KdiH

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20.0.4. Heidelberg, Universitätsbibliothek, Cod. Pal. germ. 466

Bearbeitet von Ulrike Bodemann

KdiH-Band 2

Datierung:

Um 1471–77.

Lokalisierung:

Schwäbisch.

Besitzgeschichte:

Die Besitzerschaft Margarethes von Savoyen, seit 1453 Frau Graf Ulrichs V. von Württemberg, (Wegener [1927] S. VII, 112) ist nicht erwiesen.

Inhalt:
1r–288v Anton von Pforr, ›Buch der Beispiele der alten Weisen‹
Hs. C
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 287 Blätter, gezählt 1–288, Blattzahl 82 ist ausgelassen, dazu Vorsatz- und Nachstoßblätter neuzeitlich foliiert (1*–5*, 289*–310*), 277 × 200 mm, Bastarda, ein Schreiber, einspaltig, 21–25 Zeilen, rote Strichel, Überschriften, an den Kapitelanfängen rote, blaue oder violettrote Initialen über sechs bis acht Zeilen, an Absatzanfängen über drei Zeilen, oftmals mit Federwerk. In der ersten Zeile der Seite manchmal kalligraphierte Majuskeln; gelegentlich auch im Text, wohl zur Kennzeichnung des Beginns wörtlicher Rede, farbige oder am Rand ausgeworfene kalligraphierte Majuskeln. Die Kapitelinitialen bilden die Akrostichen EBERHART GRAF Z WIRTENBERG ATTEMPTO (2r–38v), ANTHONYVS V PFORE (74r–96r).

Schreibsprache:

Schwäbisch.

II. Bildausstattung:

Titelbild (1v), 150 kolorierte Federzeichnungen im Text (3v, 6v, 8r, 16v, 19r, 20r, 25r, 27v, 29r, 33v, 36v, 39r, 40r, 41r, 43r, 45r, 46v, 47r, 49v, 50r, 53r, 55v, 57v, 62v, 63v, 64r, 65v, 66v, 68r, 70v, 71v, 72v, 73v, 75r, 76v, 77v, 79r, 80r, 81v, 84v, 85v, 86v, 89v, 91r,94r,97v,99v, 100v, 101v, 104r, 106r, 107r, 108r, 109v, 113r, 114r, 114v, 115v, 117v, 119r, 122r, 123r, 124v, 126r, 127r, 128v, 129v, 133v, 136v, 138r, 140r, 141v, 144v, 146r, 148r, 150r, 152r, 155r, 156r, 158v, 160r, 162v, 165v, 167v, 169r, 172r, 175v, 178r, 179r, 181r, 183r, 184v, 188r, 189r, 191v, 194r, 195v, 198r, 199v, 200v, 201v, 206v, 208v, 211r, 213r, 214v, 217r, 219r, 221r, 222v, 223v, 225v, 226v, 233v, 234v, 235v, 237r, 238r, 239r, 240r, 240v, 242v, 245r, 248r, 249r, 252v, 254v, 256r, 258v, 259r, 260r, 260v, 262r, 263r, 264v, 265v, 266v, 269r, 271r, 273r, 274v, 276v, 278r, 279v, 281r, 284r, 285r, 286v, 288v); 287r historisierte D-Initiale über sechs Zeilen; ein Zeichner, wohl identisch mit dem Illustrator von Cod.Pal.germ. 90 (Leben der Altväter, 1477) und Wolfenbüttel, Cod. Guelf. 1.11. Aug. 2o (Leben Jesu, 1471).

Format und Anordnung:

Mit Ausnahme des ganzseitigen Titelbildes in der Regel genau schriftspiegelbreit (ca. 110 mm) mit unterschiedlicher, durchschnittlich ½ bis ⅔ des Schriftspiegels umfassender Höhe (110–130 mm), zuweilen auch größer (175v: 150 mm) oder kleiner (172r: 65 mm); selten über den Schriftspiegel hinausragend. Häufig Bildbeischriften des Typs Sequitur fabule huius figura Ein figur als der hund den schatten sach des stucks (20r).

Bildaufbau und -ausführung:

Sehr präzise und in der Komposition durchdachte Federzeichnungen, wenig schraffiert; flächige Kolorierung in deckenden und lavierten Farben, selten ornamentierte Kleidung (262r); geringe Modellierung durch dunklere Abtönung. Gelegentlich mit Korrekturen an Position und Haltung von Figuren (45r Rabe, 148r Hasenkönig). Landschaft aus mehreren, in weichen Übergängen hintereinandergeschobenen Hügeln aufgebaut, hinter denen oft städtische oder dörfliche Häusergruppen sichtbar werden. Landschaftsbewuchs reduziert auf auffallende Baum- und Buschreihen, bestehend aus zusammenhängenden Stammreihen und zusammenhängenden Kronen (schwarzgrundig mit grünen Flecken). Innenräume sparsam ausgestattet. Figuren leicht gedrungen mit runden Gesichtern und rund hervorgehobenem Kinn, sprechender Gestik, nachvollziehbaren Bewegungen, die Mimik dagegen stereotyp und ausdruckslos; charakteristisch »die großen Augenlider, das dicksträhnige Haar und die vielen Gesichtsfalten« (Wegener [1927] S. 87).

