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KdiH

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38.1.2. Glasgow, Glasgow Museums, R. L. Scott Collection, E.1939.65.341

Bearbeitet von Rainer Leng

KdiH-Band 4/2

Datierung:

1508 (22r), Wasserzeichen Kreis mit Stange, jedoch nicht präzise zu identifizieren, da im Falz, ähnlich Briquet 3049 (Augsburg 1500).

Lokalisierung:

Süddeutschland.

Besitzgeschichte:

Herkunft unbekannt; seit 1939 als Bestandteil der R. L. Scott Collection im Kelvingrove Museum in Glasgow; hinterer Deckel Aquisitionsnummer E.1939.65.341; vorderer Deckel Exlibris Glasgow Museums & Art Galleries R. L. Scott Collection.

Inhalt:
1. 1r–22r Johannes Liechtenauer, ›Kunst des langen Schwerts‹, in der Bearbeitung von Sigmund Ringeck, mit Illustrationen

›Hie merck den pruch der wider den obern twer haw . Merck wen du in von deiner rechtn seitten mit ainem ober haw oder sunst an sein schwert pindest …‹ Explizit 22r ›… Merck die zettl dar in geschriben stett, die kunst des langen schwerch [!] die Johannes Liechtennawen hat lassen scchreiben mit verporgen vnd verdachten worten, die selbigen wort hat maister Sigmund Emring verklert vnd aus gelegt, als in diessem puech geschriben stett vnd gemalt vnd hat das gethon darumb daz fursten vnd herren Ritter und knecht den die Kunst zu gehort dester grosser lieb darzu haben sullen anno domini 1508‹

2. 22v–24r Fechtlehre ›Die Eiserne Pforte‹, nicht illustriert

›Hie merck wie man fechten sol mit dem langen schwert auf der huet die da haist die Eyseren pfort‹

3. 24v–25r Martin Sieber, Fechten mit dem langen Schwert, nicht illustriert

›Hernach geschriben ist ain newe Zetl des langen schwerts vnd ein ausszug aus der voringen zetl, vnd vil ander guetter stuck von manches maisters handt, die hat zu samen gesetzt maister Martein Syber vnd ist getailt in segs geng‹.

4. 25v–26v Anonyme Messerfechtlehre, nicht illustriert

›Merck ettliche stuck in dem messer. Item wan ainer auff dich wil schlagen oder stechen, So stel dich also …‹

5. 27r–29v Andreas Jude, Jost von der Neissen, Niclas Preus, Hans Döbringer ›Die Eiserne Pforte‹, Reimvorrede, Prosaglosse und Kunststück aus dem Schulfechten, nicht illustriert

›Hie hebt sich an ettlicher maisteren gefechte Andres Juden Jobs von der Nyssen Nicklass prewsen, hans pfaffen Dobringers. Ist hie yendert ein degen der sich darzu welle wegen …‹

6. 35r Zeichnung eines Fechters mit dem langen Schwert, auf einem Prunkstuhl sitzend.
7. 35v–56r Ringerlehre, 35v und 36r Illustrationen von Ringern mit einzeiligen Beischriften, Text zur Ringerlehre beginnt 36v

›So du mit ainem ringen wilt, vnd du mit ainem gleich gefast hast in den armen vrbering so prich Im …‹

8. 64r–66r Anonyme Ringerlehre, nicht illustriert; insgesamt 17 kurze Stücke zum Ringen, 66v leer.

›hie heben sich an die Ringen. Item das erst ringen, hat er dich bey dem arm gefast, vnd du in wider, So tracht das du in mit deiner …‹

9. 67r–75r Meister Ott Ringerlehre, nicht illustriert, lediglich 74r–75r Skizzen von 26 Kreisen mit eingeschriebenen Ringerregeln

›Das sind die Ringen die der Ott gemacht hat der ain tauffter Ju:ed gewesen ist. Ain gemaine guette Ler. Item allen ringen sullen sein dreu ding, das erst ist kunst …‹

10. 75r–82r Johannes Liechtenauer, Fechten zu Roß mit Spieß und Schwert, mit Glossen, nicht illustriert.

