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24.0.5. Basel, Kunstmuseum, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. 2008.24 (ehem. Schweinfurt, Bibliothek Otto Schäfer, Ms. OS 50)

Bearbeitet von Ulrike Bodemann

KdiH-Band 3

In KdiH Bd. 3 noch unter dem alten Besitzstand Schweinfurt, Bibliothek Otto Schäfer.

Datierung:

Um 1450 (Wasserzeichen).

Lokalisierung:

Oberrhein.

Besitzgeschichte:

Ende 15./Anfang 16. Jahrhundert durch ein weibliches Mitglied der (in Fribourg ansässigen) Familie Kloss (Klaus) den »Weißen Schwestern« (Zisterzienserinnen) vermacht; vgl. 130r Diss buͦch ist klossnin gesin vnd het es den dien wissen schwestren gen, darüber der Eintrag In loco pasque collokafit und die Jahreszahl 1568. Spätestens seit 1583 im Besitz des Peter Spreng, Bildhauer in Fribourg (Familieneintragungen der Jahre 1583–1607 128r–129v). 1923 über Jacques Rosenthal, München, an Arnold Mettler-Specker, St. Gallen, gelangt (Exlibris von Arnold Mettler-Specker mit handschriftlichen Erwerbsnotizen im Vorderdeckel), von dessen Sohn Arnold Mettler-Bener wieder dem Kunsthandel übergeben, seit 1955 im Besitz Otto Schäfers.

Inhalt:
1. 2ra–104vb Bruder Philipp, ›Marienleben‹, Prosaauflösung
nicht ›Die Neue Ee‹
2. 105ra–114ra ›Christus und die sieben Laden‹
3. 115ra–116vb Legende des Paulus Eremita von Theben
4. 117ra–122rb Leben des Abraham von Chiduna

Vitaspatrum-Fassung

5. 122va–128ra Leben der Maria, Nichte Abrahams
Vitaspatrum-Fassung
6. 128rb Gebet
I. Kodikologische Beschreibung:

Papier, 130 Blätter (von ehemals 131: Blatt 6 fehlt; die zwei neuzeitlichen Foliierungen auf den Recto-Seiten oben und unten rechts spiegeln nicht die tatsächlichen Verhältnisse wider; unsere Zählung folgt der – nicht in der Handschrift vermerkten – Zählung von Arnims [1984]), Bastarda, ein Schreiber, 289 ×206 mm, zweispaltig, 32–34 Zeilen, 128rb von einer Nachtragshand des 16. Jahrhunderts, rote Initien, Überschriften, Strichel, Eingangsinitialen über fünf bis sieben Zeilen und Kapitellombarden über zwei bis vier Zeilen, mehrheitlich in Rot, gelegentlich in Grün mit rotem Fleuronnée, z. T. einfach ornamentiert. (Beigebunden als Sonderdruck aus dem Anzeiger für schweizerische Altertumskunde 1929, S. 157–160, der Beitrag von R. Frauenfelder: Biographisches von Peter Spreng.)

Schreibsprache:

niederalemannisch.

II. Bildausstattung:

25 kolorierte Federzeichnungen, für eine weitere ein freigebliebener Bildraum; davon 15 zu Text 1 (6r–104r), acht zu Text 2 (105v, 106v, 107v, 108v, 109v, 110v, 111v, 112v), ein Bildfreiraum zu Text 3 (115r), eine Federzeichnung zu Text 4 (117r) und eine zu Text 5 (122v). Eine Hand.

Format und Anordnung:

(Text 2): Ungefähr halbseitig im Querrechteckformat, die Schriftspiegelbreite erheblich überschreitend, Einfassungen durch eine doppelte Linie (ca. 119–154 × 170–192 mm). Stets auf einer Verso-Seite, vor Beginn der den Ladenöffnungen gewidmeten Kapitel plaziert, bis auf das erste und das vorletzte Bild (105v und 111v mit Textvorschub) die gesamte obere Schriftspiegelhälfte einnehmend.

Bildaufbau und -ausführung:

(Text 2): Die einander gegenüberstehenden Figuren nehmen die volle Bildhöhe ein, scheinen den Bildraum gelegentlich zu sprengen, indem sie die Einfassungen überschreiten. Konturen in sicheren, geraden, dabei locker gezeichneten Linien, differenzierte Binnenzeichnung mit Modellierung durch parallele oder kreuzweise Schraffen sowie Häkchen für Schattenflächen, dazu durch Pinsellavierung entlang der meist kantigen Kontur- und Faltenlinien. Zeichnung wie Lavierung verraten eine geschulte Hand; besonders ausdrucksstarke Zeichnung der Gestensprache.

Von den Illustrationen zu Text 1 abweichend sind die Bodenstücke flächig koloriert und Grasbüschel mit der Feder gezeichnet, zudem ist der Himmel als Hintergrund durch waagerechte Strichel mit trockenem blauem Pinsel, die sich am oberen Bildrand zu einem blauen Streifen verdichten, angegeben.

Bildthemen:

(Text 2): Dem Eingangsbild (Christus mit dem Leiterwagen voller Laden begegnet dem Einsiedler) folgen Darstellungen der sieben Ladenöffnungen. Die Laden als große beschlagene Holztruhen; der Einsiedler immer links, in Kutte mit Handstock und mit Kapuze, deren Zipfel lang den Rücken hinunterhängt, Christus immer rechts, argumentierend einander gegenüberstehend. Der Einsiedler ohne die im Text genannten Handlungsattribute (Erdscholle u. a.). In der sechsten Lade (111v Spiegel mit Anblick Gottes) Dreiviertelbildnis Christi als Schmerzensmann, die kaiserliche Majestät der siebten Lade (112v) ist in der Halbfigur eines Kaisers mit Krone, Zepter, Apfel und Brief dargestellt.

Farben:

Bestimmend sind Gelb, Ocker, Grün, daneben in dünnerem Auftrag Blau, Rosa, selten Violett, Braun und Grau.

Literatur:

von Arnim (1984) S. 700–706, Abb. S. 702 (9v). 704 (108v). – Schmidt (1964) S. 447, Nr. 28; Heinrich Kohlhausen: Der Doppelkopf. Seine Bedeutung für das Deutsche Brauchtum des 13. bis 17. Jahrhunderts. Zeitschrift für Kunstwissenschaft 14 (1960) S. 24–26, hier Abb. 19 (109v); Rapp (1998) S. 74f. – Photographien der Illustrationen befinden sich in der Zentralbibliothek Zürich (Ms. Car. C 28a).

Anmerkungen:

Zu Text 1 siehe Stoffgruppe 85. Mariendichtung, zu Text 3, 4 und 5 Stoffgruppe 51. Heiligenleben.

Weitere Materialien im Internet:

Handschriftencensus

Abb. 57: 111v. Christus und Einsiedler an der sechsten Lade, darin Spiegel mit Bild des Schmerzensmannes.

Abb. 57.