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39.1.5. Leeds, Royal Armouries, Inv. No. I/34

Bearbeitet von Rainer Leng

KdiH-Band 4/2

Datierung:

Um 1450, Wasserzeichen Turm Piccard 3, II,307 (Forchenberg, Göttingen, Öhringen 1450), Ochsenkopf Piccard 2,3, XII,486 (Augsburg, Nürnberg u. a. 1447–1450); Kreuz Piccard 11, II,314 (Eichstätt 1451); um 1450, Süddeutschland (Barter Bailey [1996] S. 57).

Besitzgeschichte:

Ältere Herkunft unbekannt; erstmals belegt in der Sammlung des Franz Ritter von Hauslab in Wien (Schneider [1868] S. 125–127 [Nr. 1–2]), dessen Bibliothek nach seinem Tod 1883 an die Fürsten von Liechtenstein verkauft wurde (vermutlich die bei Kristeller 4 [1989] S. 316 als fehlend verzeichnete Handschrift 165-5-5, Feuerwerksbuch s. XV); seit 1950 London, The Armouries of the Tower of London, von dort 1996 in die Royal Armouries Library nach Leeds abgegeben; im vorderen Innendeckel Exlibris im Ex Libris Liechtensteinianis des Franz Josef II., Fürst von Liechtenstein (1938–1989) und ältere Signatur Fach IV. 4. 14. sowie weitere divese Notizen zum Inhalt (19. Jahrhundert).

Inhalt:
1. 1r–51r ›Feuerwerkbuch von 1420‹, nicht illustriert

›Welich furst graff herr ritter knecht oder stet besorgent vor iren feinden … liestu es gar plaube werden so wird es gar waich. Et sic est finis.‹

2. 52v–61r Anonymes Büchsenmeisterbuch, nicht illustriert

›Wiltw ein hoflich kwnst machen …vn kul die pusch damit ab so scheust dw on alle sorg das der pusche kein schade prengt.‹ 61v–83v leer

3. 84r–114r Anonymes Büchsenmeisterbuch, Bildkatalog zu Nr. 2

84r Ersteigen einer ummmauerten Stadt

84v Transportwagen

85r Belagerungsszene

85v Abwiegen von Pulverbestandteilen, Anfertigung von Sprengbomben

86r Belagerung einer befestigten Stadt mit Feuerwaffen

86v Abwiegen von Pulverbestandteilen, Anfertigung von Feuerfässern

87r Manuell betriebene Pulverstampfe, am linken Rand Sanduhr zur Arbeitszeitmessung?

88v–89r Anfertigung von Feuerpfeilen und Sprengbomben in arbeitsteiligen Prozessen (Vorproduktion der Ladungen durch Modeln, Schäften, Wickeln, Tauchen), teilweise von Frauen ausgeführt

89v Destillation

90r Annäherung unter geflochtenen Körben und Einsteigen in eine Burg ähnlich ›Bellifortis‹, Quarg (1967) 50r und 67v

90v–92r Verschiedene feste und fahrbare Schutzschilde, teilweise ähnlich ›Bellifortis‹, Quarg (1967) 34r, 40r

92v, 93r Geschützbohrmaschinen

93v, 94r Steigzeug, teilweise ähnlich ›Bellifortis‹, Quarg (1967) 69r, 71r

94r–95v Sprengbomben

96r–101v (mit fehlenden Blättern) fahrbare Geschütze, Mehrfachgeschütze, Mörser, Hebezeug, Legestücke mit Rückstoßdämpfung, Feuerfässer

102r ausfahrbare Brücke ähnlich ›Bellifortis‹, Quarg (1967) 87v vor einer Burg mit Wassergraben

102v Steigleiter in einem aufklappbaren Gehäuse

103rv fahrbare Schutzschirme aus Brettern oder Weidengeflecht

104r Zimmermannssäge?

104v Hebezeug

105r–108r fahrbare Geschütze, teilweise in schematischer Darstellung, teilweise in Einzelteile zerlegt

108v Schleif- und Poliervorrichtung für gegossene Geschützrohre?