›Hie hebet sich an Maister Johannes Liechtenawers Ross vechten das er hat lassen schreiben mit verporgen worten … Das ist der text. Dein sper bericht gegen reytten mach zu nicht. Glossa. Merck das ist …

11. 83r–100r Johannes Liechtenauer, Kampffechten, Bearbeitungen und Glossen zum Fechten mit dem Schwert und Degen, Messer und zum Ringen, nicht illustriert

›Alhye hebt sich an Dye glos vnd die auss legung der ritterlichen kunst des kampfs fechtns, dye gedicht vnd gemacht hat Johannes Liechtenawer der ein grosser maister In der kunst gewessen ist. Das ist der text von der vorred. Wer absynnet vechtns zu fuess begynnet …‹

12. 102v–104v Martin Hundfeld, Fechtkunst im Harnisch, nicht illustriert

›Das ist Maister Merteins hüncz feldes fechten In harnesch auss den vier huten. Item das ist die erst hüt. Nym das swert payde hendt …‹

13. 105rv Andreas Liegnitzer, Kunst des Bucklerfechtens, nicht illustriert, 106r–107v leer

›Hie heben sich ann die stugk mit dem Budler die Maister andre lignizer gesatzt hat in vi stuck alls hernach gemalt statt …‹

I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 3 + 107 + 3 Blätter (je drei nicht foliierte Vor- und Nachsatzblätter, 107 von neuerer Hand mit Blei foliierte Blätter, 30r–34v und 56v–63v leer [61r vier Zeilen Nachträge von jüngerer Hand [Sprichwort]], 82v leer, ältere Tintenfoliierung oder -paginierung zwischen Blatt 35 und 56 teilweise noch zu sehen, meist jedoch durch Beschnitt weggefallen), 206 × 155 mm, beschrieben in Bastarda von mehreren Händen, überwiegend rubriziert; Hand I: 1r–29v (17v–19v überklebte Texte der selben Hand) und 64r–66r, sowie 75r–101r; Hand II: 35v–56r; Hand III: 67r–75r; Hand IV: 100v–104v; Hand V: 105rv; alle einspaltig, bei ganzseitig beschriebenen Seiten 24–32 Zeilen, keine Reklamanten.

Schreibsprache:

bairisch.

II. Bildausstattung:

Insgesamt 74 aquarellierte Federzeichnungen 1r, 1v, 2r, 2v, 3v, 4r, 4v, 5r, 5v, 6r, 6v, 7r, 7v, 9r, 9v, 10r, 11r, 11v, 12r, 12v, 13v, 14r, 14v, 15r, 15v, 16r, 16v, 17r, 17v, 19r, 19v, 35r–56r, dazu noch 26 Schemazeichnungen 74r–75r; Federzeichnungen von mehreren unbekannten Händen; Zeichner I: 1r–2v und 4r; Zeichner II: 3v und 4v–6v; Zeichner III: 7r–14r; Zeichner IV: 14v–19v; Zeichner V: 35r–36v; Zeichner VI: 37r–56r.

Format und Anordnung:

1r–19v 150 × 150 mm große Zeichnungen, rahmenlos auf der unteren Seitenhälfte mit darüberstehenden Texten und Glossen; 35v–56r ebenfalls 150 × 150 mm große Zeichnungen, rahmenlos, mit einer gelegentlichen einzeiligen Überschrift und ansonsten unterhalb der Zeichnung stehenden mehrzeiligen Beitexten.