Starke stilistische Entsprechungen zu den Ulmer Holzschnitten des ›Esopus‹ (Johann Zainer, um 1476).

Bildthemen:

Zentrale Situationen der Tiererzählungen, Fabeln und Exempel. Der Zyklus ist der umfangreichste der ›Buch der Beispiele‹-Überlieferung und hat entsprechend etliche individuelle Zusatzbilder. Neben der Einleitungserzählung über Berosias (Titelbild 1v: Berosias überreicht Anastres Taßri sein Buch) wird auch die Rahmenhandlung (König Dißles und der Weise Sendebar) aufgerufen: 240v (vor Kapitel XIII) Sendebar vor dem König, 287r (vor Kapitel XVII) Hüftportrait des Königs Dißles mit Zepter und Kugel als Initialfüllung. In der übrigen Bildthemenwahl abgesehen von den Zusatzbildern zahlreiche Überschneidungen mit den anderen Bildzyklen, doch werden die Themenstellungen durchwegs ganz unabhängig, gelegentlich eigenwillig umgesetzt; z. B. 25r (Gleichnis vom Menschengeschlecht) ist die Auslegung des Gleichnisses ins Bild gesetzt: der Mann wird vom Höllenrachen verschlungen; 71v (Meer und Vogelpaar) ist der Fürst des Meeres als Sirene aufgefaßt; 165v und 167v (Mausjungfrau, die sich den Mächtigsten zum Gatten wünschte) ist die Verwandlung der Maus bzw. des Mädchens als Hervorwachsen des Mädchens aus einem Mäuserumpf und umgekehrt der Maus aus einem Mädchenrumpf dargestellt. Auffallend die in der Überlieferung unikale unterschiedliche Charakterisierung von Kalila und Dimna: Dimna mit kräftigem Rumpf, rundem Rücken, nach vorn gewölbtem Halsansatz, Hundekopf mit hängenden Ohren und drei hochstehenden Haarsträhnen dazwischen, Füße mit zwei Klauen. Kalila mit schlankem, in den Lenden schmalem Körper, Rinderkopf mit Hörnern, hinten Hundefüße, vorn Adlerfüße.

Ikonographisch kaum Berührungen mit der Gruppe Chantilly, Cod.Pal.germ. 84, 85 und Holl (20.0.1., 20.0.2., 20.0.3., 20.0.c.), sporadische Verwandtschaft dagegen mit den Holzschnitten des Fyner-Drucks (20.0.a.), vor allem aber mit den Bildrubriken, die zum lateinischen ›Directorium vitae humanae‹ erhalten sind; z. B. gibt es zum lateinischen Bildtitel Figura arboris et illorum sociorum abscondencium argentum sub radice arboris (München, Clm 14 120, 48vb/London, Add. 11 437, 76rb) in der deutschen Überlieferung ein ausgeführtes Bild als Gegenstück nur im Cod.Pal.germ. 466 (77v), lediglich in thematischer Abwandlung noch im Druck Fyners (vgl. Schramm 9 [1926] Abb. 315).

Farben:

kräftige Palette, meist deckend sind Kupfergrün, Grasgrün, Kobaltblau, Zinnober, meist laviert sind Ockergelb, Karmin, Grau, Braun, Umbra.

Literatur:

Bartsch (1887) S. 141, Nr. 250. – Holland (1860) S. 195f. 199; Kautzsch (1894) S. 58; Benzinger (1914) S. 21; Weil (1923) S. 122f., Abb. 89 (201r); Wegener (1927 S. 91f., Abb. 82 (115v). 83 (106r). 84 (53r). 85 (262r); Lehmann-Haupt (1929) S. 171; Geissler (1963) S. 449; Fischel (1963) S. 71; Geissler (1974) S. 37f.; Württemberg im Spätmittelalter (1985) S. 136, Nr. 142.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 186: 27v. Der Flüchtling wird vor den Fischern von einer Mauer erschlagen.

Abb. 187: 85v. Kalila und Dimna.

Abb. 188: 184v. Der kranke Löwe und das Eselsherz: Der Löwe schwimmt im Wasser, der Fuchs sitzt beim toten Esel.

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Abb. 186.
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Abb. 187.
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Abb. 188.