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38.2.4. Wien, Kunsthistorisches Museum, Hofjagd- und Rüstkammer, KK 5013 (bisher P 5013)

Bearbeitet von Rainer Leng

KdiH-Band 4/2

Datierung:

Ca. 1430–1440 (um 1430 Hils [1985a] S. 119).

Lokalisierung:

Oberdeutsch.

Besitzgeschichte:

Auftraggeber und Erstbesitzer unbekannt, 1570 im Besitz des Freiherrn Karl Schurff zu Schönweer, Obersthofmarschall und Nachlaßverwalter Erzherzog Ferdinands auf Ambras (hinterer Innenndeckel 15 + 70 z. v. A. S. Carl Schurff zw Shenwertt), im Ambraser Verlassenschaftsinventar Ferdinands unter den Kriegs- und Fechtbüchern nicht eindeutig zu identifizieren (Boeheim [1888] S. CCLXXXIX), demnach wohl erst nach 1596 auf Schloß Ambras, beim Abtransport der Ambraser Handschriften nach Wien 1665 vom Ambraser Schloßhauptmann verheimlicht und deshalb erst 1806 vor den anrückenden französischen Truppen nach Wien verbracht, dort jedoch nicht in die Bibliothek, sondern in die Kunstsammlungen des Kaiserhauses gelangt.

Inhalt:
1r–56v Anonymus, ›Gladiatoria‹

1r ›Merkcht das ander stuckh des spyeß ob dw nw deinen spyes‹

1r–6r Kampf zu Fuß im vollen Harnisch mit Spieß, Tartsche, Schwert und Dolch unter Wiederaufnahme der weggeworfenen Waffen

6v–31r Kampf zu Fuß im vollen Harnisch mit den langen Schwertern, einschließlich Ringen

31v–53v Kampf zu Fuß im vollen Harnisch mit dem als degen bezeichneten Dolch

53v–56v Varianten über das Festhalten des Gegners und das Anbringen des tödlichen Dolchstoßes

I. Kodikologische Beschreibung:

Pergament, 56 Blätter (von moderner Hand mit Blei foliiert), 185 × 195 mm, Bastarda von zwei Händen, I: 1r–11v, 12r–27v, 29r–56v (große Nähe zur Hand in Gotha, Ms. Memb. II 109, siehe 38.2.1.), II: 11rv, 28rv (übereinstimmend mit Hand I in Kraków, Ms. Berol. germ. quart. 16, siehe 38.2.2.), einspaltig, drei bis acht Zeilen, keine Initialen oder Lombarden, nicht rubriziert.

Schreibsprache:

bairisch-österreichisch.

II. Bildausstattung:

106 kolorierte Federzeichnungen von 4 Zeichnern aus einer süddeutschen, evtl. Wiener Werkstatt (aus derselben Produktion Kraków, Ms. germ. quart. 16, siehe 38.2.2., Gotha, Ms. Memb. II 109, siehe 38.2.1.), Zeichner I: 1r–6v, 12r–17r, 19v–27v, 29r–31r, 46r–48v, 56v, II: 7r–10v, 17v–19r, III: 11rv, 28rv, 31v, 49rv, IV: 32r–45v, 53r–56r.

Format und Anordnung:

Sämtliche Zeichnungen in den beiden oberen Seitendritteln in einem 125–140 × 190 mm großen, durch waagerechte Tintenlinie abgeteilten Raum über den Beischriften mit unmittelbarem Bildbezug, 43v und 46rv kleine Bildüberschriften.

Bildaufbau und -ausführung, Bildthemen:

Statisch wirkende, aber die diversen im Text beschriebenen Stellungen gut verdeutlichende und wohlproportionierte Kämpferpaare, sämtliche auf Wiesengrund, präzise Zeichnung der Rüstung mit wehenden schalartigen, gezaddelten oder geschlitzten Waffenröcken mit reichem Faltenwurf, teils kräftige Kolorierung vor allem des Rasengrundes, teils zartere Kolorierung von Kleidung und Rüstung in Deckfarben und Lavierungen, nicht ganz konsequente Individualisierungsversuche durch charakteristische Harnisch- und Helmdetails; in sämtlichen Fechtszenen liegen Teile der zu Boden gefallenen Bewaffnung zwischen den Kämpfenden; Tartschen und Stechschilde reich verziert und mit Georgs-Kreuz versehen.

Bildthemen:

Gegenüber der eng verwandten Handschrift Kraków, Ms. Berol. germ. quart. 16 (38.2.2.) fehlen einige Abbildungen zum tödlichen Ausgang des Schwertfechtens, zum Kampf ohne Rüstung mit Stechschilden, Schwertern und Kolben und zum Fechten ohne Rüstung mit Schwert, Messer, Stäben, Buckler und schmalem (vngrischen) Schild, sowie die naturalistischen Verzierungen des Rasengrundes und die Helmbüsche der Gewappneten.

Farben:

Grün, Gelb, Indischgelb, Rosé, Blau, nur bei Zeichner III auch Malgold an Rüstungsdetails.

Literatur:

von Sacken (1855) S. 243; Primisser (1972) S. 285 f.; Thomas/Gamber (1976) S. 66; Hils (1985a) S. 119 f. (Nr. 46); Hils (1987) S. 1–10 (Handschrift für den Textabdruck S. 15–31 im Apparat herangezogen), Abb. Nr 2 (6r). Nr. 5 (9r). Nr. 8 (23r). Nr. 11 (24r). Nr. 14 (26v). Nr. 16 (31v). Nr. 17 (44r). Nr. 20 (32r). Nr. 23 (35v).

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Taf. IIb: 11v. Anonymus, ›Gladiatoria‹: Kampf mit dem Schwert nach dem Fallenlassen der Lanzen.

Abb. 13: 55v + 56r. Anonymus, ›Gladiatoria‹: Festhalten und Töten des Gegners mit dem Dolch.

Taf. IIb.
Abb. 13.