Project icon

KdiH

_ (der Unterstrich) ist Platzhalter für genau ein Zeichen.
% (das Prozentzeichen) ist Platzhalter für kein, ein oder mehr als ein Zeichen.

Ganz am Anfang und ganz am Ende der Sucheingabe sind die Platzhalterzeichen überflüssig.

ß · © ª º « » × æ œ Ç ç č š Ł ł ́ ̀ ̃ ̈ ̄ ̊ ̇ ̋ ͣ ͤ ͥ ͦ ͧ ͮ Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ σ ς τ υ φ χ ψ ω ͅ ̕ ̔

39.1.3. Gießen, Universitätsbibliothek, Hs. 996

Bearbeitet von Rainer Leng

KdiH-Band 4/2

Datierung:

Um 1450; Wasserzeichen Dreiberg ähnlich Piccard XVI,1, I,139, jedoch größer (Vicenza 1447, 1448), ähnlich Briquet 11849 (Form, Genua 1442) und 11850 (Größe, Genua 1451).

Lokalisierung:

Süddeutschland.

Besitzgeschichte:

Erstbesitzer und Auftraggeber unklar; das ›Regimen‹ Glöckners liegt hier in einer Abschrift des vom Nürnberger Rat in Auftrag gegebenen Werkes einschließlich der Zeichnungen vor (zu Glöckner und zum Auftrag des Rates vgl. Die Chroniken der deutschen Städte: Nürnberg 1. Leipzig 1862, S. 445 mit Anm. 2 und Die Chroniken der deutschen Städte: Nürnberg 2. Leipzig 1864, S. 98); Besitzereintrag im vorderen Deckel 1561 Christoffen Aüer zü gehörig, darunter Besitzeintrag und Altsignatur der Senckenberg-Bibliothek (Biblioth. Senk C. 12 [=112]), am unteren Rand Vermerk Senkenbergs: Codex olim Preuschenkianus, inde Schilterianus, unde etiam sunt notae, postea emtionis jure Senckenbergianus MDCCLX, nach Adrian (siehe unten Literatur) S. 304 aus der Bibliothek Friedrich Hortleders (1579–1640, ADB 13, S. 165–169), von diesem dann offensichtlich an seinen Schwiegersohn Zacharias Prüschenk (1610–1679, ADB 26, S. 676f.) übergegangen und über den Juristen Johann Schilter (1632–1705, ADB 31, S. 266–268) an Heinrich Christian Senckenberg (1704–1768, ADB 34, S. 1f.), in Familienbesitz bis zum Übergang der Senckenberg-Bibliothek (vor allem Juridica) an die Universitätsbibliothek durch Karl Renatus Freiherr von Senckenberg im Jahr 1800.

Inhalt:
1. 3r–17v Goldene Bulle Karls IV. (1356)
2. 18r–22r Register des Landrechts
3. 23r117r Schwäbisches Landrecht und Lehensrecht, mit Anhängen: Mainzer Landfrieden Friedrichs II. (1235), Landfriede Rudolfs I. für Franken und Rheinland (1235), Landfriede Albrechts I. (1298), Landfriede Ludwigs von Bayern (1323), Urkunde Friedrichs I. für München (1180)
4. 118r–127v Johann Glöckner, ›Regimen‹

›Item das Regimen ist der Stat geben worden von ainem erbern alten man der was von ainer Stat genant Sytaw vnd ist gelegen in Slesier land vor Symonis et Jude Apostolorum Anno domini Mo cco xliio. Das erst regimen. Ersamen herren, wie nu die new wild welt erdenken kann‹

129r–131v Bildkatalog zum Regimen
5. 132r–165r Oberbayerisches Landrecht (1346)
6. 166r–204r Münchener Stadtrecht
7. 205r–218v Handwerksordnungen (München)

›Incipiunt statuta super artes mechanicas et patent nominaliter etc. Pistores. Wann mein herren die purger mit allem fleiss darob seint gesessen, welch vorcht oder maisterschaft‹