Bildaufbau und -ausführung:

Zeichner I mit groben, statischen Figurendarstellungen, unbeholfenen Gesichtszeichnungen sowie grober, flächiger Kolorierung; Figuren auf angedeuteten Rasengrund gestellt, auffällig mehrere kleine Beizeichnungen auf dem Rasengrund (1r Kröte, 2r Gesicht, 4r Salamander), regelmäßig Bleistiftvorzeichnungen erkennbar; Zeichner II: mit wenigen Strichen konturierte Figuren und grobe, nur angedeutete Gesichtszüge, Kolorierung flächig, an den Rändern jedoch mit dunkleren Mischungen schattierend, Figuren frei im Raum stehend; Zeichner III mit etwas dynamischeren Figuren und präziseren Gesichtszeichnungen, Figuren flächig koloriert, jedoch mit reichen Schraffuren abschattiert, alle Figuren auf einen ockerfarbenen Rasengrund gestellt, auffällig eine Figur 10r mit den Buchstaben A bis H auf der Kleidung (Abb. 3); 13v und 14r etwas sorgfältigere Personenzeichnung mit Andeutungen reich verzierter und geschlitzter Kleidung, beide Figuren hier in gestreifter Kleidung mit turbanartiger Kopfbedeckung auf einen grün-rot gefliesten Boden gestellt; Zeichner IV mit einfach konturierten Figuren, flächig koloriert, gelegentliche Schraffuren, grobe Gesichtszüge, bis auf wenige Ausnahmen farblich abgesetzter geschlitzter Kleidung monochrom kolorierte Kämpfer; alle Figuren auf monochrom ockerfarbenen Rasengrund gestellt; Zeichner V mit kleinen statischen Figuren, schattierend koloriert, fast durchgehend mit Schraffuren versehen, auf angedeuteter Horizontlinie mit Schattenwurf; Zeichner VI mit dynamischen Ringerpaaren und klarem Sinn für die präzise Darstellung der einzelnen im Text beschriebenen Griffe; Figuren durchgehend auf Rasengrund mit stilisiertem Pflanzenwuchs gestellt, beide in enganliegender Kleidung, schattierend koloriert, mit zusätzlichem Einsatz von Schraffuren; Kämpfer durchgehend individualisiert: eine Figur jeweils in gelber Kleidung mit dunkler Haar- und Barttracht, der andere Kämpfer rot gekleidet, blond und bartlos; der gelb gekleidete Kämpfer trägt fast durchgehend an Brust oder Arm ein Zeichen (Krone mit gekreuzten Schwertern?), das 42r (Abb. 4) durch ein aufrecht stehendes B ersetzt wird.

Bildthemen:

Durchgehend Fechter- bzw. Ringerpaare in verschiedenen Stellungen; unmittelbare Bildvorlagen sind nicht auszumachen; zu einzelnen Texten sowie zur programmatischen Ausrichtung der Handschrift existieren jedoch Vorläufer, so findet sich etwa neben der häufig überlieferten Fechtlehre ›Die Eiserne Pforte‹ (Nr. 2 und Nr. 5) ein Vorbild in Nürnberg, Hs. 3227a (siehe 38.1.4.), das auch noch den hier zusätzlichen Verfassernamen Döbringer beigesteuert haben könnte; zu Sieber (Nr. 3) existiert eine Parallelüberlieferung in der nicht illustrierten Handschrift Salzburg, Universitätsbibliothek, M I 29 (vgl. Hils [1985a] S. 113 ff.; Manfred Kern: Siber, Martin. In: 2VL 11 (2004), Sp. 1426 f.; jeweils mehrere hier vertretene Texte verweisen zurück auf Handschriften ähnlichen Spektrums, besonders nahe stehen dabei die nicht illustrierte Liechtenauer-Bearbeitung von Sigmund Ringeck (Dresden, Sächsische Landesbibliothek, C 487) sowie die mit Abbildungen versehene Fassung in der Bearbeitung des Peter von Danzig (Rom, Corsiniana, 44.A.8; siehe 38.9.9.).

Farben:

Ocker in verschiedenen Tönungen, Blau, Rot, Braun, Gelb, Grün.

Literatur:

Anglo (2000) S. 359, Abb. XVIII (44r). XIX (51r). XX (54v). XXI (53r). XXV (16v). XXVI (17r). XXVII (17v). XXVIII (19v).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 3: 10r. Johannes Liechtenauer, ›Kunst des langen Schwerts‹, in der Bearbeitung von Sigmund Ringeck: Fechten mit dem langen Schwert.

Abb. 4: 42r. Ringerlehre: Ringen und Werfen.

Abb. 3.
Abb. 4.