106.3.6. Heidelberg, Universitätsbibliothek, Cod. Pal. germ. 167
Bearbeitet von Dagmar Hüpper
KdiH-Band 10
Anfang 14. Jahrhundert.
Herzogtum Braunschweig-Lüneburg.
Seit 1556/59 für Heidelberg nachweisbar, zwischenzeitlich (1623–1816) in Rom.
| 1. | 1ra |
Raimundus de Pennaforti, ›Summula de consanguinitate‹
Fragment
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| 2. | 2ra–158rb |
Eike von Repgow, ›Sachsenspiegel‹ und ›Schwabenspiegel‹ Landrecht
Artikel beider Werke im Wechsel; mit Register (2ra–7va) und systematischem Register (7va–10va) zum ›Ssp‹ sowie Register zum ›Swsp‹ Landrecht (11ra–14vb), Vorreden (15ra–16vb)
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Pergament, 4 + 158 + 2 Blätter, 365 × 275 mm, Textura, eine Hand (Nachtragshand Bastarda), zweispaltig, Registerteil ›Swsp‹ dreispaltig, 30–31 Zeilen im ›Ssp‹, 39–40 Zeilen im ›Swsp‹, Flechtbandinitialen vor Goldgrund (18ra, 113ra), eine goldene Intiale (18rb), fünf sechs- bis achtzeilige Initialen (2ra, 3va, 5rb, 15ra, 17ra) mit »ornamental gespaltenem Buchstabenstamm« (
niederdeutsch (ostfälisch).
Eine Miniatur (18ra) und eine historisierte Initiale (70va). Zahlreiche Leerräume zwischen roten Überschriften und Kapitelanfängen, möglicherweise für Initialen. – Christliche Ikonografie und Verfassungsrecht.
Eine elfzeilige Deckfarbenmalerei auf quadratischem Goldgrund in rot-weiß-blauem Rahmen, spaltenbreit (18ra), eine sechszeilige Initiale, doppelt gerahmt auf Goldgrund, etwas mehr als die Hälfte der Spaltenbreite einnehmend (70va). Die Darstellung erscheint vor der Überschrift Von tuen suerden am Beginn von ›Ssp‹ Ldr. I 1, der vorstehende Text gehört zum Vorwort c des ›Schwabenspiegels‹; in beiden Textstücken geht es um die Zwei-Schwerter-Lehre (vgl. zu diesem Thema die Einleitung zur Stoffgruppe 106.).
Die Figuren sind schlank und groß, ihre Körper in angedeuteter S-Form und mit ausgestellten Füßen. Besondere Sorgfalt wurde auf die Ausmalung gelegt, insbesondere auf die verschiedenen Muster und Stoffe der Ornate (Obergewand Christi mit seidenartigem Schimmer). In beiden Darstellungen ist Wert auf Symmetrie gelegt.
18ra: In der Mitte steht Christus und reicht einem Geistlichen (Bischofsmütze, Stab) und einem Herrscher (Bügelkrone, Zepter) je ein Schwert, alle drei stehen auf Podesten, Christus leicht erhöht. Die Empfänger wurden durch Schriftbänder identifiziert, der linke als Bischof von Rom (Sanctus Petrus papa), das den weltlichen Herrscher benennende Schriftband ist radiert.
70va: In der Initiale W, die aus einem blauen und einem roten V gebildet wird, stehen sich zwei kostbar gekleidete Personen mit Grafenhut gegenüber. Sie halten je ein senkrecht stehendes Schwert und reichen sich über den Buchstabenbalken hinweg ihre rechten Hände. – Das Bild gehört zu der Bestimmung, nach der es sich um eine Verschwörung gegen das Reich handelt, wenn Fürsten oder Herren ein Bündnis mit Eid schließen, ohne dass sie das Reich dabei ausdrücklich ausnehmen (Ldr. II 1). Das Bündnis wird hier durch einen ebenfalls rechtsgültigen Handschlag besiegelt. Zu weiteren Text-Adaptionen vgl. auch die Untergruppeneinleitung Nr. 106.3.
Gold, Rot, Blau, Weiß, Schwarz, helle Pastelltöne.
Abb. 134: 18r. Christus, Geistlicher und Herrscher (Zwei-Schwerter-Lehre).