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KdiH

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29.4A.2. Heidelberg, Universitätsbibliothek, Cod. Pal. germ. 359

Bearbeitet von Norbert H. Ott

KdiH-Band 4/1

Datierung:

Zwischen 1416 und 1423.

Lokalisierung:

Straßburg (?), Umkreis der Elsässischen Werkstatt von 1418.

Besitzgeschichte:

Wegeners (1927) Zuweisung in den Besitz von Kurfürst Ludwig III. von der Pfalz (S. 112) nach Koppitz (1938) S. 128 u. Anm. 5 bloße Vermutung. Im Katalog der älteren Schloßbibliothek von 1556/59 (Cod. Pal. lat. 1937, 89v) aufgeführt als Der Rosengartt vnd Luͦcidariuͦs, von allen frembden Landen, Reÿmen weiß auͦf Papir geschrieben; 1581 im Inventar der Heiliggeistbibliothek verzeichnet. Allacci-Ranaldi-Signatur 1745 kopfstehend auf 90*v.

Inhalt:
1. 2r–65v ›Rosengarten zu Worms‹
2. 66ra–89ra ›Lucidarius‹
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 90 Blätter (1*–3*, 1–65, 65*–65******, 66–89, 90*, 91*), 1*–3*, 65*–65******, 90*, 91* leer, acht neue Vorsatzblätter, zwischen Blatt 9 und 10 bereits vor der Foliierung ein Blatt entfernt (fehlen V. 302–343); 272 × 215 mm, Bastarda, eine Hand (65v: […] hoc scribebat thoma vogel de valesia […], Kanton Wallis/Schweiz), Text 1 einspaltig, 18–23 Zeilen, Text 2 zweispaltig, 22–26 Zeilen, einige Cadellen; rote Strichelung der Anfangsbuchstaben, rote Bildbeischriften, rote Abschnittsüberschrift 3v, zweizeilige rote Lombarden.

Schreibsprache:

elsässisch.

II. Bildausstattung:

20 kolorierte Federzeichnungen zu Text 1 (1v, 7r, 14r, 18r, 22v, 24v, 26v, 29v, 32r, 34r, 35v, 36v, 39r, 40v, 42r, 43r, 46v, 49r, 57v, 61r), eine kolorierte Federzeichnung zu Text 2 (66r).

Zum Textbeginn 2r W-Lombarde von halber Schriftraumhöhe, Buchstabenkörper Zinnober und Deckweiß, Rahmung in schwarzer Feder.

Die Illustrationen beider Texte stammen von dem innerhalb der Malergruppe B der Elsässischen Werkstatt von 1418 isolierten Maler IV (Saurma-Jeltsch [2001]).

Format und Anordnung:

Ungerahmte, hintergrundlose, über den Schriftspiegel bis an die Blattränder reichende, z. T. seitlich beschnittene Zeichnungen, elf ganzseitig (1v, 18r, 22v, 24v, 26v, 35v, 40v, 42v, 46v, 49r, 61r), die übrigen querformatig von halber Blatthöhe (ca. 130–170 × 170–210 mm), meist am Fuß, 32r am Kopf der Seite. Rote Bildbeischriften (z. B. Also múnch ylsam vnd dr verge mit ein andr stritent 18r, Hie stritet sifrit vnd der berner 48v) meist über der Illustration, zu 32r, 42r, 49r und 61r unter der letzten Textzeile der vorausgehenden Verso-Seite; 1v ohne Titulus.

Bildaufbau und -ausführung:

Beschränkung auf das notwendige Handlungspersonal. Größere Personengruppen werden durch wenige Figuren wiedergegeben: Die zwölf Helden, die mit Kriemhild nach Worms einziehen, sind auf sechs reduziert (1v); Ute empfängt 14r nur fünf Recken; im Schlußbild 61r sind die Helden, die laut Bildbeischrift 60v jegliche[n] ein jungfroͮ kisset, durch ein küssendes Paar vertreten. Die Protagonisten agieren vor dem leeren Papiergrund auf einem unten von einer geraden schwarzen Linie begrenzten, flachen olivgrünen Bodenstück mit Andeutung von Grasbüscheln aus schwarzen Pinsellinien. Der Rosengarten als Handlungsort ist durch eine horizontal hinter die Figuren gelegte Blattranke aus olivgrünen Pinsellinien angedeutet, aus der rosa und blau kolorierte Blümchen in schwarzer Feder wachsen. Kräftige, mit dem Pinsel angelegte, durchgezogene schwarze Pinsellinien umreißen die Figuren. Haare, Gesichter und die sparsame Andeutung von Parallelfalten in schwarzer Feder. Modellierung der schlanken, meist bewegten Figuren durch verlaufende Farbflächen und freigelassenen Malgrund. Runde Köpfe mit hakenförmigen Augen, geraden Nasen, kurzer Oberlid- und Brauenlinie und einem kurzen Strich für den Mund, auf den wie auf die Wangen ein roter Farbtupfer gesetzt ist. Sowohl bei der Kleidung und den Kopfbedeckungen als auch bei der Körperhaltung legt der Illustrator Wert auf abwechslungsreiche Details: Das weibliche Personal trägt lange, am Boden aufstoßende Gewänder mit verschiedenartigen Kragen- und Ärmelformen, die Herren oft in Zaddeln endende, kurze Röcke und verschiedene Arten von Hüten, die kämpfenden Recken vielfach blätterförmige, rund oder spitz zulaufende Überwürfe über ihren Rüstungen. Abwechslung herrscht auch bei den Rüstungen und vor allem den Helmformen, denen stets eine überdimensionierte Helmzier aufgesetzt ist, oft in beziehungsreicher Heraldik: Volker z. B. mit einer Fiedel als Zimier ( 39r), Siegfried mit Drachenhaupt (49r). Könige werden immer durch eine Krone auf dem Helm gekennzeichnet. Die ikonographisch eher stereotypen Zweikämpfe sind durch die bewegten, stets unterschiedlichen, zuweilen sogar etwas manirierten Körperhaltungen der Recken und verschiedenartige Kampfformen höchst variationsreich gestaltet. Dem im Kampf Unterlegenen tropft Blut aus zahlreichen Wunden; Dietrich speit bei seiner Begegnung mit Siegfried 49r Feuer aus dem Mund. Darstellung von Architektur nur auf 1v.

Bildthemen:

Einzug der Recken nach Worms 1v als Titelminiatur zum Gesamtwerk; bis auf die der Handlung im Rosengarten vorausgehenden Begegnungs-, Begrüßungs- und Ausritt-Szenen – und der Illustration 24v, auf der Kriemhild in Begleitung zweier Damen Rüdiger den Vogelgesang hören läßt, sowie der Belohnung der Helden auf dem Schlußbild 61r – ausschließlich Zweikämpfe zu Fuß, meist mit dem Schwert, 32r auch mit Kolben. Nur die Begegnung zwischen Sigstapp und Reinholt 26v als Lanzenkampf zu Pferd.

Farben:

Warme Farbpalette aus deckendem, stumpfem Olivgrün, deckendem Zinnober, laviertem, leicht bräunlichem Karmin und Rosa, Blaugrau und Ocker laviert, hellem Blau laviert und deckend, ins Bräunliche changierendem Schwarz in Pinsel und Feder.

Literatur:

Bartsch (1887) S. 107; Miller/Zimmermann (2007) S. 233–235. – Kautzsch (1896) S. 293; Wegener (1927) S. 20 f.; Jerchel (1932) S. 46 f.; Stange 4 (1951) S. 52; Beckmann/Schroth (1960) S. 11, Abb. 16 (24v); Jänecke (1964) S. 102 u. Anm. 514; Stammler (1967) Sp. 842; Frühmorgen-Voss (1975c) S. 12; Buchkunst (1972) S. 14; Koppitz (1980) S. 35 u. Anm. 3; Stamm (1981) S. 211. 218 f. 292. 309 Anm. 44. 333 Anm. 18 u. 23; Ott (1984) S. 372; Ott (1987a) S. 250, Abb. 2 (22v); Mittler/Werner (1986) S. 77 u. Abb. S. 76 (57v); Ott (1995) S. 72 u. Anm. 81; Ott (1997a) S. 43 f. 50 u. Anm. 21; Händl (1999) S. 91 Anm. 13; Heinzle (1999) S. 170; Saurma-Jeltsch (2001) 1 S. 11. 33. 36. 43. 55 f. 93, 1 S. 66 f., Abb. 38 (14r). 39 (2v); Ott (2002) S. 161 u. Anm. 37; Walter Kofler (Hrsg.): Die Heldenbuch-Inkunabel von 1479. Alle Exemplare und Fragmente in 350 Abbildungen. Göppingen 2003 (Litterae 121), S. 19.

Taf. IV: 26v. ›Rosengarten zu Worms‹: Zweikampf zu Pferde zwischen den Rittern Sigstapp und Reinholt in Harnisch mit Helmzier.

Abb. 28: 61r. ›Rosengarten zu Worms‹: Kriemhild und eine andere Jungfrau belohnen zwei Turniersieger mit Kranz und Kuß.

Taf. IV.
Abb. 28.