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KdiH

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63.3.1. Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Ms. germ. fol. 733

Bearbeitet von Ulrike Bodemann

KdiH-Band 7

Datierung:

Um 1440.

Lokalisierung:

Bayerischer Raum.

Inhalt:
1r–13v ›Antichrist-Bildertext‹
1r–10v Vom Antichrist, Anfang fehlt
11r–12v Die Fünfzehn Zeichen vor dem Jüngsten Gericht, Anfang fehlt
13r–v Vom Jüngsten Gericht
I. Kodikologische Beschreibung:

Pergament, noch 15 Blätter (Blatt 10 vor Blatt 9 eingebunden), 290 × 210 mm, einspaltig, 11r–12v zweispaltig (Text- und Bildspalte), einzige erhaltene Textseite 13r 32 Zeilen, sorgfältige kalligraphische Bastarda, wohl ein Schreiber, rote Lombarden über zwei Zeilen, rote Strichel. 1r und 13v sehr abgeschabt (offenbar langjährige Aufbewahrung ohne Umschlag/Einband).

Schreibsprache:

(mittel-)bairisch.

II. Bildausstattung:

Noch 48 kolorierte Federzeichnungen, eine Hand bzw. Werkstatt.

Format und Anordnung:

Zum Antichrist 1r–8v je zwei halbseitige querrechteckig gerahmte Bilder mit zwei- bis vierzeiligem Text als Bildüberschrift, 9r–v ganzseitig ungerahmt mit Bildüberschriften, 10r wieder zwei halbseitige Bilder mit Bildüberschrift, jedoch ungerahmt, 10v ein halbseitiges gerahmtes Bild zwischen dem Text; 13v erneut ganzseitig ungerahmt mit Überschrift. Zu den Fünfzehn Zeichen 11r–12v zweispaltig angelegte Seiten, rechts in drei Registern querrechteckige ungerahmte Bilder mit zugehörigem Text in der linken Spalte, bündig mit dem oberen Rand der Bilder beginnend. Aus der Tatsache, dass die Bilder, insbesondere die gerahmten, sehr gerade auf das Pergament platziert sind, die Textzeilen jedoch meist nach rechts abfallen, und dass sich Schrift und Bildrahmen gelegentlich überlappen, lassen sich wohl keine Schlüsse ziehen.

Bildaufbau und -ausführung:

Nach Wegener (1928, S. 61) »bayerische Werkstattarbeit aus der Zeit um 1440–1450«, stilistisch eher in die Frühzeit dieser Dekade anzusiedeln. Federzeichnung, in deckenden und lavierten Farben ausgemalt, modelliert wird mit Farbschattierungen und (sparsam) mit Deckweißhöhungen, nicht mit Binnenzeichnung, zum Schluss sind mit schwarzer Feder nochmals Akzentuierungen (Augen) nachgetragen und einzelne Konturlinien verdeutlicht. Die querrechteckigen Bildrahmen erhalten oft durch Wechsel von hellen und dunklen Farbabtönungen Plastizität, mehrfach überschneiden einzelne Bildelemente den Rahmen und treten so aus der Bildfläche hervor, manchmal ist die Einrahmung auch völlig aufgebrochen (3r oben, 3v oben: Gebirgsformation ersetzt den seitlichen Rahmen). Innerhalb der Bildfelder werden meist zwei bis drei Schwerpunkte in der Horizontale gesetzt, so dass sich eine gleichmäßig gruppierte Verteilung der Szenen und Akteure in der Flächenaufteilung 1:1 oder 1:2 ergibt, nicht selten sind diese Zonen durch Architektur- oder andere Elemente voneinander getrennt. Boden flächig laviert, selten ist Bewuchs mit Pinselstrichen markiert; Hintergrund nicht angegeben. Erzählfreudige Personen- und Szenendarstellung, Figuren sind durch Kleidung (Könige in Gewändern mit Rankenornamentik), Hüte, Waffen und andere Requisiten individualisiert und agieren in lebhafter Körpersprache. Der Antichrist und seine Jünger mit Glorienschein, der Antichrist meist von einem kleinen vogelartigen Dämon begleitet.

In der ikonographischen Ausgestaltung steht die Handschrift dem Münchener Cgm 426 (Nr. 63.3.5.) am nächsten, der vermutlich nach Vorlage der Berliner Handschrift bebildert wurde (so auch Schmitt [2004] S. 417, Wagner [2016] S. 36–38); daraus könnte die Vermutung abgeleitet werden, dass der fragmentarische Berliner Codex ursprünglich Teil einer umfangreicheren Handschrift war, die auch die ›Konstanzer Weltchronik‹ enthielt. Wegen der Ausführungsqualität sind hier die Charakterisierungen der fremdländischen Anhängerschaft des Antichrist am besten zu erkennen (Libyer mit messerklingenartig aus dem Mund ragenden Zungen [Schnabelmenschen (?), wie sie etwa in Mandevilles Reisebericht erwähnt und gelegentlich bildlich dargestellt werden, vgl. St. Gallen, Stiftsarchiv, Cod. Fab. XVI (Nr. 63.3.7.), 84va], ihr Zug begleitet von einem Elefanten, der auf seinem Rücken ein Haus trägt; Mohren begleitet von auf einem Bock reitenden Acephalen/Blemmiern [gelten als Gefolge von Gog und Magog]); siehe auch Nr. 63.3.4. und 63.3.5. Zur Kennzeichnung der drei Völker auf 4r durch die Blasonnierung der Banner (Kopf mit Phrygiermütze [?], Kopf mit Turban, Mohrenkopf) vgl. zusammenfassend Strickland (2003) und Strickland (2013).

Bildthemen:

Siehe Bildthementabelle der Einleitung zur Untergruppe 63.3. Die Themengestaltung, die die Gruppe Berlin, Ms. germ. fol. 733 / Klosterneuburg, Cod. 1253 / München, Cgm 426 übereinstimmend vertritt, ist in der Berliner Handschrift vermutlich in größter Authentizität sichtbar.

Farben:

Grün, Violettrot, Blau, Rot, Ockergelb, Schwarz, Umbra.

Literatur:

Degering 1 (1925) S. 97. – Wegener (1928) S. 59–61, Abb. S. 127 (4v unten); Oswald Erich: Antichrist (Antenchrist, Entkrist, Endechrist, Widerchrist). In: RDK 1 (1937), Sp. 720–729, hier Sp. 724, Abb. 6 (9v Ausschnitt), 7 (9v Ausschnitt); Simon (1978) S. 173–176; Steffen (1979) S. 97, Abb. 9 (3r), 10 (10r); Gerhardt/Palmer (2000) K 16a; Schmitt (2004) S. 408 u. ö.; Debra Higgs Strickland: Saracens, Demons, & Jews. Making Monsters in Medieval Art. Princton 2003, S. 82, 227f., Abb. 121 (4r Ausschnitt), 122 (4r Ausschnitt), Farbtaf. 4 (4r); dies.: Saracens, Eschatological Prophecy, and Later Medieval Art. In: Abendländische Apokalyptik. Kompendium zur Genealogie der Endzeit. Hrsg. von Veronika Wieser u. a. Berlin 2013, S. 505–520, hier S. 519f., Abb. 38 (4r Ausschnitt); Wagner (2016) S. 32–36 u. ö., Abb. 4 (12v).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Taf. XVIIa: Berlin, Ms. germ. fol. 733, 8v. Christen kehren zurück / Engel erweckt Elias und Henoch von den Toten.

Taf. XVIIa.