KdiH

KdiH

_ (der Unterstrich) ist Platzhalter für genau ein Zeichen.
% (das Prozentzeichen) ist Platzhalter für kein, ein oder mehr als ein Zeichen.

Ganz am Anfang und ganz am Ende der Sucheingabe sind die Platzhalterzeichen überflüssig.

ß · © ª º « » × æ œ Ç ç č š Ł ł ́ ̀ ̃ ̈ ̄ ̊ ̇ ̋ ͣ ͤ ͥ ͦ ͧ ͮ Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ σ ς τ υ φ χ ψ ω ͅ ̕ ̔

27. Hugo Ripelin von Straßburg,
›Compendium theologicae veritatis‹, deutsch

Bearbeitet von Christine Stöllinger-Löser

KdiH-Band 4/1

Das ›Compendium theologicae veritatis‹ des Dominikaners Hugo Ripelin von Straßburg (gest. 1268) gehört in seiner lateinischen Originalfassung zu den sehr weit verbreiteten Texten der theologischen Literatur; Steer (1981) verzeichnet allein aus dem mittelalterlichen deutschen Sprachgebiet 469 lateinische Handschriften (Abschriften und [Teil-]bearbeitungen), dazu 174 Nachweise aus mittelalterlichen Bibliothekskatalogen und 59 Druckausgaben, von denen 22 dem Zeitraum von 1470/72 bis 1515 angehören. Die Gesamtzahl der Überlieferungszeugen liegt noch deutlich höher. Die Rezeption erstreckte sich auf alle Regionen und alle Orden.

Hugo, einer Straßburger Patrizierfamilie entstammend, gehörte zur ältesten Generation der Dominikaner in Deutschland. Nach seinem Eintritt ins Straßburger Kloster wirkte er lange Jahre als Prior oder Subprior im Zürcher Dominikanerkloster, danach als Prior wieder in seinem Heimatkloster. Seine Autorschaft teilt Hugo selbst im ›Compendium‹ nicht mit, sie wird aber durch die ›Colmarer Annalen‹ bezeugt. Zwei Drittel aller ›Compendium‹-Texte sind anonym überliefert, die übrigen nennen Hugo als Autor ( 51 Handschriften), oder das Werk wird berühmteren Namen untergeschoben, am häufigsten Thomas von Aquin (wohl begünstigt durch dessen gleichnamiges Werk; mehr als 100 Handschriften).

Das Werk, ein theologisches Lehrbuch primär für die praktische Verwendung durch Seelsorger und Prediger, ist verschiedenen franziskanischen und dominikanischen Vorlagen verpflichtet, in Bezug v. a. auf die Stoffeinteilung Bonaventuras ›Breviloquium‹, inhaltlich der Enzyklopädie ›De proprietatibus rerum‹ des Bartholomaeus Anglicus, ›De anima‹, ›De bono‹ und ›Summa de creaturis‹ des Albertus Magnus, der ›Summa theologica‹ Alexanders von Hales, Wilhelm von Auxerre u.a. – insgesamt theologischer Literatur, die vor 1260 entstand, noch vor der intellektuellen Prägung der Scholastik durch den Aristotelismus. Hugo bietet einen kurzen Abriß der Theologie, indem er de magnorum theologorum scriptis kompiliert, mit dem Ziel, nicht nur eine Summe des theologischen Grundwissens zu erstellen, sondern auch Weisheitslehre zu vermitteln. Er gliedert sein Werk nach dem Prolog in sieben Bücher: 1. Gottes- und Trinitätslehre (34 Kapitel); 2. Schöpfung, Mensch, Seele, Sündenfall (66 Kapitel); 3. Sündenlehre (24 Kapitel); 4. Christus/Inkarnationslehre (24 Kapitel); 5. Gnaden- und Tugendlehre (70 Kapitel); 6. Sakramentenlehre (37 Kapitel); 7. Eschatologie (30 Kapitel).

Neben einer französischen, einer italienischen und einer armenischen Übersetzung entstanden im Mittelalter sieben deutsche Übersetzungen sowie mehrere Teilbearbeitungen und deutsche Glossierungen des lateinischen Textes (Steer, in: 2VL [1983] Sp. 258–264 führt insgesamt 59 deutsche Handschriften auf; eine weitere wurde mittlerweile in Bautzen entdeckt). Wie die lateinischen Textzeugen wurden auch die deutschen Bearbeitungen primär für in der einfachen Seelsorge tätige Kleriker und für Ordensangehörige erstellt und gebraucht, in einigen Fällen auch im Auftrag adeliger Laien.

Außer in deutschen finden sich ornamentierte Initialen auch in lateinischen ›Compendium‹-Handschriften, wozu allerdings keine Untersuchungen vorliegen. Die beiden Textzeugen der französischen Version sind ebenfalls ornamentiert: Chantilly, Musé Condé Nr. 130, v. J. 1481, im Auftrag Antoines de Chourses entstanden, enthält eine prächtige Miniaturseite mit einer Darstellung der Trinität, umgeben von Engelchören (1r), außerdem mit Gold und Blau ausgelegte Initialen; die Handschrift Kynžvart (Tschechien), Schloßbibliothek, Nr. 11, ist mit gemalten Initialen zu Beginn jedes Kapitels geschmückt (vgl. Michler [1996] S. XV ff. u. Abb. 2).