109r Stampfe

109v Anschleichen an eine Burg unter geflochtenen Weidekörben ähnlich ›Bellifortis‹, Quarg (1967) 50r; 110r leer

111r–112v Vorrichtungen zum seilzuggesteuerten Öffnen und Schließen von Türen und Fenstern, mit Einzelteilen

113r–114r Saugpumpen, betrieben mit Kugelkette oder Ventilstößel, mit Darstellung von Einzelteilen, folgen 6 leere Blätter

I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 140 Blätter (je ein nicht foliiertes Vor- und Nachsatzblatt; Foliierung in lateinischen Ziffern von Hand II; zu fehlenden Blättern Barter Bailey [1996] S. 57), 300 × 215 mm; 2 Hände, Hand I 1r–51r, Bastarda, regelmäßig 22 Zeilen, zwei- bis dreizeilige Lombarden, Hand II 52v–61r, Bastarda mit kursiven Elementen, 27–32 Zeilen, drei- bis vierzeilige Lombarden.

Schreibsprache:

bairisch.

II. Bildausstattung:

54 Seiten mit meist einer, gelegentlich mehreren Zeichnungen von einer unbekannten Hand 84r–114r, wahrscheinlich übereinstimmend mit Schreiber II, da Text eng zusammenhörig mit dem folgenden Bildkatalog, zahlreiche interne Verweise auf den Text und die Bilder (z. B. 55v in der Beschreibung einer Feuerkugel finst an dem xxxxv plat gemolt).

Format und Anordnung:

Sämtliche Zeichnungen in ca. 260 × 175 mm großen Rahmen aus einfachen Tintenlinien, jeweils auf eigener Seite, ohne Beischriften.

Bildaufbau und -ausführung, Bildthemen:

Nur selten Architekturrahmen, Landschaftsvordergrund ausschließlich bei der Illustration von Belagerungs- oder Einsteigtechniken, ansonsten sämtliche Geräte in einfacher seitlicher Darstellung oder Aufsicht und ohne Horizontlinien oder Rasengrund; auffällig sind dabei die groben und schematischen Personendarstellungen sowie die perspektivischen Schwächen; teilweise werden vorne liegende Bauteile nicht ausgeführt, teilweise überdecken hinten liegen Bauteile die vorderen; nur ausnahmsweise etwa Darstellung von Rädern in korrekter Perspektive ( 84v), meist jedoch in geklappter Perspektive (92r, 92v, 96rv, 103r, 105r); mehrfach werden zur Verdeutlichung der Abfolge einzelner Arbeitsschritte mehrere chronologisch aufeinanderfolgende Arbeitsschritte auf einem Blatt bzw. über Seitenfolgen dargestellt (z. B. Feuerpfeilfertigung 88v–89r), gelegentlich erfolgt Darstellung in Schnittzeichnung (Sprengbomben 94r–95v); auffällig eine häufig grob schematische Darstellungen mit isolierter Präsentation einzelner Bauteile (99r, 100v, 106rv, 111r–112v); die Handschrift beruht offenbar nicht auf der Übernahme größerer Bildkomplexe aus existierenden Vorlagen, sie stellt ein Einzelstück dar, das auch von späteren Werken nicht aufgegriffen wurde; lediglich stellenweise ist die abändernde Verwendung von Vorlagen aus dem ›Bellifortis‹ erkennbar; in der schematischen und perspektivlosen Zeichenweise liegen die Bilder nahe am ›Hussitenkriegsingenieur‹, sind jedoch in den dargestellten Techniken ausgefeilter; insbesondere in den Geschützdarstellungen, Pulverstampfen und Pumpsystemen sowie beim Steigzeug gibt es Ähnlichkeiten zum späteren Formschneider-Komplex; die Texte in Nr. 2 konzentrieren sich auf Feuerwerksrezepte mit Schwerpunkt auf Feuerkugeln und Feuerpfeilen (Beschreibungen bei Schneider [1868] S. 125f. und Barter Bailey [1996] S. 58).

Farben:

Rot, Schwarz, Blau, Grün, Mischungen.

Literatur:

Barter Bailey (1996) S. 57–86, Abb. 1 (109v). 2 (135r). 3 (86r). 4 (90v). 5 (83v). 6 (102v). 7 (94r). 8 (113v). 9 (114r). 10 (99v). 11 (104v). 12 (109r). 13 (96r). 14 (101r). 15 (105r). 16 (92v). 17 (93r). 18 (108v). 19 (94v). 20 (105v). 21 (85v). 22 (86v). 23 (87r). 24 (87v). 25 (88r). 26 (89r). 27 (89v).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus