefertigt wurden.

Bildaufbau und -ausführung:

Kämpferpaare statisch mit stereotypen Gesichtszügen, aber korrekten Haltungen und Proportionen, feiner Federstrich mit leichter, schattierend aufgetragener Kolorierung, nur selten stärkere bis flächige Kolorierung, gelegentliche Schraffuren an Kleidung und Rüstung, mit Ausnahme der fein gezeichneten und detailreichen Rüstungen 72v nur wenig ausgeführte Binnenzeichnungen (selten: gestreifte Kleidung) der meist enganliegenden Gewänder mit seltenem Faltenwurf, Rüstungen ebenfalls detailarm; sämtliche Kämpfer agieren auf einem kräftig grün bis schmutziggrün koloriertem Rasengrund ohne Schattenwurf; inkonsequente Individualisierungsversuche durch streckenweise Wiederholung charakteristischer Farbgebung für Kleider und Pferde.

Bildthemen:

Für die Messerfechtkämpfe (Nr. 2) ist eine Orientierung an den Darstellungen in München, Cgm 558 (38.6.2.) Körper- und Waffenhaltung betreffend offensichtlich; Nr. 7 und 9 lieferten möglicherweise selbst Vorlagen für olim Donaueschingen, Cod. 862 (38.2.3., Hils [1985a] S. 122 f., mit Fehlern bei der Bildbeschreibung), sind jedoch wie auch Nr. 8 indirekt beeinflußt durch die Handschriften von Talhoffer und Paulus Kal; für Nr. 4 sind textliche Übereinstimmung mit der späteren Handschrift Kraków, Ms. germ. quart. 2020 (38.1.3.), 98r–110v, zu erkennen (der entsprechende Text ist dort Andreas Liegnitzer zugeschrieben); auffällig ist, daß entgegen der Ankündigung des Dolchfechtens im Harnisch (46r) die folgenden Kämpfer nicht gewappnet sind.

Farben:

Grün, Schmutziggrün, Gelb, Rot, Rosé, Blau, Ocker.

Literatur:

von Sacken (1855) S. 242 f.; Primisser (1972) S. 284 f. – Jähns (1889) S. 373; Wierschin (1965) S. 36 (Nr. 35); Hils (1985a) S. 49. 50. 186. 120–123 (Nr. 47); Schmitt (1979) Sp. 707.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Taf. IIa: 13r. Johannes Liechtenauer, ›Kunst des langen Schwerts‹ in der Bearbeitung von Peter Falkner: Bloßfechten mit dem langen Schwert.

Abb. 6: 68v + 69r. Peter Falkner, Kampf zu Pferd: Kampf mit der Lanze.

Taf. IIa.
Abb. 6.