Die fünf aufwendiger mit Bildschmuck ausgestatteten deutschen Handschriften enthalten Schmuckinitialen unterschiedlicher Ausführung und Zahl, zumeist aber acht, je zu Beginn des Prologs und der sieben Bücher des Werkes. Zum Teil handelt es sich nur um gezeichnete Fleuronné-Initialen bzw. um ornamentierte Deckfarbeninitialen, in einem Fall (Würzburg, M. ch. f. 690) aber auch um historisierte, mehrfarbige und mit Blattgold versehene große Schmuckinitialen, die sich auf die Thematik des jeweiligen Buches beziehen. Die Karlsruher Handschrift (Don. 120) weist weitere figürliche Darstellungen (Jesus; ganzseitiges Bild am Beginn) auf. Diese Illustrationen sind nicht voneinander abhängig und liegen auch im Stil weit auseinander. Die Handschriften, die drei verschiedenen Textversionen (A, B und AB) angehören, stammen zumeist aus süddeutschen Klöstern; eine entstand vermutlich in fürstlichem Auftrag.

Vier dieser Handschriften enthalten im wesentlichen nur den Text des deutschen ›Compendiums‹; nur eine (Karlsruhe, Don. 120, Nr. 27.0.3.) enthält als namhafte Mitüberlieferung die ›Donaueschinger Liederhandschrift‹ mit eigenen bildlichen Darstellungen/Initialen; vgl. Stoffgruppe 76. (Liederhandschriften).

Einige weitere Handschriften mit einer deutschen Version, die hier nicht ausführlich vorgestellt werden, enthalten marginalen Schmuck: Alba Julia (Rumänien; ehem. Karlsburg/Weißenburg), Biblioteca Nationala Romania, Filiala Batthyaneum, Ms. I–84 (datiert 1474), mit dem gezeichneten Wappen des Besitzers und wohl auch Auftraggebers, Ortolfs d. J. von Trenbach (Drachenkopf mit Stab im Maul, über dem Wappen Helmzier mit gekröntem Kopf und Federbusch) auf der Innenseite des Vorderdeckels, vgl. Steer (1981) S. 246–262, Abb. 10 u. 14. Einzelne einfach verzierte Initialen oder auch durchgängig farbig gezeichnete Zierbuchstaben enthalten ferner z. B. Bautzen, Domstiftsbibliothek, Ms. I 5 (erst seit kurzem bekannt; Hinweis von Georg Steer); Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Don. 239 (ca. 1470); München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5200 (3. Viertel 15. Jh.; einige Initialen sind zusätzlich mit Federzeichnungen geschmückt: Gesichter, teils bärtig 6v [Abb. bei Steer, 1981, S. 328], 167r u. 254v; eine stehende nackte Figur am Rand 134r ); München, Universitätsbibliothek, 2º Cod. ms. 70 (1470/71; lateinischer Text mit deutschen Interlinearglossen); Stuttgart, Württembergische Landesbibliothek, Cod. theol. et phil. 2º 248 (um 1460); Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. 4166 (v. J. 1414).

Editionen:

Lateinischer Text (unkritisch, nach Drucken des 15. Jahrhunderts): Sancti Bonaventurae Opera omnia VIII. Edita studio et cura A. C. Peltier. Parisiis 1866, S. 61–246 (= Nachdruck von Sancti Bonaventurae […] opusculorum tomus II, Lugduni MDCXIX, S. 710– 811; Beati Alberti Magni, Ratisbonensis episcopi, ordinis Praedicatorum, opera omnia […]. Cura et labore Steph. Caes. Aug. Borgnet. Parisiis MDCCCXCV, S. 1–366. – Französische Version: Christine Michler: Le Somme Abregiet de Theologie. Die altfranzösische Übersetzung des ›Compendium theologicae veritatis‹ Hugo Ripelins von Straßburg. Wiesbaden 1996 (Wissensliteratur im Mittelalter 25). – Deutscher Text: Nur Teilausgabe (Buch V, Prolog, Kapitel 1–3): Georg Steer: Scholastische Gnadenlehre in mittelhochdeutscher Sprache. München 1966 (MTU 14), S. 96–122 (vierspaltige synoptische Ausgabe eines lateinischen Textes und dreier deutscher Versionen).

Literatur zu den Illustrationen:

Georg Steer: Hugo Ripelin von Straßburg. Zur Rezeptions- und Wirkungsgeschichte des ›Compendium theologicae veritatis‹ im deutschen Spätmittelalter. Tübingen 1981 (Texte und Textgeschichte 2), S. 277–281, 284–286, 301–310, 333–336, 422–425.