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74.8. ›Südmittelniederländische Legenda aurea‹

Bearbeitet von Kristina Freienhagen-Baumgardt

KdiH-Band 8

»Der niederländische Sprachraum war ein außerordentlich fruchtbarer Boden für die volkssprachliche Hagiographie« (Williams-Krapp [1986] S. 53). Neben der Überlieferung von Einzellegenden zu Lokalheiligen, die sowohl in eigenständigen Sammlungen zusammengefasst als auch größeren Legendaren beigegeben wurden, fand auch die lateinische ›Legenda aurea‹ in der Übersetzung als ›Südmittelniederländische Legenda aurea‹ Verbreitung. Übersetzer war der sog. Bijbelvertaler van 1360, der durch einen Kolophon der Handschrift Brügge, Memling Museum, o.S., einer Abschrift des Originals, nachgewiesen ist. Diese Abschrift nennt als Zeitpunkt der Fertigstellung den 10.1.1358. Seine ›Legenda aurea‹-Übersetzung zeichnet sich, wie auch die anderen Übersetzungen aus seiner Feder, durch seine in persönlichem Ton verfassten Pro- und Epiloge aus. In ihnen bringt er zum Ausdruck, dass er »sich der außerordentlichen Bedeutung und Verantwortung, ja Gewagtheit seines Tuns bewusst war« (Williams-Krapp [2003] S. 9), die in der Umsetzung von Literatur aus dem Kanon der Gelehrtenwelt der litterati in die Volkssprache der simplices lag. Die bei Williams-Krapp (1986, S. 57–84) aufgeführte Überlieferung verdeutlicht, dass der Text weitgehend in mittelniederländischen Handschriften überliefert ist, doch auch bis in die angrenzenden Sprachräume Verbreitung gefunden hat. Zehn ripuarische, drei niederfränkische (teilweise mit ripuarischem Einschlag), eine niederdeutsche, eine westfälische und zwei moselfränkische Handschriften legen hiervon Zeugnis ab.

Nur wenige der Handschriften sind illustriert. Für zwei mittelniederländische (Sigle Ny1 und O1, im KdiH nicht berücksichtigt) und eine moselfränkische Handschrift (Sigle Pa1; Nr. 74.8.1.) verweist Williams-Krapp in seinen Kurzbeschreibungen auf Illustrationen. Hinzuzufügen ist, dass auch in Trier, Stadtbibliothek, Hs. 1185/487 4o; Nr. 74.8.2.) eine historisierte Initiale erhalten ist. Da auch die Pariser Handschrift (Nr. 74.8.1.) nur eine ganzseitige Illustration enthält, kann festgestellt werden, dass die ›Südmittelniederländische Legenda aurea‹ im Gegensatz zu den anderen ›Legenda aurea‹-Übersetzungen nur sehr selten illustriert wurde, was möglicherweise damit zusammenhängt,, dass der Text nördlich der Mosel praktisch nur im klösterlichen Bereich rezipiert wurde, ganz im Gegensatz zur ›Elsässischen Legenda aurea‹ und ›Der Heiligen Leben‹, deren Benutzer »gleichermaßen aus monastischen und Laien-Kreisen stammen« (Williams-Krapp [1986] S. 155) und deren Codices durchaus auch Repräsentationszwecken dienten. Die Überlieferung der ›Südmittelniederländischen Legenda aurea‹ nimmt ihre Entwicklung dagegen von den niederländischen Klöstern der Devotio moderna, wo das Abschreiben volkssprachlicher Texte zur Erbauung und Entwicklung des geistlichen Lebens eine große Rolle spielte. Repräsentationszwecke, die sich in der Illustrierung gezeigt hätten, waren hier weniger zu erfüllen.