I. Kodikologische Beschreibung:

Ein Blatt Pergament (1, leer) und 218 Blätter Papier (neuere Bleistiftfoliierung, ältere Tintenfoliierung noch vorhanden), 450 × 290 mm, Bastarda von einer Hand, mit Nachträgen und Kommentaren des 17. Jahrhunderts (wohl von der Hand Schilters), zweispaltig, 45–50 Zeilen, rubriziert, abwechselnd rote und blaue Lombarden, einfache Initialen mit Verschlingungen.

Schreibsprache:

bairisch.

II. Bildausstattung:

Zu den Rechtstexten insgesamt sechs aquarellierte Federzeichnungen zu den Textanfängen 3r, 23r, 89r, 135r, 170r, 205r (jeweils mit figürlichem Schmuck der folgenden ersten Initiale) aus einer unbekannten süddeutschen Werkstatt von hoher Qualität; dazu für das Kriegsregimen sechs Seiten mit Federzeichnungen 129r–131v von unkünstlerischer Hand (Schreiber?) mit Rubrizierungen.

Format und Anordnung:

Für das Kriegsregimen alle Zeichnungen auf eigener Seite ohne Überschrift, 129r–130v mit reicher Beschriftung in allen freien Teilen der Zeichnung, die weiteren Zeichnungen ohne Beschriftung, Größen 285 × 80 mm bis 350 × 290 mm.

Bildaufbau und -ausführung, Bildthemen:

129r–130v schematische Darstellungen einer Stadt bzw. eines Feldlagers und einer Schlachtordnung in Aufsicht von hoher Abstraktionskraft, jeweils mit ausführlicher Benennung der Verantwortlichen für die Viertel, weiterer Heeresämter, Waffengattungen etc.; 131rv schematische Darstellungen von Spießen, Armbrustbolzen und einer Hellebarde in einfacher seitlicher Ansicht; einfache umrißhafte Wiedergabe, bei den Stadt- und Lagerschemen aus einfachen Linien bestehend, die jedoch unter Zuhilfenahme von Zirkel und Lineal gezogen wurden; gelegentliche Verzierungen durch Kugelbänder und schriftbandartig ausgeformte Umrahmungen für Beischriften, Schattierungen durch sparsame Kreuzschraffuren; keine Kolorierung, jedoch gelegentlich mit roter Tinte (bei der Rubrizierung der Beischriften?) nachgefahrene Konturen. Das dem Nürnberger Rat als Auftragsarbeit Glöckners überstellte Original des Kriegsregimens, das der Giessener Handschrift als Vorlage diente, konnte durch Franz Fuchs (Würzburg) in der Handschrift Bibliotheca Apostolica Vaticana, Vat. Ross. 568 identifiziert werden; dort fehlen jedoch heute die zur Zeit der Niederschrift noch vorhandenen Abbildungen.

Farben:

Blau, Schwarz, Rot, Gelb, Grün, Ocker; 129r–131v Bildkatalog zum Regimen nicht koloriert.

Edition: Hiram Kümper: Regimen von der Wehrverfassung. Ein Kriegsmemorandum aus der Giessener Handschrift 996, zugleich ein Beitrag zur städtischen Militärgeschichte des 15. Jahrhunderts. Gießen 2005.

Literatur:

Johann Valentino Adrian: Catalogus codicum manuscriptorum Bibliothecae Academiae Gissensis. Frankfurt 1840, S. 302–304; Ulrich-Dieter Oppitz: Deutsche Rechtsbücher des Mittelalters. Bd. 2: Beschreibung der Handschriften. Köln, Wien 1990, S. 515 (mit der älteren Literatur).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 69: 129r. Johann Glöckner, ›Regimen‹: Schematische Darstellung einer zur Verteidigung in Viertel aufgeteilten Stadt.

Abb. 69.