106.3.14. Leipzig, Universitätsbibliothek, Rep. II. 15
Bearbeitet von Dagmar Hüpper
KdiH-Band 10
1461 (291rb).
Leipzig (?).
Vermutlich aus dem Nachlass des Christoph Zobel († 1560 Leipzig) an die Stadtbibliothek gelangt, Leihgabe der Stadtbibliothek.
| 1. | 1r–v |
Eidesformeln der Richter, Schöffen und Schöffenschreiber
das Blatt ist jetzt verloren
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| 2. | 2ra–298va |
Eike von Repgow, ›Sachsenspiegel‹ Landrecht mit Bocksdorfscher Glosse
mit Prolog (2ra–3vb) und nachgestelltem Register (292ra–298vb); Additionen am Rande
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| 3. | 299r–301r |
Wiedertäuferordnungen Kaiser Karls V. und Georgs von Sachsen
30.3.1514 und 23.12.1534
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| 4. | 301r | Judeneid |
| 5. | 301r–v |
Schöffenspruch aus Magdeburg
17.3.1540
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Papier und Pergament, I + 300 + I Blätter, 405 × 285 mm, Bastarda, eine Hand, zweispaltig (160r einspaltig), 41 Zeilen (ab 299r Nachtragshände 16. Jahrhundert, Kanzleischrift, einspaltig, 34–41 Zeilen), Zierinitiale am Beginn von Buch 2 (78rb), Lombarden, Fleuronné, Rubrizierung.
ostmitteldeutsch.
Drei historisierte Initialen in Deckfarbenmalerei (2ra, 4ra, 160r), vermutlich aus der Leipziger Pfauenwerkstatt (160r Pfau mit aufgestelltem Rad); vgl. auch Nr. 106.3.13. – Verfassungs- und Strafrecht.
Zwei etwa zehnzeilige spaltenbreite Initialen am Beginn von Vorrede und Buch 1 sowie eine größere, etwa halbseitige (155 × 169 mm) Initiale zu Buch 3 (160r).
Die Initialen auf Goldgrund sind mit aufwendigem Rankenwerk verziert, dabei farblich unterschiedlich ausgestaltet. Die Zeichnung ist mit feinem Pinsel ausgeführt, die Gesichter sind differenziert gestaltet, die Stoffe (Pelz, Hermelin, Brokat) sorgfältig wiedergegeben. Höhungen und Schattierungen schaffen weiche Rundungen. Die Darstellung der Burg (160r) erinnert in ihrer kubischen Gestaltung an Nr. 106.3.13. Die Attribute der geistlichen wie weltlichen Herrschaft (Kreuz bzw. Schwert) werden überproportional groß dargestellt.
2ra: In der D-Initiale sitzt der Herrscher (Bügelkrone, Schwert) mit übereinandergeschlagenen Beinen auf einer Thronbank und erhält von einer vor ihm knienden Person einen roten Codex. – Übergabe des ›Ssp‹ durch den Autor Eike von Repgow zu Beginn des Gebets im Prologus (Autordedikation).
4ra: In der C-Initiale stehen links der Papst (Tiara, Kreuz) und rechts der Herrscher (Bügelkrone, Reichsapfel, Schwert) und blicken sich an. Der Herrscher hat den Kopf leicht gebeugt (Ehrerbietungsgestus?). – Es handelt sich um eine Verbildlichung der Zwei-Schwerter-Lehre (zu Ldr. I 1; siehe Einleitung 106.).
160r: In der U-Initiale marschiert ein Trupp mit Lanzen Bewaffneter, angeführt von einem gerüsteten Fahnenträger (Standarte mit schwarzem Adler auf rotem Grund), zu einer Burg. Vor der Burg ein Torhaus und eine herabgelassene Zugbrücke. Möglicherweise ist der gelbe Rankenausläufer am Dachstuhl als Feuer zu deuten (vgl. die eindeutige Darstellung des Feuers an derselben Stelle in der ebenfalls 1461 in der Pfauenwerkstatt entstandenen Handschrift Nr. 106.3.13.). – Buch 3 (Ldr. III 1) beginnt mit der Regelung, dass keine Burg und kein Dorf gewaltsam zerstört werden dürfe, es sei denn, in ihren Mauern sei eine (Jung-)Frau vergewaltigt und der Vergewaltiger überführt und gefunden worden (Wüstung einer Burg).
Gold, verschiedene Rot-, Blau-, Grüntöne, Braun, Grau, Rosa, Gelb.
Abb. 131: 160r. Wüstung einer Burg.