KdiH

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75.0.4. Linz, Oberösterreichische Landesbibliothek, Hs. 471

Bearbeitet von Ulrike Bodemann

KdiH-Band 8

Datierung:

Um 1434–48 (Wasserzeichendatierung Saurma-Jeltsch [2001]).

Lokalisierung:

Hagenau, Werkstatt des Diebold Lauber.

Besitzgeschichte:

Aus dem Benediktinerstift Gleink in Oberösterreich (frühneuzeitlicher Besitzvermerk 1r). Zuvor im Besitz eines Johannes Widmer (Wappenexlibris im Vorderdeckel).

Inhalt: Lektionar mit Glosse
1ra–311vb Temporale
Evangelien-, Epistel- und Lesungsperikopen der Sonn-, Fest- und Wochentage, mit Glosse des ›Heidelberger Typs‹ an den Sonntagen
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, noch II + 311 + II Blätter (jeweils zwei Einzelblätter auf einen Falz geklebt, so dass daraus ein Bogen entsteht; mehrfach verbunden, Blattverlust vor Bl. 1, die richtige Blattfolge von 1 bis 12 lautet: 11, 10, 2–9, 1, 12; es fehlen einzelne Blätter zwischen 63 und 64, zwischen 89 und 90 sowie zwischen 207 und 208; die richtige Blattfolge von 245 bis 278 lautet: 245, 274, 269–273, 255–268, 246–254, 275–278, dabei fehlen Blätter vor 269 und 275, Bl. 309–311 nur fragmentarisch erhalten), 360–365 × 265–275 mm, Bastarda, ein Schreiber: Ulrich Kisling (?; der Namenseintrag Vͦlrich kisling [oder kislintz ?] 311v wird bislang ohne weitere Anhaltspunkte für eine Schreibersignatur gehalten), zweispaltig, 31–34 Zeilen, rote Überschriften, Strichel, im Wechsel rote und blaue Lombarden mit Aussparungen.

Schreibsprache:

elsässisch.

II. Bildausstattung:

Noch 49 kolorierte Federzeichnungen (die Reihenfolge ist wegen Blattverlusts und Fehlbindungen gestört, hier in rekonstruierter Folge mit Angabe von Verlusten): 11v, 4v, [ ], 13r, 22r, 23v, 26r, 29r, 34r, 38r, 42v, 46r, 48r, 53r, 57r, [ ], 73r, 85r, [ ], 110r, 120r, 169v, 178r, 182v, 187r, 191v, 195v, 201r, 204r, [ ], 211r, 220r, 226r, 231r, 235r, 239r, 243v, [ ], 274v, [ ], 271r, 255v, 259r, 263r, 246v, 250r, 254r, 287r, 290v, 294r, 297r, 300v, 304r, 307r, 310v. Gruppe A der Lauberwerkstatt.

Format und Anordnung:

Ungerahmte Federzeichnungen über beide Schriftspalten, stets vor Beginn der zugehörigen Evangelienperikope der Sonn- und Festtage, mit Titulus, der zugleich die Perikopenüberschrift ist. In der Regel über ca. drei Viertel der Schriftspiegelhöhe, damit in deutlich größerem Format als die Zeichnungen derselben Zeichnergruppe in Köln, Best. 7010 (W) 251 (Nr. 75.0.3.).

Bildaufbau und -ausführung:

Sehr deutlich orientiert an der Kölner Handschrift Best. 7010 (W) 251 (Nr. 75.0.3.), die meisten Darstellungen sind nur leicht variierte, manchmal seitenvertauschte Repliken der Kölner Federzeichnungen; gelegentlich sind die Figuren etwas anders arrangiert, tendenziell neigt die Linzer Handschrift zu mehr Kulissen (z. B. mehr Bildfüllung im Mittelgrund: 57r burgartiges Gebäude) wie auch zu stärker pointierten Charakterisierung der Figuren (z. B. Johannes der Täufer: 13r mit wesentlich kräftigerem Fellgewand). Im Umgang mit der Darstellung der Erscheinung Jesu offenbart sich die Absicht, die Bildkonzeption zu harmonisieren: Anders als in der Kölner Handschrift, in der die Erscheinungsdarstellung durch ihre individuelle Rahmung wie ein Fremdkörper wirkt, ist sie hier (178r) völlig dem Aufbau der übrigen Illustrationen angepasst.

Bildthemen:

vgl. die Bildthemenliste bei Saurma-Jeltsch (2001). – Der Zyklus war in Umfang und Anordnung ursprünglich identisch mit der Kölner Bildfolge, wegen Blattverlusts fehlen Köln 17r (Geburt Jesu), Köln 55r (Versuchung Jesu in der Wüste), Köln 80r (Speisung der 5000), Köln 153v (wundersame Brotvermehrung), Köln 173v (Jesus spricht zu den Jüngern), Köln 176v (Auferweckung des Jünglings von Nain).

Anders als in der älteren Kölner Handschrift werden in der Linzer Folge Gleichnisillustrationen mit Hilfe des Bildstereotyps ›Jesus spricht zu seinen Jüngern‹ mehrfach durch andere Darstellungen ersetzt. Wo Köln 158r zu Jesu Gleichnis vom untreuen Verwalter (Lc 16,1ff.) das genannte Bildstereotyp verwendet, thematisiert Linz 255v das Gleichnis selbst: In synchroner Darstellung sind Herr und Verwalter sowie Verwalter und Schreiber gleichzeitig zu sehen. Ähnlich Linz 231r (Gleichnis vom Gastmahl, Lc 14,16ff.) gegenüber Köln 217v, Linz 304r (Gleichnis vom guten und schlechten Knecht, Mt 18,22ff.) gegenüber Köln 195v. Zur Pfingstperikope Io 14,23ff. zeigt Linz 211r gegen Köln 205r ebenfalls nicht Jesus und seine Jünger, sondern (ohne unmittelbaren Bezug zur Perikope) das traditionelle Pfingstmotiv selbst (Herabkunft des Heiligen Geistes auf Maria und die Apostel). Bei einer anderen Themenvariierung zeigt Linz eine stärker moralisierende Tendenz: Köln 214v illustriert das Gleichnis vom reichen Prasser und armen Lazarus (Lc 16,19ff.) durch die Gegenüberstellung des an einer reichen Tafel sitzenden Prassers mit dem im Dreck liegenden und von einem Hund belästigten Armen, während Linz 226r den Reichen bereits im Höllenschlund, den Armen aber im Schoß des himmlischen Jesus zeigt. Insgesamt wirkt die Linzer Handschrift wie eine Fortentwicklung der Kölner.

Farben:

Braun, Rostbraun, Grün, Olivgrün, helles Violettrot (Altrosa), Blau, Ocker, Grau, Rot, Schwarz.

Literatur:

Schiffmann (1935) Nr. 187. – Tausend Jahre Oberösterreich (1983) Bd. 2, S. 99, Nr. 61 (Kurt Holter); Saurma-Jeltsch (2001) Bd. 1, S. 284, Bd. 2, S. 79f.; Von der Schatzkammer (2009) S. 60 (Katharina Hranitzky); Vielseitig! (2015) S. 56, Nr. 22 (Katharina Hranitzky).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 100: 178r. Ungläubiger Thomas (Io 20,19ff.: 1. Sonntag nach Ostern).

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Abb. 100.